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Ausgabe:

1921

Spalte:

103-105

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baehrens, W. A. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Origenes Werke. VI. Bd.: Homilien zum Hexateuch in Rufins Übersetzung. 1. Teil: Die Homilien zu Genesis, Exodus und Leviticus 1921

Rezensent:

Koetschau, Paul

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103 Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 9/10. 104

ihr Recht vor allen klarzuftellen, denen die Bibel die
maßgebende Autorität ift. Dies gefchieht in der obigen,
auf einen weiteren Leferkreis berechneten Schrift, die
ihren germanifchen, aber auch ihren chriftlichen Charakter
dadurch bewährt, daß fie in voller Hingabe an den Stoff
ohne Seitenblicke auf Zeitfragen und Kriegsprobleme dem
Lefer die biblifche Wahrheit vorhält. Die Einheit des
Menfchengefchlechts, der vom Abrahamsfamen ausgehende
Segen, der allen Völkern offenftehende Weg zu dem in
Jerufalem verehrten Gott (I Kön. 8,43), die Völkerherr-
fchaft des Königs der Zukunft, die Völkerpredigt des
Gottesknechts und fein den Vielen zu gute kommendes
Leiden, find im Alten Teftamente die wichtigften vom
Verf. geltend gemachten Momente (S. 5—86). Im Neuen
Teftamente weift in diefelbe Richtung trotz der Begrenzung
von Jefu Wirkfamkeit auf die Juden die übernationale
Art feiner Verkündigung vom Vater, der durch das Verhalten
der Juden gefchichtlich gewordene Gang des
Evangeliums zu den Völkern und die von Paulus klar
erkannte Bedeutung des Todes Jefu für die gefamte
Menfchheit. Der Miffionsbefehl Jefu mit feinem Univer-
falismus fteht mit dem allgemeinen Heilsbedürfnis und
der allgemeinen Bedeutung der Leiftung Jefu in einem
unauflöslichen Zufammenhang. Jeder Menfch, der für
feine Schuldfrage und feine Freiheitsfrage in Chriftus die
Löfung gefunden hat, wird nicht anders können als diefe
Löfung den Mitmenichen zu bringen, denen fie fehlt.
Diefe innere Nötigung kommt der biblifchen Vorfchrift
entgegen und bildet die treibende Kraft bei ihrer Verwirklichung
. Diefe allgemeinen Grundzüge werden überall
Anerkennung finden. Über ihre exegetifche und gefchicht-
liche Herleitung im einzelnen mit dem verehrten Verfaffer
zu rechten, ift hier nicht der Ort.

Greifswald. Dal man.

Ori(jenes Werke. Sechfter Band: Homilien zum Hexa-
teuch in Rufins Überfettung. Hrsg. von Prof. D.W.
A. Baehrens. Erfter Teil: Die Homilien zu Genefis,
Exodus u. Leviticus. (Die griech. chriftl. Schriftfteller
der erften drei Jahrhdte., hrsg. von der Kirchenväter-
Comm. der Preuß. Akad. d. Wiff. Bd. 29). (XXXVII,
507 S.) Lex. 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1920.

M. 31.25; geb. 47.25
Die Überlieferung und Textgefchichte der lateinifch
erhaltenen Origeneshomilien zum AT. hatte W. A. Baehrens
1916 in den TU. 42, l (vgl. ThLZ. 1917 Sp. 239!.) eingehend
behandelt. Trotz aller Schwierigkeiten ift nun
der I. Teil der fo vortrefflich vorbereiteten neuen Ausgabe
diefer Homilien fchon 4 Jahre fpäter erfchienen, noch
ebenfogut ausgeftattet, wie die früheren Bände; nur ift
S. 480 im Apparat die letzte Zeile a. A. abgefprungen.
Rufin hat das griechifche Original zwar nicht wörtlich,
aber doch finngemäß wiedergegeben und den Bibeltext
des Origenes recht genau und ohne Änderungen überfetzt
, vgl. TU. 42, 1 S. VI, womit die Unterfuchungen des
Ref. zu De princ. übereinftimmen. Wir können alfo hier
den Verluft des Originals verfchmerzen, umfomehr als der
Archetypus aller erhaltenen Hss nach den Feftftellungen
des Herausgebers (Einl. S. XX ff.) dem Original Rufins
zeitlich fehr nahe fteht.

Die Über ein ftimmung der verfchiedenen Hss-Klaffen
ergibt nun einen einheitlichen und guten Text, der fich
ohne wefentlichen Anftoß lefen und verftehen läßt. Das
Verfahren des Herausgebers, nur eine Auswahl der hs.
Varianten im Apparat zu bieten (Einl. S. XXXIII), ift zu
billigen, da eine vollftändige Angabe zwecklos gewefen
wäre. Man könnte vielleicht hier noch weiter gehen und
offenbare hs. Fehler auch dann ftreichen, wenn' fie in
mehreren Hss.-Klaffen überliefert find. Ließe man z. B.
die willkürlichen Korrekturen von E und die zahlreichen
Umftellungen von D beifeite, fo würde der Apparat viel
kleiner werden. Delarues Ausgabe (und ihr Abdruck von
Lommatzfch Bd. VIII. IX) enthält, da fie vor allem der

E-Klaffe folgt, zahlreiche Fehler. Auf einer Seite der Ausgabe
von Lommatzfch habe ich durchfchnittlich etwa 5
wefentliche Abweichungen von dem Text der neuen Ausgabe
gefunden. Es handelt fich meiftens um Wortftellung,
Tempora und Modi, andere Cafus und Verbalformen und
um Zufätze der Glättung des Ausdrucks wegen. Baehrens
hat diefen Firniß fpäterer Jahrhunderte befeitigt und Rufins
echte Ausdrücke wiederherzuftellen gefucht. Da aber
fchon der gemeinfame Archetypus aller Hss F"ehler enthalten
hat (Einl. S. XXf.), fo bleibt für die Textkritik noch
Arbeit übrig.

Z. B. würde man S. 26, 1 nach dem griechifchen Text ydjpq zq
1 ävojznzoj eher loco celfiore (DF, oder excelfiore A, vgl. S. 36, 23) erwarten
. S. 215, 12 fcheint mir fit quidem panis (vgl. S. 286, 7. 301,
4- 9f- 3(5. 26 ufw.) richtig zu fein; S. 393, 6 fleht Ja quidem — vero
auch im Text = /dv — St, obwohl quidem in B fehlt. S. 226, 12 fchreibe
ich nach S. 240, 14. 248, 11. 298, 9. 355, 25 u. a. St. in alio loco und
danach S. 387, 3 mit A tertio in loco. S. 334, 17 fcheint mir paulo
ante (vgl. S. 332, 7 ff.) beffer bezeugt als in praetenti. S. 368, 2 ff. nehme
ich eher eine Lücke an und fchreibe: pauci autem funt qui . . . . peri-
donei (fint) et qui . . . deproinant, denn das erfte qui wird durch das
zweite genutzt. S. 383, 4 finde ich keinen Grund, et zu tilgen. S. 440, 23
halte ich dicere (A) für beffer als docere. S. 471, 24 doch wohl propitia-
tionem. S. 485, 3L vermute ich: nec aliquo iupplicio poenave diluitur,
tranfit cum ipfo etiam poft mortem (denn eft ift doch kaum bezeugt).
S. 211, 20 ift die Lesart von Del.-Lomm. fehr befleckend, fodaß man
eine Lücke im Archetypus annehmen und fchreiben könnte: ideo nos,
qui tale manna fuscepimus, (felices fumus, quia) femper nobis manna
datur de coelo; illi infelices . . . S. 163,14 fteht bei Lomm. IX 24: os,
quod [apcrit Deus, et intelligere os, quodj aperit diabolus, während die
eingeklammerten Worte, die wegen des folgenden discernere am Platze
find, in der neuen Ausgabe fehlen. Sind denn diefe Worte nicht bs.
bezeugt?

Die für Anordnung der wenigen griechifchen Parallelen
beftehende Schwierigkeit ift nicht ganz überwunden.
Beffer wäre wohl die Anfügung eines fortlaufenden griechifchen
Textes an den lateinifchen gewefen, während die
fonftigen griechifchen Parallelen aus Catenen (mit Cat,
nicht mit C abzukürzen, da C eine Hss-Klaffe bezeichnet)
unter dem Text in den Teftimonien abzudrucken waren.
Jedenfalls gehört eine Angabe wie S. 217, 22f. in die Teftimonien
und nicht in den Text. In den griechifchen Stücken
ftören die überflüffigen großen Anfangsbuchftaben.
S. 332, 25f. beginnt der griechifche Paralleltext noch nicht,
iondern erft S. 333, 5.

Die Schriftftellen find im allgemeinen mit lobenswerter
Sorgfalt und Vollftändigkeit verzeichnet.

Ich gebe einige Nachträge. S. 30, 5 vgl. II Kor. 3, 14—10; 42, 5
vgl. Gal. 1, 16; 68. 7 vgl. Gen. 20, 6; 76, 30f. vgl. Matth. 20, 33 und 32t'.
vgl. II Kor. 3, 16; 77, 16 vgl. Matth. (3, 44; 84, 19 fehlt: vgl. S. 81, 6;
86, 4 vgl. Act. 17, 25; 110, 13 und 118, 17 fehlt: vgl. Gen. 26, 19, was
S. 112, 22 notiert ift; 114 Ted. 24 ift unklar; 153, 10 konnte für Exod.
1, 9 auf S. 150, i6f. 151, 23—25. 152,5 verwiefen werden; 207 Ted.
Z. 2 v. u. 1. Rufin ftatt Origenes; 247, 27f. wäre ein Vergleich von Orig.,
Werke IV 14, 6 nützlich gewefen; 277, 3, ebenfo 316, 12. 344, 10, waren
Seite und Zeile anzugeben; 292, 4 vgl. (nach S. 289, 8) Lev. 2, 14; 294,
10 war doch wohl, wie S. 284,25, Kol. 1,20 zu vgl.; 324,26 fehlt:
I Kor. 2, 2; 337, 1 vgl. zu ex Ilde eius geniti: Rom. 3, 26; 353, 26 war
zu bemerken: vgl. oben in Lev. hom. II 1. 3; 369 Teft. 26f. ftimmt
>hom. 9, 3< nicht; 375, 2f. fehlt: vgl. Matth. 26, 29; 391 Teft. 3 war zu
fchreiben: (Lomm. S. 139, 8); 436, 27 fehlt: vgl. oben S. 419, 20; 438, 2
fehlt: vgl. oben S. 418, 9ff.; 465, 16 fehlt: vgl. oben S. 463, 20; 469 find
21 ff und 23 umzuftellen; 475, 14t. fehlt das Citat Prov. 23, 2; 476, 25
fehlt: Jac. 4, 7, auch ift 27 in 26 zu korrigieren; 480, 14 zu haereticus
et perverfus vgl. Tit. 3, iof.; 507, n fehlt: vgl. Matth. 11, 30.

Wer felbft Origenestexte herausgegeben hat, weiß,
wie fchwer dort oft wörtliche und nichtwörtliche Citate
zu unterfcheiden find. Man muß hier aber konfequent
fein; dasfelbe Citat darf nicht, wie S. 372, 25 und 374,7
gefchehen ift, verfchieden behandelt werden. Wo dicit,
ait, inquit u. dgl. ein wörtliches Citat kennzeichnen, müffen
doppelte Anführungsftriche flehen; umgekehrt find einfache
Zeichen, und unten >vgl.< zu fetzen, wo das Citat
nicht wörtlich, oder in die Konftruktion einbezogen ift.
Diefe Regeln find in der neuen Ausgabe nicht immer beachtet
worden; es wird fich dafür empfehlen, im Stellen-
regifter die Unterfcheidung von wörtlichen und nichtwörtlichen
Citaten genau durchzuführen. Ferner wäre an
noch zahlreicheren Stellen ein Vergleich der bei Origenes
griechifch erhaltenen Schriftftellen erwünfcht gewefen.