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Ausgabe:

1921

Spalte:

5-6

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stählin, Otto

Titel/Untertitel:

Die hellenistisch-jüdische Literatur 1921

Rezensent:

Lietzmann, Hans

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Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 1/2.

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fondern bringt fie auch zu einem Abfchluß, über den hin- | mit daran anfchließt (Apokryphen und Pfeudepigraphen

aus nicht mehr viel zu forfchen fein wird, bis wir neues
Material erhalten. In gründlichfter Unterfuchung macht es
der Verf. wahrfcheinlich, daß die Sprüche (obgleich die
eine Hälfte in Buch-, die andere in Rollenform vorliegt)
einer Exzerptenlammlung angehören, die aus dem Hebräerevangelium
(fchwerlich fpäter als um d. J. 140)
angelegt worden ift. Die beiläufige Bemerkung (f. LXII)

des A. T.); 2. Hiftorifche Literatur, Philofophie, Epos
und Drama, Pfeudepigraphifches, Philo. Stählins Werk
ift nun feit 9 Jahren als zuverläffiger Führer und Berater
bekannt: die neue Auflage hat ihren befonderen Wert
durch die fehr eingehende Berückfichtigung der neuen
Literatur. Namentlich die ausländifchen, vor allem eng-
lifchen und amerikanifchen Bücher und Auffätze, die uns

ift beachtenswert: ,1 am inclined to suspect that this | faft allen unbekannt und unzugänglich find, hat St. fleißig

Gospel was composed in Greek, but was almost at once
rendered in Aramaic : . . But I have not tried to mature
or to test this view.' Ob nicht daneben auch das Ägypterevangelium
benutzt ift — der Verf. verneint die Frage —,

gebucht und verwertet. Ich habe mit erheblichem Gewinn
den Abfchnitt über die Septuaginta und Philo gerade
unter diefem Gefichtspunkt durchgelefen und freue mich,
auf diefe vortreffliche Ergänzung zu Schürers drittem

ift doch nicht ganz ficher. Die Ausfüllung der zahlreichen [ Bande hinweifen zu können. G. Krüger hat in diefer
Lücken auf Grund der älteren Vorfchläge und eigener Zeitfchrift 1914, 619 den Wunfeh nach einer Sonderaus-
Unterfuchungen ift z. T. fehr kühn, aber immer wohler- j gäbe der Stählin'fchen Partien ausgefprochen, ein Wunfeh

wogen; der Kommentar ift ausgezeichnet. Nicht völlig
befriedigend ift, was über das Verhältnis des ,Prologs'
zu den Sprüchen ausgeführt ift In Bezug auf den Zweck
der Exzerptenfammlung hat der Verf. (f. LXIXf.) ficher-
lich das Richtige getroffen.

Berlin. A. v. Harnack.

dem ich mich — nur unter Ablehnung einer Sonderpa-
ginierung! — voll anfchließe. Aber der Verlag ift dem
nicht nachgekommen, zu feinem und unferem Schaden.
Die ganzen Bände einfchließlich der Profanliteratur werden
immer nur ganz wenige Theologen kaufen, die Sonderdrucke
würden in viele Hände gelangen.

Jena. Hans Lietzmann.

Graf, Realgymn.-Oberpraz. Dr. Julius: Der Hebraerbnef. _

Wiffenfchaftlich-prakt. Erklärg. (XVI, 332 S.) gr. 8«. Jhe 0(Je8 and psa|ms Qf So|omon_ Re.Edited for the Go_
Freiburg 1 B., Herder 19I8. M 14 - vernors of the John Rylands Library by Rendel Harris

Der Verf., em.Schüler des verdorbenen Tubinger and Alphonse Mingana. 8». vol. I: The Text. (XI,
Exegeten Belfer, deflen Andenken das Buch gewidmet , Iog s_ ^ FJs R od) vol n. Xhe TranVsl;i:

ift, gibt hier eine Auslegung des Hebräerbriefes, die fich
neben den katholifchen von Schäfer, Rohr, Seifenberger
wohl fehen laffen darf.

Eigenartig ift die Anlage: für jeden Abfchnitt wird erft (in Petit)
eine Überfetzung, dann als ,Sinn' eine freie Paraphrafe. dann die den
Zufammenhang ins Auge faffende Sacherklärung, endlich (wieder in
Petit) eine genaue Worterklärung des Einzelnen geboten — das wird
auf die Dauer doch etwas zu viel, zumal wenn am Schluß S. 277—
326 noch eine ,Praktifche Erklärung' folgt; hier werden ftark Nieber-
galllche Motive und Quietive verwendet. Beachtenswert ift die Verteidigung
des Meßopfers: ,kein jüdifcher Nomismus in der katholifchen
Religion'. Die einzelnen Erklärungen ftimmen nicht immer zufammen.
Knappe Exkurfe über Engellehre, Schriftexegefe, 2. Buße find daneben
noch eingefügt. Die Exegefe richtet ihr Augenmerk befonders auf die
praktifchen Zwecke des Briefes, den der Verf. als einen Dialog zwifchen
Furcht und Hoffnung charakterifiert. Er trifft damit richtig die eine
Seite der Sache, der andern, der theoretifierenden, wird er weniger gerecht
. Die Einleitung orientiert gut über den Stand der kritifchen
Fragen; wie meift in der neueren katholifchen Literatur werden alle
Löfungsverfuche objektiv vorgeführt; am Schluß entfeheidet fich der
Verfaffer aber doch für die kirchliche Überlieferung: alfo Hebr. ift ein
Paulusbrief, gerichtet an Judenchriften Paläftinas, die in Gefahr flehen
ins Judentum zurückzufallen, gefchrieben vor Zerftörung Jerufalems, vor
dem Beginn des Krieges, vermutlich 63/64,; bei Abfaffung hat ein
Schüler (diefer war vielleicht Alexandriner) geholfen — hierfür wird die
Autorität des Origenes und der Bibelkommiffion angeführt. Gr. fcheint
mit Belfer und Rohr dabei an Apollos denken zu wollen: daß diefen
Namen Luther zuerft in die Debatte warf, wird nicht erwähnt.

Der Kommentar hat feine Stärke in fehr gefchickten
Formulierungen und praktifch-feelforgerlicher Ausmünzung
. In jenen liegt auch eine Gefahr: fie täufchen über
ernftliche Schwierigkeiten hinweg; fie machen es dem
Verf. möglich einen Parallelismus zwifchen Rom. und
Hebr. aufzudecken. Regifter der Erklärer, der Sachen,
griech. Wortbegriffe fchließen den Kommentar, aus
dem auch der Nichtkatholik manches lernen kann.
Leider find im Griechifchen und in den Zahlen manche
Hörenden Druckfehler ftehen geblieben.

Halle. von Dobfchütz.

Stählin, Gv. Die hellenirtilch-jüdifche Literatur. (S.-Dr. aus:
Chrift, W. v.: Griech. Literaturgefchichte II, ') (S. 535
— 662) Lex. 8°. München. C. H. Beck 1919.
Die neue 6. Auflage von Chrifts griechifcher Literaturgefchichte
hat auch Stählins Werk in neuer Bearbeitung
vorgelegt. Auf eine ganz knappe Allgemeine Cha-
rakteriftik des jüdifchen Hellenismus in der Literatur
folgt die Einzelbehandlung. Hier ift foweit ich fehe, gegenüber
der vorigen Autlage nichts erhebliches geändert.
Es wird behandelt 1. Die (jberfetzungsliteratur und was

tion (464 S.) Mancherlei, Univ. Press 1916. 1920.
Die beiden apokryphen Schriften find in diefer Publikation
in einer fo vorzüglichen Geftalt vorgelegt und
bearbeitet, daß nichts mehr zu wünfehen übrig bleibt.
Der erfte Band bringt auf 113 Tafeln in Lichtdruck die
Oden und Pfalmen in fyrifchem Text (dazu Od. Sah
17,7—21,7 nach dem Cod. Nitrensis) und in Umfchrift
das ganze fyrifche Material (dazu das koptifche aus der
Piftis Sophia mit lateinifcher Überfetzung). Der zweite
foeben erfchienene Band enthält die Überfetzung, eingeleitet
durch eine große, auf alle hier einfchlagende Fragen
fich erftreckende Unterfuchung (205 SS.). Die Überfetzung
der Oden ift von einem ausführlichen Kommentar
begleitet, der bei der Überfetzung der Pfalmen fehlt. Am
Schluß (S. 433) ift ein neues Zitat aus den Pfalmen Salo-
mos in fyrifcher Sprache mitgeteilt (III, 1—6, zitiert am
Rande eines Ms. der Hymnen des Severus); die Überfetzung
deckt fich nicht mit der, in welcher der ganze
falomonifche Pfalter erhalten ift.

Welche Genugtuung und Freude muß es Herrn
Rendel Harris bereiten, daß es ihm, dem Entdecker
der Oden Salomos und erften Herausgeber vergönnt ge
wefen ift, uns auch die abfchließende Ausgabe zu fchenken;
denn hier ift alles gefchehen, was gefchehen konnte, um
durch ein Werk das zu erfetzen, was feit der Entdeckung
über die Oden und zu ihnen gefchrieben worden ift, und
diefe Arbeiten weiter zu führen. Die Texte find aufs
forgfältigfte aufs neue unterfucht, an vielen Stellen ver-
beffert und die Überfetzung darnach revidiert; zahlreiche
Sätze find jetzt erft lesbar und verftändlich; die gefamte
Literatur (die Bibliographie zählt p. 454 ff. ungefähr 200
Nummern!) ift durchgearbeitet und alles Wertvolle in ihr
erwogen; das Kapitel über die Überlieferung des Werkes
(Zitate, ufw.) ftellt eine ganz neue Unterfuchung dar (mit
Recht wird geurteilt, daß Laktanz fein Zitat aus den Oden
aus einer Teftimonienfammlung bezogen hat), und die
literarifchen Beziehungen find nach allen Richtungen hin
geprüft. Hinzu treten die Kapitel: ,Urfprung und Zeit',
.Chriftus und Salomo', ,die Chriftologie der Oden', ,die
Oden und der biblifche Targum', ,der Stil der Oden'
mit befonderer Beziehung auf die Pfalmen Salomos, ,die
Bibelzitate', ,der poetifche Charakter', ,die Einheit der
Oden', ,die Grundfprache der Oden (Syrifch oder Grie-
chifch; S. 138—175; die überwiegenden Gründe fprechen
für das Griechifche), ,die koptifche Verfion', ,die Oden

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