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Ausgabe:

1921 Nr. 1

Spalte:

176

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ganszyniec, Ricardus

Titel/Untertitel:

De Justini M. Apologia II 1921

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 15/16.

176

zu muffen mit dem Ergebnis, daß vjtodxadiq niemals Zu-
verficht ift; daß dort vxodxadiq oft durch Wiedergabe
von Hiphilformen aktivifchen Sinn zeigt, alfo im Unter-
fchied von vjcodxrjßa das Hinftellen bedeutet; daß von
da aus auch Hebr. 11,1 das Glauben diejenige Aktivität
ift, welche die Hoffnungsgüter als real hinftellt, weil es
von der unfichtbaren Welt überführt ift. Endlich im
letzten Kapitel werden die Anfchauungen von Jac. Ju.
2 Pt. Paft. zufammengefaßt nach der anfangs erwähnten
Methode dargeftellt, d. h. es wird treffend gezeigt, wie
die in diefer Zeit gegebenen Momente die hier fich findenden
Anfchauungen bedingen und fie zu einer Übergangsform
zu denen der apoftolifchen Väter machen. Im Vorwort
wird gefagt, daß die Gedanken der johanneifchen
Briefe fortgeblieben find, weil fie nicht ohne das 4. Evangelium
befprochen werden könnten; ohne diefe (und die
der Synoptiker im Unterfchied von der Verkündigung
Jefu) bleibt dann freilich diefe Theologie der Epifteln nur
ein Bruchftück der Glaubensanfchauung der urchriftlichen
Epoche. Die Darftellungsweife ift durch das ganze Buch
äußerft klar und feffelnd.

Königsberg i/Pr. Pott.

Kögel, Prof. D. Julius: Das Evangelium des Johannes. (Zum Schrift-
verftändnis des Neuen Teftaments. 2. Heft). (64 S.) 8". Gütersloh,
C. Bertelsmann 1918. M. 1.50

— Prof. D. Julius: Der Brief des Apoftel Paulus an die Galater.

(Zum Schriftverfländnis des Neuen Teftaments. 3. Heft). (28 S.)

8°. Gütersloh, C. Bertelsmann 1918. M. — 80

Mit diefen beiden Heften fetzt Kögel die Reihe feiner Beitrüge zum
Schriftverftändnis des N. Ts. fort. Das Bedenken, das der erften
Nummer gegenüber erhoben werden mußte (44. Jahrg. Nr. 1/2 1919),
bleibt auch angefichts der neuen Hefte beftehen: für Studenten gehen
die Ausführungen viel zu wenig in die Tiefe. Und Anfanger mögen
einen eigentümlichen Begriff von der Bedeutfamkeit theologifcher Debatten
bekommen, wenn fie H. 3 S. 7, vernehmen, was bei der, im übrigen
beifeite gelaffenen, Erörterung, ob Nord- ob Südgalatien, „vor allem"
entfeheidend ins Gewicht fällt. Die Einleitung zum Joh. hätte, von
den beiden Noten, welche Titel moderner Veröffentlichungen aufzählen
(S. 5 u. 27), abgefehen, ebenfo auch fchon vor 30 oder 50 Jahren ge-
fchrieben fein können. Daß es etwas wie religionsgefchichtliche For-
fchung gibt, die unfer Verftändnis des Joh. fördert oder meinetwegen
auch erfchwert, erfährt der Lefer nicht, auch nicht indirekt. Studenten
aber müffen darüber unterrichtet werden. Übrigens ift nicht einzufehen,
weshalb zwar das Buch von Soiron ,Die Logia Jefu', deffen wifien-
fchaftlicher Wert doch nicht jenfeits des Zweifels liegt, genannt wird,
fich dagegen nirgends eine Aufzählung der wichtigften Kommentare findet,
die in die Probleme weiter hineinführen. Die Inhaltsüberfichten würde
ich von den Studenten lieber eigenhändig auf Grund des griechifchen
Textes gefertigt fehen. Dem ungelehrten Bibellefer mögen fie Dienfte
tun. H. 3 ift mit einer Tabelle zur Chronologie des Paulus ausgefluttet.
Göttingen. Walter Bauer.

Koopmans, Jochem, Jan: De fervitute antiqua et religione
chriftiana capita felecta. Pars prior. (Disput. Amfterdam
8. Juli 1920). (162 S.). gr. 8°. Groningen, J. B. Wolters
1920.

Eine mit Bienenfleiß ausgearbeitete Groninger Doktor-
differtation in Ichulmäßigem, wenn auch nicht eben elegantem
Latein. Der Verf. holt weit aus und handelt erft
von der Sklaverei im alten Orient und bei Griechen und
Römern: dann erft kommt Cap. III § 1. Quae rationes
intercesserint inter Christianitatem antiquissimam et servi-
tutem. Hier bekommen wir eine die umfangreiche Literatur
gut verwertende kritifche Zufammenftellung aller neutefta-
mentlichen Namen und Stellen, die mit Sklaverei irgendwie
zu tun haben oder auf fie bezogen find. Das oft
fehr eingehend begründete Urteil des Verf. fcheint mir
zumeift das Richtige zu treffen: auch der Verweis S. 93
auf II Cor. 119 als Inftanz gegen meine Annahme, Aquila
und Priscilla feien wohlhabende Leute gewefen, ift durchaus
beachtenswert. Das Vorliegende ift ein höchft nützliches
Repertorium: möge es dem Verf. befchieden fein, uns
auch Cap. III § 2—V vorzulegen, in denen die Verhältniffe
bis zum IV. Jh. unterfucht werden follen.
Jena. Hans Lietzmann.

Brinktrine, Dr. Johannes: Der Meflopferbegriff in den erlten
zwei Jahrhunderten. Eine biblifch-patrift. Unterfuchung.
(Freiburger theol. Studien. 21. Heft.) (XXVI, 143 Sd
gr. 8°. Freiburg i. B., Herder 1918. M. 5.80

Der Verf. befragt die urchriftlichen Schriftfteller bis
Irenäus nach ihrer Stellung zum Opfergedanken bei der
Euchariftie. Er findet diefen fchon in der Stiftung des
Abendmahls durch die Zweiteilung und durch öiad-r)xij
angedeutet, er verfucht ihn I. Kor. lo, Didache 14, in den
Ignatiusbriefen, bei Juftin und Klemens Alexandrinus
nachzuweifen, um endlich bei Irenäus zu landen, der ihm
der erfte Vertreter einer einheitlichen ,Lehre' über das
euchariftifche Opfer in der Kirche ift, nicht aber der
Schöpfer eines ganz neuen Opferbegriffs, wozu ihn Wieland
, der Verf. von ,Menfa und Confeffio' und der Schrift
über den vorirenäifchen Opferbegrift gemacht hatte.

Man kann nicht fagen, daß B. die Zeugen irgendwie
vergewaltigt. Schwierige Stellen wie Hebr. 13,9 uqd
Juftin Apol. I 66 werden umfichtig — die letztgenannte
allerdings etwas kurz — erörtert, und ein Exkurs über
die vielzitierte altteftamentliche Stelle vom Opfer der
Völker Maleachi iM beweift wenigftens den Willen zu
möglichft vielfeitiger Orientierung. Aber trotz allem wird
die Unterfuchung dem Stoff nicht gerecht; denn das
Problem ift unter einem Gefichtspunkt angefaßt, der für
die urchriftliche Entwicklung nicht bezeichnend genug
ift. Die Opfergedanken, die jüdifchen wie die nicht-
jüdifchen, find im Chriftentum zunächft gar nicht von
einer Darbringung beftimmter Gaben, fondern vom Kultus
überhaupt verftanden worden. Der ausgebildeten antiken
Kult-Religion ift das Opfer die wefentliche Form der Gottes-
verehrung; die Chriften haben mit diefer antiken Art des
Kultus gebrochen. Wenn fie bei der Anwendung alt-
teftamentlicher Zitate oder fonft von ihrem Opfer reden,
fo bedeutet das immer fchon eine uneigentliche Faffung
des Begriffs ,Opfer'; gemeint ift das, was fich bei den
Chriften als Kultus herausbildet: Gebet und Abendmahl.
Darum wird der Opfergedanke bald auf diefes, bald auf
jenes bezogen (vgl. Juftin dial. 41 mit 117), darum wird
Didache 14 Brotbrechen und Dankgebet als Opfer bezeichnet
, darum ift dvdictdxr/Qtov bei Ignatius eine fo
fchwebende Bezeichnung für die Kultgemeinfchaft. Später
freilich treten die beiden Elemente auseinander: der Opferbegriff
in der Anwendung auf das Gebet vergeiftigt den
technifchen Kultusgedanken der Antike, doch in der Anwendung
auf das Abendmahl bringt er ihn zu neuem
Leben. Aber weil das zunächft nicht klar hervortritt,
darum kann man über den ,Meßopferbegrift" in den erften
zwei Jahrhunderten eigentlich gar nicht reden, fondern
eher über den Opfergedanken im urchriftlichen Kultus.
Heidelberg. Martin Dibelius.

Ganfzyniec, Ricardus: De Juftitli M. Apologia II. (Seorfum impreffum
ex comment. q. i. Eos XXIII, 1918, p. 55—65.) 8°. Posnaniae,
Typis Unionis juventutis Polonicac 1920.
In diefer gedrängten, inhaltsreichen Studie (Sonderdruck aus der
Ztfchrft. ,Eos' XXIII, 1918, 55—65) kommt G. durch ein Verhör Juftins
und des Eufebius und durch philologifche Kritik zu folgendem Ergebnis:
Juftin verfaßte zwei Apologieen oder richtiger eine Apologie in zwei
Büchern. Das erfte Buch liegt uns vollftändig vor in Apol. I des
Juftinfchen Corpus c. 1,1—68,2 (Goodspeed); vom zweiten Buch haben
wir Bruchstücke in Apol. II, 3—7. 9. 10. 12,1—6. 13,1. 13,2 sq. 15,3—5,
und den Schluß bildete das Schreiben Hadrians an Minucius Fundanus
Apol.I, 68,3—10. Außerdem verfaßte Juftin ein ßißlühov, als deffen Bruch-
ftückc Apol. II, t. 2. 8. 11. 12,7. 14. 15,2 anzufehen find. Diefes Ergebnis
der fcharffinnigen Unterfuchung ift fehr beachtenswert.

München. Hugo Koch.

Sybel, Ludwig v.: Frühchriftliche Kunft. Leitfaden ihrer
Entwicklung. M. Titelbild (55 S.) 8°. München, C. H.
Beck 1920. M. 4.50

Strzygowski, Jofef: Urfprung der chriltlichen Kirchenkunrt.

Neue Tatfachen und Grundfätze der Kunftforfchung.
Acht Vorträge der Olaus-Petri-Stiftung in Upfal'a.