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Ausgabe:

1921 Nr. 1

Spalte:

148-149

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sulzbach, A.

Titel/Untertitel:

Targum Scheni zum Buch Esther übersetzt und mit Anmerkungen versehen 1921

Rezensent:

Strack, Hermann L.

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Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 13/14

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von Elephantine fingulär daftehe, ift unrichtig. Es gibt
Denkmäler heidnifchen Urfprungs aus derfelben Zeit, die
genau denfelben Schriftduktus aufweifen.

Das Vertrauen des Lefers zum Autor wird auch durch die Art,
wie er VerfafTernamen und Büchertitel enlftellt, erfchüttert. Man lieft:
Klattenbufch, Haucke, Talglicht, Zettenftreeu; Syfteme de les langues
semit. Der Fernerftehende ahnt nicht, daß Partfch auf S. 21 identisch
ift mit Piertfch auf S. 99 und 'daß der Autor in Wirklichkeit Pertfch
hieß. Schön ift auch: Nikolaus Müller, Die jüdifchen Katakomben aus
Monteverde.

Aber trotz der Mängel des Buches bietet es viel interef-
fantes Material über die Beziehungen zwifchen Religion
und Schrift, nur rate ich, bei der Verwertung alles nachzuprüfen
.

Göttingen. M. Lidzbarski.

Grützmacher, Prof. D. R. H.: Konfuzius- Buddha Zarathustra

Muhammed. 2., vermehrt? Aufl. (92 S. u. 1 Bildnis.) kl. 8°. Leipzig,
A. Deichert 1921. M. 7.50; geb. M. 10 —

Der 2., vermehrten Aufl. der kleinen (in Jahrg. 1919, Sp. 121 f.
vom Ref. gewürdigten) Schrift hat auch die beffemde Hand nicht Ausführungen über Kanon und Tradition erinnern deutfehe

der Vergewaltigung der Exegefe durch das Dogma ift
das vorletzte Kapitel gewidmet, das letzte klingt aus in
eine warmempfundene Darlegung des Gewinnes, den uns
das moderne Verftändnis der Propheten gebracht hat.

Das Buch, das ein reiches Material verarbeitet und
manche gute Beobachtung bringt, ift offenbar auf einen
weiteren Leferkreis berechnet, dem an genauen Quellenangaben
nichts liegt: es werden viele ausführliche Zitate
aus Juftin, Irenäus, Tertullian, Luther, Calvin in guter
englifcher Übertragung geboten, aber ohne Angabe der
Fundftelle. Dabei fchöpft der Verf. hier fichtlich aus
erfter Hand, während er für andere Teile dies nicht tut,
fondern teilweife ältere Literatur benutzt. Für die vor-
chriftliche Gefchichte der Allegorie follte man auf
Hans Vollmer, Vom Lefen und Deuten heiliger Schriften
(Religionsgefch. Volksbücher 3. Reihe 9. Heft, 1907) und
auf j. Geftkens Art. Allegory in Hartings Encyclopaedia
of Religion and Ethics I 327—331, 1908 verweifen; die

ganz gefehlt. Den Sperrdmckfatz s. 16 z. B. wird man ganz gewiß in Refer an H. J. Holtzmanns bekanntes Werk (1859); über

feiner geänderten Faflung richtiger finden. Ein paar anfechtbare Klei- | Aufkornrnen und Auflöfung des KanOllsbegrifls hat Ref.
nigkeiten find flehen geblieben. So die Theorie von einer Einwan- 1 7 . ^ ,, _, , ° , , ,, => ,.T , , 2.

im Amer. Journ. ot lheol. 1915 gehandelt. Welche Bedeutung
.Weisfagung und Erfüllung' (J. Chr. K. Hofmann
1841/44) durch die Erlanger Schule im 19. Jahrhundert
in weiten Kreifen hatte, welche Abwandlung der Weis-
fagungsbeweis unter dem Einfluß der hiftorifchen Auslegung
gefunden hat und finden muß, das find Themata,
die noch einmal zu bearbeiten wären.

Halle. von Dobfchütz.

derung der ,hundert Familien', die dabei eine anderorts fchon erworbene
Kultur nach China eingebracht haben follen; S. 18 das Tfcheu,
ftatt Tfchou; S. 10 die ftiliftifche Unebenheit: Zurückgekehrt . . .,
wurde . . fein Lebensideal Wirklichkeit. Vermehrt ift die 2. Aufl.
nicht nur durch kleine Einfchiebungen und Literaturnachträge, fondern
wefentlich durch Darbietung des Lebens- und Charakterbildes eines
vierten großen Afiaten , in dem ein Lebensideal der Menfchheit Verkörperung
gefunden. An der Schilderung Muhammeds, der dem Verf.
ein echter Prophet ift, ift fchlechterdings nichts zu bemäkeln. Uber
die durchgängige Falfchfchreibung des Namens Goldzihers wird auch
deffen Träger fich zu tröften wiflen. Das beigegebene Muhammedbildnis
Gerh. v. Kügelgens wird dem Betrachter bekunden, daß der Kunftler
jedenfalls um die muslimifchen Profopographien des Propheten fich den
Deut gekümmert. Aber der Wafchzettel des Verlags hat Recht — es
gibt dem feinfinnigen Buche einen ftimmungsvollen Schmuck. Was

Sulzbach, Prof.Dr.A., Targum Scheni zum Buch Elther überfetzt
und mit Anmerkungen verfehen. (II, 119 5.) gr. 8°
Frankfurt a. M., J. Kauffmann 1920.

fetzte Preis. 10 Mark für ein Pappbändchen von 92 S. ift entfehieden
zu viel.

Leipzig TL Haas

der Stimmung hinwieder Eintrag tun wird, ift der vom Verlage ange- I M. 12— -J- 4°° 0 V.-T.-Z.

Das Buch Efther hat bei den Juden ftets großer Beliebtheit
fich erfreut; befonders in Zeiten der Verfolgungen
hat es ihnen durch Erinnerung an eine Errettung aus
großer Not Standhaftigkeit erhalten. Daher find zu ihm
fogar zwei Targume verfaßt worden. Der zweite von diefen
hat durch lange Einfchiebungen (Thron Salomos, Nebu-
kadnezar ufw.) den Charakter eines Midrafch erhalten.
Er ift mehrfach überfetzt worden (F. Tayler London 1655,
D. Ottenfoffer Sulzbach 1820, R. Fürftenthal Krotofchin
1840, Paulus Caffel Berlin 1878 als Anhang zum Kommentar
zum Buche E.); aber keine diefer Überfetzungen ift
leicht zugänglich. Daher hat Prof. A. Sulzbach (Verfaffer
von .Dichterklänge aus Spaniens belferen Tagen' 1903;
Bilder aus der jüdifchen Vergangenheit 1914) eine neue
Überfetz.ung verfaßt. Dies Buch könne gerade ,in unfrer
troftlofen Zeit Vertrauen in eine beffere Zukunft' geben.
,Ihr, die ihr den durch Verleumder gegen euch auf-
gepeitfehten Haß der Feinde fchwer zu tragen habt, lernt

Fullerton, Prof. Kemper, M. A.: Prophecy and Authority.

A Study in the History of the Doctrine and Interpretation
of Scripture. (XX, 213 S.) 8°. New York,
The Macmillan Company 1919. $ 1.50

Der Altteftamentler der theologifchen F"akultät zu

Oberlin (Ohio) Prof. Fullerton, ein in Deutfchland gefchulter

Theologe, gibt hier einen wertvollen Beitrag zur Gefchichte

der Schriftauslegung: fein praktifches Ziel ift zu zeigen,

wie wenig Wert heutigentags dem Weisfagungsbeweis zukommt
, daß die heute wieder in weiten Kreifen beliebte

Ausdeutung der Prophetie als Vorherfagung jetziger oder

künftiger Ereigniffe in chiliaftifchem Sinn von ganz irrigen

Vcrausfetzungen ausgeht. So legt er erft die Entftehung

des Weisfagungsbeweifes im Urchriftentum, in der Aus-

einanderfetzung mit den Juden, als Altersbeweis in der T"T " ""^ 7l7™ C173Z7777lTl

d,„„_____, a„~ vjÄa 1 c4.-4. c a at v°n den Juden, denen auch durch Verleumdung der

Propaganda unter den Heiden, als Stutze für das A. 1. . ,' « jj vxr.i* _ c k-;,T»t,„„rä» __

;™ b-T. c „,:<- ht : j r- r a ■ • a u ■ 1 Martyrergang durch die Welt aufgebürdet wurde, wie man

Itt ^Ü^^^Tl, i*» ™ L«ide aufrecht bleibt und nicht tufammen-

e-aben von L. Münk (Berlin 1876) und Paulus Caflel
?ohritt ruht il? Z f™Gb»b™ =? <"« Dunkelheit der (A B , . und G<rfipjcht Berlin 1885) benutzt, aber

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licne Sakramente) eingereiht wird. Dann fpnngt er über i t?»i;v PrcTtanfic An<-h a . •. T i> ■

»5 ^l^i^L^ItS aU„"f- V »: •%>. - S-. .6,3 fcheinel, ihn, „„.

zuweifen, die nur an der Gebundenheit an die apoftolifche
Schrifterklärung ihre Schwierigkeit findet, was in nach-
reformatorifcher Zeit zu einem Wiederaufleben der mittel-
alterlich-patriftifchen Methode führt. Der Infpirationslehre
der altproteftantifchen Dogmatiker, ihrer verhängnisvollen
Anwendung des Grundfatzes ,scriptura scripturae interpres'
auf die Auslegung der Weisfagung durch die Erfüllung,

bekannt geblieben zu fein.

S. 21 ftatt .Menfchen des Erdkreifes' lies .Söhne Machols' i Kg. 5
II. Dafelbft 1. .Gazellen' ft. .Böcke'. .Reiche' ift Lefefehler für
.bereit'. S. 24 1. zweimal .Stier' ttmr ft. ,Löwe'. S. 30 1. .Lagerftatt'",
nicht .Klaue'. S. 46 Ende L .Tochter des Bruders des Vaters des M.',
S. 52. L .Plejaden' rV3ia ft. ,Orion'. S. 98 fehlt die Überfctzung von
9, 15. — S. 28 L ,Kitor' ft. ,Kito.' — Zu S. 112 (Genealogie Hamans.j
und S. 117 (Ben Pandera) vgl. meine Schrift Jefus, die Häretiker ufw,
Leipzig 1910, §§ 14. 16; die nach Haman übliche Verfluchung des Königs