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Ausgabe:

1920 Nr. 1

Spalte:

158

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Verweyen, Johannes M.

Titel/Untertitel:

Naturphilosophie. 2. Aufl 1920

Rezensent:

Titius, Arthur

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Seite 1

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• 57 Theologifche Literaturzeitung 1920 Nr. 13/14. 158

Berufsarbeit an Kindergemütern ftill aufbauend weiter- j Verf. kann doch nicht unbekannt fein, welche Vertiefung der Erlöfungs

wirkt. Den Höhepunkt des Buches bildet ein langes, auf
6 Tage verteiltes Freundesgefpräch, das im Geifte Kants
frifch, anfchaulich, mit bemerkenswerter Selbftftändig-
keit und Klarheit die Grenzen der Wiffenfchaft (l'hyfik,
Biologie, Pfychologie) abfteckt, um fo den Weg des
Glaubens zur Welt des Unmittelbaren (Kunft, Sittlichkeit,
Religion) frei zu machen. Auf Einzelheiten einzugehen,
ift hier kein Raum. Nur darauf möchte ich hinweifen,
daß, wenn man fich nicht in Myftik, Romantik und Will

cdanke des Karfreitags gerade in der .liberalen Theologie' erfahren
hat; warum würdigt er lie nicht? — S. 28: .Damit hat . . . der Materialismus
vollkommen Recht, daß Gedanken nicht durch Gehirnbewegung
möglich find': ftatt .durch' ift wohl ,ohne< zu le'en. Störend find
auch die Druckfehler in Namen (S. 60, 68, 89, 93).

Königsberg. ' ' xh. Krueger.

Koppelmann, Prof. Dr. Wilhelm: Weltanfchauungsfragen.

Grundlinien einer Lebensphilofophie. Berlin Reuther

& .Reichard 1920. . (VI, 140 S.) 8°. ' M. 5_

kür' veriieren "wiTC' nian nicht mit 'dem Begriff des un- . Ähnlich wie K. Öfterreichs .Weltbild der Gegenwart'

mittelbaren Erlebens abfchließen darf. Wie das Un- I em.e der dankenswerten Zufammenfaffungen der philofo
mittelbare der finnlichen Wahrnehmung der geiftigen j phifchen Arbeit, wie fie offenbar einem weit verbreiteten

Formung bedarf, fo nicht minder das religiös-fittliche
Erleben. Oder ift kein angebbarer Unterfchied zwifchen
Gut und Schön? Wie unterfcheidet fich das unmittelbar
erlebte Etwas, das wir Seele nennen, von dem, das wir
als Gott anbeten? Gibt es wirklich, wenn man über
Perfönlichkeit und Kreuz Chrifti zur Klarheit kommen
möchte, nur die Forderung, fich andächtig zu verfenken?
Von Vernunftideen, dem zweiten Brennpunkt Kant'fchen
Denkens, ift nicht die Rede. Will H. fie nicht gelten
laffen? Hier fcheint mir die Hauptfchwäche des Buches
zu liegen, das im Übrigen befinnlichen Lefern für Kopf
und Herz mancherlei bietet, und das ich zumal gern in
der Hand recht vieler junger, ftrebfamer Lehrer fehen
würde.

Iburg. W. Thimme.

Bedürfnis unferer zerriffenen, von Zweifeln an einer letzten
Wahrheit umgetriebenen Gegenwart entfprechen. K. be-
fpricht das kosmologifche, anthropologifche, religiöfe Problem
je mit der Unterteilung .naturwiffenfchaftliche, bzw.
pfychologifche und gefchichtliche Betrachtung' und ,phi-
lofophifche Beurteilung'; beim religiöfen Problem unterfcheidet
er Bedeutung, Zweifel, Grund der religiöfen Gewißheit
.

Je mehr man fich weithin mit den Ausführungen B.s
einverftanden weiß, defto mehr dürfen fich einige Wün-
fche geltend machen. Einmal: Derartige Weltanfcb.au-
ungsbücher für weitere Kreife follten fich in der Auswahl
des Stoffes auf das Nötigfte befchränken, um diefes
Nötigfte mit unmißverftändlicher Deutlichkeit zu fagen;
alle fich aus einem reichen Wiffen darbietenden, aber
ohne nähere Ausführung leicht nur verwirrenden Neben-
Eberhardt, Paul-, Die Religion und wir von heute. (31S.) gr. 8«. gedanken follten rücksichtslos weggefchnitten werden.
Gotha, F. A. Perthes A.-G. 1919. M. 1.50 j Dann würde von felbft: auch der Stil zu größter Sorg-

Verf. entwickelt feine aus andern Schriften bereits bekannten I famkeit fich bilden, namentlich falfch populäre Ausdrücke

^«J^S^S^A die in mündlicher Rede hingehen mögen, vermieden

dem nach Wirklichkeit wird in ihr gefragt. Religion haben, heißt in - _

Hingabe an echte Liebe, Kunft, Wiffenfchaft, praktifches Handeln Seele
linden, es heißt, mit andern in Scclengemeinfchaft treten und beides als
Gnade erleben. Ein falches Fortfchrittsftreben, das eine glückliche Zukunft
erzwingen will, ftatt die Gegenwart zu erhöhen und zu heiligen,
und ein verkehrtes Freihcitsverlangen des Menfchen, der fich felbft
durchfetzen will, ftatt felbft zu werden, haben den Niedergang der
heutigen Kulturvölker herbeigeführt. Doch regt vielfach von neuem,
fogar in fo verzerrten und unreifen Gebilden wie dem Kommunismus
und der heutigen Jugendbewegung, die Seele ihre Schwingen,
Man wird keine der Eberhardt'fchen Schriften mit ihrer etwas
fchwcrfälligen aber eindrucksvollen, von Perfünlichkeitsgehalt erfüllten
Sprache, zur Seile legen, ohne zum Nachdenken, zur Sclbftbefinnung,
zum Suchen nach verborgenen Schätzen angeregt zu werden. Seine
Schriften find Predigten, und neben der myftifchen fehlt die prophetifche
Ader nicht.

Iburg. W. Thimme.

Kiiffer, Georg: Religion. (30 S.) kl. 8°. Bern, A. Francke 1919.

M. 2 —.

Ein mit poetifchem Schwünge gefchriebencs begeiftertes Bekenntnis
zur Diesfeitsreligion. K. lehnt die Vollendung imjenfeits ab; er glaubt
optimiftifch an die künftige Verklärung des irdifchen Lebens und an
die jedem Menfchen einwohnenden Kräfte zur Höherentwicklung. Auch
der Weltkrieg hat ihn nicht über die Gewalt des Büfen und die Tiefe
des Zwiefpalts in unferm Erdendafcin belehrt.
Bafel. Johannes Wendland.

Moering, Ernft: Ein Buch vom neuen Glauben. Die Zerfeteg. des

alten Glaubens. Die Formg. neuen Glaubens, allgemeinvcrftandlicn
dargeftellt. (VI, 2t6 S.) 8». Breslau, Trewendt & Granier 1919.
6 v ' M 9 — ; geb. M. 11 —

Ohne die großen und fchwierigen Probleme der Neuformung pro-
teftantifchen Glaubens anl'chneiden zu wollen, mit denen die fyftemati-
fche Theologie der nächften Zukunft zu ringen haben wird, gibt M in
allgemeinverftändlicher Darllellung und in großen Zügen einen Uberblick
über die Arbeitsergebniffe der kritÜ'chen Theologie. Der Darftellung
der Zerletzung des .alten Glaubens' durch Natur- und Gefchichtswiffen-
fchaft läßt er einen Aufriß der gefchichtlichen Bibelbctrachtung als der
Grundlage der modernen Theologie folgen, woran fich eine Analyfe des
religiöfen Lebens und Skizzicrung feiner ethifchen Auswirkungen Ichließt.
Wiffenfchaftliche Gediegenheit fowie die Lebhaftigkeit und Gewandtheit
des Stils machen das Buch zu einer vortrefflichen Lciftung, die vor
allem dem gebildeten Laien benimmt und zu empfehlen ift.

Das Urteil: .Unmbtelbar verftändiich (natürlich nur dem befinnlichen
Leier) lind die Paulinifchen Briefe' (S 66) muß angefichts der
Tatrache, daß zum mindeltcn Oricnticrtbi it über die gefchichtliche Situation
der Briefe zu ihrem, alfo immer nur mittelbaten Verftändnis
notwendig ift, als unhaltbar bezeichnet werden. — Zu S. 143: dem

werden. Und ein Zweites: Die Begründung der Leitgedanken
muß unanfechtbar fein. Z. B. während die Erläuterung
des Kantfchen Grundgedankens betr. das
Kaufalgefetz S. jöff. viel Anfprechendes hat, ift wohl
die Begründung der Ethik 78(1". weder vollkommen
deutlich noch überzeugend, man vgl. S. 107 ,Die Grundnormen
der Moral können mit mathematischer Sicherheit
aufgezeigt werden' mit S. 109 fr. 113 f. Oder S. 106 fehlt
die in der Gegenwart lo ungemein verbreitete myftifche
Frömmigkeit. Ümfo lieber iei zum Schluß hervorgehoben,
daß der Gedanke kräftig herausgearbeitet ift: ,Der lebendige
Glaube' gründet auf das ,unmittelbare Erlebnis
der moralifchen Erhebung'. Nur möchte man dann
wieder über das Verhältnis diefes Erlebniffes zur gefchichtlichen
Offenbarung Beftimmteres hören.

Tübingen. Th. Haering.

Verweyen, Johs. M.: Naturphilofophie. (Aus Natur und Geiftes-
welt, 491. Bdchn). 2. Aufl. (118 S.) kl. 8". Leipzig, B. G
Teubner 1919. M. 1.75; geb. M. 2-.15

Verweyen's dankenswerte Orientierung (vgl. 1917, Sp. 357.)
ift einer formellen Durchficht unterzogen. Neu ift eine' kritifche
aber mit Recht nicht nur ablehnende Stellungnahme zur biolo-
gifchen und energetischen Ethik (S. 58ff).
Göttingen. Titius.

Frank, Geh.-R. Prof. Dr. Fr. H. R. v.: Vademecum für angehende
Theologen. 2. Aufl. Bearb. u. gekürzt v. Prof. D. R. H.
Grützmacher. (XI, 254 S.) 8». Leipzig, A. Deichen 1918.

M. 5 —

Grützmacher hat, um das Buch lebensfähig zu erhalten,
mehr als ein Drittel des Textes geftrichen, ohne Franks theologifche
Urteile' oder die .Schätze feelforgerlicher Weisheit in
akademifcher Höhenlage' irgendwie zu verkürzen. Er felbft hat
die Oberlicht über die fyftematifche Theologie bis zur Gegenwart
fortgeführt, auch fonft eine Reihe von Zufätzen gemacht,
unter denen die gefchichtliche Skizze des Univerütätslebens und
des Studententums befonders zu begrüßen ift. So wird das Buch
in Teiner neuen Geftalt auch den Studierenden des 20. Jahrhunderts
manchen wertvollen Wink geben können.
Göttingen. Titius.