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Ausgabe:

1921 Nr. 1

Spalte:

10

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmarsow, August

Titel/Untertitel:

Das Franciskusfenster in Königsfelden und der Freskenzyklus in Assisi 1921

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 1 2.

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Bihlmeyer, Die ,fyrifchen' Kaifer zu Rom und das Chriftenturn 1916,
zu § 37, z der Auffatz von H. Böhmer über die Begründun}; des Zölibats
(in den Abhandlungen für A. Hauck), zu § 35 das Buch von J.
Geffcken über Kailer Julian 1914. Zu S. 95,6 (Altar, Priefter, Tempel),
S. 129, 4 (Kreuz und Labarum), fowie zur Gefchichte des Bilderdienftes
und der Bilderftreitigkeitcn hätte meine Unterfuchung über die altchrift-
liche Bilderfrage nach den literarifchen Quellen (Göttingen 1917) Dienfte
geleiftet (vgl. jetzt auch Joh. Geffcken, der Bilderftreit des heidnifchen
Altertums, Archiv f. Relig. Wi(T. 1919, 286 ff) Zu S. 233, 5 (Jungfräulichkeit
und Marienverehrung) vgl. meine Schrift Virgines Chrifti 1907,
zu S. 235, 2 (Konzil von Elvira) meinen Auffatz in d. Ztfch. f. neuteft.
Wiff. 1916, 61 ff, zu S. 179 (Burkitt-Breufchen) Ztfchr. f. neuteft. Wiff. 1911,

•^y ff, _ ]jej einer Neuauflage könnte das Buch gewinnen, wenn die

Fremdwörter auf die notwendigften Fachausdrücke befchränkt würden
(S. 75 145 162 174 kommt fogar das gräuliche datitudinariftifch' und
Latitudinarismus', S. 244, 2 ein ,euphuiftiicher* Ägypter, S. 91, Reglement
der Uniformitat', S. 213 ,Maltraitierung' u. ä.) Auch fonft könnte
die Sprache da und dort geglättet werden, S. 139,7 ,und durch gerade
die er feine Zwecke verwirklicht', S. 162, 6: ,de(fen Heirat einer Aria-
nerin nicht fpurlos blieb'. S. 172: ,zwifchen der Kirche des Abendlands
und des Orients', .zwifchen der alten und neuen Zeit', S. 256: ,feit 735
der Bifchof von York das Pallium erhielt', S. 127: ,für den Kaifer trat
es (das Labarum) mit feiner Hinwendung zum Chriftentum in Verbindung
'. Ein Mißftand ift namentlich die Auslaffung von ,worden', S. 144:
.das ift nie bewiefen', S. 45: ,ihr Gemahl fcheint hingerichtet zu fein',
S. 260: ,am 5. Juni 754 ift er bei Dokkum von den Friefen erfchlagen'
u. ö. — Leider find zahlreiche Druckfehler flehen geblieben.

München. Hugo Koch.

Grabmann, Prof. Dr. Martin: Drei ungedruckte Teile der
Summa de creaturis Alberts des Gr. Aus den Hand-
fchriften nachgewiefen u. gewürdigt. (Quellen und
Forfchgn. zur Gefch. des Dominikanerordens in Deutfch-
land'. 13. Heft.) (VIII, 88 S.) gr. 8«. Leipzig,
O. Harraffowitz 1919. M. 10 —

Albert dem Großen, deffen literarifcher Nachlaß in
der Gefamtausgabe feiner Werke von Jamny und Borgret
nur fehr unvollftändig enthalten ift, wird nach langen
Zeiten der Vernachlämgung neuerdings größere und mit
fchönen Erfolgen gekrönte Aufmerkfamkeit gefchenkt.
Seine ungedruckt gebliebenen Werke werden jetzt in
guten Editionen zugänglich gemacht. In mühfeligen, aber
erfolgreichen Unterfuchungen wird das Echte vom Unechten
gefchieden. Und neue Werke können feinem literarifchen
Lebenswerk eingeordnet werden. Hier hat fich
Grabmann ein bleibendes Verdienft erworben. Denn die
wertvolle Entdeckung, die wir feiner Vertrautheit mit
mittelalterlichen Handfchriften, feinen unermüdlichen
Nachforfchungen in den Beftänden in- und ausländifcher
Bibliotheken, feinem raftlofen Spürfmn und feinen fcharf-
finnigen Unterfuchungen des neu gefundenen Materials
verdanken, erfchließt uns den Weg zu einem vertieften
Verftändnis des Theologen Albert. Bisher hatte Albert
immer wieder als Naturphilofoph die Aufmerkfamkeit auf
fich gezogen. Das entfprach auch der Würdigung, die
ihm von feinen Zeitgenoffen und den folgenden Ge-
fchlechtern zu teil geworden war. Und die Pulle feiner
naturphilofophifchen Schriften rechtfertigte es ebenfalls.
Unzutreffend aber war es, wenn man ihm die Befähigung
zu fyftematifch-theologifcher Arbeit beitritt oder doch
für gering erklärte. Grabmanns Entdeckung beweift, daß
auch auf diefem Gebiet Albert mit Erfolg gearbeitet hat.
Wir lernen den Lehrer des Thomas von Aquin jetzt auch
als Moralphilofophen kennen. Der Erforfchung der
hochmittelalterlichen Scholaftik ift damit ein neues Arbeitsfeld
eröffnet worden. Daß, wie Grabmann nachweift,
die moralphilofophifchen Ausführungen Alberts vor 1246
niedergefchrieben find und einer Zeit angehören, da
Albert noch nicht den vollständigen Text der nikoma-
chifchen Ethik des Ariftoteles kannte, erhöht ihren Wert
für den Dogmenhiftoriker.

In der kompilatorifchen Arbeit eines nicht weiter
bekannten Fraters Martin von Brandenburg entdeckte
Grabmann eine bisher unbekannte Arbeit Alberts de
resurrectione, eine Efchatologie, die fich fchließlich als
fünfter Teil der Summa de creaturis entpuppte. Diefen
Nachweis zu führen geftatteten ihm Cod. Claff. IV n. 10
der Bibliotica Marciana zu Venedig und Cod. lat. 1688

der Wiener Hofbibliothek. In der venezianifchen Hand-
fchrift fand Grabmann zwei weitere Teile der Summa de
creaturis, eine Ethik — de virtutibus oder de bono —
und eine Sakramentenlehre, de sacramentis, diefe beiden
Traktate als pars III und IV der Summa und vor dem
Sentenzenkommentar gefchrieben, allo vor 1246. Den
intereffanten, durch Selbftzeuguifie Alberts ergänzten Beweis
hier wiederzugeben ift nicht möglich. Es muß genügen
, auf Grabmanns Entdeckung aufmerkfam zumachen.
Hoffentlich gelingt es, diefe bisher ungedruckten Teile
der Summa de creaturis bald durch den Druck der
Porfchung zugänglich zu machen. Sie würden von jedem,
der mit der Gefchichte der hochmittelalterlichen Scholaftik
fich befchäftigt hat, mit Freuden begrüßt werden.
Tübingen. Otto Scheel.

Schmarfow, Auguft: Das Franciskusfenfter in Königsfelden
und der Freskenzyklus in Allifi. (Berichte über die Ver-
handlgn. der Sächf. Akad. der Wiff. zu Leipzig. Philol.-
hift. Kl. 71. Bd. 1919. 3. Heft.) (38 S.) 8°. Leipzig,
B. G. Teubner 1919 M. 1.60

Schmarfow führt in einer gründlichen Analyfe des
Franziskus- und Klarenfenfters der Klofterkirche zu Königsfelden
bei Brugg im Aargau den für die Gefchichte der
deutfehen Kunft und ihrer Beziehungen zum italienifchen
Trecento bedeutfamen Nachweis der unmittelbaren Herkunft
ihrer Bildzyklen von den i. J. 1300 vollendeten
Wandgemälden der Franzlegende in der Oberkirche zu
Affifi, zeigt aber zugleich die PVeiheit in der Umgeftal-
tung der Glasbilder gegenüber den italienifchen Urbildern
auf und die offenbare Abhängigkeit diefer Umgeftaltung
von Stil und Tonart der nordfranzöfifchen Iriühgotik. Der
zweite Teil der Unterfuchungen gibt Auffchluß über das
Verhältnis des Klaren- und Franziskusfenfters, die künft-
lerifch befonders nahe zufammengehören, zu dem übrigen
Glasmalereienfchmuck des Chores, wobei Schm. für eine
j Datierung der erfteren möglichft in den Anfang der Ge-
famtausführung der Fenfter, die 1310—1337 erfolgte,
eintritt.

Berlin. Georg Stuhlfauth.

Jahresberichte der deutlchen Gelchichte von V. Loewe u
M. Sti mming. Jahrg. 1: 1918. (VIII, 124 S.) gr. 8°.
Breslau, Priebatfch 1920. M. 10 —

Mit diefer Erfcheinung werden die 1916 zuletzt für
1913 herausgegebenen Jahresberichte der Gefchichtswiffen-
fchaft' abgelöft. Während diefe Berichte von verfchie-
denen Fachmitarbeitern und univerfal gerichtet im allgemeinen
etwas an Aktualität zu wünfehen übrig ließen,
auch wohl fehr ungleichmäßig gearbeitet waren, im wefent-
lichen aber vollftändig fein follten, haben die Herausgeber
der neuen Jahresberichte den Mut zur Unvollftändigkeit.
Vor allen Dingen wollen fie fich zunächft auf die Deutfche
Gefchichte befchränken, darin aber möglichft fchnelle
Berichterftattung geben und auch gegebenenfalls ausführlicher
fein als die bisherigen Jahresberichte. Der Hauptvorteil
der neuen Bibliographie aber ift offenbar der, daß
die beiden Herausgeber auch ganz alleinige Bearbeiter
find. Dadurch gewinnt das Buch an Einheitlichkeit, vor
allem kann man es lefen und benutzt es nicht nur als
Nachfchlagewerk. Naturgemäß haften der erften Erfcheinung
noch mancherlei Schönheitsfehler an, die fpätere
Ausgaben nicht haben werden. Die Verfaffer haben fich
die Aufgabe fo geteilt, daß Loewe die Neuzeit, Methodologie
und allgemeine politifche Gefchichte, Stimming das
Mittelalter und die hiftorifchen Hilfswiffenfchaften behandelt
. Natürlich kann man noch hier und da Wünfche
äußern, im allgemeinen aber fcheint die Art diefer Jahresberichte
fo recht glückverheißend zu fein. Es wäre zu
hoffen, daß fie wirklich pünktlich in jedem Jahr erfcheinen
können, damit fie ihren Zweck voll erfüllen können.

Zu S. 16: Berchem, Siegel, ilt ein recht minderwertiges Machwerk
(vgl. Lit. Zentralblatt 18 Nr. 28); zur Kirchengefchichte wäre unbedingt
nachzutragen: G. Schreiber, Mutter und Kind in der Kultur