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Ausgabe:

1921 Nr. 2

Spalte:

255-256

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mayer, John E. B.

Titel/Untertitel:

Q. Septimi Florentis Tertulliani Apologeticus. The Text of Oehler, annotated 1921

Rezensent:

Krüger, Gustav

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255

Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 21/22.

256

Annahme zweier von Lukas beforgter Textausgaben;
einige wichtige W-Varianten führt er gleichwohl auf
Lukas zurück. Die Annahme von Torrey (Compofition
a.Date of Acts: Apg. 1—15 Uberfetzung einer aramäifchen
Grundfchrift) reduziert de Zw. dahin, daß jedenfalls in
1—5,16 9,31—11,18 ein aramäifches Dokument zugrunde
liegt, deffen Dubletten aus der Verarbeitung eines ichrift-
lichen Kerns mit mündlichen Traditionen fich erklären.
Das Konzept der Apg. ift etwa zwifchen 75 und 80 von
Lukas gefchrieben, der jedoch nicht mehr die letzte Hand
an fein Werk legen konnte und übrigens wahrfcheinlich
noch einen dritten Teil anfchließen wollte. Herausgegeben
wurde die Schrift (mit einigen Änderungen und Einfügungen
) um 110.

Sehr gut erklärt der Vf. meift die Züge, die mit fynkretiftifchem
Folklore zufammengehören. Nicht glücklich ift er indes, wenn er den
Vf. der Apg. felbft in eine höhere Region einzuftellen fucht. Daß in
Apg .8,7 f. und 19,5 eine fakramentale Auffaffung von Taufe und Hand-
aufiegung abgewielen werde, kann ich nicht fehen. Sehr hübfch wird
andrerfeits Charakter und Haltung des Gallio aus den ihm gewidmeten
Schriften feines Bruders Seneca illuftriert; und nützlich find die Hinweife
auf ,Teftimonien'- themata und den Gebrauch von ,Teftimonien' bei
Paulus.

Leiden. H. Windifch.

Q. Septimi Florentis Tertulliani Apologeticus. The Text of
Oehler, annotated, with an introduction, by John
E.B.Mayer, M. A., Profeffor of Latin in theUniverfity
of Cambridge and Prefident of St. John's College.
With a translation by Alex. Souter, B. A., Regius
Profeffor of Humanity in the Univerfity of Aberdeen,
late scholar of Gonville and Caius College. (XX,
496 p.) Cambridge, Univerfity Preß 1917. 12 sh. 6 d.
Der 1910 verftorbene Profeffor der klaffifchen Philologie
in Cambridge J. B. Mayor, dem wir u. a. eine vortrefflich
kommentierte Ausgabe des 7. Buchs der Stromata
verdanken, hatte lange Jahre hindurch für einen ähnlichen
Kommentar zum Apologeticum umfaffende Notizen ge-
fammelt und in fein Handexemplar des Oehlerfchen Textes
eingetragen. Seit 1893 hatte er begonnen, fie im Journal
of Philology herauszugeben, ift aber über das 5. Kapitel
nicht hinausgekommen. Sein Schüler A. Souter in Aberdeen
hat fich der Aufgabe unterzogen, die Notizen zu
verarbeiten und einer von ihm mit englifcher Uberfetzung
verfehenen Ausgabe des Textes als Apparat hinzuzufügen.
So mühfam diefe Aufgabe war, fo lohnend hat fie fich
erwiefen. Souter, deffen Urteil wir fchätzen, übertreibt
nicht, wenn er meint, daß diefer Apparat den beften
Kommentar zum Apologeticum darfteile, den wir befitzen.
In der Tat ift aus profanen und chriftlichen Autoren eine
gewaltige Menge von Stellen zur fachlichen und fprach-
lichen Erläuterung zufammengetragen worden. Auch die
aus dem Journal of Philology abgedruckte Einleitung mit
Souters kritifchen und bibliographifchen (bis 1915) Ergänzungen
bleibt lefenswert, und wäre es nur wegen des
von Mayor immer wiederholten Hinweifes auf die nützliche
, von den Späteren leider oft genug vernachläffigte
Arbeit der älteren Linguiften und Patriftiker. Man möchte
es faft bedauern, daß Souter die Gelegenheit zu einer
Durchsicht des Oehlerfchen Textes unbenutzt ge-
laffen hat, zumal er mit dem Problem des Fuldenfis vertraut
ift. In einer beachtenswerten Anmerkung wiederholt
er feinen früheren (Journ. of theol. ftud. 10, 1907, 297)
Hinweis auf den dem Fuldenfis verwandten Cod. Rheinau 95
f. X der Kantonsbibliothek in Zürich, den Raufchen und
andere nicht beachtet haben. Auch macht er darauf
aufmerkfam, daß die wahrfcheinlich ältefte Handfchrift
des Apologeticum f. X, auf die Oehler (f. p. XXI) nach
Montfaucon (Bibl. bibl. 1 p. 1134) verweift, fich als Cod.
Q. v. 1, 40) in Petersburg befindet. Endlich erinnert er
an die bereits von Semler benutzten, Kroymann aber
unbekannt gebliebene Tertullianhandfchrift 75 f. XV der
Luxemburger Bibliothek, deren Inhalt fie als mit Cod.
Vat. Urb. 64 f. XV verwandt erfcheinen läßt. In der
Bibliographe (bis 1816) wird zwar Schrörs' Kritik an

Raufchens Ausgabe, nicht aber deffen Replik (1914) erwähnt
. Thörnell und die zweite Arbeit von Löfftedt,
fowie die Bemerkungen von Wohleb (vgl. von Soden in
diefer Zeitung 1920, Sp. 102) find erft nach Abfchluß von
Souters Arbeit erfchienen.

Gießen._ G. Krüger.

S a 10 n i u s, Dr. A. H.: Vitae Patrum. Kritifche Unterfuchungen
über Text, Syntax und Wortfehatz der fpätlateinifchen
Vitae Patrum (B. III, V, VI, VII). (Skrifter utgivna av
Humaniftiska yetens kapsfamfundet i Lund. Tl. II.)
(456 S.) gr. 8°. Lund., Gleerup (Leipzig, O. Harraffowitz

in Komm.) 1920. M. 40--(-200% V.-T. Z.

Sprachliche Unterfuchungen zu fpätlateinifchen Schrift -
ftellern befitzen wir nicht im Überfluß. Der Verfaffer der
mir vorliegenden umfaffenden Arbeit über das Latein der
fog. Vitae patrum aus dem 6. Jahrh. ift alfo des Danks
der Linguilten ficher. Sie find auch allein berufen, über
das Korpus der Arbeit zu urteilen. Wenn auch in diefer
Zeitung auf fie aufmerkfam gemacht wird, fo gefcheht es,
um auf die Bemerkungen über die Autoren und die
Kompofition der Vitae hinzuweifen, mit denen Salonius
feine Unterfuchungen einleitet. Er hat aus der Sammlung
der 10 Bücher (Migne 73—74) Buch 3, 5, 6 und 7 herausgegriffen
, weil fie fowohl inhaltlich (als Verba feniorum,
Apophthegmata patrum) wie fprachlich in enger Be-
zu einander flehen. Unter ihnen nehmen Buch 5 und 6
eine felbftändige Stellung ein als Übertragung eines
griechifchen Originals, die man mit ausreichender Sicherheit
dem römifchen Diakonen, fpäteren Papft Pelagius II
(555—56o) und dem Subdiakonen, fpäteren Papft Johannes
III (560—563) zufchreiben darf. Auch Buch 7 ift
eine folche Uberfetzung aus der Feder des Pafchafius,
Mönchs in Dumio, der feine Arbeit dem Abt Martinus,
fpäterem Bifchof von Bracara, etwa um 560 widmete.
Von Pafchafius "hat noch jüngft Hopfner in feiner Unter-
fuchung der koptifch-lähidiehen Apophthegmata (Denk-
lchriften der Wiener Akademie 61, 2, 1918) angenommen,
daß er das 3. Buch, das unter dem Namen Rufins geht,
benutzt habe. Salonius, der übrigens Hopfners Arbeit
nicht kennt, legt überzeugend dar, daß das umgekehrte
Verhältnis das richtige ift. Damit rückt das 3. Buch an
die letzte Stelle. Daß es nicht von Rufin flammen kann,
bedurfte kaum des ausführlichen, übrigens in feinen Einzelheiten
fehr dankenswerten Nachweifes, den Salonius unter
Heranziehung tiefgreifender fprachlicher Beobachtungen
endgültig geführt hat. Das Buch erweift fich als eine
aus verfchiedenartigen Beftandteilen zufammengeftoppelte
Schrift. Die zahlreichen Berührungen mit Abfchnitten
von Buch 5 und 6 find angefichts des verfchiedenen
Sprachgebrauchs nicht aus Abhängigkeit zu erklären.
Vielmehr muß hier der Verfaffer des 3. Buchs aus einer
griechifchen Vorlage überfetzt oder die Abfchnitte einer
uns nicht bekannten lateinifchen Schrift entnommen haben.
Ich bemerke zu diefen Ergebniffen, daß fie gut zu dem
ftimmen, was Bouffet in feiner noch ungedruckten Arbeit
über die Apophthegmata (vgl. die Zufammenftellung in Bouf-
fets Auflatz in der .Feftgabe' für Harnack, S. 102—] 16) aus
der von Salonius nicht verfolgten Überlieferungsgefchichte
gewonnen hat. Das Original von Buch 5 und 6 glaubt
Bouffet mit Sicherheit in dem griechifchen Text der
Apophthegmata bei Cotelerius feftgeftellt zu haben und
eben diefen Text mit Wahrfcheinlichkeit für das dem
Photius bekannte utya liifimvaQtov halten zu dürfen.
Als wichtiges Parergon der Unterfuchung über den Sprachgebrauch
des 3. Buchs im Vergleich zu den rufinfehen
Schriften füge ich an, daß Salonius mit Beftimmtheit für
die Priorität der griechifchen Faffung der Hiftoria mo-
nachorum eintritt. Als Anhang zu feinen einleitenden Bemerkungen
hat er ein Verzeichnis der Parallelen in den
vier Büchern und in dem Appendix Martini (Migne 74
j Sp. 381) beigefügt, was wertvoll ift, da die Verweifungen
I auf die Parallelen bei Migne bald fehlen, bald durch Druck-