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Ausgabe:

1921 Nr. 2

Spalte:

323-324

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jansen, Joh. Laurentius C.

Titel/Untertitel:

Der hl. Alfons Maria von Liguori und die Gesellschaft Jesu in ihren freundlichen Beziehungen zueinander 1921

Rezensent:

Hoensbroech, Paul

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323

Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 25/26.

324

Reminiszenzen und Lefefrüchte Bonaventuras. Guardini
muß auch felbft zugeben, daß es Bonaventura an der
ficheren Betrachtung der Griechen fehlt und daß man das
Bild eines gelockerten Begriffssystems vor fich habe. Eine
wefentliche Korrektur unferer bisherigen Auffaffung von
der Erlöfungslehre B,'s will mir darum nicht nötig er-
fcheinen.

Tübingen. O. Scheel.

Brucker, Joseph S. J.: La Compagnie de Jesus. Esquisse
de son institut et de son histoire (1521—1773). (VII,
842 S.) kl. 8°. Paris, G. Beauchesne 1919. Fr. 12.—
Ein in echter Jefuitenart gefchriebenes .Gefchichts'-
werk: voll von Fälfchungen, Auslaffungen, Vertufchungen;
dabei unhandlich in der Form (842 Seiten in Klein-
Oktavl) und unvollkommen in der Gliederung; nicht einmal
ein brauchbares Inhaltsverzeichnis ift vorhanden.
Einige Stichproben der ,Gefchichtlichkeit'. Das berüchtigte
Werk der belgifchen Ordensprovinz: Imago primi saeculi
Societatis Jesu, das von Selbftvergötterung (Selbftlob
wäre zu wenig gefagt) in Wort und Bild ftrotzt, wird
verteidigt: Jl semble qu'aux seuls Jesuites il soit inter-
dit de dire des leurs le bien, qu ll savent etre la
verite; nur ein gewiffer defaut de goüt et de mesure
wird zugegeben (210), aber fofort durch die Redewendung
wettgemacht: N'ont-ils pas (les Jesuites), depuis leurs pre-
miere apparition dans le monde, ete assez vilipendes, assez
calomnies, meconnus meme de bien des catholiques,
pour avoir le droit de faire l'eloge de leur mere
et de leurs freres (210)? In der Tat, ein echt ,evan-
gelifcher', d. h. dem Evangelium Chrifti gemäßer Grund
für meterdicke Selbftvergötterung! Die böfe Gefchichte
des Jefuiten Lavalette mit feinem Millionen-Schwindel auf
Martiniqe ift nach der Bruckerfchen Darftellung eine einzige
große Fälfchung (810—812); vgl. mein Werk: ,14 Jahre
Jefuit' 2;i, 224f.). Vom Aufhebungsbreve Klemens' XIV
wird gefagt, es fei durch Beftechung (le concours grasse-
ment stipendie des plus intimes considents de Clement XIV)
erlangt worden, und der fpanifche Gefandte Molino habe
es dem Papfte in die Feder diktiert: qui dicta au Pape
tout le fond du bref de suppression (825). Der hinter-
liftige und verleumderifche Feldzug der Jefuiten gegen
Klemens XIV war nur une critique un peu trop vive d un
ou deux Jesuites (826), während er tatfächlich ein folcher
Skandal war, daß Pius VI amtlich gegen ihn auftrat.
Kurz, Brucker S. J. reiht fich als Gefchichtsfchreiber feinen
Ordensbrüdern (um nur neuere und neuefte zu nennen)
Hammerftein, Pefch, Stiglmayr, Pachtler, Noßlitz, Reichmann
, Duhr ufw. würdig an. Ein wahres Kultur-Unglück
ift es, daß folche jefuitifche Fälfchungen auch in nicht
katholifche Kreife als ,Wahrheiten' eindringen, und zwar
deshalb, weil die nicht-katholifche Gelehrtenwelt zu gleichgültig
oder zu träge ift, den Fälfchungen nachzugehen
und fie feftzußellen. Den Schaden davon hat nicht nur die
Wiffenfchaft, fondern, was weit fchlimmer ift, das Volksleben
. Wie lange foll diefer unwürdige und verderbliche
Zuftand noch dauern?

Berlin-Lichterfelde. Graf Hoensbroech.

JanTen, Joh. Laurentiuse. SS. R., Der hl. Alfons Maria von Liguori

und die Gerellfchaft JefU in ihren freundlchalüichen Beziehungen
zueinander. Nach dem Holländiichen bearb. von Klemens Maria
Henze C. SS. R. (XII, 108 S.) kl. 8°. Freiburg i. B., Herder 1920.

. M. 3.80; geb 5.60

Die Schrift gehört in die endlofe Reihe ultramontan-katholiicher
Schönfärbereien, Vertufchungen, Wahrheitsbeugungen utw. Zwiftigkeiten
innerhalb der römifchen Kirche dürten nicht bekannt werden; zumal
die religiöfen Ordensgenoffenfchaften muffen der Außenwelt flets als
eine große Brudergemeinde erfcheinen, auch wenn die ,Brüder' in bit-
terfter Fehde miteinander gelebt haben; man denke an die wütende Befehdung
zwilchen Dominikanern und Jefuiten über die .Lehre von der
Gnade'. Ähnlich verhält es fich mit Jefuiten und Redemptoriften. Allerdings
war der Stifter der Redemptoriften, Alfons v. Liguori, ein Anhänger
und Nachbeter der Jefuitenmoral, aber nur folange es ungefährlich
war. Als der Sturm gegen die Jefuiten fich erhob und es

(chließlich zur Aufhebung des Jefuitenordens kam (1773), rückte Liguori
fchleunigft und foweit wie möglich von feinen ,verehrten Lehrern' ab,
wie feine Briefe an feinen Verleger Remondini beweifen. In geradezu
bösartigen Streit gerieten dann ,die Söhne des hl. Alfons' mit den .Söhnen
des hl. Ignatius' über den Probabilismus. Der Streit dauert in übelfter
Form fort bis in die Gegenwart. Die Schriften der Jefuiten Ballerini,
Lehmkuhl u. mancher Redemptoriften, vor allem das große redemptori-
ftifche Werk: Vindiciae Alphonfianae, auf das die Jefuiten mit Vindiciae
Ballerinianae antworteten, find Zeugen. Das Alles hätte der Verfaffer, wollte
er gefchichtlich arbeiten, mitteilen müffen. Freilich, dann hätte er kein nur
in Licht getauchtes Bild malen können, und das mußte doch ,zur größeren
Ehre Gottes' gefchehen. Alles in Allem, trotz einiger bisher
unbekannter Einzelheiten, eine für den Kenner wertlofe, für den Nicht
kenner irreführende Schrift.

Berlin-Lichterfelde. Graf Hoensbroech.

Kuonder, P.Anton, S.J.: Der chinerifche Riten Kreit. (Abhandlgn.
aus Miffionskunde u. -gefchichte, 22. Heft.) (47 S.) 8°. Aachen,
Xaverius-Verlag 1921. M. 5 —

Das gang und gäbe proteftantifche Urteil — der wirliche Kenner
der Vcrhältniffe kann das nur fchwer verftehen — fchlägt in der unter
dem Namen Ritenftreit bekannten miffionsgefchichtlichen Frage fich auf
die Seite der katholifchen Gegner der pädagogifchen Akkommodations-
praxis der in China im 17. und 18. Jahrhundert das apoftolifche Werk
betreibenden Patres der Geferlfchaft Jefu. Noch lagert der literarifchc
Niederfchlag der erft durch päpftliches Machtwort zum Veiftummen gebrachten
theologifchen Streitigkeiten zum größten Teile ungedruckt in
den Archiven. Die einfchlägige Literatur, foweit fie gedruckt ift, über
ein ganzes Hundert zum Teil mehrbändige Werke, verzeichnet keineswegs
vollftändig, immerhin doch dem, der fich gründlicher unterrichten
wollte, auf lange hin Wegweiferdienft leiftend H. Cordier in feiner
Bibliotheca Sinica. Die kleine wirklich ruhig und vorurteilslos über die
Frage fich ausfprechende Schrift Huonder's, die nicht fo fehr den
gefchichtlichen Verlauf des Streites fchildern, fondern nur die wichtig-
ften Gefichtspunkte hervorheben und die hauptfächlichften dem ganzen
Streite zu Grunde liegenden Urfachen und Triebkräfte aufdecken will,
dürfte für fich genügen, auch Proteftanten zur Nachprüfung ihres Urteils
zu beftimmen. Diefe 47 Seiten brauchen bloß wirklich gelefen zu
werden, und viele auch bei uns werden anders denken als bisher.
Leipzig. H. Haas.

Boeck, Chriftian: Schlelerniachers vaterländirches Wirken 1806—1813

(64 S.) 8°. Berlin, Staatspolitifcher Verlag 1920. M. 8.50

Begleitfchrift zu des Vf. ebenda erfchienener Ausgabe von Schl.'s
vaterländifchen Predigten, auf Grund guter Kenntnis, anziehend und ge-
meinveritändlich.

Kiel. H. Mulert.

Gülzow, D. Erich: Ernft Moritz Arndt in Schweden. Neue Beiträge

zum Verftändnis feines Lebens und Dichtens. (28 S.) 8°. Greifswald
, Ratsbuchhdlg. L. Bamberg 1920. M. 3.60
In diefem lefenswerten Vortrage erfährt der Arndt-Biograph Meisner
allerlei recht wefentliche Berichtigungen. So in bezug auf Arndts Le-
bensgefchichte und nicht zuletzt hinfichtlich des ,Gebetbuches für zwei
fromme Kinder', in dem das Lied ,Der heiige Chrift ift kommen' erftmalig
erfcheint (hier ift auch Nelles .Schlüffel', S. 313, nunmehr richtig zu
Hellen). Herrlich und wie für diefen Tag gefchaffen find die Zitate aus
Arndts nicht gehaltener Greifswalder akad. Künigsgeburtstagsrede (1810).
Münfter W. J. Smend.

Inventare der evangelifchen Pfarrarchive im Freiftaat Heffen.

Hrsg. v. d. Heffifchen Oberkonfiftorium. Bearb. von
Archivrat D. Fr. Herrmann (Inventare der nichtftaatl.
Archive im Freiftaat Heffen, I. Bd.) (XXXIII, S. 529-1232.)
8°. Darmftadt, Heffifcher Staatsverlag 1920. M. 20.—

Beiträge zur heffifchen Kirchengefchichte red. von Prof. D.
Dr. Wilh. Diehl u. Archivrat D. Fritz Herrmann.
Ergänzungsband VII zum Archiv f. heff. Kirchengefchichte
und Altertumskunde. Neue Folge. (III, 467 S.)
8°. Darmftadt, Hiftor. Verein f. Heffen 1921. M. 24.—
Heffifche Biographien. In Verbindung mit Karl Effelban
und Georg Lahnerthrsg. von HermannHaupt. Bd. 1.
(III, 520 S.) u. Band 2, Lief. 1 (96 S.). Darmftadt.Staats-
verlag 1912 und 1920. M. 22.50 u. M. 4.50

Die oben genannten Haffiaca dürfen auf Intereffe
auch außerhalb der heffifchen Landesgrenzen rechnen.
Die Riefenarbeit der Inventarilation aller Pfarrarchive darf
als leuchtendes Beifpiel allen anderen Kirchengebieten
vorgehalten werden. Den Heffen aber mag fie als Mahnung
dienen, ihre heimifche Kirchengefchichte immer
weiter auszubauen. Die .Beiträge' bringen zunächft eine
16 Bogen umfaffende Monographie von Diehl ,zur Gefchichte