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Ausgabe:

1921 Nr. 1

Spalte:

237

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Skovgaard-Petersen, C.

Titel/Untertitel:

Ein Blick in die Tiefe der Liebe Gottes. 2. Aufl 1921

Rezensent:

Thimme, Wilhelm

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237

Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 19/20.

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es nur durch den Bankerott der Theologie wie der Kirche
zur Gefundung kommen kann. Dazu kann B. den ganz
kritifchen Richter und Ankläger Overbeck als Helfer
brauchen. Er geht in der Polemik faft ganz mit ihm;
Bedenken, die er gegen das Buch erhebt, find mehr tak-
tifcher Art. Natürlich will er nicht wie O. bei dem Nein
flehen bleiben, aber er warnt alle nach pofitiven Ergeb-
niffen Lüfternen eindringlich vor allzu eilfertigem Vorgehen
. Das Unternehmen, als Theologe durch die enge
Pforte der Overbeckfchen Negationen zu gehen, nennt er
.verwegen'. Diefer Begriff der engen Pforte bildet den
Übergang zu Th.s Predigt, nur daß die letztere mehr religiös
und kirchlich eingeftellt ift. Man lieft mit Spannung;
man finnt beim Lefen über fchwache Punkte unferer theo-
logifchen und kirchlichen Pofition nach; aber einfeitig, fehr
einfeitig bleibt diefe Kritik, fo ernft religiös fie gemeint ift.
Daß die Löfung des Problems in diefer Richtung gehen
follte und müßte, ift doch nicht wahrfcheinlich.

Gießen. M. Schian.

Skovgaard Peter Ten.Ein Blick in die Tiefe der Liebe Gottes.

2 Aufl (95 S.) 8°. Gütersloh, C. Bertelsmann 1920.

M. 6 — ; geb. M. 8 —
Der bekannte Pänifche Erbauungsfchriftfleller will zeigen, daß
fich uns die Tiefe der Liebe Gottes nur dann erfchließt, wenn wir fie
als leidende anfchauen. So fpricht er in breiten biblifchen Betrachtungen
von den Leiden der Liebe Gottes vor Chriftus, vor allem in Chriftus
und fchließlich auch in uns. Alto nicht nurjefus patibilis, Gott felbft
leidet in allen erdenklichen Graden und Tiefen. Aber heißt das nicht
allzu menfchlich von der göttlichen Liebe geredet? Dem Verf. felbft
kommt diefer Gedanke. .Selbft wo es nicht ausdrücklich bemerkt wird,
fleht doch ein unfichtbares .gleichwie' oder ,gleichfam' vor allem, was
wir davon (N. B dem Leiden der Liebe Gottes) fagen', S. 13. Diefer im
Hindergrund flehende Gedanke, der eine größere Tragweite befitzt, als
der Verf. wohl einräumen würde, zerftört den Realismus der folgenden
Auslührungen und nimmt ihnen ihre Kraft.

Iburg. W. Thimme.

Richter,Prof.D.Julius: EvangelilcheMiffionskunde. (Sammig.

theolog. Lehrbücher). (463 S.) gr. 8°. Leipzig, A.

Deichert 1920. M. 25—; geb. 30 —

Diefes Buch will enzyklopädifch das ganze evangeli-
fche Miffionswefen zur Darfteilung bringen. Unter der
Überfchrift ,die biblifche Begründung' wird der für die
Miffion in Betracht kommende Ausfchnitt aus der biblifchen
Theologie des At. und des Nt. behandelt; die ,Mif-
fionslehre' erörtert die praktifch-theologifchen Fragen der
Begründung, der Erhaltung und der Ziele der heidenchrift-
lichen Gemeinden; die .Miffionsapologetik' berichtet
über die Auseinanderfetzung der chriftlichen Religion mit
den Religionen der primitiven Völker und den oftafiatifchen
Religionen, alfo über die fyftematifch-theologifche Seite
des Miffionswefens; den Abl'chluß macht die ,Mifftonsge-
fchichte', die die Gewinnung der heimatlichen Chriftenheit
für den Miffionsgedanken fchildert und dann in einem
Rundgang durch die einzelnen Miffionsgebiete in die Entwicklung
und den gegenwärtigen Stand der Miffionsarbeit
einführt. Zur Löfung dieler Aufgabe war ein großes Einzel-
wiffen und zugleich die Befähigung, große Entwicklungsreihen
zu überfchauen, erforderlich; beiden Anfprüchen
genügt der Verfaffer. Nur dadurch ift es ihm möglich
geworden, große Stoffmaffen auf engem Raum zufammen-
zubringen, dabei aber auch eine flüffige Darflellung zu
bieten. Das Buch darf einer guten Aufnahme ficher fein
und verdient fie um fo mehr, als die Einführung in das
miffionarifche Wiffen von fachkundigem Urteil beherrfcht
ift. Über die Anordnung des Stoffes — ob nicht vielleicht
,Miffionslehre' und .Miffionsapologetik' mit mehr innerem
Recht nach der Miffionsgefchichte ihren Platz finden und
dann aus ihr abgeleitet werden — möchte ich hier eben-
fowenig mit dem Verfaffer rechten wie über die Aufgabe
der Miffionsgefchichtsfchreibung oder gar über mancherlei
Dinge, die mehr oder weniger in das Gebiet der Äußerlichkeiten
fallen, denn die Anerkennung des Buches
als ganzen überwiegt die Bedenken und Einreden, zu de- J
nen jede größere Leiftung Anlaß gibt.
Göttingen. Carl Mirbt. |

Frick, Lic. Heinrich: Nationalität und Internationalität der
chrirtlichen Miffion. (XVI, 152 S.) 8°. Gütersloh, C.
Bertelsmann 1917. M. 4 —

Diefe gründliche Unferfuchung gilt einem Problem,
das für die Miffion beider Konfeffionen große Bedeutung
hat und die Miffionstheorie ebenfo befchäftigt wie die
Miffionspraxis. Während des Krieges ift darüber viel
verhandelt worden, durch den Friedensvertrag von Ver-
failles, der mit der Behandlung der deutfehen Miffion
in Artikel 438 zu den Rückftändigkeiten des 17. Jahrhunderts
zurückgekehrt ift, ift das Intereffe an diefer Frage
noch gefteigert worden. Der Wert der Arbeit liegt darin
, daß fie die Begriffe .Nationalität' und .Internationalität'
in ihren Beziehungen zur chriftlichen Miffion einer eingehenden
und fcharffinnigen Prüfung unterzieht und zu
Ergebniffen gelangt, die auf Beachtung Anfpruch haben.
Trotz des Verzichtes auf eine flärkere Heranziehung der
Gefchichte der Miffion, die erft die ganze Tragweite und
Kompliziertheit der Frage voll enthüllt, ift die Darflellung
nicht farblos und auch nicht im fehlerhaften Sinne kon-
ftruktiv. Ich kann dem befonnen formulierten Schlußergebnis
zuftimmen:

.DasProblem der Nationalität und Internationalität der chriftlichen
Miffion kann nicht fjelöft werden im Sinne eines Entweder-oder, fondern
fordert eine Löfung im Sinne des Sowohl-Als auch.

Gemäß der Beftimmung des Zieles evangelifcher Miffionsarbeit als
der Errichtung einer einheimifchen chriftlichen Volkskirche ift es miffionarifche
Grundregel, der Nationalität des Miffionsobjektes den maßgebenden
Einfluß auf den Charakter der neuen Kirche zuzuerkennen. Darin
wurzelt der internationale Zug der Miffion. Dem nationalen Charakter
des Miffions-Subjektes geliehen wir ein grundfätzliches Recht bei der
Geftaltung des Miffionszieles fo weit zu, als die eingeborene nationale
Eigenart des Objekts außerftande ift, von fich aus den zur Errichtung
einer Volkskirche notwendigen Beitrag nationaler Eigenart zu liefern.
Damit ift dem .nationalen Einfchlag' feitens des Miffionsfubjektes fein
Recht zuerkannt und feine Schranke gezogen'. (S. 112).

Der Schlußabfchnitt über .Nationalität und Internationalität
der katholifchen Miffion' ift eine Kritik der
katholifchen Miffionsmethode, die deren Eigenart gut hervortreten
läßt.

Göttingen. Carl Mirbt.

Witte, Miffionsdirektor D. Dr. J.: Aus dem Missionsleben
drauBen für die Arbeit daheim. 2. Aufl. (XIV, 388 S.)
gr. 8°. Berlin, Hutten-Verlag 1920. M. 15.—;

für Mitglieder des Mi ff.- Vereins M. 9.—
Der Direktor des Allg. ev. prot. Miffionsvereins bietet
hier für das heimatliche Miffionswerk eine eigenartige
und ausgezeichnete Anweifung, wie fie keine andere
Miffionsgefellfchaft befitzt. Durch ein frifches Geleitwort
und eine knappe Verteidigung der Miffion eröffnet, bietet
dies Werk eine umfaffende Charakteriftik unferer Miffionsgebiete
in China und Japan, der allgemeinen Verhältniffe,
der chinefifchen Geifteskultur, der japanifchen Religionen,
einen Nachweis der Notwendigkeit des Chriftentums für
China und Japan, eine Darfteilung der Gefchichte des
Chriftentums und unferer Miffionsarbeit in beiden Ländern.
Ein kurzer Abfchnitt behandelt die heimatliche Miffionsarbeit
durch Pfarrer und Gemeinden; ein umfangreicher
und befonders intereffanter Abfchnitt bietet: bunte Bilder,
Worte, Erlebniffe und Erfahrungen aus der Arbeit draußen
zum Erzählen daheim (123—382). Eine treffliche Literatur-
überficht bildet den Schluß. Das Ganze ift ein überaus
wertvolles Werkzeug zur Einarbeitung in unfere Miffionsarbeit
und zur fruchtbaren Verwertung der Miffion in
Predigt, Unterricht, Vorträgen, Lehrkurfen und perfönlichen
Gefprachen. Daß in kürzefter Zeit eine neue Auflage
notwendig geworden ift, zeugt für den Wert des Werkes
und das vorhandene Bedürfnis.

Frankfurt a. Main. W. Bornemann.

Klerus und Volksmillion. Vorträge von R. Hüfner, B. Jacobi,
M. Kassiepe ufw hrsg u. ergänzt von Heinrich Bockel.
(Hirt u. Herde, 5. u. 6. Heft) (VIII, 301 S.) 8». Freiburg
i. B., Herder 1920. M. 14 —