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Ausgabe:

1920

Spalte:

106-107

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mayer, August L.

Titel/Untertitel:

Matthias Grünewald 1920

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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(zwifchen 1393 und 1431 in genanntem Klofter, dem fie abhanden kam,
aber 1476 wieder erkauft wurde), nach Waflerzeichen des Papiers und
Perfönlichkeit des Abfchreibers Johann von Rotweil (f 1435 als Lektor
in Luzem).

Marburg i. H. K. Wenck.

Waller, Priv.-Doz. Dr. Ernft: Poggius Florentinus Leben
und Werke. (Beiträge zur Kulturgefchichte des Mittelalters
u. der Renaiffance, Heft 14.) (VIII, 567 S. m.
4 Tafeln.) gr. 8°. Leipzig, B. G. Teubner 1914.

M. 16—; geb. M. 18 —
Der Humanift Poggio Bracciolini aus Terranuove bei
Arezzo (geb. II. Febr. 1380 oder 1381, geft. 30. Okt. 1459
zu Florenz) hat bereits eine ausführliche Biographie gefunden
durch Shepherd-Tonelli (Firenze 1825), auch in
der deutfchen Literatur des Humanismus, der Florentiner
und der Papftgefchichte war feine Figur gebührend hervorgehoben
; allein eine gründliche Ausnutzung des gefamten
gedruckten Materials, vor allem der Briefe, fowie der in
Betracht kommenden Archive und Bibliotheken mußte
mehr bringen als eine reiche Nachlefe; es konnte fogar
gelingen, ein wirklich neues Bild diefes in der gelehrten
und literarifchen Bewegung des Frühhumanismus führenden
Mannes zu gewinnen.

Der Verfuch ift in dem vorliegenden Buche auf Grund
umfaffender Studien und eines fehr reichen Materials in
deutfcher Gründlichkeit gemacht worden; wir haben dem
Verf. für eine neue Grundlegung der Poggio-Biographie
aufrichtig zu danken.

Die Darftellung begleitet Poggio aus der aretiner Heimat, wo fein
Vater Drogift war, nach Florenz in die Notarfchule, in den Kreis des
Staatskanzlers Coluccio Salutati und von hier an die Romifche Kurie
(1403), wo er zuerfl fo erfolgreich die neuen Florentiner Ideale vertrat
und doch fpürbar über Coluccio Salutati hinauskam. Vom Konftanzer
Konzil aus verfolgen wir die berühmten Pürfchgängc auf Handfchriften,
aber auch die Krifis der Kurialen Johanns XXIIL, die fchließlich für
Poggio zu einem langen Aufenthalt in England führte (1418—22).
Frohlockend kehrt er aus dem Norden in die fonnige Heimat zurück,
um noch unter Martin V. in die alte angefehene Stellung zu gelangen,
unter Eugen IV. auch das geliebte Florenz wieder zu betrieben und
unter dem Florentiner Freunde Tomma'o Parcntucelli (Nicolaus V.) die
Höhe feines Anfehens an der Kurie zu erfteigen. Das Bild feines inneren
und äußeren Lebens hellt fich uns in der ungeheuren Maffe lierrlichfter
Briefe aufs anfehaulichfte dar (befonders an den Freund Niccolo Niccoli);
die Traktate oder Dialoge über aktuelle Lebens- und Studienprobleme
bilden darin die fetten Ruhe- und Sammelpunkte. Fra Bernardino und
die Obfervanten reizten ihn wiederholt zu literarifchen Ergüffcn (über
den Namen Jefu, über die Hypokriten, de avaritia u. a.; bemerkenswert
doch, daß die Humaniften auch über die Kunftmittel eines modernen
Kanzelredners debattierten S. 127). Der alte Streit über den Vorrang
des Scipio oder Caefar, die Schrift über den Adel, über das Unglück
der Fürften, De varietate fortunae und De miscria humanae conditionis —
alles typifche Humaniftenthemata. Die eigene Heirat des 56 jährigen
mit der t8jährigen Vaggia Buondelmonte gab ihm Gelegenheit zu der
liebenswürdigen Schrift An seni sit uxor ducenda. Übrigens find es
faß immer diefelben Namen die in den Dialogen diefer Zeit vorkommen,
allen voran Niccolo Niccoli, dann Carlo Marfuppini, Poggios Vorgänger
als Staatskanzler von Florenz. Denn in diefer höchft angefehenen
Stellung endet fchließlich das Leben des berühmten Gelehrten, nicht
ohne leichten Mißklang; die gcfchältliche Seite des Kanzleramtes war
dem beweglichen Sinn des Literaten nicht ganz gemäß; ein Jahr vor
feinem Tode ift er zurückgetreten.

Die Frage ift nun, inwieweit der Verf. das tiefere
Problem der Charakteriftik gelöft und aus dem reichen
Material die lebendige Biographie geftaltet hat. Ich rechte
nicht gern mit einer fo refpektablen Leiftung und finde,
daß man von einem Autor nicht etwas anderes verlangen
foll, als er bieten wollte. Allein, daß hier noch eine
lohnende Aufgabe ungelöft geblieben ift, die der Verf.
vielleicht fich felbft vorbehalten hat, muß ich doch bemerken
. Die Brenge Art der chronologifchen Auffchich-
tung des Materials, wobei alle äußeren Daten gewiffen-
haft nachgeprüft und fichergeftellt werden, läßt das innere
Material etwas zu kurz kommen, und nicht feiten muß
man fich wie S. 104, 1 (.einer der fchönften tiefft empfundenen
Briefe feines herrlichen Epiftolars') mit dem Hinweis
auf ein Material begnügen, das felbft für die Darfteilung
nicht ausgefchöpft ift. Es hat etwas Unbefriedigendes
, das reiche Leben eines folchen Meifters der

Darftellung imgrunde fo unliterarifch dargeftellt zu fehen,
— vielleicht würde durch ftärkere Anforderung an die
innere Form auch die pfychologifche Seite der Biographie
gewonnen haben. Ganz richtig gibt der Verf. (S. 293)
die Charakteriftik nach den Briefen: .geiftvoll .fprunghaff,
cholerifch'; allein an anderen Stellen beherrfcht ihn doch
wieder der Verfuch, die Äußerungen diefer Perfönlichkeit
auf eine Einheit und innere Folgerichtigkeit zu brino-en.
Ich finde z. B. die refignierten Stimmungen der englifenen
Jahre, wo das ungewohnte Klima zufammen mit gemütlichen
Enttäufchungen und Entbehrungen auf das frohe
Gemüt des Südländers drückten, nicht fo fehr eine nachhaltige
Phafe und Entwicklung ,zu der er fich im britifchen
Exil durchgerungen' (S. 308), als eine vorübergehende Er-
fcheinung der Depreffion. Dementfprechend finde ich
mit Joachimfen die chriftlich-kirchliche Richtung bei
Poggio zu ftark betont, das kecke, fprudelnde, übermütige
feines Wefens trotz einzelner Anfätze zurückgedrängt;
fehr richtig fcheint mir allerdings die Bemerkung (S. 323),
daß in den älteren Darftellungen Poggio zu einfeitig als
.Handfchriftenentdecker und Fazetienautor' gefaßt ift, woraus
dann ,auf blinde Vergötterung des Altertums, reli-
giöfe Indifferenz, Freigeifterei und Heidentum gefchloffen'
wurde. Demgegenüber kommt hier der ganze Menfch in
feiner reichen Zeitlichkeit wirklich zur Geltung.

Die Anhänge geben S. 325—560 erhebliches archi-
valifches Material. Die Tafeln bieten Beiträge zur Ikonographie
und Proben von Poggios Handlchrift.

Göttingen. Brandi.

Störmann, Dr. Augufte: Studien zur Gefchichte des Königreichs
Mallorka. (Abhandlungen zur Mittleren u. Neueren Gefchichte,
Heft 66.) (VII, 92 S) gr. 8". Berlin, W. Rothfchild 1918

M. 3 -

Diefe Abhandlung hat kirchengefchichtliches Intereffe wegen
der eingehenden Schilderung der Tätigkeit, die Philipp, der
vierte Sohn Jacobs I. von Mallorka, als Vormund feines Neffen
Jacob in der Verwaltung des Königreichs Mallorka 1324 —1329
ausgeübt hat. Er hat (Ich fpäter als Führer und Anwalt der Fra-
ticellen einen Namen gemacht, und darum ift diefe feine weltliche
Tätigkeit nicht ohne Intereffe, ohne daß doch Spuren feiner fpä-
teren Haltung hier fchon erfichtlich wären. Unter Benutzung
von zum Teil noch ungedrucktem, von Prof. Finke gerammelten
Material werden die politifchen Verhältnilfe des Königreichs, auf
die natürlich auch das Papfttum eingewirkt hat, gekennzeichnet.
Kiel. G. Ficker.

Mayer, Auguft L.: Matthias Grunewald. Mit 68 Abbiklgn.
(87 S.) gr.8°. München, Delphin-Verlag 1919.

M. 9—; Pappbd. M. 11 - ; Hlblwbd. M. 13 —
Grünewald, mit Dürer und Holbein d. J. der dritte
im Kleeblatt der größten Meifter deutfcher Kunft von
der Wende des 15./16. Jhs., war nie ein Vergeffener. In
aller Mund aber ift er gekommen durch den Weltkrieg
infolge der von diefem für die Zeit feiner Dauer veranlaßten
Überführung des Ifenheimer Altarwerkes nach München.
Sie hat mehrere dem gewaltig fich äußernden Intereffe
an ihm entgegenkommende Veröffentlichungen erzeugt,
die fich entweder auf die Behandlung des Ifenheimer
Altares befchränkten oder über ihn hinaus dem Meifter
im Ganzen galten. Diefer letzteren Art ift die vorliegende:
ein in jeder Hinficht ausgezeichnetes Buch. Bei vorkriegsmäßig
gediegener Ausftattung in Papier und Druck gibt
fie auf ihren 87 dem Quartformat angenäherten Seiten
in vortrefflichem Deutfch eine vozüglich verarbeitete, auf
eigener intenfiver Forfchung gegründete und fie fördernde
Befprechung deffen, was wir wiffen von Grünewalds
Leben (1), was wir befitzen an feinen Werken (2) und was
wir haben in feiner Kunft (3), dazu einen Katalog der erhaltenen
Gemälde und Handzeichnungen (4) nebft einem
wohl geordneten Verzeichnis der Literatur. Außerdem
aber find dem Text eingefügt 67 ausgezeichnet wiedergegebene
Abbildungen nach Gemälden bzw. Gemälde-
ausfehnitten und Zeichnungen, fo daß, da uns von Grünewalds
Lebenswerk überhaupt nur 20 Gemälde, davon
eines nur in Kopieen, und ebenfoviele Zeichnungen er-

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