Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1921 Nr. 1

Spalte:

130

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Doergens, Heinrich

Titel/Untertitel:

Eusebius von Cäsarea als Darsteller der phönizischen Religion 1921

Rezensent:

Staerk, Willy

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

129

Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 11/12.

130

ander durchfetzt haben' erklären ließe, worauf V. S. 148
verweift.

In diefer Auffaflunj* der Dinge mit V., wenn ich ihn recht verliehe
, wefentlich einig, habe ich feinerzcit eine Reihe von Texten des
afrikanifchen Typus nach derfolben Methode unteriucht (Das lat. NT
in Afrika zur Zeit Cyprians 1909) und verliehe daher die durch V s
Arbeit zerftreuten Invektiven gegen mich nicht. ,Inkonzinnitäten find
als folche einfach anzuerkennen; Primarius teilt keinen Texttyp mit,
wie ihn H. v. S. leider für das afrikanifche NT hergerichtet hat, ohne
zu fehen, daß er dabei zuweilen halbe Seiten mit Vulg-text abdruckt,
londern was fein Bibelexemplar ihm bot', fchreibt V. z. B. S. 21. Ich
habe aber keinen Text hergerichtet, fondern eine Reihe von einander
nahe verwandten überlieferten Texten der Uberficht halber fo vorgelegt,
daß einer abgedruckt und die Varianten der anderen darunter gefetzt
wurden; das ift keine Rezenfion mit einem Apparat ausgefchiedener
Lesarten, wenn es auch im Druckfatz fo ähnlich ausfieht, fondirn eine
Zufammenftellung, die einerfeits Raum, andererfeits und vor allem dem
Benutzer die Mühe fparen follte, erft felbft immer wieder Übereinftimmung
und Abweichungen durch Vergleichung zu ermitteln. ,Ich habe nicht
hergellellt, was fich in den vorftehenden Einzelunterfuchungen von Fad
zu Fall als primär erwiefen hat, da auf diefem Wege eine vollkommen
imaginäre Textgröße, eine auch als konftruierter Typus völlig ungefchicht-
liche Kompilation zuftande gekommen wäre. Es gibt kein Normalexemplar
des Urtypus des afrikanifchen Textes. Seine Einheitlichkeit
liegt im Charakter, nicht in der Filiation. Seine Zeugen find alfo zu-
fammenzuftellen, nicht zu rezenfieren'. So habe ich S. 365 ausdrücklich
erklärt, vgl. auch S. 355f. V., der mir trotzdem fchon Bibl. Zeit-
fchrift 1914, 2510* das utopifche Unternehmen einer rezenfierten Textausgabe
des afrikanifchen NT zufchob, wurde von mir über das Mißverständnis
brieflich aufgeklärt, und ich kann mein Befremden nicht
verhehlen, daß er es (in der befprochenen Studie und ebenfo in der
Vorrede zu feinem NT Graece S. VII) dennoch wiederholt, um daran
billige Kritik gegen mich zu knüpfen. Ich habe auch wirklich ,gefehen',
daß der Palatinus, um ihn handelt es fich nämlich, ein fehr verwarchener
Vertreter des afrikanifchen Textes ift; denn eben diefem Nachweis ift
ein großer Teil meiner Unterfuchungen gewidmet, und S. 221 und fonft
ift es aufs klarfte ausgefprochen (,halbe Seiten Vulgata' ift natürlich
übertrieben)! Auch daß afrikanifche Lesarten z. T. in anderen, fog.
europäifchen Codices an Stellen erhalten find, wo fie in e verdrängt
wurden, habe ich mehrfach bemerkt (S. 43, 221 u. ö.) uud zu einer
Textanalyfe des an folchen befonders reichen Cod. Colbertinus (c), auf
den V. NT gr. a. a. O. verweift, einen meiner akademifchen Hörer angeregt
, der im Felde gefallen ift. Alfo fo ahnungslos, wie V. mich
leinen Lefern hinftellt, bin ich wirklich nicht. Wenn V. mich S. 93
fcharf anläßt, daß ich beim Vergleich zwifchen Primafius und h ,das
Ältere in der Mehrheit der Fälle von h vertreten' fche, während ,man
das nicht wiffen follte, ehe die Unterfuchung der Gefchichte der lateini-
fchen Apc. Überfetzung (durch V.) erft eingefetzt hat', fo brauche ich
mein szt ja auch auf Unterfuchungen gegründetes Urteil nicht zu bereuen
, nachdem V. S. 96 auch feinerfeits eingehend bewiefen hat, daß
,die Vulgata in Primafius allerdings fchon tiefer eingedrungen ift als
in h', und S. 107 u. ö. die der Vulgata näher flehenden Texte eben o
mit dem Ausdruck .jünger' bezeichnet wie ich. Unerfindlich ift, wiefo
die fpärliche Notierung des Primafius im Apparat der Textausgabe
meines Vaters (für die ich fo wenig wie für die dort geübte Verwendung
der Siglen af und it verantwortlich bin und die ich hier nicht erörtern
kann) ,eine Nachwirkung der Art fein foll, in der fich Hans v. Soden
mit Primafius abgefunden hat' (S. 30). Was follen derartige, der Sache
nicht dienliche Seitenhiebe gegen einen Mitforfcher, mit dem V. melho-
difch wefentlich an einem Strange zieht? Auch die gegen andere Textkritiker
gerichtete Anmerkung S. 40 fähe ich gern anders ftilifiert, Life
S. 83 anftatt .keine Ahnung' lieber einen Ausdruck wie etwa .keine
zutreffende oder ausreichende Vorftellung' und dergleichen mehr. Denn
ich meine, daß fo vortreffliehe Arbeiten von fo unanfechtbarer Selb-
ftändigkeit der Kenntnis und des Urteils, wie fie uns V. in fchöner
Fruchtbarkeit eines vorbildlichen Fleißes befchert, völlig darauf verzichten
dürfen, fich durch Herabfetzung anderer zu empfehlen. Die
Korrektur von Fehlern, wie fie bei derartigen Arbeiten uns allen (s. 0.1
unterlaufen, und für deren Aufzeigung in den meinigen ich V. nur
Dank weiß, bedingen eine folche nicht.

V. druckt feine Texte hintereinander ab; das ift für
die Benutzung leider fehr unbequem. Wenn er fie mit
Recht nicht in Kollationen zufammenarbeiten wollte —
das wäre bei ihrer großen Verfchiedenheit gewiß fehr
unüberfichtlich geworden — fo hätte er fie in Streifen
drucken follen, damit man das Textmaterial für eine
Stelle auf einer Seite beieinander hat und es vergleichen
kann, während man nun genötigt ift, für jeden Vers, an
welchem man arbeitet, die nicht weniger als 23 Texte
durchzugehen und, um weitere Varianten aufzufuchen,
die vorher gefundenen zu verfchlagen. Mindeftens die
5 Tyconiustexte hätten zufammengedruckt werden follen,
wiewohl es durchaus zu billigen ift, daß V. auch bei ihnen
angefichts der Unvollftändigkeit der bisher publizierten
handfehriftlichen Grundlagen auf eine recenfio verzichtet

hat. Vielleicht liefert er fie uns (päter, wenn Handfchriften-
forfchungen im Ausland wieder möglich find. Zu bedauern
ift auch — im eigenen Intereffe von V.s Arbeit
—, daß er im Textdruck nicht Seitenverweife auf die
Unterfuchungen eingefügt hat; doch kann man mit Hilfe
der Regifter griechifcher und lateinifcher Wörter (S.235 bis
247) die behandelten Varianten auffinden. Ich zweifle
nicht, daß V.s Unterfuchungen zur Gefchichte der lateini-
fchen Apc. Überfetzung eines der wertvollften Handbücher
aller weiteren Italaforfchung fein werden

Breslau. h. v. Soden.

Doergens, Pfr. Dr. H.: Eufebius v. Caefarca als Darfteller der pböniz.

Religion. Eine Studie zur Gefchichte d. Apologetik. (Forfchgn.

z. chriftl. Lit.- u. Dogmengefchichte, XII. Bd.) (XI, 103 S.) gr. 8°!

Paderborn, F. Schöningh' 1915. M. 3.60

Das leitende Intereffe der forglältig aus den Quellen gearbeiteten
Ünterfuchungwird durch den Untertitel gekennzeichnet. Vf. will die Bedeutung
des Eufebius für die chriftliche Apologetik gegenüber der philofo-
phifchen Repii.lination der Religion im ausgehenden antiken Heidentum
herausftellen. Diefes Thema führt er an Hand der von Eufebius in der
PraeparatioEvangelica gefällten Urteile über die fyrifch-phönizilche Religion
durch. Die Hauptteile der Darfteilung, Kap. 4 und 5 (Grundlagen der
Eufebianifcheu Kritik der phönizifchen Religion und Wert dieler Kritik
im Rahmen der Praeparatio) find unterbaut durch wertvolle Unterfuchungen
über das Beweisma'erial des Eufebius (Kap. 2) und die
literarifche Art der Quellen und ihre Behandlung (Kap. 3). Ein
Schlußab chnitt verfolgt die Nachwirkung der Eufebianifchen reHgions-
gefchichtlichen Darfteilung bei Theodoret, Athanafius, Hieronymus und
Auguftin.

Jena. y. Staerk.

Sancti Ambrosii opera. Pars sexta: Explanatio psalmorum
XII recensuit M. Petschenig. (Corpus scriptorum ec-
clesiasticorum latinorum, vol. LXIV, pars VI) (V, 474 S.)
gr. 8°. Wien, F. Tempsky 1919. M. 70 —

Der neuefte Band der Wiener Ambrosius-Ausgabe
ift die vollkommenfte Fortfetzung des fünften, 1913 er-
fchienenen. Nur am Papier fpürt man die andere Zeit. Allen
Pflichten eines Herausgebers, in der Textkonftitution wie
in der Geftaltung der Apparate und in der Zuverläffig-
keit der Regifter ift Petfchenig gerecht geworden, in den
Prolegomena war nichts Schwieriges zu erörtern.

Erhebliche Verbefferungen gegenüber feinen Vorgängern
bringt er in vollftandiger und zutreffender Auf-
weifung der Bibelzitate an; (elten fehlt da auch etwas wie
S. 71,6 Hbr. 1,1, S.95,8 Gal. 4,9, S. 112,10 Act. 7,58, S. 391,
Ii Sap. 2, 12 (cp 14). Einige Male hätte ftatt der alttefta-
menthehen Grundftelle die neuteftamentliche Verwendungs-
ftelle genannt werden follen, weil Ambr. deren Text gibt,
fo S. 128, 21 Mtth 15, 8 ftatt Es. 29, 13 oder S. 143, 28; zu S.
241,3 ift Efai. 40,9 für 58,1 zu fetzen. Als Beifpiele guter
Emendationen feien 369,18 scilicet für licet und 378,16
öxojtÖc, ft. xtXoq genannt, 22, 14 wird das taetrae der
Hdfchr B jedermann dem bisherigen terrae vorziehen. 381, 21
bietet Petfchenig keinen erträglicheren Text als die Alten;
anfeheinend ift etwas ausgefallen. Für das ganz verdrehte
reo öoXro avrcöv eilöyovy der bisherigen Ausgaben Hellt
P.' aus den Codices ovvtöoxti 387,6 her: aber warum nicht
das allein richtige ovvevöox (ovi> oder rjoav), wo Ambr.
doch fofort erklärt; hoc est placuit illisf

Ob nach diefer neuen Ausgabe die altteftamentliche
Textkritik endlich die Beiträge zur Hexapla, die Ambrosius
in feinen Pfalmenkommentaren liefert, verwerten
wird? Bei Field ift noch keine Spur davon, und doch handelt
es fich nicht nur um Beftätigung alter Aquila-, Sym-
machus und Theodotion-Lesarten, fondern um neue, die
ein Sachkundiger mit Sicherheit aus dem Latein des Ori-
genes-Abschreibers rekonftruieren kann, z. B. 235, 28 (27) als
« Text xQaß(ß)axov xaXaixcoQiac, in ^40,4 und für a ebenda
xXlvrjv xaXatjta>Qia!;,l 19,24füra 1(143,22 evöoi 9-avazovfieV-a
gegen LXX: %vtxa Oov. 319, 11 bezeugt Ambr. für a
inveniet ista, Nobil: s£,tQtvvr)o£i. Ein Herausgeber wie
S. Brandt hätte diefe Früchte gleich im Apparat abgeerntet
; Petfchenig ift fo großmütig, den Lefer nicht einmal
darauf aufmerkfam zu machen, was es da zu ernten gibt.
Marburg. Ad. Jülich er.

#*