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Ausgabe:

1921

Spalte:

82

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Tixeront, I.

Titel/Untertitel:

Précis de Patrologie. Quatrième édition 1921

Rezensent:

Krüger, Gustav

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aber nur 35 mit HIK (und I-Zeugen). Wären auch nur
alle im Werk erwähnten 323 Marcion-Lesarten im Text
aufgenommen mit (faft ftets) ihren Zeugen cV5f it af s5C,
fo wäre deutlich geworden, daß ein von diefer Gruppe
bezeugter Text in Abweichung von HIK fchon Tatian
und Marcion vorgelegen hat als eine in fich vielgeftaltige
Textform des 2. Jahrhunderts.

Zum Schluffe führt der Verf. gegen die Hypothefe
noch kanongefchichtliche Momente, texthiftorifche Gründe
und die Apoftelgefchichte auf, bei der eine Textform
gleichen Charakters und gleicher Bezeugung vorliegt, obgleich
fie mit Tatian nichts zu tun haben kann.

Königsberg i/Pr. K. Cybulla.

St. Irenaeus: The Demonstration of the Apostolic Preaching.

Transl. from the Armenian with introd. a. notes by

D. D.J. Armitage Robinfon. (Translations of Chrift.

Literat. Ser. IV) (IX, 154 S.) 8°. London, Soc. f.

Prom. Christ. Knowledge 1920. sh. 7.6

Diefer Band ift in der Sammlung ,Translations of
Christian Literature' der zweite der 4. Serie (Oriental Texts).
Robinfon hat fich bemüht, als Kenner der bibhfchen Textkritik
die Bibelzitate zu beleuchten, die von den beiden
deutfchen Überfetzern nicht mit der wünschenswerten
Gründlichkeit behandelt waren. Außerdem hat er fich
zum Ziel gefleckt, den Erweis aus dem Hauptwerke des
Irenaeus zu erläutern; auch in die Technik der Übersetzung
hat er fich verfenkt, foweit feine .limited acquaintance'
mit dem Armenifchen es zuließ. So anerkennenswert das
Ergebnis ift, fo muß man doch bedauern, daß R. die nach
1912 in deutfchen Zeitfchriften erfchienenen Bemerkungen
entgangen find, befonders aber, daß er die doch fchon
1917 erfchienene lateinifche Überfetzung Simon Webers
(vgl. Deutfche Lit.-Z. 1918, 868) nicht benutzt hat. Im
Nachtrag nennt R. die 1919 erfchienene neue englifche
Überfetzung des Entdeckers Ter-Mekerttfchian und S. G.
Wilfons und die franzöfifche des Pere Barthoulout (Patro-
logia Orientalis XII, 5); ich kann leider nicht feftftellen,
ob auch diefe Weber nicht berückfichtigen. In der Einleitung
behandelt R. das Verhältnis des Irenaeus zu Juftin,
namentlich ihre Lehre vom hl. Geift. Zur Erläuterung
von Kap. 84 wäre übrigens außer auf die Ascensio Isaiae
nochauf das Kapitel vomLöwen imPhyfiologos hinzuweifen.
Hamburg. W. Lüdtke.

Philofophia militans. Urtext von Auguftins Schrift De vera religione
als Anfang zum Gleichlaut von Glauben und Wiffen nebft einer
Einführung unter den Abfchnitten i. Kampf des Wiffens gegen
das Nichtwiffen. 2. Organifation der Mitftreiter. 3. Neuer Begriff
der wahren Religion. 4. Der Einfteinrummel. Vom Verfaffer des
Spinoza Redivivus und Auguftinus Redivivus. (XVIII, 5z S.)
gr. 8°. Halle a. S., Weltphilofoph. Verlag 1920. M. 10 —

Der Verfaffer ift überzeugt, daß der Charakter der Schrift Auguftins
de vera religione bisher ebenfo wenig erkannt worden fei wie der
Charakter der Bekenntniffe Auguftins. Darum legt er einen lateinifchen
Sonderdruck der Schrift de vera religione vor und fügt ihrer deutfchen
f berfetzung ausführliche Erläuterungen hinzu. Sie wollen nachweifen,
daß Auguftin den neuen Begriff der .Vollendeten Philofophie' von der
wahren Religion zum erftenmal theoretifch aufgeftellt und dadurch eine
epochemachende Leiftung vollzogen habe. Auguftin kämpft in feiner
Schrift nicht für irgend eine gefchicbfliche Religion als folche, wie das
auch die .Vollendete Philofophie' nicht tut. Sie kümmert fich prinzipiell
weder um eine gefchichtliche Perfönlichkeit noch um eine gefchicht-
lich beglaubigte Lehre. Ihr Religionsbegriff erwäcbft unabhängig von
der Gefchichte unmittelbar aus der vollendeten Philofophie felbft, aus
einem Wiffen alfo, welches vom Anfang her weder auf Religion noch
Gott, fondern auf Wahrheit, Gewißheit und Notwendigkeit gerichtet ift
Im .Gleichlaut von Glauben und Wiffen' wird gezeigt, daß die Erkenntnisweife
der vollendeten Philofophie unmittelbar in die Lehre der
chriftlichen Religion einmündet und gleichfarn nur ein Organ dafür ift,
diefe Lehre auch zu verliehen und dadurch von nun an für alle Zeiten
"nd Völker zur allein beherrfchcnden zu machen. Lokale Vereinigungen
zur Pflege der .Vollendeten Weltanfchauung' und Disputationsturniere
'ollen der neuen Weltphilofophic dienen, die berufen ift, dem deutfchen
Geift in der Welt die Führung zu verfchaffen und den wahren Völkerbund
aufzurichten.

Die philofophifche Kritik ift eine Frage für fich; auguftinifch ift
üiefe .Vollendete Philofophie' jedenfalls nicht.

Tubingen. Scheel.

FranTes, P. Dr. Defiderius, O. F. M.: Die Werke des hl. uuodvult-
deus Bifchofs von Karthago geltorben um 453. (Veröffentl. aus
d. Kirchenhiftor. Seminar München IV 9) (III. 90 S.) 8°. München,
I. I. Lentner 1920. M. 9.20

Dom G. Morin hatte 1914 eine Gruppe von pfeudoauguftinifchen
Predigten, 12 an der Zahl, mit guten Gründen als Werk eines Verfaffers,
und zwar in Karthago zwifchen 430 und 439 entftanden, nachgewiefen
und fie dem zweiten Nachfolger des Aurelius, dem Bifchof Quodvultdeus
von Karthago zufchreiben wollen. Die Funde im Wolfenbüttler Codex
4096, die er 1917 herausgab, hatten den Beftand jener Gruppe vermehrt
bzw. gefichert, und Morins Vertrauen zu feiner Hypothefe wachfen
laffen. In einer fleißigen Arbeit fucht Franfes jenen Quodvultdeus als
literargefchichtliche Größe allfeitig zu beleuchten. Daß § 4, die Lebens-
fkizze des Qu. dürftig bleibt, ift nicht die Schuld von Franfes, über
die Bedeutung feiner Schriften für Bibelwiffenfchaft, Dogmengefchichte,
Liturgik und Gefchichte fchreibt er 17 Seiten, natürlich Wertlo fettes mit
Brauchbarem mifchend. Das eigentliche Intereffe follte fich viel ftärker
auf den Nachweis richten, daß die Predigten den gleichen Verfaffer
haben wie die fälfehlich Profper zugefchriebene Abhandlung de pro-
miffionibus et praedictionibus dei Migne 1. 51 S 733—858. Auf S. 37—49
widmet Fr. auch den § 2b diefer Frage; er fcheint fie mir zu fchnell
zu bejahen. Die Abhängigkeit Pfeudo-Profpers von dem Quodvultdeus
Morins ift ja nicht zu leugnen; aber dabei bleibt die Möglichkeit offen,
daß ein Unbekannter jenen wie gewine Schriften Auguftins ausgeplündert
oder doch mit Vorliebe ausgefchrieben hat. Und Fr. unterfcheidet nicht
einmal bewußt zwifchen beidem. Den Schriftzitaten gebührt vor der
endgültigen Feftftellung jedenfalls noch gründlichere Berückfichtigung.
Aber fehr viel ift nicht daran gelegen, daß wir über Namen und Rang
eines Schriftftellers wahrfcheinliche Vermutungen von Hand zu Hand
geben, wenn wir über feine Zeit und Heimat, den Umfang feiner liter-
arifchen Arbeit und deren Qualität fchlechthin Sicheres auszufagen vermögen
.

Marburg. Ad. Jülicher.

Tixeront, I., Precis de Patrologie. Quatriüme edition. (IX, 514 S.).

kl. 8°. Paris, Lecoffre, 1920. Fr. 5 —

Ein Leitfaden der Patrologie, den der Verfaffer für Semiuariften
und Priefter, in zweiter Linie auch für Laien — lecteurs et lectri-
ces — beftimmt hat, und an den man deshalb vom Standpunkt der
Wiffenfchaft keine großen Anforderungen Hellen darf. Immerhin ift
uns Tixeront, feit er fein Buch über die Urfprünge der edeffenifchen
Kirche fchrieb (1888) und in fpäteren Jahren durch feine dreibändige
Dogmengefchichte (1905— 1912) als zwar nicht gerade ideenreicher, aber
forgfältiger Arbeiter bekannt geworden, und diefen Ruf bewährt er auch
jetzt. Von gelehrten Erörterungen hat er Abftand genommen, läßt nur
gelegentlich durchblicken, daß er von der oder jener Streitfrage unterrichtet
ift. Freilich findet man z. B. keine Andeutung von den berechtigten
Zweifeln an der Anfetzung Commodians im 3. Jahrhundert. In
der Literatur begegnet nichts, was man nicht auch bei uns fchon kennt,
fo daß man über das Maß deffen, was aus der franzöfifchen Arbeit
während des Krieges nachzulernen ift, beruhigt fein kann. Alfarics
Auguftin (1919) hätte T. übrigens fchon zitieren muffen. Die neuefte
deutfche Literatur kennt er natürlich nicht. Nur die Bände des Wiener
und des Berliner Corpus werden gebucht, freilich auch nicht alle, z. B.
nicht Holls Epiphanius. Auch Morins fchöner Auguftinfund ift T.
unbekannt geblieben.

Gießen. G. Krüger.

Mannftröm, Oskar; Kriftlig konft. I. Kriftusbilden. Studier.
(Sveriges kriftliga ftudentrörelfes fkriftferie Nr. 88)
(272 S. m. 176 Fig.) 8°. Stockholm, Sveriges kriftl.
ftudentrörelfes förlag (1919). Kr. 15 —

Das gediegen ausgeftattete, vortrefflich und reich
illuftrierte, warm und anregend gefchriebene Buch Mann-
ftröms ift der erfte Band eines Werkes, das in einem
zweiten Bande ebenfo über kirchliche Baukunft und über
kirchlichen Schmuck unterrichten will, wie der erfte es
über das Chriftusbild tut, und das als Ganzes dem kunft-
gefchichtlich ungefchulten Kirchen volke Schwedens eine Anleitung
fein foll zum gefchichtlichen Verftändnis und zum
tieferen Genuß derchriftlichen Kunft. Nach einer Einleitung
über Kunft und Chriftentum im allgemeinen und die Stellung
derKirche gegenüber der Kunft durch diejahrhunderteimbe-
fonderen (5—18), wird derLefer des vorliegenden erften Bandes
in i6Kapiteln, deneneineEinzelüberfchriftnichtgegeben
ift, von den Anfängen des Chriftusbildes in den Katakomben
, deffen Schilderung eine kurze Darlegung über
Legendarifches vorangeht, bis zu den Prägungen des
Chriftusbildes in der Gegenwart geführt. Franz von Affifi
und Bernhard von Clairvaux find in ihrer Bedeutung für
feine Geftaltung im Mittelalter gebührend hervorgehoben.
Dürer als der Höhepunkt der germanifchen Chriftusdar-
ftellung und Rembrandt als das große Lichtgenie befonders