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Ausgabe:

1921 Nr. 2

Spalte:

298

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schlüter, Joachim

Titel/Untertitel:

Die Theologie d. Hugo Grotius 1921

Rezensent:

Kohlmeyer, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 23/24.

298

Pfilofophic des Pico von Mirandola ifl begründet auf das von Ed. Zcller,
das in feine kleinen Schriften Bd. III S. 333 fr wieder aufgenommen
worden ift und wohl die Anficht Signarts, der mir gegenüber einmal die
Weitervertretung derfelben definitiv abgelehnt hat, für immer völlig
befeitigt hat.

3. Zu S. 11 Nr. 76, Daß Zwingli an der Aktion, die rümifchc
Curie zur Zurücknahme der Bulle Exfurgc Domine zu veranlagen, felber
fehr flark beteiligt war, geht aus der Mitteilung von Zwingli in feinem
Briefe an Oswald Myconius vom 24. Juli 1520 (H. Zwingiis fämtl.
Werke, neue Ausgabe Bd. VII S, 344 Z. 18) mit aller Klarheit hervor,
wenn auch eine direkte Weisung an Zwingli aus dem Erasmifchen Kreife
nicht nachweisbar ist.

4. Im Übrigen gibt mir gerade Köhlers fehr verdienftvofle Arbeit
Anlaß eine Warnung zu wiederholen, die ich fchon in der Vorrede
zum L Bd. meiner Theologie Zwingli S. VI ausgefprochen habe: pudern
möchte ich das von mir auch früher fchon ausgefprochene Bedenken
(Theol. Ltteraturzeitung 1885 S. 79) nicht unterdrücken, daß doch eine
Gefahr für die Hochfehätzung der Selbftändigkeit eines Mannes, wie
Zwingli, der mit aller Energie feine Salbftändigkeit nicht bloß einem
Luther, fondern auch den Kirchenvätern gegenüber zu wahren fucht,
darin liegt, wenn man für jeden Gedanken eine Abhängigkeit nach-
weifen möchte. Eine folche mechanifche Auffaflüng paßt zwar in
unfere mechanifche Weltanfchauung, verkennt aber alle Originalität und
Freiheit auch in der Aneignung des Fremden vollftändig und löft das
Geifleslebeu in lauter Atome auf.'

Cannftatt. AuguftBaur.

Schottenloher, Oberbibliothekar Dr. Karl: Philipp
Ulhart. Ein Augsburger Winkeldrucker und Helfershelfer
der .Schwärmer' und .Wiedertäufer' (1523—1529).
(Hiftor. Forfchungen u. Quellen, 4. Heft.) (160 S. m.
6 Taf.) gr. 8°. München, Dr. F. O. Datterer & Cie
1921. M. is H-20.% V.-T.-Z.

Es wurde bislang als ein recht läftiger Übelftand empfunden
, daß für eine beftimmte Gruppe von Schriften
aus der Mitte und dem Ende der zwanziger Jahre des
16. Jahrhunderts, die namentlich für den Abendmahlsftreit
und die Wiedertäuferbewegung wichtig find, fich Drucker
und Druckort nicht beftimmen ließen. Obgleich insbe-
fondere die bei Titeln und Überfchriften verwendeten
fehr charakteriftifchen Marken Auszeichnungstypen über
die gleiche Herkunft diefer Drucke keinen Zweifel ließen,
fchien doch keine Spur auf einen beftimmten Drucker
hinzudeuten. Schottenlohers Verdienft ift es, durch feine
mit mufterhafter Akribie durchgeführte Unterfuchung
die Entftehung der Drucke in der Offizin des Augsburger
Druckers Philipp Ulhart einwandfrei feftgeftellt zu haben.
Typen und Druckzierrate unferer Drucke finden fich nicht
nur feit 1529 auf Drucken, die Ulhart mit feinem Namen
bezeichnet hat, fondern auch auf einem Kalenderfragment
aus dem Jahre 1525, einer Druckprobe, die mit Sicherheit
mit einem Briefe des Augsburger Veit Bild vom
3. Juli 1525 in Verbindung zu bringen ift, in dem er
dem Mediziner Neithardt in Lauingen empfiehlt, feinen
Kalender bei Philipp Ulhart in Augsburg drucken zu
laffen. Hinzu kommt die urkundliche Feftftellung, daß
Ulhart fchon feit 1523 als Drucker tätig gewefen ift.

Damit find 191 von Schottenloher forgfältig zufammen-
getragene Drucke beftimmt, die bisher namenlos waren,
darunter 32 Lutherdrucke (zu ihnen gehört der einzige
vorhandene Druck von Luthers Sendbrief an die Chriften
zu Reutlingen, Juni 1526). »

Ulhart war ein eifriger Beförderer zunächft der Gegner
der lutherifchen Abendmahlslehre, fodann der Wiedertäufer.
Im einzelnen haben Schottenlohers Forfchungen viele
wertvolle Ergebniffe gezeitigt. So ift die Abkürzung
Phil. Mel. in dem Druck ,Von dem geiftlichen Prieftertum
Chnfti' (f. S. 114/115) nicht, wie bisher gefchehen, als
Philipp Melanchthon zu deuten, fondern als Philipp Mel-
hofer. — Eine Irreführung ftellt der Druck von Bugen-
hagens Bericht des Nachtmahls dar, der den Anfchein
erwecken follte, als ftehe Bugenhagen auf dem Boden
der Zwinglifchen Abendmahlslehre (Nr. 133, dazu S. 31).—
Pur die Schrift .Unterricht aus göttlichen und geiftlichen
Rechten' (Nr. 135) wird Michael Kellers Verfafferfchaft
erwiefen. Dagegen erfcheint es fraglich, ob, wie Schottenloher
annimmt, Johann Schnewil mit dem Augsburger

Haug Marfchalck identifiziert werden muß. Hinwiederum
ift fcharffinnig Jakob Dachfer als Verfaffer der in ihrer
Bedeutung bislang nicht nach Gebühr gewürdigten Schrift
.Eine göttliche und gründliche Offenbarung von den wahrhaftigen
Wiedertäufern' feftgeftellt.

Von Ulhart gedruckt find die drei Erwiderungen
Karlftadts gegen Luthers Schrift .Wider die himmlifchen
Propheten', fowie Ickelfamers /Klag etlicher Brüder'. Offenbar
war Thomas Zweifel (bei Baumann, Quellen S. 17)
im Irrtum, wenn er berichtet, Karlftadt habe ,auch etwan-
vil buchlin derfelben feiner materien wider hochgemelts
facrament hie zu Rotenburg heimlich trucken und
ausgeen' laffen. Immerhin hätte man eine Erwähnung
diefer Quellenftelle und eine Auseinanderfetzung mit
ihr gewünfeht. 1

Zum Schluß verzeichnen wir noch einige Druckverfehen. Es ift
zu lefen S. 21 Z. 5 Nr. 28 (ftatt 128); S. 23 Z. 37 Nr. 90 (ftatt 99) und
S. 24 Z. 28 Nr. 91 (ftatt 191).

Leipzig. Hermann Barge.

Schlüter, Lic. Joachim: Die Theologie d. Hugo Grotius.

(IV, 120 S.) gr. 8°. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht
1919. M. 3.60
In der .gefchichtlichen Wetterecke' (Seeberg), uer
Grotius angehört, ift noch viel zu tun; Schl.'s Diff. gibt
einen Beitrag dazu. Nach einer Schilderung der Frömmigkeit
des Grotius bringt fie feine theologifchen Pofitionen,
unter denen der apologetifche Entwurf in ,De veritate reli-
gionis Chriftianae', die überkonfeffionelle Kritik an der
Reformation, die realiftifche Rechtfertigungslehre, der
Kampf gegen die Prädeftination, die Toleranz und Unionstendenz
am wichtigften find.

Die Darfteilung ftützt fich auf gründliches Quellen-
ftudium und ift fchlicht und klar. Die eigene Beurteilung
geht von einer zu fchmalen Bafis aus (was bei einer Diff.
ja verftändlich ift), der Verf. fieht in Grotius im wefent-
lichen nur eine Wiederholung der Stellung des Erasmus,
ohne fich nach den gefchichtlichen Zufammenhängen mit
der Generation nach Erasmus in Fragen wie Rechtfertigung,
Prädeftination genügend umzufehen. Vor allem Coornherts
Einfluß ift zweifellos tiefer und breiter gewefen.

Daß die wohlbegründete Anficht von Dilthey und Troeltfch, die
Stoa habe auf jene Theologie ftark gewirkt, zugunften nominaliftifcher
Einflüffe S. 24 abgewiefen wird, ift nicht hinreichend begründet. Eine
Bemerkung wie S. 74: .Seit 1561 (Confeffio Belg., S. 4 auf 1562 angefetzt
) waren die Niederlande offiziell ein reformiertes Land' ift irreleitend
.

Kiel. E. Kohlmeyer.

Bergdolt, Pfr. Lic. Johs.: Die freie Reichstädt Windsheim
im Zeitalter der Reformation (1520—1580). (Quellen u.
Forfchungen z. bayer. Kirchengefch. Bd. V.) (XIII, 305 S.)
gr. 8°. Leipzig, Ä. Deichert 1921. M. 40 —

Die Reichsftadt Windsheim hat in der Reformations-
gefchichte einen guten Klang. Ihre Teilnahme an der
Proteftation von Speyer und am Reichstag von Augsburg ift
unvergeffen. In letzter Zeit ift auch bekannt geworden,
daß der um die evangelifche Lehre in Franken hochverdiente
markgräfliche Kanzler Georg Vogler hier einen
Zufluchtsort fand und längere Jahre ihre Gefchicke mit
beftimmte. Über die Reformationsgefchichte der Stadt
wußten wir aber recht wenig; was Chr. W. Schirmer 1848
in feiner ,Gefchichte Windsheims und feiner Nachbarorte'
bot, befriedigt doch recht wenig, obwohl ihm noch das
unverfehrtereichsftädtifche Archiv zu Gebote ftand. Allerdings
erhebt fich die Frage, ob es die Mühe lohnt, eine
Reformationsgefchichte diefer Reichsftadt zu fchreiben;
einerfeits könnte man darauf hinweifen, daß der Rat fich
immer in Nürnberg Rat und Weifung erholte; andrerfeits
möchte die Kleinheit der Verhältniffe nicht für eine eigene
bedeutendere Entwicklung fprechen. Ein Blick in
den vorliegenden ftattlichen Band, der die ganze Reformationsgefchichte
bis zur Ablehnung der Konkordienfor-
mel darfteilt, läßt folche Fragen verftummen. Wenn auch