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Ausgabe:

1921

Spalte:

58-59

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Büchi, Albert

Titel/Untertitel:

Korrespondenzen und Akten zur Geschichte des Kardinals Matth. Schiner. I. Bd.: Von 1489 bis 1515 1921

Rezensent:

Köhler, Walther

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Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 5/6.

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Hoffmann, Heinrich: Karl der Große im Bilde derGefchicht-
fchreibung des frühen Mittelalters (800—1250). [Hrsg.
v. Robert Holtzmann.] (Hiftorifche Studien, Heft 137.)
Berlin, Ebering 1919. (XVI, 166 S.) gr. 8°. M.7.20
Robert Holtzmann hat die Differtation feines gefallenen
Schülers zum Druck befördert. Einer folchen Arbeit
muß der Stempel des Unfertigen anhaften. Aber die Er-
gebniffe rechtfertigen trotzdem die Veröffentlichung. Denn
der Verf. ift mit großem Fleiß den Spuren nachgegangen,
die Karls d. Gr. Perfönlichkeit in der Gefchichtfchreibung
der Jahrhunderte nach ihm hinterlaffen hat. Klar wird

fchaft, Kunft und Volksbildung hat die Drucklegung ermöglicht
. Man fieht, daß die Mitarbeiter der Monumenta
Germaniae wieder auf ihrem Poften find. Es fteht zu
hoffen, — und auch die vorliegende Arbeit beftärkt mich
in diefer Hoffnung — daß fie deren alten Ruhm, für den
Aufftieg Deutfchlands mit tätig gewefen zu fein, nicht
zufchanden werden laffen.

Kiel. G. Ficker.

Meyer, Dr. Erich w.: Staatstheorien Papft Innocenz III. (Jenaer
hißor. Arbeiten, Heft 9) (XII, 50 S.) gr, 8"- Bonn, Marcus Sc Weber

nachgewiefen, wie die Neigung, alle Anfänge der Gefchichte J '^'vorliegende Arbeit, die fchon während des Krieges gnfeltrieben

des Reiches wie auch einzelner Orte auf Karl zurückzuführen
, allmählich wächft. Es ift recht lehrreich zu lefen,
wie dank der klüfterlichen Herkunft der Gefchichtfchreibung
Karl in immer ftärkerem Maße als der ,chriftianiffi-
mus rex' verherrlicht wird, bis fchließlich Friedrich L die
Kanonifation des fagenumwobenen Herrfchers herbeiführt.
Methodifch ift zu bemerken, daß doch diefe klöfter-
lichen Zeugniffe nur fehr bedingt für die volkstümliche
Auffaffung von Karl d. Gr. zu verwerten find. Jedenfalls
gibt das, was der Verf. im 5. Abfchnitt über Kaifer Karl
und tlas Recht ausführt, darüber eine welentlich ficherere
Anfchauung. Und da gewinnt man doch den Eindruck,
daß im Volke felbft das Idealbild des Hüters von ftaat-
licher Macht und Ordnung und germanifcher Rechtsauf-
faffung mindefiens fo lebendig war, wie das des frommen
Kaifers. Am bellen gelungen find die Ausführungen über
die Wirkung der Kaiferkrönung Karls auf die Theorie
von der ,translatio imperii'. Dagegen bleibt die Unter-
fuchung der Fälfchung von Urkunden auf Karls Namen
völlig in den Anfängen ftecken. Es wäre eine fehr lohnende
Aufgabe, die Rolle, die Karl in den Klofter- und
Kirchenprivilegien des früheren Mittelalters, echten, unechten
und verfälfchten, fpielt, einmal einer eingehenden Unter-
fuchung zu unterziehen. Erft dann würde man ein wirkliches
Bild davon erhalten, wie ftark die Neigung war,
wo nur immer möglich die Anfänge der gefchichtlichen
Entwicklung und den Urfprung aller Rechte und Anfprüche
an Karl anzuknüpfen. Damit erft würde das Bild Karls
in der Gefchichtsauffaffung des früheren Mittelalters
vollftändig.

Hannover. Gerhard Bonwetfch

worden ift, befchränkt (ich darauf, die allgemeinen Äußerungen Innocenz
' III. über das Verhältnis des l'apßes zu den Staaten zufammenzu-
flellen, ohne die Vorginge zu fchildcrn, in deuen er diefe Theorien in
der Praxis geltend machte. Die Zufainmenftellung ilt nützlich und
brauchbar. Nur gewinnt mau infofern, glaube ich, ein fall'ches Bild
von Innocenz III., als man denken könnte, er hätte fich immer in feinem
praktischen Handeln an feine Theorien gehalten. Sehr gut ift aber
darauf hingewiefen, daß Innocenz lieh oft auf die Bibel beruft und fie
in der wunderlichen Art des Mittelalters deutet. Unverftändlich ift
mir, wie gefordert wird, daß bei der Beurteilung Innocenz' III. der
Staatstheoretiker und Politiker von dem Papfl getrennt werden müfle
Oder meint der Verf., daß die Theorie vom Papfltum, wie fie 1870
leftgelegl worden iß, von Anfang an in der römifchen Kirche gegolten
halie?

Kiel. (}. Ficker.

Büchi, Albert: Korrefpondenzen und Akten zur Gelchichte
des Kardinals Matth. Schiner. I. Bd.: Von 1489 bis 1515.
(Quellen zur Schweizer Gefchichte, hrsg. v. d. Allg.
Gefchichtforfch. Gef. d. Schweiz, N.F. III. Abt. Bd. V, 1.)
(XX, 582 S. m. 2 Lichtdr.-Taf.) gr. 8°. Bafel, R.
Geering 1920. M. 30 —

Seit Jahren fchon arbeitet der Profeffor der Kirchen-
gefchichte in Freiburg i. Schw. A. Büchi an einer Biographie
des Kardinals Matthaeus Schiner, des vor Borro-
mäus markanteften, durch feine Beziehungen zu Zwingli
auch den Proteftantismus unmittelbar intereflierenden
fchweizerifchen Kirchenfürften der Refonnationszeit; er
trat dabei unmittelbar in die Nachfolge von H. Reinhardt,
dem wir die vortrefflichen ,Studien zur Gefchichte der
katholifcheu Schweiz im Zeitalter Carlo Borromeos' verdanken
, und den der Tod 1906 dem geplanten biogra-
phifchen Werke entriß. Die von Reinhardt fchon gefam-
melten Materialien hat Büchi ergänzt und vervollftändigt,
Pereis, Ernft: Papft Nikolaus I. und Anastasius Bibliothecarius. j fodaß der vorliegende, bis Jahresfchluß 1515 reichende

Ein Beitr. z. Gefch. d. Papfttums i. 9. Jhdr. (XII, 327 S.)
gr. 8°. Berlin, Weidmann 1920. M. 20 —

Der verdiente Herausgeber der Briefe des Papftes
Nikolaus I. in den Monumenta Germaniae historica 1912
gibt uns im 1. Teile diefer Arbeit, feiner Habilitations-
fchrift, eine durch Umficht, Klarheit und Streben nach
Unparteilichkeit ausgezeichnete Darftellung der politifchen
Tätigkeit des Papftes in ihren Grundzügen, wobei alle
wichtigen Momente gebührend berückfichtigt weiden.
Einleuchtend wird dargelegt, daß der Papft nicht fowohl
in der Ausbildung des päpftlichen Gedankens, als vielmehr
in feiner Durchführung in der Praxis, Epoche gemacht
hat. Seine ftaatsmännifche Beanlagung und Haltung
werden gegenüber einem neuerlichen Verfuch, feine per-
fönliche Bedeutung herabzudrücken, fiegreich bewiefen.

Band 503 Nr. aufweift, z. T. Regelten. Mit Rückficht auf
die geplante Biographie ift auf eine Einleitung verzichtet
worden, ein Literaturverzeichnis ift voraufgeftellt und
Schiners Siegel fowie eine Handfchriftenprobe beigegeben.
Die Dokumente betreffen inhaltlich das rafche Empor-
fteigen Schiners, nicht ohne größte Geldfchwierigkeiten,
fodann vorab die fcharf franzofenfeindliche Politik des
Kardinals und die Bemühungen um eine Verbindung
zwifchen den Schweizern und der Kurie im Intereffe der
italienifchen kurialiftifchen Afpirationen, alfo die umNovara
und Marignano fich drehenden Fragen, auf die hier im
Einzelnen nicht eingegangen werden kann. Wie unabhängig
und felbftbewußt Schiner vorgehen konnte, verraten
fchon die von ihm und ieinem Kreife gewählten
Decknamen, wie etwa .fortis Anchises' oder .Nihil' für den

In Zufammenhang damit flehen die Unterfuchungen des , Papft, .Malus, Dubius' für den Eranzofen, Dulcis' für Maxi

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2. Teils, die der Frage dienen, welchen Anteil der Biblio
thekar Anastasius an der Abfaffung der Korrefpondenz
des Papftes gehabt hat. Ein Zufammenwirken beider wird
erwiefen, aber die geiftige Urheberfchaft der Briefe ift dem

milian I, .Poteft' für Heinrich VIII. von England; in die
innerfchweizenfchen Gegenfätze laffen die Namen .Vultures'
für die Zürcher und ,Porci' für die Berner hineinfehauen.
Im Einzelnen findet fich manches Wertvolle zur allge-

Papfte felbft zuzuerkennen. Die Unterfuchung über die t meinen Zeit- und Kulturgefchichte, wie etwa zur Gefchichte

Gefchichte und die Perfönlichkeit des Bibliothekars hat
mich wegen der umfichtigen und forgfältigen Interpretation
der Quellenftücke befonders angezogen; ich wüßte
auch nichts gegen die Gleichfetzung des Priefters und
GegenpapftesAnastasiusmitdem Bibliothekar einzuwenden.

Der Abfchluß der Arbeit ift durch den großen Krieg
verzögert worden; das preußifche Minifterium für Wiffen-

der Abiäffe, der Panner der eidgenöffichen Orte, oder das
Urteil über den foeben gewählten Leo X. (Nr. 292). Den
intereffanteren Teil wird freilich der zweite Band bieten,
den wir uns von dem Herrn Vf. unter lebhaftem Dank
für den vorliegenden recht bald erbitten, was freilich heutzutage
bei den auch für die Schweiz gewaltig geftiegeneu
Druckkoften nicht fo ganz leicht fein wird.

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