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Ausgabe:

1920 Nr. 1

Spalte:

147-148

Autor/Hrsg.:

Bertholet, Alfred

Titel/Untertitel:

Kulturgeschichte Israels 1920

Rezensent:

Nowack, Wilhelm

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Seite 1

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147

Theologifche Literaturzeitung 1920 Nr. 13/14.

148

In den Patriarchenlegenden fcheint P. S. ziemlich treue
gefchichtliche Schilderungen zu fehen (S. 60 ff). Eine
hübfche Befchreibung des Jahwiftifchen Werkes (J)im Hexa-
teuch wird S. 78 ff geboten. Den Hauptzweck, mit feinem
Werkchen die durch die moderne altteftamentliche Bibelkritik
hinfichtlich des religiöfen Wertes des A.T. beunruhigten
Laiengemüter zu befchwichtigen (S. 3), wird
der Verf. bei feinen Lefern erreichen.

Störend wirkt die fortwährende Schreibung Jehovah'.
Herr Kollege Hoops macht mich aufmerkfam, daß der
Urheber der ,Anglo-Saxon Bible', aus der S. 130 das
beigefügte Bild flammt, nicht der ,Archbilhop' Aelfric,
fondern der ,Abbot' A. ift. Vgl. über ihn den Artikel
.Älfric' in RE I3 223.

Heidelberg. Georg Beer.

Bertholet, Prof. Alfred.- Kulturgefchichte Israels. Göttingen
, Vandenhoek & Ruprecht 1920. (VI, 294 S.) gr. 8°.

M. 13 —; geb. M. 16 —
Es war ein glücklicher Gedanke der Firma Vandenhoek
& Ruprecht als eine Art Ergänzung zu den von
ihr verlegten Schriften des A. Ts. in Auswahl eine isra-
elitifche Kulturgefchichte herauszugeben; denn nur der,
der fie kennt, ift vor dem fo häufigen Fehler bewahrt,
unfere Vorftellungen und Zuftände in diefe altteftamentl.
Schriften hineinzutragen. Diefe Kenntnis zu gewinnen
ift aber felbft dem Theologen heut nicht leicht, ja vielen
faft unmöglich, teils wegen des in zahlreichen Publikationen
, die oft nicht leicht zugänglich find, verbreiteten
Materials, teils wegen der Schwierigkeit, ein ficheres
Urteil über die hier vorliegenden Probleme zu gewinnen.
So glücklich der Verlag in der Wahl des Gegenftandes
war, fo glücklich war er in der des Autors, der durch
feine religionsgefchichtlichen Arbeiten einen beträchtlichen
Teil des Stoffes beherrfchte und die auf diefem
Gebiet vorliegenden Schwierigkeiten kannte. Hat fich
auch durch den Krieg und andere Umftände die Herausgabe
verzögert, fo ift es um der Sache willen kaum zu
bedauern; denn wir haben in Bertholet's Arbeit eine
Mufterleiftung erhalten, die auch gefteigerten Anfprüchen
gerecht wird. Eine gründliche Beherrfchung des großen
Materials, ein forgfam abwägendes Urteil und eine klare
leicht lesbare Darftellung, das find die Vorzüge diefer
Arbeit. In klarer Weife hat es B. verftanden, die Zu-
fammenhänge der israelitifchen Kultur mit dem Boden,
auf dem fie entftand, wie anderfeits auch die gefchichtliche
Bedingtheit derfelben aufzuzeigen. Hier ift gründlich mit
der alten, aber noch immer viel verbreiteten Anfchauung
von der nur Israel eigenen und von der Kultur der umwohnenden
heidnifchen Völker ganz verfchiedenen Kultur
gebrochen, wir fehen vielmehr, wie ägyptifche, babyloni-
fche, hethitifche, aber auch weltliche Einflüffe auf Israel
eingewirkt haben. Man mag da oder dort die Accente
etwas anders verteilen, im Ganzen wird man zugeftehen
müffen, daß B. gerade in der forgfamen Abwägung
diefer Einflüffe ein Meifter ift. Kittel hat, was B. dankbar
anerkennt, ihm vorgearbeitet, aber es ift begreiflich
, daß K. in feiner israelitifchen Gefchichte nicht
in der eingehenden Weife diefen Problemen nachgehen
konnte, wie das in einer fpeziellen Kulturgefchichte
gefchehen konnte. Auch die Anregungen Gun-
kels auf dem Gebiete der Literaturgefchichte, wie die
Duhms, dem diefe Arbeit gewidmet ift, in Bezug auf den
Zufammenhang der Kultur- und Religionsgefchichte werden
von B. dankbar anerkannt. Der Stoff" ift in zwei
Abfchnitte geteilt: der erfte befchäftigt fich mit der Ent-
ftehung einer bodenftändigen Kultur Israels, der zweite
mit der israelitifchen Kultur Israels in Paläftina. In jenem
zeichnet B. nach einem Überblick über die Kultur der
vorgefchichtlichen Zeit die der gefchichtlichen Zeit in der
amoritifchen und kanaanitifchen Periode, an die fich die
Darfteilung der Kultur der aus der Wüfte kommenden Israeliten
und eine Zeichnung der Kultur der Übergangszeit

anfchließt. Im zweiten Abfchnitt behandelt B. das Leben
in Familie und Haus, das berufliche, foziale, politifche
und geiftige Leben. Hier fei namentlich auf die treffliche
Darftellung des letzteren hingewiefen, die zu lefen
ein wirklicher Genuß ift. Ein Regifter erleichtert in erfreulicher
Weife die Benutzung der inhaltreichen Arbeit.
Ref. kann den lebhaften Wunfeh nicht unterdrücken, daß
diefe Arbeit B.s bald fich in den Händen aller gebildeten
Theologen befinde, fie ift tatfächlich für jeden unentbehrlich
.

Leipzig. W. Nowack.

Bar ry, George Duncan, B. D.: The Inspiration and Authority of Holy

Scriptlire. A study in the literature of the firft five centuries.
(Handbooks of Christian Literature.) (146 S.) kl. 8°. London,
Society for Promoting Christ. Knowledge 1919. Geb. s. 4.6

Die Einleitung bringt folgende richtige Grundfätze: bis 150 war
das A. T. die infpirierte Autorität; dann wurden auch die Evangelien
als Wirkungen des Geiftes angefehen, der aus ihnen, wie aus den Schriften
des A.T. fpräche; 15 Iahrhunderte wurde keine Lehre über die In-
fpiration formuliert, man glaubte aber an eine Verbalinfpiration; II. Tim.
3,16 jedoch redet nur vom Zweck, nicht von der Art der Infpiration
'und II. Pt. 1,21 fchlteSt die Mitwirkung des Schreibers nicht aus. Es
folgt das Zeugnis Philos, des Jofephus und des N. T. für die Inlpira-
tion des A. T. Dann werden die Väter zu diefer Frage abgehört bis
Auguftin. Es ift der Vorzug des Buches, daß es in dankenswerter
Weife die Äußerungen derfelben fo vollftändig wie wünfehenswert beibringt
und fo das reiche Material bequem zugänglich macht. Bei faft
allen nun tritt die auffällige Spannung hervor, daß fie einerfeits die
Verbalinipiration auch der nt. Bücher vertreten (und die in ihr begründete
Autorität), und andererfeits Gradunterfchiede in der Infpiration
machen. Leider unterläßt es Verfaffer, diefen Widerfpruch zu erklären.
Diefer Fehler liegt in zwei Momenten. Einmal fehlt ein Kapitel darüber
, wie die nt. Schriften felbft fich ausfprechen über Autorität und
Infpiration Jefu und feiner Jünger bezw. Apoftel; nämlich daß die Worte
Jefu (in fteigendem Maße als des Rabbi, erhörten Herrn, Logos, prae-
exiftenten Chriftus) erft neben und dann über das AT. geftellt werden, und
daß die Schrilten des NT felbft keinen Anfpruch auf Infpiration machten
und genoffen (was ihr Charakter als Gelegenheitsfchriften, die frühzeitigen
Varianten, Luc. luiff., der Verlud des Mk.-Schluffes und einiger
Paulus-Briefe beweift). Sodann ift nirgends Bezug genommen auf die
Gefchichte des J£anons, fodaß auch das Wort nicht erklärt wird. So
finden wir bei dem Zeugnis der apoftolifchen Väter für die Infpiration
des A. und des N. Teftaments (sie) den Satz, der zu Marken Irrtümern
Anlaß gibt : ,wir finden dort (bei ihnen) eine einzigartige Wertfehätzung
der Schriften des A. und des N. Teftaments (!), die wir gewöhnlich kano-
nifch nennen, und zugleich eine befondere Wertfehätzung von .Schriften',
welche niemals zum Kanon zugelaffen find'. Gab es etwa damals fchon
einen Kanon des N. T.? Wurden damals etwa die neuen Schriften als
gleich infpiriert und autoritativ angefehen wie die alten? Wie verhielt
fich ihre .Wertfchätzung' zu derjenigen jener ,Schriften'? Wären diefe
beiden Momente nicht überfehen, so würde einmal in Obereinftimmung
mit den zitierten Sätzen der Einleitung fich ergeben, daß das Anfehen
der neuen chriftlichen Schriften als infpirierte Autorität fich allmählich
entwickelte, und fodann jene widerfpruchsvoile Erfcheinung fich klären,
daß die Verbalinfpiration als überkommenes Dogma mitgefchleppt
wurde, aber die Eigenart der nt. Schriften und die Entwicklung ihres
Anfeherts zur Annahme von Gradunterfcbieden ihrer Infpiration zwang.
Königsberg i. P. Pott.

Schmidt, Lic. Traugott: Der Leib Chrifti (2ä>fia Xqiotov).
Eine. Unterfuchg. zum urchriftl. Gemeindegedanken
Leipzig, A. Deichert 1919. (VIII, 256 S.) gr. 8°.

M. 10 —

Den vielen Opera pofthuma, die der männermordende
Weltkrieg uns befchert hat, fleht der Rezenfent meift
mit dem peinlichen Gefühl gegenüber, - daß er das, was
er fagen follte, aus Pietät nicht fagen mag. Anders hier:
es war ein reifes, wiffenfehaftliches Werk, das die Gattin
mit Freundeshilfe zum Druck befördert hat, wenn fie
auch wohl Recht hat mit der Bemerkung, daß manches
noch anders, knapper gefaßf fein würde, hätte der Verf.
felbft die letzte Hand an fein Werk legen können. Die
Schrift bietet mehr — und auch wieder weniger —, als
der Titel verheißt: es ift eine umfaffend angelegte Studie
über den urchriftlichen Glauben an die Gegenwart des
erhöhten Herrn und über den Kollektivgedanken bei
Paulus, wobei alle die Fragen der Chriftologie, der Myftik,
der Kirche und derSakramente zurBehandlung kommen; aber
es ift faft ausfchließlich eine Studie zum Paulinismus,
auf dem Hintergrund des Gemeindeglaubens: die fpäteren