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Ausgabe:

1921

Spalte:

53

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bernfeld, Simon (Bearb.)

Titel/Untertitel:

Die Lehren des Judentums. I. Teil: Die Grundlagen der jüdischen Ethik 1921

Rezensent:

Staerk, Willy

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läge für die weitere textkritifche Arbeit zu fchaffen und I Das Neue Teltament. Überfetzt und kurz erläutert von
allem unmethodifchen und uferlofen Emendieren eine Ludwig Albrecht. (816 S.) 8°. Gotha, Ev. Buchh.
Schranke aufzurichten. D. unterfcheidet i. Fehler und P. Ott 1920. M.20—.

Folgen der trennungslofen Wort- und Satzfehreibung, j Diefe Überfetzung, von der die Briefe und die Üffen-
2. Mängel der Vokalbuchftabierung, 3. Fehler der Vokal- I barung fchon 1914 im Druck erfchienen find, will dem
buchftabierung, 4. Fehler der Punktierung, 5. Schreibfehler j heutigen Lefer in feiner Sprache das fagen, was der Grund-
und zwar irrige Doppelfchreibungen, Auslaffungen und text feinen erften Lefern gefagt hat. Sie bietet zu diefem
Umftellungen und eigentliche Falfchfchreibungen. Zuletzt Zwecke neben der Übertragung Einleitungen zu jeder
weift D. auf dem Schrifttext einverleibte Randnoten, er | Schrift und kurze Erläuterungen unter dem Text. Der
unterfcheidet Varianten zu einzelnen Wörtern und Sätzen ; Standpunkt in den Einleitungsfragen ift völlig unkritifch.
bezw. Satzteilen, Gloffen teils erklärende, teils korrigierende, j Zweifel an der Echtheit irgend einer neuteftamentlichen
teils verweifende Randnoten; fonftige Zufätze, ausfchließ- ! Schrift werden nicht einmal erwähnt. Der 2. Petrusbrief
lieh für den Rand beftimmte Notizen. ift von Petrus verfaßt; er ift nur darum fo fpät in die

Der Arbeit ift ein Index der fehlerhaltigen Stellen Sammlung der anerkannten Schriften aufgenommen
und ein anderer der befprochenen Einzelwörter beige- i worden, weil er urfprünglich an Judenchriften gerichtet
geben. Den beachtenswerten Nachträgen S. 161—-166 j war und darum der großen Heidenkirche lange fremd
folgt noch ein Stellen-Index für diefe Nachträge. geblieben ift. Die Paftoralbriefe werden mit großer Sicher-

Je mehr ich fonft mich gegen Publikationen von D
über altteftamentliche Fragen, namentlich folche rein hiftor-
ifcher oder religionsgefchichtlicher Art, ablehnend verhalten
mußte, um fo mehr ift es mir eine Freude diefe Arbeit

heit im Leben des Paulus untergebracht. Auf diefe Weife
werden die Benutzer diefes Buches keine wirkliche An-
fchauung vom Werden des neuteftamentlichen Schrifttums
empfangen. Die Überfetzung felbft ift gut lesbar und

anzuzeigen, die einem dringenden Bedürfnis entfpricht, gibt den Sinn des Grundtextes zuverläffig wieder. Mit
denn eine derartige die gefamte altteftamentliche Lite- ! dem Wortlaut wird dabei fehr frei umgegangen, fodaß
ratur berückfichtigende methodifche Zufammenftellung hat j die Verszahlen am Rande manchmal nicht ftimmen. Be-
uns gefehlt. Die Arbeit zeigt einen bewundernswerten j fonders die Briefadreffen werden völlig aufgelöft, ficher
Fleiß, großen Scharffinn und ein ficheres philologifch zum Vorteil des Verftändniffes. Wann werden folche
fundiertes Urteil. Freilich will das Buch mit Urteil benutzt Uberfetzungen wie diefe Einfluß gewinnen auf die Re-
werden. Denn trotz allem Streben der fubjektiven Will- vifion der Lutherbibel?

kür Schranken zu fetzen, auf diefem Gebiet der Text- Hamburg. Kurt Stage.

kritik läßt fich die Subjektivität nicht ausfchalten. Es ift____

mir natürlich nur möglich gewefen durch Stichproben

mir ein Urteil zu bilden, und fchon bei diefer Verhältnis- The Oxyrhynchus Papyri. Part XIV, ed. by B. P. Gren-
mäßig kleinen Zahl von biblifchen Büchern, bei denen ich ! feil and A. S. Hunt. (Egypt. Exploration Society,
diefe Arbeit herangezogen habe, habe ich an einer ganzen Graeco-Roman Memoirs) (XIV, 244 S. m. 3 Taf.)
Zahl von Stellen Fragezeichen machen müffen vgl. Zeph, 1 Lex. 8°. London, Egypt. Exploration Society 1920.
2 S. 65, Zeph 2, 2 S. 134, Zeph 3, 3, Nah 1, 8 S. 67 — 1, s. 42-

14 S. 80 — 2, 9 S. 82 — 3, 8 S. 12, Hag 2, 6 S. 135, Zach 4, Der neue Band der Oxyrhynchos Papyri bringt keine

7 S. 8 — 8, 12 S. 3 — 9, 8 S. 87 — 10, 11 S. 139 — 11, literarifchen Texte, fondern nur Urkunden und Briefe,
7 S. 68 — 14, 10 S. 118 — 14, 16 S. 85. diefe letzteren find für unfere Zwecke wie ftets von befon-

Auf die Korrektheit des fehr fchwierigen Druckes derem Werte als Dokumente der volkstümlichen Sprache
ift außerordentliche Sorgfalt verwandt. und Ausdrucksweife. Ein paar Beobachtungen feien hier

Mit dem Dank für diefe mühevolle und felbftlofe angemerkt. N. i666:,.(i begegnet das Fremdwort Xeyicov.
Arbeit verbindet der Ref. den lebhaften Wunfeh, daß fie Das gern gebrauchte oXoxXrjQelv Tich wohl befinden'
reiche Benutzung finden möge. (vgl. I Theff. 5,23 Jac. 1,4) begegnet 16683. 1670.,.,« l6jS2.

Leipzig. W. Nowack. | Das feltene aftvriala (Sap. 14,20 Sirach 11,25) findet fich

—-------- i66818. l676j die verkürzte Form 'AnXcovaglro unds8.

Grundlagen der jüdirchen Ethik, Die. Mit Einleitungen von Dr. L. oxaßXctQico für Apollinario und 'flabularid. 1672
lPe°hrenDrdeJs JSÄ tn'cfuÄ *• ^bfcheVermifchungzweier Formen inxaXX^ 1672,.,

t Teil). (158 S.) gr. 8". Berlin, c. A. Schwetschke & Sohn 1920. , 'Y-L^s'', haben wir den ganz feltenen Fall, daß ein Briet

M. 6 — nicht bloß wie üblich die perfönliche Adrefle des Em-

Unter dem Geueraltitel .Lehren des Judentums' hat der Verband pfängers trägt, fondern auch eine genauere Bezeichnung
der deutfehen Juden ein grolles literarifches Unternehmen in Angriff j cJes Örtes enthält: OnuaoUc h TevUCVOVXFl ip xm QVuetm
genommen, das die religios-fittliche Weltanfchauung und Lebenswertung > . - 3- "J h AdreiTe- in Temeniifis in rigides
Judentums, nach Grundfätzen und Anwendung, in unmittelbarer , xov ?M'TQOf ^J1' -/Vdrel/e- " 1 emenutlb in dei

Weife, durch Selbftdarftellung aus ihren Urkunden, vorführen foll. Gaffe gegenüber dem Brunnen'^
Kanonifches und außerkanoni'chcs Schrifttum, talmudifche und religions-
philofophifche Literatur und neuzeitliche jüdifche Theologen liefern die

hat eine freilich verftümmelte Adreffe der Art. Hübfeh
ift die Wendung i68i4». iacog ue popl&xe, aÖFXwoi, äaoßa-

Baufteine für das Gebäude der jüdifchen Lehre von Gott Welt und 0„ 2 AlyvxxiOP dvdp&QOJXOV rfvai. Für den

Menfch nach ihren Beziehungen zueinander. Die am Schluß jedes em- , l-,.f{ AeenCG» l..iJL, '.^„k' k - Leo
zelnen Abfchnittes angefügten Zeugniffe moderner chriftlicher Religions- ! neugriechlfchen Accufativ hptyav mich bringt 1683,-
forfcher fallen eigentlich aus dem Rahmen des Werkes heraus, fic find ; einen Deleg aus dem IV. Jh., die neugnechlfche aspirierte
aber eine wertvolle Zugabe und werden gerade für weitere jüdifche 1 Ausfprache des Ö kündigt fich bereits im III Jh. in IÖ7024
Leferkreife von Nutzen fein. i äoxaöi (=ßöjraC«) an. N. 1755 ift ein neues Einladuno-s-

Der Plan des, Ganzen, die methodifchen GrundfäUe die bei der ^ ^m T^ deg g <Va Tcl lolTdid

Durchführung zur Anwendung kommen, und die vorliegende Probe, m , - „ - "F" ^"i. io,zi; uuu

der 5 namhafte jüdifche Gelehrte die Grundlagen der jüdifchen j z,war sv X(P, »LX<P, X<>V 2,aQajtSlOV. Iii I758,2 findet ficll
Ethik dargeftellt haben, kiinnen von der Religionswiffenfchaft nur dank- j atpiü VOn (HploJ-CUpirj/li (vgl. Mc. 1,34, Eccl. 2,l8). Zu
bar begrüßt werden, und man kann dem großzügigen Werke nur | II Cor. 13,1 XQLXOV XOVXO bringt 1768 eine gute Parallele
einen fchnellen Fortgang und baldigen Abfchluß wünfehen. Es wird 1 ^ocoxnv XCtl Ösvxtoav xa) rnLrnu rm'rrmu -iiTv itttamlhv
ohne Zweifel viel dazu beitragen, in chriftlichen Kreifen einer befferen ZXJ.Z1 TtL .., T> Xal xQlx$v x™x'P vlllV. eniOXO/.ip-

yQaqxo. Die in Katenen übliche Abkürzung des Namens
Origenes durch tj5 ift der Praxis entlehnt: 1770 ift von
einem Olgeläß die Rede lyov sjtiyga<pr]V ''l{dmv J3, d. h.
auf den ausgeschriebenen Namen folgt die auf dem Gefäß
flehende Ligatur. Schreiben von Chriften finden fich
zwei, beide aus dem IV. Jh., 1774 durch iv xm ytMQ^v.
1775 durch to npoöxvvrjfid Oov oimm . . xoga xm 6eö-

ohne Zweifel viel dazu beitragen, in chriftlichen Kreifen einer befferen
Kenntnis, und was dann felbftvcrftändlich ift, einer gerechteren Würdigung
der jüdifchen Religion und Religiofität Bahn zu brechen. Im Zeitalter
'ler vergleichenden Religionsforfchung darf diefes Phänomen die feinem
Werte für die moderne religiös-Iiittliche Kultur zukommende wiffenfehaft-
liche Beachtung beanfpruchen.
Jena. W, Staerk.