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Ausgabe:

1920

Spalte:

113-114

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bonwetsch, G. Nathanael

Titel/Untertitel:

Gotthilf Heinrich Schubert in seinen Briefen 1920

Rezensent:

Hoffmann, Heinrich

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Theologifche Literaturzeitung 1920 Nr. 9/10.

114

Klatfches. Das Verhältnis Schleiermachers zur Romantik,
dem wir die Reden, die Monologe, indirekt die Kritik
der Sittenlehre verdanken, foll ein ,böfes Kapitel' in
feinem Leben fein. Ganz irrtümlich wird die ,Idee zu
einem Katechismus der Vernunft für edle Frauen' darge-
ftellt und beurteilt. Die Beziehungen zu H. Herz find
völlig verkannt, wenn der Beurteiler fich darüber wundern
kann, daß Schi, zur felben Zeit eine tiefe Herzensneigung
zu Eleonore Grunow faffen kann. Die Einleitung hat
offenbar den Zweck die Beziehung Schl's zu diefen Frauen
in einem ungünftigen Lichte erfcheinen zu laffen, damit
das bräutliche Verhältnis defto heller erftrahle. Das ift
eine irrige Beleuchtung. Seine Briefe an E. Grunow z.
B. find bedeutfamer als diejenigen an feine Braut und
fpätere Gattin. Hoffen wir, daß mit der vorliegenden
Brieffammlung der Anfang gemacht fei mit einer unverkürzten
Ausgabe des gefamten Briefwechfels — ohne
dem Urteil des Lefers vorgreifende einleitende Bemerkungen
.

Sterkrade. L. Vietor.

Schulz, Oberbibl. Dr. Hans: Aus Fichtes Leben. Briefe u. Mit-
teilgn. zu e. künft. Sammig. v. Fichtes Briefwechfel. (,Kant-
ftudien'. Ergänzungshefte. Nr. 44.) (68 S. m. 1 Bildnis.)
g. 8". Berlin, Reuther & Reichard 1918. M. 4 —

Etwa drei Dutzend Briefe und Namenbucheintragungen
Fichtes, zum größeren Teil bisher ungedruckt. Ich notiere fachlich
wichtige Dinge. Fichtes Verehrung für Goethe S. 47, fein
Urteil über Lavater S. 15, das Verhältnis zu F. Schlegel S. 32f. und
zu E. G. Paulus S. 31. Äußerungen zur Gotteslehre S. 28, über
Philofophie und Leben S. 33, über philofophifchen Stil S. 64.
Fichte als Leier S. 24. Erwähnungen von Bearbeitungen der
Wiffenfchaftslehre oder doch Plänen dazu: S. 3 (die erfte), 25
(die Jenenfer von 1796), 49 (Berlin 1806), 53 (Königsberg 1807).
Der nicht ausgeführte Plan einer wiffenfchaftlichen Äfthetik
S. 22f. Die Entftehung der Reden an die deutfche Nation S. 60,
Stein's Urteil über die Reden S. 61. Der authentifche Text der
Übertragung des dies irae S. 44f. Alles in allem eine fehr ver-
dienftliche Veröffentlichung, die der Fichteforfchung wirklichen
Gewinn bringt. Möge dem Sammeleifer des Herausgebers weiterhin
das Glück hold fein. Die fchwierigen Handfchriften lind,
foweit ich urteilen kann, mufterhaft entziffert und herausgegeben.
Der verbindende Text zeugt von außerordentlich gründlichen
biographifch-literarifchen Kenntniffen.
Bonn. E. Hirfch.

Bonwetfch, Prof. D. G.Nathanael: Gotthilf Heinrich Schubert

in feinen Briefen. Ein Lebensbild. Mit 12 Abbildungen
(XXIV, 480 S.) gr. 8°. Stuttgart, Chr. Belfer 1918.

M. 7.50; geb. M. 8.50
Nach einer kurzen Einleitung bietet Bonwetfch die
Briefe Schuberts, nicht in chronologifcher Reihenfolge,
fondern in 14 nach den Adreffaten geordneten Abfchnit-
ten dar. Darunter intereffieren befonders Herder und
feine Familie, der Maler von Kügelgen, Albert Knapp
und Hengftenberg; doch find für das Bild Schuberts
feine Briefe an minder bekannte Freunde mindeftens
ebenfo wichtig. In diefen Briefen tritt uns eine äußerft
reine, liebevolle, weiche, gewiffenhafte und demütige Persönlichkeit
entgegen, die in der Chriftusfrömmigkeit der
Erweckung ihres Lebens Halt gefunden hat, nach Gemein-
fchaft mit Glaubensgenoffen dürftet, auch erweckte Katholiken
als folche anfleht und in allen, auch den klein-
ften, Lebensführungen Gottes Wirken fpürt. Über die
von Sendling beeinflußte Naturphilofophie Schuberts erfahren
wir aus diefen Briefen wenig, über die Zeitereig-
niffe fchweigen fie faft ganz; das Perfönliche und Reli-
giöfe gibt ihnen das Gepräge. Manche Schroffheiten
feiner Freunde Kanne und Hengftenberg macht die milde
Natur Schuberts nicht mit; aber auch er ift der Enge
verfallen, das wahre Chriftentum ausfchließlich in der
orthodox-pietiftifchen Richtung zu fehen. Auf folche, die
diefer Auffaffung nahe flehen, werden die Briefe direkt
aip Erbauung wirken; aber auch wer ihre Enge ablehnt,
wird in ihnen den Hauch lauterer Frömmigkeit fpüren
und religiös etwas an ihnen haben. Wiffenfchaftlich
wertvoll find fie als Dokumente der Erweckungszeit. In-

tereffant ift z. B. die ungemein hohe Verehrung des jungen
Schubert für Herder. Den Weg, den er und viele
feiner Genoffen von einer folchen Weite zum Standpunkt
der Erweckung gingen, gefchichtlich und pfychologifch
zu begreifen, ift eine wichtige Aufgabe der Kirchen-
gefchichte. Uberhaupt bedarf die Erweckungsbewegung
noch einer wahrhaft gefchichtlichen Erforfchung. Die
Schubertbriefe und andere Editionen Bonwetfchs fowie
deffen kleines, aber inhaltsreiches Heft über das r'eligiöfe
Erlebnis führender Perfönlichkeiten der Erweckuno-szeit
bieten dazu wertvolle Grundlagen.

Bern. Heinrich Hoffmann.

Umfrid, Otto: Da die Zeit erfüllet ward. Wandlungen deutfehen
Denkens u. Wollens, dargeftellt nach der K. Chr. Planckrchen
Philofophie. (XV, 152 S) gr. 8». Leipzig, Verlag Natur-
wiffenfehaften 1917. m. 2.50

Als den, deffen ,Zeit erfüllet ward', betrachtet Umfrid den
Philofophen K. Chr. Planck (f 1880), über deffen Werke und
Wirken er fchon in P.s Todesjahr eine Schrift veröffentlicht hatte
und dem er nun eine eingehende Darfteilung widmet. Daß
Planck mit feinen fozialen und Völkerbundsgedanken, wie auch
mit feinem Verfuch, das ethifche religiöfe Denken im engften
Zufammenhang mit der Naturerkenntnis zu bringen, durchaus
zeitgemäß ift, erkenne ich gerne an. Seine veraltete und phanta-
ftifche Naturbetrachtung und feine unzureichende Auffaffung der
Religion (deren transfeendente Richtung er durchaus ablehnt)
follte allerdings verwehren, ihn als Bahnbrecher einer neuen Zeit
zu feiern, aber fofern feine Probleme auch noch die unfern find
wird man U. für den Verfuch vereinfachender Darlegung dankbar
fein.

Göttingen. Titius.

Hafe, Karl v.: Ideale und Irrtümer. Jugenderinnerungen. Volks-
ausg. 7. Aufl. (XI, 303 S.) 8". Leipzig, Breitkopf & Härtel
1917. Pappbd. M. 3 —
Es ift fehr dankenswert, daß der Verlag die bekannte Schrift
als Volksausgabe hat ausgehen laffen. Die Zeit ift eine ganz
andere geworden, und doch wird auch die heutige akademifche
Jugend und zumal die theologifche an der behaglich-reizvollen
Darftellung des Burfchenfchafters und des jungen Gelehrten
großes Gefallen finden.
Göttingen._ Titius.

Zahn-Bibliographie. Verzeichnis der literar. Veröffentlichgn. Theodor
von Zahns, zu feinem 80. Geburtstage am 10. X. 1918
zufammengeftellt u. dargebracht von Freunden u. Kollegen
(31 S.) 8-'. Leipzig, A. Deichert 1918. M. 3 —

Die Bibliographie umfaßt 217 Nummern aus den Jahren
1862—1918, fowie ein Verzeichnis der Perfonen und Sachen.
Wer fie durchficht, wird beftätigen, was die 7 Herren, die fich
in die Abfaffung geteilt haben, fagen, ,fie eröffnen einen vollen
Einblick in die Größe und in die Planmäßigkeit' der Arbeit Zahns,
die von der Erforfchung der altkirchlichen Literatur zu der
Gefchichte des neuteftamentlichen Kanons und dann zur Einleitung
und Erklärung des neuen Teftaments führte.
Göttingen. Titius.

Römheld, Pfarrer i. R. W.: Sechs Lebensbilder aus der innern und
äußeren Miffion. (169 S. m. 6 Abbildgn.) 8°. Stuttgart Chr
Belfer 1919. Geb. M. 6 —

Als ,Perfönlichkeiten voll Mut und Kraft' will der Verf.
die fechs Männer angefehen wiffen, deren Lebenslauf und überzeugungsvolle
gefegnete Wirkfamkeit auf dem Gebiete der innern
und äußern Miffion er in diefem Buche darzuftellen fich als
Aufgabe ftellt im Hinblick darauf, daß ,die Gegenwart leider an
folchen Perfönlichkeiten arm ift' und mit dem Wunfche daß
der Geift der Männer, die hier vor unferer Seele erfcheinen in
deutfehen Landen in taufendfältiger Geftaltung erfcheinen' möchte.
Die fechs Männer, die er für feine Darfteilung ausgewählt hat,
find Oberlin, der Pfarrer von Steintal im Elfaß, Volkening, der
Paftor zu Jöllenbeck in Weftfalen, Louis Harms, der Begründer
der Hermannsburger Miffion, Wichern, der Vater der innern
Miffion, Elias Schrenck, der Apoftel des Evangelifationswerkes
in Deutfchland, und Friedr. v. Bodelfchwingh, deffen Name eng
mit den faft unüberfehbaren Veranftaltungen für innere und
äußere Miffion für immer verbunden bleiben wird, welche ihren
Ausgangspunkt von Bethel bei Bielefeld genommen und dort
ihren Mittelpunkt bis in die Gegenwart behalten haben. Es handelt
fich in diefem Buche nicht um felbftändige Forfchungen
des Verfaffers über die Gegenftände, die er behandelt. Es liegt
ihm nur daran, unter Benutzung der darüber bereits veröffentlichten
Arbeiten, in volkstümlicher Weife über die genannten
Männer zu berichten, die Bedeutung ihrer Perfönlichkeiten für
die Entwicklung des kirchlichen Lebens ihrer Zeit zu veran-
fchaulichen und den Lefer für fie und den Geift, der fie befeelt