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Ausgabe:

1921

Spalte:

1-2

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ungnad, Arthur

Titel/Untertitel:

Briefe König Hammurapis (2123 - 2081 v. Chr.) nebst einem einleitenden Überblick über die Geschichte und Kultur seiner Zeit und einem Anhang, Briefe anderer altbabylonischer Herrscher enthaltend 1921

Rezensent:

Meissner, Bruno

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiuS und Professor D. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 18 M

Bezugspreife für das Ausland jährlich Fr. 25—; 1 £; t $—; holl. Gulden 12—; fkandin. Kr. 18-

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichau nr
46 Jahrg. Nr. 1/2 Profeiror D.Titius in Göttingen Nikolausberger Weg 66, zu fenden. 29. JanUar 1921

"w " ° ' Rezenfionsexemplare ausfchließlu u an den Verlag.

Ungnad, Briefe König Hammurapis (Meißner), i Arnold, F., Die Gefchichte d. alt. Kirche (Koch).
_ Altbabylonifche Briefe aus dem Mufeum zu Grabmann, Drei ungedruckte Teile der Summa

Philadelphia (Derf.), de creaturis Alberts des Gr. (Scheel).

Bhagavad Gita, übf. v. Fr. Hartmann i Schmarfow, Das Franciskusfenfter in Königs

(Franke).

Aalders, Tij-kentering in de Oud-Teftamen-
tifche Weteiifchap (Nowack)

Wieg and, Sinai (Greßmann).

Wijngaarden, De fociale pofitie van de vrouw I (Kattenbufch).

bij Ifrael (Volz). ; Zeitfchrift des Vereins für Kirchengefchichte

White, The Sayings of Jefus (v. Harnack). der Provinz Sachien (ü. Giemen).

Graf, Der Hebräerbrief (v. Dobfchütz). Bergmann, Das Leben und die Wunder Job.

Stählin, Die helleniftilch-jüdifche Literatur ! Winkelmanns (Titius).

' (Lietzmann). Friedrich, Volksfreund Gregory (Derf.)

TheOdes and Pfalms of Salomon. Re-Ed. Meffer, Fichte; Seine Perfönlichkeit und feine

by Rendel Harris and A. Mingana. (v. Philofophie (Hirfch).

Harnack). Engelhardt, J. G. Fichte (Derf.)

Hcffen, Die unmittelbare Gotteserkenntnis nach j Windelband, Piaton (Schufter).

dem hl. Auguftin (Scheel). I Riehl, Fr. Nietzfche (Derf.)

Heffell, Johs., Die Religionsphilofophie des

Neukantianismus (H. Scholz).
Grützmacher, R. H., Textbuch zur fyfte-
matifchen Theologie und ihrer Gefchichte
felden u.d.Freskenzyklus in Affifi (Stuhlfauth). (Stephan).
Jahresberichte der deutfehen Gefchichte von ; Horfch, Infant Baptism (Scheel).

Loewe u. M. Stimming (Lerche). ] Geley, Die fog. fupranormale Phyftologie und

Sippell, Zur Vorgefchichte des Quäkertums die Phänomene der Ideoplaftie. (R. A. Hoff-

mann).

Schrenck-Notzing, Chr. v., Phyfikalifche

Phänomene des Mediumismus (Derf.).
Stingeder, Gefchichte der Schriftpredigt
(Schian).

Bruhn, Religiöfc Selbfthilfe (W. Thimme).
Horneffer, Religiöfe Volksbildung (Knev«ls).
Itfchner, Altteftamentliche Propheten.
Meffer, Der radikale Zweifel (H. Richert).
Mitteilung.
! Bibliographie.

Ungnad, Prof. Arthur: Briefe König Hammurapis (2123 —I ihres Berufes (112, 23fr.). Der Obmann der Weber be-
2081 v.Chr.) nebft einem einleit.Überblick über dieGe-i auffichtigt die Weberinnen einer Fabrik (32, 5ff.). Kauf-
fchichte u. Kultur feiner Zeit u. einem Anhang, Briefe ! männifche Gefchäfte find vollkommen ausgebildet. Geld-
anderer altbabylon. Herrfcher enthaltend. (VIII, 138 S. ! bedürftige Leute borgen Geld und verpflichten fich, es
mit 2 Abbildgn.) 8°. Berlin, K. Curtius 1919. M. 10 — , fchon nach 10 Tagen zurückzuzahlen (38, 12). Konnte
Ungnad, Arthur: Altbabylonifche Briefe aus dem Mufeum zu
Philadelphia. Umfchrieben u. überfetzt. 144 S.) gr. 8°.
Stuttgart, F. Enke 1920.
U. hatte im VI. Bande der Vorderafiatifchen Bibho

der Schuldner feinen Verflichtungen nicht nachkommen,
fo wurde er vom Gläubiger in Schuldhaft genommen
(106, 23). Wenn jemand für längere Zeit auf Reifen ging,
fo deponierte er feinen Geldbeutel im Haufe eines zuver-
thek^alle"(jamals bekannten altbabylonifchen Briefe aus 1 läffigen Mannes (49, ioff). Der Kaufmann handelte mit
der Zeit der I. Dynaftie von Babel, fei es von Königen i allen möglichen beweglichen und unbeweglichen Sachen,
oder von Privatleuten, umfchrieben und überfetzt. Jetzt I Als eine Sache galten auch die Sklaven, die häufig in
(Nr. 1) fetzt er die hiftorifch und rein menfehlich inter- 1 andern Befitz übergingen (119, 3 ff). In einem Briefe er-
effantenBriefe Hammurapis und feiner Nachfolger in deut- fahren wir den Preis eines Haufes (117, 12); er betrug
fcher Bearbeitung einem größeren Publikum vor. In einer "3 Mine und il2 Sekel Silber. Wie notwendig der Asphalt
ausführlichen Einleitung gibt der Verfaffer noch einen im menfehlichen Leben gebraucht wurde, erfehen wir
Überblick über die ganze Kultur diefer Epoche. aus der inftändigen Bitte eines Mannes, ihm doch wenig'ftens

Inzwifchen fit nun reichliches neues Material an altbabylonifchen
Briefen publiziert worden, vor allem durch
Ungnad felbft, dann durch Schollmeier und Luckenbill
. Diefes ganze Material wird nun wieder vom Verf.

ein bißchen davon zu fchicken (141, 5 ff).

Auf das Familienrecht bezieht fich ein intereffanter
Brief (55, 6ff), der eine Erbfchaft und einen fich daran
anfchließenden Prozeß behandelt.

umfchrieben und überfetzt (Nr. 2). Die hier behandelten Der Staat bezog feine Einnahmen aus Steuern und
Urkunden find nicht immer, gut erhalten und bringen uns Fronden. Von allen Feldern, Häufern und Erträgniffen
nicht fo viel Überrafchungen wie die erfte Sammlung, , erhob er eine Abgabe, die vom Steuerdirektor von Babel
trotzdem ift aber auch diefe fprachlich wie inhaltlich recht 1 eingetrieben wurde (89, 7 ff). In 43, 4 ff. gibt ein hoher
wichtig. Die meiften beziehen fich auf die Landwirtfchaft Beamter feinen Untergebenen den Auftrag, gegen eine
und Viehzucht. Mehrere betreffen Verhandlungen über . beftimmte Familie nicht vorzugehen, da der Hausvorftand
die Pacht eines Feldes (41, 6ff; 103, 4ff). Sodann hören | vom Frondienfte ausgenommen fei.

wir, daß mehrfach Bauern fich Getreide zur Saat befchaffen
wollen (66, I2ff.; 84, 4ff; 136, 5ff), einmal auch Kümmel
(98, 15), der um Babel herum befonders üppig gedieh.
Auch Sefimi wurde angebaut (7, 6); denn Sefamöl war
das einzige Pflanzenfett, das die Babylonier zur Verfügung
hatten. Zur Feldbeftellung gebrauchte man Rinder; wenn
man felbft keine hatte, entlieh man welche. Aber der
Mieter hat natürlich für etwaigen Schaden des Tieres aufzukommen
(7, 5 fO" r , r , , ^

Neben der Landwirtfchaft blühte auch Gewerbe und
Handel. Die Fifcher werden gefchützt in der Ausübung

In das Ende der Dynaftie führt wohl 134, 6ff. Hier
haben fich nordifche Barbaren in den Häufern von Gärtnern
feftgefetzt und fie gezwungen, nach Babel auszuwandern
.

Ein ausführliches Gloffar befchließt die Brieffammlung.

Da inzwifchen fchon wieder viel weitere altbabylonifche
Briefe publiziert find, werden wir von dem Verfaffer gewiß
bald eine Fortfetzung feiner Arbeit zu erwarten haben.
Breslau. Bruno Meißner.