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Ausgabe:

1921 Nr. 1

Spalte:

173

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rosenberg, Alfred

Titel/Untertitel:

Die Spur des Juden im Wandel der Zeiten 1921

Rezensent:

Bischoff, Erich

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173

Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 15/16.

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Kittel, Prof. D. Rud.: Die altteftamentliche WiiTenfchaft in ihren
wichtiglten Ergebnirren. 4- Aufl. (XI, 296 S. m. 21 Abbildgn.
u. 14 Taf.) 8°. Leipzig, Quelle & Meyer 1921.

M. 14—; geb. M. 20 —
Die 1. Aufl. (von 1909)' habe ich 1911,187, die 2. (von 1911)
1912,507 angezeigt. 1916 erfchien eine dritte Auflage mit einem ganz
neuen Kapitel Israel und die ausländifchen Herrfcher (auf Grund der Ausgrabungen
dargeftellt) und Erweiterungen der beiden literarkritifchen
Kapitel über die hebräifche Gefchichtsfchreibung und die Lyrik. Die vorliegende
4. Auflage hat einen Zufatz bekommen über die neuen For-
fchungen zur Entftehung des Alphabeths (auf Grund von Sinai-Infchriften)
und eine kräftige Verwahrung gegen Delitzfchs ,große Täufchung'.
Ich habe das ganze Buch noch mal mit Gewinn gelefen und wiederhole
gern meine frühere Empfehlung.

Hannover-Kleefeld. Schuft er.

RoTenberg, Alfred: Die Spur des Juden im Wandel der Zeiten.

(l63 S.) gr. 8°. München, Deutscher Volksverlag 1920. M. 6.50
Kahn, Fritz: Die Juden als Raffe und Kulturvolk. (224 S. m. 2 Karten)

gr. 8°. Berlin, Weltverlag 1920. M. 15 —

Gerecke, Paftor Karl: Biblifcher Antifemitismus. Der Juden weit

gefchichtl. Charakter, Schuld und Ende in des Propheten Jona

Judenlpiegel. (80 S.) 8°. München, Deutfcher Volksverlag 1920.

,v M- 5-5°

Krupnik, Baruck: Die jüdirchen Parteien. Ein Lberblick zur Orientierung
. Berlin, Jüdifcher Verlag 1919. (31 S.) kl. 8°. M. 2 —
Rotenberg und Kahn find zwei vieifeitig unterrichtete Schriftfteller,
von denen der erftgenannte uns begreifen läßt, wie die Juden zu den
Königen unterer Zeit geworden find, und als Endziel den ,Tag des

chrifllich-germanifchen Gedankens' vor Augen hat, während Kahn ein j lieh ift rlip ILl-«!, ■.,.„„

• .....--«-■ e-ww.....n !!?n 4" 5.,ej7rk£hLunc? der Zentralpunkt; und rühmlichft

Kennedy, Prof. D. D., D. Sc. H. A. A.: The Theology of

the Epiftles. (XII, 267 S.) 8°. New York, Ch. Scribner's
Sons 1920. t 1.75

Ein Buch von Kennedy erweckt hochgefpannte Erwartungen
. Sie werden hier nicht ganz erfüllt; denn die
Abhandlung zeigt eine Ungleichheit der Gefichtspunkte.
In der Einleitung bezeichnet Verfaffer fehr richtig es als
die ideale Methode, die Anfchauungen der Briefe darzu-
ftellen als einen Teil der Gefchichte des Urchriftentums.
Dann darf man erwarten, daß die Verfaffer und ihre
Schriften in den Fluß der Gefchichte geftellt werden.
Diefer Erwartung wird im größten Teil des Buches nicht
entfprochen. Über den Paulinismus wird in fechs Kapiteln
gehandelt. Von der ,Umgebung', der jüdifchen — mit
guter Auswahl des fpätjüdifchen Materials, aber ohne
Eingehen auf Herfords Frageftellung, — und der helle-
niftifchen, die freilich viel zu kurz kommt; von den Erfahrungen
des Paulus unter dem Gefetz; von feiner Bekehrung
; von dem Einfluß derfelbenjvon der vorgefundenen
Tradition (für den Verfaffer find die Anfchauungen vom
Bund beim Abendmahl Mk. 14,24 und vom XvtQOV Mk.
10,45 nicht etwa von Paulus beeinflußt, fondern von ihm
in der urchriftlichen Überlieferung vorgefunden); von den
Fundamentalpofitionen des Paulinismus. Selbftverftänd-

,Lehr- und Wehrbuch über die Juden als Kulturvolk' fchreiben will jfl- die Gefchloffenheit anzuerkennen mit welcher iede

und ,das einzige Ziel wahrer Kultur' in j«^ **™5*^*5 Vorftellung von ihr abgeleitet wird ' Dennoch fehe ich

mählung arifcher Schüpferfreudc mit femit.fchem S.ttlichkcitswiUen' mit WinMtiJbmit hS« jZ ^La n l iJ u

Hilfe der .Propheten Judäas, der Künftler Griechenlands und der Gemen Olef eine 1 jnleitlgkeit iniotern der Einfluß der Umgebung

des Nordens' erblickt. Lobenswerterweife zitiert R. den Talmud nach ; allzulehr ausgelchloffen Wird. Das Zeigt fich Z. B. in

Wünfche flatt nach Rohling ufw. ( Jarchi' ftatt .Rafchi' und einiges
andere ifl eine Entgleifung). K. polcmifiert oft mit Glück gegen
Chamberlain; eine um fo törichtere Entgleifung ift die Parallele zwifchen
Jefus und den Bolfchewiflen. — Gerecke wirft mit kräftiger Entrüftung
den alten und neuen Juden fowie den chriftlichen Moderniften den
Kürbis des Propheten Jonas an den Kopf. — Krupnik gibt eine kurze,
äußerft lehrreiche Kennzeichnung der (meift o(l-)jüdifchen Parteien;
fcharf und treffend ift S. 25 feine Würdigung des ,Zentralvereins
deutfcher Staatsbürger jüdifchen Glaubens', die fogar noch recht
erweiterungsfähig wäre.

Leipzig. Erich Bifchoff.

D eilin er, Prof. Lic. Kurt: Die Einzigartigkeit der Person Jefu.

(19 S.) gr. 8°. Leipzig, Deichert 1919. M. — 80

D. will einen hiftorifchen Beweis für die im Thema
ausgefprochene Thefe führen. Frühere Verbuche, auf
gleichem Wege das Ziel zu erreichen, fcheinen ihm mißglückt
. Nur C. Stange, der die Einzigartigkeit Jefu aul
fittlichem Gebiet (uchte, erklärt er für erfolgreich — doch
nicht für erfchöpfend. Seine Beweisführung müffe nach
der religiöfen Seite hin ergänzt werden. Jefus war deshalb
als religiöfe Perfönlichkeit unerreicht, weil fich in
ihm, und nur in ihm die beiden Seiten des göttlichen
Wefens Heiligkeit und Liebe zu einer wirklichen Einheit
verfchmolzen haben. Eine folche Überlegenheit Jefu über
alle anderen religiöfen Puhrer — als Beifpiele werden nur
die Großen des alten Bundes und Johannes der Täufer
genannt — glaubt D. auf gefchichtlichem Wege dartun
zu können. Mir will vorkommen, daß eine Behauptung
wie die, jeder müffe zugeben, daß Jefus die Jünger aus
alten zu neuen Menfchen gemacht habe, erheblich mehr
ift, als unfere Quellen uns zu fagen geftatten. Daß die
Strahlen, die von der Perfönlichkeit des irdifchen Jefus
ausgegangen find, die Bekehrung des Paulus bewirkt
haben, kann ich nur sehr bedingt zugeflehen. Und eine Betrachtung
, die ohne weiteres die .Sünder', mit denen Jefus
verkehrt, fittlich Verkommenen gleichsetzt, lehne ich ab.
Was wiffen wir eigentlich von des gefchichtlichen Jefus
.Macht über die verftockteften Sünderherzen' (S. 13)?
Leider vielfach nur das, was findige Ausleger in die Überlieferung
über Jefus hineinlefen. Mit fuperlativifchen Wendungen
läßt fich wenig erreichen. Die darf fich der Glaube
geftatten, ein Hiftoriker, der fich derGrenzen feinesKönnens
bewußt ift — fie find erheblich enger, als D. zugeben
will —, jedoch nicht.

Göttingen. Walter Bauer.

drei Richtungen. Der vor Damafcus erfchienene Herr hat
für den Verfaffer keinerlei Beziehung weder zu einem
vorchriftlichen Chriftusbild des Hellenismus noch zu den
Meffiasanfchauungen der Apokalyptik; er ift allein der
hiftorifche Jefus, von dem Paulus umfaffende Kenntnis
hatte (S. 54), deffen Anfchauungen (S. 105 f.), ja deffen
Sprache (S. in) er wiedergibt. Der Titel Herr ift für
den Verfaffer bei Paulus nichts als deffen ureigenftes Bekenntnis
, mit welchem er gefühlsmäßig fein Damaskuser-
lebnis ausfpricht. Die Chrimismyftik tritt wider Erwarten
zurück, (fchon äußerlich, fofern fie nicht bei der Bekehrung,
fondern im erften Unterteil des Schlußkapitels befprochen
wird); denn bei tieferer Erörterung hätte ja doch die
Frage der helleniflifchen Einflöße näher behandelt werden
müffen, welche Verfaffer fo fehr ablehnt, daß er auch bei
den Sakramenten • nicht auf die Myfterienanfchauungen
eingeht. Neben diefer Einfeitigkeit fällt auf, daß nirgends
eine Entwicklung in den Anfchauungen des Paulus gezeigt
wird, was um fo notwendiger gewefen wäre, weil
der Verfaffer auch den Kolofferbrief für echt hält. Im
I. Teil find alfo etwa Grundprobleme des Paulinismus
befprochen. Jetzt nimmt das Buch eine andere Wendung.
Im Kapitel über den erften Petrusbrief werden Einleitungs-
fragen behandelt. Der Brief fei in Rom ca. 66 wahrfchein-
lich von Petrus durch Sil van US gefchrieben; dann kann
natürlich auch hier nicht erklärt werden, wie zu der Zeit
fchon die bei Paulus brennenden Fragen fo ganz ver-
fchwinden und gerade von Petrus ein — bereits fo ver-
wafchener — Paulinismus vertreten werden konnte. Die
für diefen Brief charakteriftifchen Vorftellungen follen
fein: die altteftamentliche Profetie, der Tod Chrifti und
die Hadesfahrt; warum die beiden erfteren, bleibt unklar;
bei der dritten bleiben wieder die religionsgefchichtlichen
und die von Perdelwitz geftellten Fragen unberührt.
Wieder anders wird über den Hebräerbrief gehandelt.
Zwar werden fehr richtig die Anfchauungen gefchloffen
gruppiert um das Zentrum: der neue Bund. Aber viel
zu allgemein wird der Glaube definiert als die entfehei-
dende Funktion, oder die neue Haltung des Chriften
(S. 219) oder die Bafis der Hoffnung (S. 221). Leider
urteilt Verfaffer, es fei nicht nötig, bei Hebr. 11,1 zu verweilen
. Gerade hierzu meinte ich in meinem Buch: ,das
Hoffen im N. T. in feiner Beziehung zum Glauben' die Beziehung
von otioxic und vjtoataöiq in LXX unterfuchen