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Ausgabe:

1921

Spalte:

89

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rolfes, Eugen (Übers.)

Titel/Untertitel:

Aristoteles Perihermenias oder Lehre vom Satz (des Organon 2. Teil) 1921

Rezensent:

Goedeckemeyer, Albert

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 7/8.

90

daLS diefem erften Bande nun der zweite gefolgt ift in j
einer Zeit, in der wegen der bekannten Hemmniffe die i
Herausgabe fo mancher Sammelwerke, wie gerade der j
Werke Zwingiis, veranftaltet von Egli, Finsler und Köhler,
auf der doch gerade die Farner'fche Überfetzung ruht,
ftockte. Gemeffen an Band VIII der neuen Ausgabe j
•zugleich Band II des nun von W.Köhler herausgegebenen
Briefwechfels Zwingli's, der die Briefe von 1523 — 1526 umfaßt
), fehlt in der Überfetzung bei Farner nur Nr. 367 a,
427 und 535, nämlich ein Brief Zwingli's an Franz Kolb,
ferner ein Brief Zwingli's an Pellikan und eine Zeugen-
dispofition Zwingli's. Die Anmerkungen zu diefen Briefen
im Briefwechfel begründen diefen Ausfall vollftändig, fo |
daß derfelbe nicht als eine Willkür, fondern als durchaus
berechtigt, ja in Anbetracht des ganzen Zwecks der Überfetzung
als gefordert anzufehen ift. Die kurzen Einleitungen
in die einzelnen Briefe führen in das Verftändnis j
zweckmäßig ein, die Überfetzung ift nicht fklavifch
wörtlich, fondern eine finngemäße, für den Zweck vollftändig
paffende Reproduktion. So bildet diefe Ausgabe
ein glückliches Seitenftück zu der Auswahl aus den Schriften
Zwingli's, die ich in der Th. Litztg. a. a. O. ebenfalls angezeigt
habe. Ich kann mit meiner Anzeige nur den herzlichen
Wunfch verbinden, daß die große Ausgabe von
Zwingli's Werken und feines Briefwechfels fo gefördert ,
werden möge, daß auch die von Oskar Farner fo glücklich 1
unternommene Überfetzung der Briefe möglichft bald
weitergeführt und vollendet werden kann, und fodann, j
daß durch diefe Ausgabe von Zwingli's Werken und |
Briefen für das allgemeine Verftändnis das Intereffe an j
der Perfon und an der Lebensarbeit Zwingli's, das nach
einer mir jüngft von berufener Seite zugekommenen Klage
gerade in der Heimat des Reformators ftark zurückzugehen
fcheint, wieder geweckt und geftärkt werden |
möge. Gerade in diefer fchweren Zeit, unter der nicht
bloß Deutfchland zu leiden hat, kann die Erinnerung an
die Helden der Reformation am beften tröftend, ermunternd
und kräftigend auf die Volksfeele wirken.
Cannftatt. Auguft Baun

Ariftotele8 Kategorien (des Organon 1. Teil). Vorangeht: I
Des Porphyrius Einleitg. in die Kategorien. Neu übf. j
u. m. einer Einltg. u. erkl. Anmerkgn. verf. v. D. theol. !
Eug. Rolfes. (Der Philofoph. Bibliothek Bd. 8) (VIII,
863.) 8°. Leipzig, F. Meiner 1920. M. 4— |

Ariltoteles Perihermenias oder Lehre vom Satz (des j
Organon 2. Teil). Neu übf. u. m. einer Einleitg. u. erkl.
Anmerkgn. verf. von Dr. theol. Eug. Rolfes. (Der
Philofoph. Bibliothek Bd. 9) (VI, 42 S.) 8°.. Leipzig,
F. Meiner 1920. M. 2.50

Die vorliegenden Bändchen bilden den Anfang der
Überfetzung des ariftotelifchen Organons, die Rolfes übernommen
und z. T. fchon ausgeführt hat. Die einzelnen
Teile find gleichmäßig mit einer Vorrede und Anmerkungen
, jedes Bändchen auch mit einem Namen- und
Sachverzeichnis verfehen. Die Übertragung kann als
wohl gelungen bezeichnet werden, wenn auch manchmal
eine größere Unabhängigkeit vom Griechifchen nicht
fchaden würde. Mit den fachlichen Bemerkungen Rolfes'
kann ich mich freilich nicht überall einverftanden erklären.
Daß z. B. die Regeln des Schließens den vornehmften Gegen- |
ftand der ar. Logik bildeten (Kat. S. 27), halte ich für ganz
verkehrt. Ar. Logik ift in erfter Linie Methodenlehre.
Überhaupt kann ich die ganze Wertung der Kategorien-
fchrift (vgl. Einl.) nicht teilen. Was die Anmerkungen angeht
, fo habe ich gegen die Annahme der Willensfreiheit
(Periherm. S. 3423) im Sinne des Indeterminismus ftarke
Bedenken, während Kat. S. 81,,; einigermaßen feltfam klingt
und Periherm. S. 342:t Schluß ein Zeichen dafür ift, daß
die Befchäftigung mit der ariftotelifchen Logik durchaus
noch nicht von der Neigung zu Paralogismen oder
Sophismen befreit.

Königsberg. Go edeckem ey er.

Stange, Karl: Die Ethik Kants. Zur Einführung in die
Kritik der prakt. Vernunft. (129 S.) 8°. Leipzig,
Dieterich'fche Verlagsbch. 1920. M. 13—

Stanges Buch verfolgt den doppelten Zweck einer
knappen Darfteilung der Kantifchen Ethik und einer Kritik
von Kants ethifchem Apriorismus. Nicht in diefem,
fondern im Rigorismus fieht St. den eigentlichen Wert
der Kantifchen Ethik. Man kann zugeben, daß mancher
Parallelismus zwifchen den beiden erften Kritiken künft-
lich ift, aber die an Schleiermacher fich anlehnende Kritik
befonders des Verhältniffes von Vernunft und Sinnlichkeit
trifft Kant nicht. Die von dem Verfaffer empfundene
Schwierigkeit löft fich fo, daß auch bei Kant keineswegs
Vernunft und Wille gleichgefetzt werden, fondern nur die
höchfte Stufe des letzteren als ,Vernunft' zu bezeichnen
ift. Es ift bedauerlich, daß St. auf die Cohenfchen und
Natorpfchen Verfuche einer Weiterführung Kants gar nicht
eingeht, da hier faft alle feine Fragen beantwortet find.
Die Darfteilung felbft zeugt von einer genauen Vertrautheit
mit den Kantifchen Schriften, und fo kann man manches
daraus lernen, auch wenn man, Stanges .Metakritik' für
unzulänglich hält. Übrigens dürfte eine ftärkere Heranziehung
der .Grundlegung zur Metaphyfik der Sitten' dem
Ganzen förderlich fein.

Berlin. Artur Buchenau.

Heimloeth, Privatdoz. Dr. Heinz: Hegel. Ein Wort der
Erinnerung. (Beiträge zur Philofophie des dtfch. Idealismus
. Folge der Beihefte, Nr. 5) (20 S.) 8°. Erfurt,
Keyfer 1920. M. 2.50

Zwei Seiten hebt diele Weiherede an Hegel hervor.
Einmal die Tiefe und Innigkeit myftifchen Geiftes, die
ihn mit Eckart verbindet. Sodann die Univerlalität
des philofophifchen Blicks und die Klarheit begrifflicher
Durchleuchtung, kraft deren er der Vollender der von
Eckart hinterlaffenen und von Nicolaus Cufanus zuerft angegriffenen
Aufgabe wird: Unendlichkeit und Endlichkeit,
Abfolutes und Oafein, in der lebendigen Einheit des Geiftes
miteinander wirklich zu verföhnen.

Die Gedanken Heimfoeths find nicht fchlechthin neu.
Sie heben nur mit bewußter Akzentverfchiebung aus dem
bisher erarbeiteten Verftändnis Hegels die Momente
hervor, die eine Brücke von Hegel zur Neumyftik und
Lebensphilofophie der Gegenwart bilden. Vielleicht wird
diefe Art, Hegel zu fehen, die von jetzt ab für eine Weile
das deutfche Denken beherrfchende werden. Soll fie
wirklich fruchtbar werden für eine vertiefte Erkenntnis
Hegels, fo muß fie fich aber noch auseinanderfetzen mit
der gerade für fie wichtigen großen Hegelkritik Kierkegaards
.

Bonn. E. Hirfch.

Eucken, Rudolf: Menlch und Welt. Eine Philofophie des
Lebens. 2. verb. Aufl. (XI, 498 S.) 8°. Leipzig,
Quelle & Meyer 1920. geb. M. 20 —

(2. Aufl. u. Vorwort mit Rcriicklichtigung des Kriegsausganges umgearbeitet
.)

Das Buch ift im Jahr 1918 gefchrieben zu einer Zeit,
da man noch mit einem glücklichen Ausgang des Weltkriegs
rechnen durfte. Es ift in zweiter umgearbeiteter Auflage
erfchienen, als die Kataftrophe eingetreten war. Es
hat dadurch an Aktualität durchaus nicht verloren: ein
Umftand, den man immerhin zu Gunften des Autors wird
buchen können!

Trotzdem wird niemand erwarten, daß neue Gedanken
Euckens zum Vortrag kommen. Es handelt fich um das
alte, oft erörterte Thema, um die Notwendigkeit eines
Rückhalts für das geiftige Leben der Menfchheit, das,
aus dem geheimnisvollen Lebensgrunde aufgeftiegen, fich
allmählich von der Natur losgelöft hat und fich nicht zu
behaupten vermöchte, wenn es nicht aus der Tiefe, daraus
es hervorgegangen, immer wieder frifche Kräfte fchöpfen
könnte. Der Verfaffer hebt hervor, wie groß die Schwierig-