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Ausgabe:

1921

Spalte:

56

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Butler, Cuthert

Titel/Untertitel:

Benedictine Monachism. Studies in Benedictine Life and Rule 1921

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. S/6.

56

jcory &£<p als chriftlich gekennzeichnet; der Inhalt ift
rein gefchäftsmäßig.
Jena. Hans Lietzmann.

Birt, Theodor: Charakterbilder Spätroms und dieEntftehung
des modernen Europa. (VI, 492 S. m. 6 Tafeln.) 8°.
Leipzig, Quelle & Meyer 1919. ' Geb. M. 16 —

Seinen ,römifchen Charakterköpfen' hat Birt eine
weitere Porträtgalferie folgen laffen: Septimius Severus,
die fyrifchen Kaiferinnen, Diokletian, Konftantin der Große,
Julian, Stilicho und Alarich, Ambrofius, Hieronymus und
Auguftin, endlich Theoderich und andere Germanenkönige
ziehen an uns vorüber. Alle find fie außerordentlich
eindrucksvoll und farbenprächtig gezeichnet. Für den
kritifchen Lefer dürfte dabei des Guten etwas zu viel
getan fein. Sicher ift, daß bei fo bildhafter Darfteilung
die gefchichtliche Richtigkeit nicht feiten zu kurz gekommen
ift. So wenn Julia Mamaea den ,greifen' Origenes aus
,Alexandria' nach Antiochien kommen läßt, wenn Origenes
bei diefer Unterredung bereits auf fein Werk gegen Cel-
fus hat zurückblicken können, wenn von ihm gefagt wird,
er habe ,die erfte große kritifche Textausgabe der grie-
chifchen Evangelien' hergeftellt u. ä. Auch die Benutzung
der Quellen erfcheint mir nicht immer einwandfrei. So
arbeitet Birt mit dem Theonasbrief, der doch wohl ficher
als Fälfchung Vigniers angefehen werden muß. Der
Hiftoria Augufta entnimmt er fo viele Farben für feine
Palette, daß man ftutzig wird, zumal er felbft in der
Einleitung fagt, daß die Scriptores ,fichtlich an Gehirn-
fehwund leiden, klatfchhaft find wie ein altes Weib und
unbeholfen wie ein Untertertianer'. Übrigens ift gleich
diefe Einleitung ein Mufter von Anfchaulichkeit. Auch
denke ich nicht daran, nörgeln zu wollen, und laffe die
vielen, zum Teil recht gewichtigen Fragezeichen, die ich
mir am Rande meines Exemplars gemacht habe, unberührt
. Dem Genuß der Lektüre habe ich mich doch
gerne hingegeben. Freilich muß der Lefer etwas von
dem fröhlichen Humor befitzen, der Birt z. B. bei Nennung
der drei Brüder Konftantin, Konftantius und Konftans
fchreiben läßt: ,Welche Verwirrung mußte entliehen,
wenn die drei Brüder fich im Palaft riefen oder bei Tifch
durcheinander fprachenf Das war freilich die geringfte
Sorge. Wichtiger war, daß fie fich vertrugen'. Ift das
viermalige (S. 160. 164. 171) Maximinus Gaja Abficht?
Als Geburtsjahr Konftantins foll S. 164 wohl 275 (ftatt
285) gelefen werden, fonft paffen jedenfalls die übrigen i
Daten nicht.

Gießen. G. Krüger.

Schwartz, E.: Neue Aktenftiicke zum ephefinifchen Konzil von
431. (Abhandl. der bayr. Akad. der Wiffenfchaften. i
Philof.-philol.-hiftor. Klaffe XXX,8.) (121 S.) 40. München j
G. Franz 1920. M. 20 — i

Eine wundervolle Schatzkammer eröffnet fich hier |
dem Kirchen- und Dogmenhiftoriker: Eduard Schwartz
teilt das Inventar einer jüngft entdeckten Athener Hand-
fchrift mit, von der er eine Schwarz-weiß-Photographie
befitzt. 177 Nummern, bis auf die letzte lauter Akten-
ftücke aus der Gefchichte der 3. ökumenifchen Synode.
Viele davon bisher höchftens in lateinifcher Überfetzung
bekannt, 12 fogar völlig neu, darunter Briefe der Päpfte
Caeleftin und Sixtus III, des Theodcret, des Cyrill, einige
umfangreich! Einzelne wertvolle Bemerkungen erklärender
Art hat der Herausgeber den mufterhaft edierten Texten
beigegeben; eine idealere Form, über eine neue Quelle
zu referieren, als es hier auf S. 3 - 79 gefchieht, läßt fich
nicht denken. Im Weiteren ordnet Schw. den neuen Zeugen
in die Reihe der bisher für dies Gebiet vorhandenen ein,
ftellt den Urfprung — Zeit, Tendenz und Wert — aller
Sammlungen für jene Synode feft, und geht befonders
dem fog. Synodicon Cafinenfe nach, das, wie er beweift,
von demfelben Rufticus, der fich um das chalcedonifche
Concil fo erfolgreich bemüht hat, in Konftantinopel aus

den Schätzen des Akömetenklofters aufgebaut worden ift.
Die Spannung, mit der wir nunmehr einer Veröffentlichung
diefes Synodicons und feiner Mitläufer entgegen-
fehen, wird durch ein Nachwort S. 120 teils gefteigert,
teils befriedigt. Schw. hat an feinem Konzilienwerk ohne
Entmutigung weitergearbeitet; das Synodicon Cafinenfe
liegt druckfertig vor, und der Verband wiffenfehaftlicher
Buchhändler fcheint gewillt, das große Werk K.J. Trübners,
des Straßburgers, auch unter Opfern fortzufetzen. Keine
kirchengefchichtliche Lehranftait der Welt wird auf den
Erwerb der Bände diefer neueften, weitaus vollkommenften
Sammlung von Konzilienakten verzichten wollen und
können, am allerwenigften auf die fo viel Überrafchungen
verheißenden Bände zum Ephefinum: für deren fchleunigfte
Herausgabe würden die Mittel nötigenfalls im Wege der
Subfkription gefichert werden müffen, fie dürfen keinen Tag
zu fpät erfcheinen.

Marburg. Ad. Jülicher.

Butler, Cuthbert, Benedictine Monachism. Studies in Bene-
dictine Life and Rule. (VIII, 387 S.). 8°. London,
Longmans, Green and Co. 1919.
Das fchöne Buch, das ich in diefen Tagen durch die
Güte des Verfaffers erhalten habe, ift weit mehr als ein
Kommentar zur Regel Benedikts, wie wir dergleichen auch
in deutfeher Sprache befitzen. ,Geift des Benediktiner-
tums' wird etwa dem entfprechen, was uns Abt Butler
bietet. Wie wenige ift er dazu vorbereitet. Mönch feit
mehr als 40 Jahren, feit 12 Jahren Abt der großen Down-
fide Abbey, gelehrter Kenner der Gefchichte des Ordens,
Herausgeber feiner Regel, und — was mehr bedeutet —
ein Mann mit weitem Blick und freiem Sinn. Die Mönche,
die er leitet, find gut beraten. Für fie, die Benedictine
Family, ift das Buch natürlich in erfter Linie beftimmt,
aber auch wir Außenftehenden laden uns gern von fo
kundiger Hand in ihren Kreis einführen. Der Geift der
,Wiffenfchaftlichkeit', den Butler (unter Anwendung des
deutfehen Worts) für echtes Benediktinerwefen in Anfpruch
nimmt, weht durch fein ganzes Werk. Keines ift unter
den 22 Kapiteln, aus dem nicht reiche Anregung zu gewinnen
ift, fei es für Vergangenheit oder Gegenwart.
Lehrreich ift die Behandlung gewiffer Probleme des
Benediktinertums, z. B. der Frage nach dem Unterfchied
zwifchen Einft und Jetzt angefichts der Vorfchriften der
Regel. Wie weit kann man von .Entfagung' im heutigen
Benediktinertum reden? Butler weiß, daß man weithin
diefe Frage gerne verneinen möchte. Er felbft bejaht
fie mit beftem Gewiffen aus dem Geift der Regel heraus,
deren Weitherzigkeit dabei in fchöne Beleuchtung tritt.
Mit befonderem Intereffe wird man das Kapitel über die
Bedeutung des Begriffes Ordo für die Benediktiner lefen.
Der von Leo XIII. 1893 (Breve Sumtnum femper) angebahnten
Zentralifation unter einem Abt Primas in Rom
fteht Butler, obwohl er ihre guten Seiten (Collegium Anfel-
mianum) anerkennt, im letzten Grunde ablehnend gegenüber
. Auch ein geiftlicher Staat nach Art der Beuroner
Kongregation ift ihm offenbar nicht fympathifch. Von
Einzelheiten find beachtenswert die genauen Nachweife zum
richtigen Verftändnis des benediktinifchen Horariums, die
Deutung der converfatio (nicht converfio) morum (,the
conduet of one's life'), die Angaben zur Textgefchichte
und zu den Ausgaben der Regel und manches Andere.
Da die neuere Literatur fichtlich überall benutzt ift, Arbeiten
in englifcher Sprache aus den Kriegsjahren aber
nicht begegnen, fo darf man annehmen, daß nichts für
den Gegenftand Wefentliches erfchienen ift, abgefehen
von Edmund Bifhops Liturgica hiftorica (Oxford 1918),
die ihn doch nur zum Teil berühren. In Frankreich er-
fchien J. E. Godefroy, Les Benedictins de Saint-Vanne et
la Revolution, Paris 1918.

Gießen. G. Krüger.