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Ausgabe:

1921

Spalte:

286

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schloß, Oskar (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Zeitschrift für Buddhismus. 3. Jahrg. Heft 1/2 1921

Rezensent:

Franke, R. Otto

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weckung' betitelte Sammlung buddhifierender Gedichte.
Das Zusammengehen beider ift wohl nicht durch äußerliche
Zufallsgründe, fondern durch innere Wefensverwandt-
fchaft zuwegegebracht. Die literarifche Art ift in beiden
fällen zwar verfchieden, gemeinfam aber die fprachliche
Gewandtheit und überhaupt die hohe Beanlagung beider
Autoren, ihre Begeifterung für den Buddhismus, ihre
Überzeugtheit, obwohl fie an die Texte nur mit Laien-
verftändnis oder jedenfalls mit nicht viel mehr als Laien-
verftändnis herantreten, die wahre Erkenntnis des Wefens
des Buddhismus zu befitzen, und, müffen wir hinzufügen,
die Tatfache, daß fie feinem Wefen doch nicht gerecht
werden. Diefe Überzeugtheit und diefe Tatfache des Ver-
fagens tritt aus Gr.'s Beitrag (und auch aus feinem früheren
großen Werke) greifbarer zutage als aus Muchs Dichtungen
. Gr.'s Scharffinn führt ihn, auch ganz abgefehen
von den zweifellofen Mißgriffen, auf Wege, auf denen der
von ihm Geführte das Gefühl der Sicherheit verliert. Es
ift ein ganz beachtenswertes Gedankenfyftem, was er vor
uns aufbaut, aber es ift das Gr.'s, nicht Buddhas. Vor
allem hat Buddha nichts zu fchaffen mit der Annahme
von etwas pofitiv Seiendem, Transzendenten, eines Ich,
eines X. Und hieran ift auch Much gegenüber zu erinnern
. Es wäre ohne folche fundamentale Fehler der
Auffaffung ja auch fchwer zu verftehen, wie geiftig
hochftehende Abendländer fich ganz zur Lehre Buddhas
bekennen könnten. Worin der Buddhismus uns fördern
kann (und weshalb auch ich in diefer Zeitfchrift gelegentlich
ausgefprochen habe, daß etwas mehr Buddhismus
uns nicht fchaden könnte), das ift die möglichfte Verleugnung
(nicht Leugnung!) unferes Ich und Geringachtung
der Erfcheinungswelt. Je mehr uns beides gelingt
, um fo leidenfreier werden wir andere machen und
felber fein. Es gibt für uns ein höheres Ideal als die
unmögliche Leugnung des Ich (die ja, wie gefagt, auch
Gr. und M., freilich im Irrtum, mit Buddha nicht mitmachen
): die felbftlofe tätige Liebe, die etwas anderes
ift als die von Buddha gelehrte meditative Durchdringung
der Welt mit freundlicher Gefinnung.

Königsberg, Pr. R. Otto Franke.

Das Srautalutra des Äpaftamba. Aus dem Sanfkrit überfetzt
v. Prof. Dr. W. Cal and. 1— 7. Buch. (Quellend.
Religionsgefchichte, Gruppe 7: Indifche Religionen.)
(269 S.) Lex. 8°. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht
— Leipzig, J. C. Hinrichs 1921.

M. 40—; geb. M. 50 —
Caland gilt als folider Arbeiter, und feine Über-
fetzung der erften 7 von den 30 Praönas des Äpaftamba-
Sutra wird man empfehlen dürfen, da fie im allgemeinen
einen guten Eindruck macht und an den nachgeprüften
Stellen fich auch als _ richtig erwies. Eine andere gibt es
ohnehin nicht. Die Srautafutras; einer der fechs Anhänge
(vedänga) zur heiligen Überlieferung (sTuti) find Kompendien
des Rituals der großen Opfer in kurzen Aphorismen
. Zu jedem der drei in Betracht kommenden Veden
gehören befondere Srautrafütras, genauer gefagt nicht
direkt zu den Veden, fondern zu den Brahmanas, den
eigentlichen Ritual-Darftellungen und -Erklärungen zu
den Liedern, refp. Gefängen, refp. Formeln der drei
Veden. Die Satras find fyftematifierende Auszüge aus
diefen Brahmanas. Das Äpaftamba - Srautafutra (nach
Winternitz nicht jünger als 3. Jh. v. Chr.) gehört zu einem
der fünf Brähmana's des .fchwarzen' Yajur-Veda, zum
Taittiriya-Brähma'-a, hat aber auch aus fremden Brähmana
's gefchöpft.

' Caland hat mit zwei Leiftungen dem überfetzten
Original es zuvorgetan: er hat zu den Sütra-Sätzen die
zugehörigen Brähmana's angegeben (der Raumerfparnis
wegen zwar nicht in allen Fällen, aber doch, wo es notwendig
oder aus irgend einem Grunde empfehlenswert
war) und er hat die jeweils gemeinte Yajurveda-Formel

in Überfetzung mit eingefügt. Er hat auch das Ritual
der anderen Veden, wo Beziehungen vorliegen, mit be-
rückfichtigt. Doch gefleht er freimütig, daß ,immerhin'
,ein großer Reft fchwer und wohl auch teilweife nicht zu
verftehender Sätze' übriggeblieben ift.

Für den religionshiftorifch intereffierten Lefer diefer
Zeitfchrift ift nicht nur der Inhalt im ganzen von Bedeutung
, fondern auch fo manche Einzelheit.
Königsberg, Pr. R. Otto Franke.

Zeitschrift für Buddhismus hrsg. v. Oskar Schloß. 3. Jahrg.
H. 1/2. (72 S.) gr. 8°. München-Neubiberg, Verlag
Oskar Schloß. Jährl. M. 25 —

Das vorliegende Doppelheft diefer von Dr. Wolfgang
Bohn (Dölau bei Halle a. S.) und von Ludw. Ankenbrand
(Stuttgart) herausgegebenen, von buddhiftifchem Geifte
durchwehten Zeitfchrift enthält wiffenfchaftlich betrachtet
nichts befonders Hervorragendes, aber auch nichts be-
fonders Minderwertiges, ausgenommen Eduard Schure's
von Robert Laurency ins Deutfche übertragenen Artikel
,Buddha und feine Legende', der denn doch zu fehr
phantafievoller Roman ift. Wolfgang Bohn's Auffatz
,Buddhismus und Geiftes-Kultur der Gegenwart' ift wohltuend
vernünftig und maßvoll (,Aber darüber find wir
uns klar, daß für das Abendland eine neue Bekenntnis-
Religion nicht in Betracht kommen kann'), läßt auch der
Hoffnung Raum, daß die Zeitfchrift immer mehr auch in
wiffenfchaftliche Beftrebungen hineinwachfen wird (,Es
fehlt der Sammelplatz, an dem auch ernfte Wiffenfchaft
zu erfcheinen nicht verfchmähen wird. Es ift der Wunfeh
des Herausgebers und Verlegers, daß ,die Zeitfchrift für
Buddhismus' diefe Sammelftelle bieten foll'). Freilich
dürfen dann nicht weiter auch bedenkliche Leiftungen
mit freundlichem Augenzudrücken oder unvorfichtiger
Gutgläubigkeit aufgenommen werden wie Dr. Schmidts
zu mehr als einem Drittel aus meiner Dighanikäya-Über-
fetzung gefpeiften zwei Bändchen ,Buddha, die Erlöfung
vom Leiden' in Bohn's .Bücherbefprechungen' S. 67 i.

Da, wie ich brieflich erfahre, die Organifation der
Zeitfchrift in Zukunft noch durchgreifender auf eine wiffenfchaftliche
Grundlage geftellt werden foll, fo darf man
ihrem Weitergedeihen die beften Hoffnungen und Wünfche
entgegenbringen. Sie könnte ein Gegengewicht gegen das
herrfchende Gefchwätz von Dilettanten über den Buddhismus
werden, über das auch Bohn (S. 3) die angemeffene
Anficht äußert. Sie könnte auch fpeziell gegenüber der
,Neubuddiftifchen Zeitfchrift' fegensreich wirken, die zum
Schaden des Buddhaverftändniffes im Wefentlichen ein
Organ ift für eine alles umkehrende, immer felbftbewußter
fich geberdende, geiftreiche Rederei.

Königsberg, Pr. R. Otto Franke.

Schweizerifche theologlfche Zeitlchrift, hrsg. von Pf. A. Waldburger

i. Bafel. 37. Jg. gr. 8". Zürich, Beer & Co. 1920. jährl. Fr. 10_

Die in einen reuen Verlag übergegangene, in neuer Ausftattung
fich fchmuck präfentierende Zeitfchrift enthält wiederum eine Reihe beachtlicher
Arbeiten. In das Gebiet des AT fällt der wie ftets klar und
formell wohl ausgefeilt gefchriebene Auffatz von L. Köhler, der gegen
Gunkel feine Thefe, Naemi fei die Heldin der Ruth-Novelle, gefchickt
verficht; E. Rippmann berichtet u. d. T. .Neuere paläftinen'fifche For-
fchungen' über a. t. Literatur. K. Goetz fleuertt den ein/igen, dem NT
angehörigen Auffatz bei: ,Der Reichgottesgedanke Jefu und fein Unter-
fchied von anderen Sozial- und Staatsidealen'; unter letzteren find vorab
die jüdifchen zu verftehen, fo gewiß natürlich die Bedingtheit der
Gedanken Jefu durch das Judentum unterftrichen wird, wählend die Auseinandersetzung
mit den modernen Religiös-Sozialen etwas knapp ausfällt
. Mit der .Interimsethik' Jefu vermöchte ich meinerfeits nicht fo
fchnell fertig zu werden wie G. und werfe hier nur die Frage auf: ift
ein Leben .vollkommen in Liebe, gleich dem des Vaters im Himmel'
(fo beftimmt G. das Leben im Gottesreiche) überhaupt noch ein fittliches?
Wenn alles Ringen und Kämpfen aufhört?! Der K. G. gehört die eingehende
, über allem Lokalen die großen Zusammenhänge gut festhaltende
Gemeindegefchichtc von S. Elifabeth zu Bafel von A. Waldburger
an. Die Freunde Jer. Gotthelfs werden fich freuen über die hübfehe Zu-
fammcnftellung der Beiträge zur religiöfen Volkskunde aus feinen Werken
von Pfarrer P. Marti. Cber an eine Schulbibel zu Hellende Anforderungen
handelt M. Haller; feinem Votum für Beibehaltung der Lutherüberfetzung