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Ausgabe:

1921

Spalte:

99-100

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Volz, Paul

Titel/Untertitel:

Studien zum Text des Jeremia 1921

Rezensent:

Nowack, Wilhelm

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99

Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 9/10.

100

Cafel, Odo: De philofophorum graecorum (ilentio myltico.

(Religionsgefch. Verfuche u. Vorarbeiten, XVI. Bd.
2. Heft) (166 S.) gr. 8°. Gießen, A. Töpelmann 1919.

M. 18 —

Der Hiftoriker der Philofophie wird immer dankbar
fein, wenn ihm von feiten der Philologie in fo vortrefflicher
Weife Hilfe geleiftet wird wie es in der vorliegenden
Arbeit gefchieht, die im Jahre 1918 von der Bonner philo-
fophifchen Fakultät mit einem Preife ausgezeichnet ift.
Mit größtem Fleiße hat fich der Verf. einer mühfeligen
und zeitraubenden Sammlung der Stellen unterzogen, die
zur Aufhellung des Vorkommens, der Bedeutung und der
Motive des Begriffs vom myftifchen Schweigen bei den
griechifchen Philofophen dienen können. Von feinem Ursprung
in den eleufinifchen Myfterien verfolgt er ihn durch
die Zeit der griechifchen und helleniftifchen Philofophie
und macht auch auf die mannigfaltigen Wandlungen auf-
merkfam, die er auf feinem Wege erleidet, bis er fchließlich
in Jamblich wieder zu feinem Ausgang, dem Myfterien-
wefen, zurückkehrt. Kann ich mich auch nicht in allen
Einzelheiten mit dem Verf. einverftanden erklären — insbesondere
habe ich Bedenken gegen feine in der Hauptfache
auf den doch immerhin recht zweifelhaften 2. Brief
geftützte Auffaffung Piatos — fo ift das Ganze doch eine
fo gediegene Leiftung, daß man mit Intereffe feiner Fort-
fetzung, die demfelben Begriff auf chriftlichem Boden nachgehen
Poll, entgegenfehen darf.

Königsberg/Pr. Goedeckemeyer.

Volz, Prof. D. Paul: Studien zum Text des Jeremia. (Sächs
Forfchgs.-Inftitut f. Rel.-Gefch. i. Leipzig, ifrael.-jüd. Abt.
Heft 4 (XXVI, 346 S.) gr. 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1920.

M. 20 —

Diefe Textftudien find die Ergänzung zu dem druckfertigen
Kommentar von V. Der auf die Feftftellung des
Textes bezügliche Stoff wuchs in folchem Umfang, daß
fich die Notwendigkeit herausftellte, diefe Studien gemildert
herauszugeben. Sie verfolgen nicht den Zweck, durch
Vergleichung der HSS. und verss. der abfohlten Form
des Urtextes nachzufpüren, fondern befaffen fich nur mit
den offenkundig unficheren Stellen und wollen nur dem
fachlichen Verftändnis des Textes dienen. Es ift eine
berechtigte Klage, daß unfere altteftamentliche Textkritik
noch zu fehr den Charakter des Zufälligen, der bloßen
Conjectur hat. Demgegenüber fordert V. die Heranziehung
des gefamten Variantenmaterials, wie es fich durch
Vergleichung der M Mss., M Edd. und der Verss. ergibt,
nur fo können wir einer wirklichen Textkritik genügen
und der Geftalt des Urtextes näher kommen. Es gilt
auch nicht bloß die Hauptüberfetzungen, fpeziell die LXX
mit ihren Haupthandfchriften heranzuziehen, öfter zeigt
auch eine Minuskel, eine Randnote, ein Zitat oder eine
hebräifche Variante den Weg, auf dem geholfen werden
kann. In der Einleitung legt V. einige von den textkri-
tifchen Ergebniffen, die fich ihm bei feiner Arbeit ergeben
haben, zur Nachprüfung vor. Betreffs der hebräifchen
Handfchriften weift er auf gewiffe Gewohnheiten, aus
denen Fehlerquellen wurden, ebenfo auf gewiffe Regeln
zur Abhilfe von Verderbniffen. Seine Arbeit hat V. zu
der Erkenntnis geführt, die ich für durchaus zutreffend
halte, daß beim Gefchick des hebräifchen Textes mehr
Syftem und weniger Willkür waltete, als man gewöhnlich
annimmt. Man wird nicht bloß mit den Fehlern und
Verfäumniffen flüchtiger Abfchreiber rechnen dürfen, fondern
auch mit der amtlichen Arbeit der Synagoge. Bei
letzterer hat man zwei hauptfächliche Prozeffe zu unter-
fcheiden, 1. die amtliche Überarbeitung durch Vergleich
der HSS., Randbemerkungen und erklärende Randnoten
fowie durch Beifchreiben von Parallelen, 2. in fpäterer
Zeit die Einfügung der Randnoten und interlinearen Noten
in den Text, um nichts von dem koftbarem Material früherer
Arbeit verloren gehen zu laffen. Im zweiten Ab-
fchnitt behandelt Volz die griechifchen Verfionen. Auch

Volz betont, daß cod. Vat. kein Anrecht hat auf die ihm
zugeteilte einzigartige Stellung; befonders betont er den
textkritifchen Wert der Lucianifchen Rezenfion. Unter
den übrigen Überfetzungen hebt er die hervorragende
Bedeutung der fyrifchen Bibel heraus.

Es bedarf keiner ausführlichen Darlegung, daß die
Arbeit von Volz für das Studium des Jer. unentbehrlich
ift. Wer die Sorgfamkeit der Arbeit kennen gelernt, die
Fülle anregender Bemerkungen, das ruhig abwägende
Urteil, das uns überall entgegentritt, beobachtet hat, wird
den Wunfeh nicht unterdrücken können, daß fich Mittel
und Wege finden mögen, damit der druckfertig vorliegende
Kommentar weiteren Kreifen zugänglich werde.
Gerade über das Buch Jeremia ift das Urteil noch recht
wenig geklärt. Der Weg dazu ift nur der durch Volz
[ befchrittene. Diefe freudige Anerkennung der Arbeit von
j Volz fchließt natürlich nicht aus, daß der Ref. zu nicht
wenig Stellen Fragezeichen machen muß, ich weife nur
auf 2,9 10 16 20 b. 21 30 u. a., aber das wird keinen Sachkundigen
verwundern, bei aller Akribie der Arbeit, bei
allem Streben nach Objektivität wird gerade auf diefem
Gebiet der Textkritik die Subjektivität ihr Recht behalten.
Der Druck ift korrekt, nur S. 10 Z. 18 v. o. ift mir T"D2>tt
aufgefallen.

Leipzig. W. Nowack.

Schoff, Wilfred H.: The ship Jyre'. (156 S. m. vielen Abb.)
New York, Longmans, Green and Comp. 1920.
Der Sekretär des Handelsmufeums in Philadelphia,
der fich durch gründliche Unterfuchungen über den Periplus
des erythräifchen Meeres, den Periplus des Hanno ufw.
verdient gemacht hat, hat nun auch eine ,Studie über den
Handel der Bibel' veröffentlicht und meint, darin das
Schiff,Tyrus' als ,ein Symbol des Schickfals von Eroberern,
wie es von Jesaja, Hefekiel und Johannes geweisfagt und
an Ninive, Babylon und Rom verwirklicht worden ift',
erweifen zu können.

Nach feinem Vorwort hat er über das Schiff ,Tyrus', das er fchon
in lies. 27,3b erwähnt findet, fich diefes Urteil gebildet: ,Die Ladung
des Schiffes befteht aus den Materialien des Tempels und des Königs-
palaftes von Jerufalem, die nach Babylon mit einem gefangenen Volk
und feinem geblendeten König von Soldaten des Königs Nebukad-
nezar transportiert worden find. Das Schiff felbft ift ein Symbol Babylons
i als des Speicherplatzes der geraubten Schätze'. Welche auffallende neue
Auslegung! Für ihre Gültigkeit ift es nicht von entfeheidender Wichtigkeit
, ob in 27,3b der urtprüngliche Text lautete: JEin Schirl bin ich',
wovon das hebräifche A. T. und auch alle alten f'berietzungen nichts
wiffen, was vielmehr erft von Wellhaufen vermutet worden ift. Denn von
i V. 4 an, womit der Prophet jene monologifche Äußerung der Stadt
Tyrus beftätigend aufnimmt, wird diefe doch unter dem Bilde eines
Schiffes befchrieben. Aber woher das Recht, bei dem Klagelied über
Tyrus an eine Drobweiffagung gegen Babylon zu denken? Auf Tyrus
bezieht fich ja 26,—2819. Auch ift angegeben, weshalb der Prophet
fich drohend und wehklagend mit Tyrus befchäftigt, nämlich weil es
überjerufalems babylonifche Eroberung Schadenfreude geäußert hat (26,2).
Wie fehr der Ausdruck ,Tyrus' wirklich die Stadt diefes Namens meint,
zeigt fich daran, daß 28,20 ff. Sidon bedroht wird, und wenn umgedeutet
werden dürfte, worauf deutet man dann .Ägypten' (29—32)? Nein, in
dem vorliegenden Buche liegt eine extreme Verwifchung der Grenzen
zwifchen eigentlich und allegorifch gemeinten Texten des A. T. vor,
vor der in meiner Hermenentik 1916, 118 ff. fo eindringlich gewarnt
worden ift.

Allerdings verliert das Buch deshalb nicht ganz feinen
Wert, denn wo es fich um die Deutung der realen Dinge
handelt, die in bezug auf den Handelsverkehr im A.T.
erwähnt find, ift der Verf. ein ganz eingeweihter Kenner.
In bezug darauf bildet fein Buch eine wertvolle Fundgrube
.

Bonn. Ed. König.

Allgeier, Priv.-Doz. Dr Arthur: Der König und die Königin des 44.
(45.) Pfalme8 im Lichte des N. Teil, und der altchriftlichen Aus -
legung. Ein Beitrag zur Begriffsgefchichte der Sponfa Chrifti.
(Aus: ,Der Katholik'.) (29 S.) gr. 8°. Mainz (1917).
A,1 gelehrter Auffatz geht von kritifchen Bemerkungen Reitzen-
fteins über die biblifchen Quellen des Hochzeitsliedes in den Thomasakten
(Hell. Wundergefch. to6ff.) aus u. fucht gegenüber der religions-
gefchichtlichen Erklärung aus helleniftifchen Hochzeitsbräuchen und
heidnifcher Seelenmyftik zu dem allerdings Näcbftliegenden, nämlich