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Ausgabe:

1921

Spalte:

80-81

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pott, August

Titel/Untertitel:

de textu evangeliorum in saeculo secundo. Heft 3 u. 4 1921

Rezensent:

Cybulla, K.

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79

Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 7/8.

So

(unter Ausfcheidung der für unecht erklärten Verfe 2, 4. 5;
4,6—12; 4, 13; 5, 8; 5,9; 5, 13; 5, 26f; 8,3; 9, 5f; 9, 8
und 9, 13—15, die als ,Zufätze' an den Schluß geftellt
werden) aber unter fcharfer Abgrenzung der felbftändigen
Stücke, die einzeln mit Zahlen (1—51) verfehen werden,

Verfaffer als eine Sünde gegen Kunft, Wiffenfchaft und
Vaterland bezeichnet. Der Schlußabfchnitt macht u, a.
bekannt mit erdichteten Verhandlungsberichten von erdichteten
Verfammlungen der Juden in Prag und in Bafel.
Schriften wie diefe wären überflüffig, wenn es eine

wiedergegeben. Unter der Nummer des betreffenden Ab- ; chriftliche Fachwiffenfchaft gäbe, die der jüdifchen Fort-

fchnittes findet man dann im 2. Teil eine .Erläuterung', 1 bildung des mofaifchen Rechts die gebührende Aufmerk-

die ,auf Erbaulichkeit verzichtet', vielmehr nur den ,Sinn i famkeit widmete. Dadurch würde das Gefetz Mofes in das

erhellen' und .das Nötigfte erklären' will. Auf die Er- J rechte Licht treten und Jefu Rede von ihm und von der

läuterungenfolgtderVerfuch, .diePerfönlichkeitdesProphe- Auslegung der Schriftgelehrten den richtigen Hintergrund

ten und feine Schrift in ein einheitliches Bild zufammen- ; erhalten. Die foeben erfchienene erweiterte Auflage von

zufaffen'. Stracks .Einleitung in den Talmud' ift ein dafür un-

Die wiffenfchaftliche Begründung hat der Verf. in entbehrliches Handwerkszeug,
einem Büchlein .Arnos' (bei Bauer & Co. in Zürich 1907) Greifswald. G. Dalman.

vorangefchickt. I -—■—■--------—-

Da die Worte der Propheten jeweils In befonderer Lage vor Pott, A.l de textu evatigeliorum In Saeculo SeCUndO. S.-A.
ganz beftimraten Hörem gebrochen lind, wird man den Grundfatz bil- aug Mnemosyne I92O, Heft 3 U. 4. (S. 267—309 U.

Ilgen, die Situation lebendig auszumalen. Ohne Einbildungskrait geht | 339—365.) gr. 8". Leiden, Buchh. U. Druckerei vorm.
es dabei nicht ab, aber beffer greift die Einbildungskraft einmal lehl, ] j - t 011 »»/»»»•.
als daß das Ganze nur zu einem blaffen Lefeeindruck gedeiht.' (S. 30). ' E. J- Brill 192O.

Gewiß: nur darf das Fehlgreifen nicht die ganze Situation verzeichnen. ! Durch den berechtigten Boykott, der Über die llolläll-

Wenn z. B. bei der Erklärung von 1,3-2, 16 ein Feft ausgemalt wird, j difche Zeitfchrift Verhängt ift, ift diefe wertvolle Arbeit

bei dem alle in diefem Gedicht genannten Völker in einzelnen ihrer d larigjährigen Mitarbeiters von Sodens der deutfchen

Vertreter perfonlich anwefend gewefen fein follen, und (ich nun jedesmal I „ , , , °J . . b. r , ..... , n , , „

.ducken', wenn der Prophet ihr Volk fchilt, fo hat die Einbildungs- Gelehrtenfch_aft fchwer zugänglich geworden. ^Daher follen
kraft mehr gegeben, als ihr der Text erlaubt.

Die Perfon des Propheten wird mit Recht müglichft weit von der
gehaltenen Würde eines religiöfen Redners der Gegenwart abgerückt.
Wenn wir aber z. B. lelen: ,ein Erlebnis, das dem Schafzüchter die
Flanken fliegen, die Beine zittern ,die ganze Haut vom Schweiß triefen

ihre P>gebniffe mit gütiger Erlaubnis des Herausgebers
diefer Zeitfchrift im folgenden kurz wiedergegeben werden.

Im Mittelpunkte der heutigen Textkritik fteht die
Wertung der von t) 5 f it af ssc bezeugten Textform.

ridUACU U1CVCII, UIC JJC1IIC Z1LIC111 ,U1C LülJZt nam Will .Jl.ll M ,.11! uiweu n , Sf , , 1 • TT T /Tl l T I T/W

macht' (S. 29) oder: .wieder fchließt der keuchende Prophet die fehe- , Boden hat nach den drei Rezenfionen (H 4-1 4- K) einen

rifchen Augen, wirft das laufchende Haupt zurück, greift kraniplig in i Grundtext HIK als ailthentifchen hergeftellt und be-
die leere Luft', fo find mir die hier gewählten Ausdrücke doch etwas hauptet, daß faft alle Varianten, befonders die der frag
zu ftark. Das Buch des Arnos bietet jedenfalls keinen Anlaß, feine Erregung
fo gevvaltfam zu zeichnen.

Das fchwierige Problem, daß in dem traditionellen Thekoa Syko-
moren nie gewachfen fein können, Arnos fleh aber als Sykomorenzüchter
bezeichnet, will der Verf. fo löfen: ,In feiner Heimat (in Thekoa) gehört
er zu den Schafzüchtern. Dann ift er als Rinderhirt in die fetten
Triften des Nordreichs gekommen und hat nebenher als Sykomorenritzer
fein Brot gefunden'. Das erfcheint mir nicht als eine Löfung des Problems
, fondern als ein Ausweichen.

,Den Armen verkaufen fie um ein Paar Sandalen, die er fchuldet,
als Sklaven.' Die in dem von uns gefperrten Relativfatz gebotene Erklärung
ift doch unmöglich: Weil jemand ein Paar Lederfohlen nicht
bezahlen konnte, hat man ihn doch nicht als Sklaven verkaufen dürfen.

Der Gefamteindruck ift trotz der Einwände derart,
daß man fich auf die Fortfetzung des Unternehmens freut.
Tübingen. Hans Schmidt.

Strack, Geh. Konf.-Rat, D. Dr. Piermann: Jüdifche Geheim-
gefetzer (36 S.) 8°. Berlin. C. A. Schwetfchke &

Sohn, 1920. M. 2.50 | I fein. Die Konkurrenz das Quantitäts- und Qualitäts-

lichen Textform aus Tatian (T) Hammen. Der Verfaffer,
der fchon in mehreren Arbeiten als Gegner feiner Hypothese
aufgetreten ift, begründet hier, was er in feinem
Buche „Der Text des NT nach feiner gefchichtlichen
Entwicklung" (A. N. u. G., Nr. 134, 2. Aufl., S. 64fr)
fkizziert hat, indem er alle einfehlägigen Paragraphen
Sodens nachprüft. Im erften Teil „Herftellung des Textes"
find ihm Sodens Prinzipien praktifch nur eine einfeitige
Bevorzugung von H., bei I wird la, bei I« wird <J5f
zurückgedrängt im Widerfpruch mit Sodens Wertung
von 5 f als reinftem Repräfentanten von Iß und I.
Am wichtigften ift hier der Nachweis eines Bruchs in
der Methode. Anfangs nennt Soden dsf it af ssc die
Fährte zu I, bricht aber die Unterfuchung ab, fobald in
der Maffe der I-Zeugen, r/>, ein Text in Sicht tritt, der
dem des Eufebius ähnelt; foll nämlich Eufebius = I fein,
fo muß la (und in ihm d5f entwertet) ein Derivat von

Es ift bedauerlich, daß Schriften wie diefe immer prinzips macht nunmehr unmöglich, feftzuftellen, was I ift.
noch notwendig find, und es ift ein Zeichen für die Selbft- [ Im 2. Teil „Die TatianhypotPiefe und die älteften
lofigkeit des Verfaffers, daß er das von ihm und anderen ; Verfionen" macht der Verf. 3 Moniente geltend: Soden
längft Bewiefene aufs neue dartut. Nach den bisherigen 1 hält fich an T arab.; weil nämlich in T arab die Maffe der
Erfahrungen ift nicht zu erwarten, daß gewiffe Antifemiten 1 Varianten aus K eingedrungen ift, kann man fie nun
deshalb fich belehren laffen werden, obwohl ihre Sache leicht als aus T anfehen. Sodann wendet fich der Verf.
dadurch nur gewinnen könnte. Aber für andere kann I dagegen, daß eine Lesart, die „z. Z. aus T nicht zu be-
es doch nützlich fein zu erfahren, mit welchen Waffen für j legen fei", ja im Widerfpruch mit einer in T bezeugten
unfer deutfehes Volk nicht gekämpft werden follte. Seite fteht, aus T fei, weil fie von angeblich „T verdächtigen

-10 zeigt der Verfaffer, daß alle jüdifchen Gefetze völlig
bekannt und zugänglich find. Es ließe fich hinzufügen,
daß ich zu der von jüdifcher Seite jetzt herausgegebenen
Talmudüberfetzung Anregung gegeben habe mit dem
Motiv, daß es gut fei, auf diefe Weile dem antifemitifchen
Intereffe entgegenzukommen. Seite 11 —18 befaffen fich
mit der .angeblichen Nichtswürdigkeit' des jüdifchen Reli-
gionsgefetzes. Hier wird angedeutet, daß dem Judentum
ein ganz zutreffendes Urteil über feine eigene Vergangenheit
fehlt, aber mit Recht betont, daß das von ihm jetzt
gelehrte Religionsgefetz als unanftößig gelten muß. In
den Anhängen Seite 19— 36 findet man zuerft Mitteilungen
über die von den Antifemiten angerufenen Autoritäten,
deren fehlende Sachkunde längft bekannt ift. Am will-
kommenften wird vielen fein die Beleuchtung des Romans
,Die Sünde wider das Blut' von Artur Dinter, den der

Zeugen" belegt ift. Endlich weift er in Sodens Variantenliften
eine Fülle von Unftimmigkeiten auf, teils Irrtümer,
teils unvollständige Zeugenangaben, fodaß die Liften nach
Berichtigung ungefähr das Gegenteil erweifen.

Im 3. Teil „die Tatianhypothefe und die Väterzitate"
find von befonderem Intereffe die Gemeinfamkeiten von
Marcion mit der Gruppe (mit oder ohne T), felbft nach
Soden in „auffallend großer Zahl". Hier deckt der Verf.
die Widersprüche Sodens in der Wertung der Lesarten
auf, wenn fehr viele im Band der „Unterfuchungen" als
Urtext und fraglicher Urtext angefehen werden und im
Textband dennoch im 2. und 3. Apparat (Zufallslesarten)
ftehen. Obendrein find gerade für Marcion Sodens Angaben
ganz unvollftändig. Von 194 in den Unterfuchungen
erwähnten ftehen im Textband nur 52; von den im Textband
gebotenen 181 Lesarten gehen faft alle mit I-Zeugen,