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Ausgabe:

1920

Spalte:

116

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Külpe, Oswald

Titel/Untertitel:

Einleitung in die Philosophie. 8., verb. Aufl., hrsg. v. August Messer 1920

Rezensent:

Goedeckemeyer, Albert

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Seite 1

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ii5 Theolog-iiche Literaturzeitung 1920 Nr. 9/10. 116

hat, zu erwärmen und eine vielfeitig dankbare Erinnerung an
ihre Perfonen und den Segen, der von ihnen ausgegangen ift,
wachzurufen bezw. neu zu beleben, Danach wird fleh der Kreis,
für den diefe ,Lebensbilder' dargeboten werden follen, von felbft
beftimmen, und fie werden in ihm mit warmem Dank entgegengenommen
werden, wie mit Beftimmtheit zu erwarten ift.
Göttingen. K. Knoke.

Bastgen, Prof. Dr. Hubert: Die römilche Frage. Dokumente
u. Stimmen. 3. (Schluß-) Bd. (XII, 332 u.
VII, 256 S.) gr. 8°. Freiburg i. B., Herder 1919.

M. 24—; geb. M. 26 —
Der 3. Band führt im 1. Teil die Darfteilung bis zum
Ausbruch des Weltkrieges (vgl. Th. L. Z. 1918, 302 und
1919, 276), im 2. wefentlich bis I917; denn das Jahr 1918
hat, da die Aufmerkfamkeit auf die militärifchen Ent-
fcheidungen gerichtet und am Friedensfchluß der Papft
nicht beteiligt war, für die römifche Frage wenig abgeworfen
. Das reiche Material ift hier wiederum oft auch
für Nichtkatholiken und Nichtberufspolitiker von Intereffe,
z. B. das zu der noch nicht endgültig geklärten Frage
der auf Wunfeh Italiens dem Londoner Abkommen un-
ferer Feinde 1915 hinzugefügten, wohl 1917 veränderten
Klaufel gegen Teilnahme des Papftes an den Friedensverhandlungen
. Ein Regifter zu allen 3 Bänden erhöht
die Brauchbarkeit des Werkes. Der Standpunkt B.s zeigt
ftch wieder darin, daß unter den von ihm mitgeteilten
Stimmen über Neutralität und fonftiges Verhalten des
Papftes im Kriege die lobenden durchaus überwiegen.
Verftändlich ift es, wenn er als Katholik meint, ,daß der
Weltkrieg die römifche Frage der Löfung entgegenführen
müffe'; ja er fieht in der Vorbereitung diefer Löfung
,eine der wichtigften Aufgaben, die der Welt bevorftehen'
(3 II, 112). Der tatfächliche Ausgang des Krieges hat
freilich zunächft jede Ausficht Gefertigt, die römifche
Frage gegen den Willen Italiens zu löfen. Und wenn
man fie, wie das ja auch Benedikt XV. ausgefprochen
hat, durch Verftändigung mit Italien löfen will, fo ift
fraglich, ob der Papft nach diefem Ende des Krieges von
Italien mehr wird erreichen können, als vorher möglich
gewefen wäre. Hätte aber die politifche Lage fich anders
geftaltet und ginge man jetzt ernftlich an eine den
Idealen ftrenger Katholiken entfprechende Löfung der
FYage, fo würden fich erft recht die Schwierigkeiten fol-
cher Löfung zeigen. Sie liegen, kurz gefagt, in dem An-
fpruch der Päpfte, überirdifche Stellung mit irdifcher
Macht zu vereinigen. Auch wenn dem Papfte z. B. die
Leoftadt und ein Streifen bis zum Meere fo gehörten,
daß er hier wirklich Souverän wäre, würden die Italiener,
in Krieg verwickelt, doch nicht dulden, daß von diefer
Stelle neben ihrer Hauptftadt aus ungehinderter Verkehr
mit den Ländern ihrer Feinde ftattfände. Es wird nie
für einen Stellvertreter Gottes auf Erden eine Wohnung
geben, von der aus er ftets unangefochten feine weltlichen
Anfprüche ausüben kann. Eine alle Teile befriedigende
Löfung der römifchen Frage kann es nicht
geben.

I. S. 43: Diefer Befuch Chlodwig Hohenlohes in Wien fällt 1893
(nicht 1903). n. S. is, Z. 5 v. u. ft. 1895 1. wohl 1915. Zu dem
Auffatz S. 23 ff. ift keine Quelle angegeben.

Kiel. H. Mulert.

Der unfiohtbare Tempel. Monatsrchrift zur Sammig. der Geilter.
Hrsg. v. den Brüdern Dr. Ernft u. Dr. Auguft Horneffer.
1. Jahrg. 1916. (VI, 572 S.) 8°. München, E. Reinhardt.

M. 8 —

Durch mein Verfehen kommt der 1. Jahrgang diefer Frei-

von dem Weltgericht, das die Weltgefchichte vollzieht, nicht fo
oberflächlich auf das grade ganz unmittelbar Gegenwärtige in feiner
traurigen Unfertigkeit bezieht, der legt auch diefe kultur-
resp. politifch-philorophifchen Erwägungen nicht unbefehen zum
alten Eifen. — Die Zeitschrift befchäftigt fich mit allen Gebieten
der Kultur, dabei ilcher immer bemüht, den jeweiligen Gegen-
ftand möglichft in feiner vollen Tiefe zu erfaffen. Gelungen aber
ift das in fehr vefchiedenem Maße. Unzweifelhaft etwas in die
Tiefe bohrendes haben die Beiträge der beiden Herausgeber.
Daneben aber itehen Oberflächlichkeiten wie ,Schützengraben,
Kaiferdom und Proteltationskirche' von Ludowici und die beiden
Beiträge von Hugo Salus, befonders fein ,neues Buch Hiob'.
Unverkennbar ift bei den eigentlichen Wegweifern ein ernftes
Ringen mit der wirklichen Religion; zu den in weltweiter Brüderlichkeit
umfchlungenen Millionen des freimaurerifchen Geiftes-
bundes gehören aber auch folche, denen wirkliche Religion mit
ihrem vollen Ernft eine fremde Sache ift.
Gnadenfeld. Th. Steinmann.

Külpe, Oswald: Einleitung in die Philofophie. 8. verb. Aufl., hrsg.
v. Auguft Meiler. (VI, 432 S.) 8". Leipzig, S. Hirzel 1918.

M. 10.40

Die fünfte Auflage diefes Werkes habe ich in der 21. Nummer
des Jahrgangs 1911 ausführlicher befprochen. Mit ihr verglichen
ift die nunmehr von Meffer herausgegebene achte Auflage
im großen und ganzen, abgefehen natürlich von der nötig gewordenen
Ergänzung der Literatur, nicht verändert. Nur eine wefent-
liche Abweichung ift in dem Abfchnitt über Determinismus und
Indeterminismus vorhanden. Hier bekennt fleh Meffer im Gegen-
fatz zu Külpe zu einem wenigftens praktifchen Glauben an die
indeterminiftifche Freiheit (S. 304 f.). Ergänzungen liegen außerdem
vor in der Berückflchtigung der Phaenomenologie Huiferls
($ 5 AbL 12 und $ 29 Abf. 11), und im Zufammenhange der Ethik
(S. 390 und § 32 Abf. 13 f.).
Königsberg. Goedeckemeyer.

Hönigswald, Prof. Dr. R,: Philorophifche Motive im neuzeitlichen
Humanismus. (55 S.) gr. 8'. Breslau, Trewendt & Granier
1918. M. 1.50

Der Verf. fcheint unter Humanismus die ganze moderne
Humanität zu verftehen, wie fie in Wiffenfchaft, Ethik, Religion,
Kunft, Recht, ufw. auf der freien, fchließlich philofophifch
begründeten Ideenbildung beruht oder zu beruhen vermeint. Da
er fie wefentlich von der Renaiffance und innerhalb diefer wieder
wefentlich von der Antike herleitet, tritt nun aber der
Humanismus der Renaiffance fehr ftark in den Vordergrund.
Deffen philofophifcher Gehalt foll ,problemgefchichtlich' aufgedeckt
werden. Das gefchieht, indem die Renaiffance dem
Mittelalter gegenüber nicht als Bruch, fondern als Steigerung
feiner antik-philofophifchen Ingredienzien bezeichnet wird, in die-
fem lediglich gefteigerten antiken Element aber doch die Richtung
auf die Methode, die logifche Vorausfetzung und Maßgebung als
neu herausgehoben und belebt erfcheint. So werden die wichtigften
erkenntnistheoretifchen und werttheoretifchen Kategorien
des Neukantianismus als durch die Antike bereits der Renaiffance
vermittelt bezeichnet und wird überdies das Ganze zu einer Apologetik
des humaniftifchen Gymnafiums. Von den eigentlichen
Lokalfarben der Renaiffance und ihrer Selbftempfindung ift dabei
begreiflicher Weife nicht die Rede; die modernen Kategorien
werden einem völlig farblofen und fchematifchen Bilde eingezeichnet
, wie es zu gefchehen pflegt, wenn jemand mit dem
Gegenftand, über den er fchreibt, nicht felber lebt, fondern eben
über ihn theoretifiert.
Berlin. Troeltfch.

Feldausgaben der .Philorophirchen Bibliothek'. Heft I—X. 8". Leipzig
, F. Meiner. || I. Schiller: Über Anmut und Würde. (S
93—157) 1917. M. 1 — || II. Herder: Ideen zur Philofophie der
Gefchichte der Menfchheit. (II u. S. 87—176) (1917). M. 1 — II

III. Humboldt, W. v.: Über die Aufgabe des Gefchichts-
fchreibers. Betrachtungen über die beweg. Urfachen der Weltgefchichte
. Lalium u. Hellas. (S. 79—134) (1917). M. 1 — ||

IV. Kant, 1mm: Idee zu einer allgemeinen Gefchichte in
weltbürgerlicher Abficht. (20 S.) (1917). M. —50 | V. Leffing:
Ernft u. Falk. (Gefpräche f. Freimaurer.) — Die Erziehg. des
Menfchengefchlechts. (S. 175-228) (1917). M. 1 — | VI. Hegel
: Über die englifche Reformbill. (Sonderausgabe aus:
H., Schriften zur Politik u. Rechtsphilof.) (S. 285-326 u.

maurerzeitfehrift leider fehr verfpätet zur Anzeige. Es ift fchade 507—8) (1918). M. 1.25 || VII. H erders Religionsphilofophie.
darum , denn fie enthält mancherlei Vortreffliches und Anregen- ! (Sonderausgabe aus: H.'s Philofophie.) (S. 177—257) (1918).

des. Überall dort, wo die Zeitfchrift das weltpolitifche Gefchehen
zu deuten verrucht, find die tatfächlichen Ereignilfe freilich inzwischen
fehr andre Wege gegangen. ,Wer von Weiten kommt, mag
an der Demokratie krank fein. Wir find dies nicht': fo äußert
fich Ernft Horneffer in einem auch jetzt noch — oder vielleicht
auch grade jetzt — fehr lefenswerten Auffatz ,Held und Volk';
und in der jedem Heft beigefügten Rundfchau ift die Rede vom

M. 1.25 [| VIII. Kant: Theorie und Praxis. (S. 65-113) (1918).
M. 1.25 || IX. Leffings Religionsphilofophie und theologifche
Streitfchriften. (S. 64-176) (1918). M. 1.90 || X Sch i 11 er:
Ober die afthettfehe Erziehung des Meuchen. (S. 158—271.)
(1918). M. 1.90.

Der nächfte Zweck diefer Feldausgaben ift zwar fortgefallen,
aber ihr Wert damit nicht gemindert. Der Verlag follte dauernd

,Sieg des deutfehen Staatsgedankens'. Wer aber das Dichterwort ' mit der Veranftaltung derartiger Sonderausgaben fortfahren; er