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Ausgabe:

1921

Spalte:

153

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Diez, Ernst

Titel/Untertitel:

Alt-Konstantinopel 1921

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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Seite 1

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I5J Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 13/14 15^

Alt-Konftantinopel. 110 photogr. Aufnahmen der Stadt
u. ihrer Bau- u. Kunft-Denkmäler m. alten Anflehten
u. Plänen fowie einer gefchichtl. Einleitg. v.Dr Ernft Diez,
einer Stadt- u. Kulturbefchreibg. u. kunftgefch. Erläuterungen
, v. Dr. Heinrich Glück. (24 S. Text) Lex. 8°.
München, Roland-Verl. 1920. M. 8—; geb. 12 —
Allerlei Unzulänglichkeiten ftören den Genuß diefes

an lieh wertvollen, von zwei durch andere rein wiffenfehaft-

liche Arbeiten bereits wohlbekannten Strzygowski-Schü-

lern zufammengeftellten Konftantinopel-Albums und beeinträchtigen
das günftige Urteil, das man fonll ohne Wenn

und Aber über es ausfprechen könnte. Gleich der Umfchlag-

titel kündigt ,rund 150 Photos' an, während der innere

Titel von nur 110 photographifchen Aufnahmen fpricht.

In Wirklichkeit enthält das Heft an Bildern ein großes

Panorama der Stadt als Titeltafel, eine aus Meyers Reifehandbuch
übernommene Kartenfkizze mit Angabe der

aus dem Mittelalter noch vorhandenen Bauwerke, 3 alte

Holzfchnitte (1. Kpel. aus Schedels Weltchronik 1493,

2. Melchior Lorchs Holzfchnitt der Suleimanie 1559 [nicht

erft 1619 entftandenl], 3. Giov. Andrea Vavafiore, Plan

Kpels, um 1520) und, als eigentlichen Buchinhalt, 34 Tafeln

mit 112, nach photographifchen Aufnahmen hergeftellten

Wiedergaben von Anflehten und Denkmälern der Stadt

und ihrer nächften Umgebung. Eine allgemeine ,hiftorifche

Einleitung' von Diez (S. 3—8) und ein fpezielles, mit

den genannten 3 alten Holzfchnitten illuftriertes ,Stadt- und

Kulturbild' von Glück (9—15) geht den Tafeln voran, und

kunftgefchichtliche Erläuterungen (S. 17—24) folgen ihnen.

Daß der einleitende Text Strzygowskifchen Geift verrät

und zuweilen Mutzen läßt, mag nicht beanftandet werden;

man kann im ganzen ihn durchaus angemeffen und an

diefer populär-wiffenfehaftlichen Stelle vortrefflich finden.
Schade nur, daß ein paar Flüchtigkeiten dem Text anhaften, die leicht

hätten vermieden werden können. (S. 7 erfcheint Konftantins Mutter

als feine Gemahlin; S. 19 ift unter .Sofienkirche zu Abb. 26—32 Abb. 68

zu ergänzen; S. 22 konnte unter Achmedie noch auf das, oben nicht gezählte,

Umfchlagbild verwiefen werden; ib. muß es bei Jeni Dfchami Abb. 60

it. 58 heißen und die Befchriftung der entfprechenden Abbildung anders

lauten; S. 24 ift unter Grüne Mofchee Abb. 106 zu (treichen, u. a.).

Was die Bilder felbft betrifft, fo ift zu beklagen, daß die wundervollen

photographifchen Aufnahmen, die ihnen zugrunde liegen, im bräunlichen

Ton des Abdruckes etwas flau erfcheinen und zu wenig plaftifch herauskommen
. Unerträglich dünn ift die Antiqua der Unterfchriften. Kommen

die eben gerügten Mißftände auf das Konto des Verlages, fo die weiteren

Beanftandungen wiederum auf das der Herausgeber. Zunächft follten

die Bilder beffer geordnet fein; es ift nicht einzufehen, warum die

zufammengehörigen vielfach zerftreut find und die Aufeinanderfolge

nicht ftrenger die fachliche Reihe der Erläuterungen einhält (Tiiumph-

fäulen, Bewäfferungsanlagen, Kirchen uff.); fo beziehen fich beifpiels- Hennebergifchen Archiv in Meiningen. (77 S.)

weife auf die Suleimanie die Bilder 1, 2, 5, 52, 53, 55 und 62. Am Lex18°. Meiningen, Brückner & Renner in Komm. 1919.

als das in der Einleitung S. 13—27 gefchieht; es mußte
die Euchariftielehre der Väter, namentlich Auguftins, kurz
gewürdigt und die Bedeutung der Abendmahlsftreitig-
keiten im 9. und im 11. Jahrhundert und der Dogmatifierung
des Begriffes ,transfubftantiatio' (1215) gewertet werden.
Statt deffen wird nur (S. 23 ff.) gefagt, daß die Wurzeln
der euchariftifchen Lehre Bonaventuras auf Auguftin
zurückgehen, der namentlich durch den ,alter Auguftinus',
Hugo von St. Viktor, auf ihn gewirkt habe, und daß neben
diefem Alexander von Haies den größten Einfluß auf ihn
ausgeübt habe — .Bonaventura folgt ihm meiftens Gedanke
für Gedanke, nicht feiten Wort für Wort' —, ohne daß
der Verfuch gemacht würde, auch die Linie der Grundgedanken
zu ziehen. Im übrigen werden in der Abhandlung
— es ift eine Münchner theologifche Doktor-
differtation — die Anfchauungen Bonaventuras über
Abendmahl und Meßopfer unter den für die Scholaftik
bezeichnenden Hauptgefichtspunkten gefammelt und dar-
geftellt und dabei das Verhältnis zu andern Scholaftikern
angemerkt. Bonaventura hat bei aller Realiftik doch in
foweit einen Reff: von Spiritualismus gewahrt, daß er bei
Gefahr einer Verunehrung der euchariftifchen Speife, wenn
z. B. eine Maus darüber kommt, die fakramentale Gegenwart
Chrifti aufhören läßt (S. 96 ff.). Wenn der Verf
dazu bemerkt, daß diefe Anfchauung zweifellos gegen
die dogmatifche Folgerichtigkeit verftoße, fo mag er damit
an fleh Recht haben. Diefe Folgerichtigkeit' zeigt
aber nur, welche Verirrung in einer folchen dogmatifchen
Entwicklung und Spekulation liegt, welch ungeheures ,
Mißverftändnis der Gedanken Jefu im Katholizismus zutage
tritt. In der Anficht Bonaventuras, daß man bei einer
Meffe oder einer Speifung mit guter Vorbereitung einen
größeren Erfolg habe als bei vielen ohne forgfame Vorbereitung
, findet der Verf. (S. 135) ,die Wirkkraft des
Sakramentes aus fleh felbft keineswegs genügend gewertet
'. Auch hier zeigt fich die antireformatorifche
Steigerung des ,opus operatum' in der nachtridentinifchen
katholifchen Theologie.

München. Hugo Koch.

Neue Beiträge z. Gefchichte dich. Altertums hrsg. v. d. Henne-
bergifchen altertumsforfch. Verein in Meiningen. 29.
Lfg.: Pufch, Herrn.: Das Meininger Franzis-
kanerklofter. Mit e. Urkundenbuch. — Derfch,
Wilh.: Kleine Mitteilungen a. d. gemeinfchaftl.

empfindlichften vermißt man die Mitteilung jeglichen Grundrifles zu den
Hauptbaudenkmalern; fie find unentbehrlich und konnten leicht (aus
Gurlitt u. a.) befchafft und, in weitgehendfter Verkleinerung, leicht
gebracht werden; in einer Veröffentlichung, die in gewiffem Umfange
auch als wiffenfehaftliches Handwerkszeug benutzt werden will, durften
fie nicht fehlen.

Aber trotz allem müffen wir den beiden Herausgebern
für die nützliche und handliche Zufammenftellung
der Kpel-Bilder dankbar fein und wünfehen, daß bald
eine Neuausgabe erfcheinen kann, die dann zugleich eine
im Sinne der obigen Ausftellungen verbefferte wird.
Berlin. Georg Stuhlfauth.

Kattum, Dr. theol. Franz Xaver: Die Eucharistielehre des

heiligen Bonaventura. (196 S.) gr.8°. München-Freifing,

Dr. F. P. Datterer & Cie. 1920. M. 18 —

Bonaventura ift kein befonderer doctor eucharisticus,
und ob feine Euchariftielehre eine eigene Behandlung verdiente
, erfcheint mehr als zweifelhaft. Sagt doch der

Verf. felber in der Einleitung S. 15: .Seine ganze Euchariftie- j an Graf Wilhelm IV von Henneberg am 7. Aug. 1507
lehre ift nur das Echo traditioneller Lehrmeinungen; kaum j gerichtet und bittet um das Gefchenk eines ihm für feine
in einer Fra°*e wagt er felbftändige Kritik und weg- j Rechtsgutachten verfprochenen Pferdes. Ein 3. Brief des

Die fchon mehrfach behandelte Gefchichte des Meininger
Franziskanerklofters wird auf Grund bisher unbenutzter
Urkunden aus dem Hennebergifchen Archiv,
dem Stadtarchiv von Neuftadt a. d. S. und dem bifchöf-
lichen Archiv in Würzburg durch H. Pufch in dem vorliegenden
Heft von neuem ausführlich und gründlich
behandelt. Die Gefchichte des 1239 gegründeten Klofters,
das mit Einführung der Reformation 1543 einging, hat
aber nur lokalgefchichtliches Intereffe. Dagegen find die
aus dem Hennebergifchen Archiv von W. Derfch herausgegebenen
Briefe von größerer Bedeutung für die der
Reformationszeit vorangehende Zeit und das Reformationszeitalter
felbft. Es find ein Brief Dr. Adam Wernhers
von Themar an den Kanzler Jacob Genslin, vom 9. Juli
1504 aus Heidelberg gefchrieben, der uns über den pfälzifch-
bayerifchen Erbfolgekrieg ein intereffantes Bild gibt. Ein
2. Brief flammt von dem berühmten Kanoniften Henning
Goede, den Luther in Erfurt gehört haben foll. Er il

bahnende Originalität. Und wo in fpekulativen Fragen
die Tradition verfagt, unterläßt er lieber die Meinungsäußerung
.' Wenn aber doch eine eigene Schrift daran
gerückt wird, fo mußte ein anderer Grund gelegt werden.

Mainzer Chorherrn Kilian Wefthufens an denfelben Grafen
von 1514 fchildert feine Wallfahrtsreife bis nach Spanien
und Portugal. Endlich find 2 Briefe Johannes, des Ad-
miniftrators von Fulda, an feinen Vater Wilhelm IV vom

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