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Ausgabe:

1920

Spalte:

1-2

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hardy, Edmund

Titel/Untertitel:

Der Buddhismus nach älteren Pali-Werken. Neue Ausgabe besorgt von Richard Schmidt 1920

Rezensent:

Franke, R. Otto

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiuS und Professor D. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 15 Mark

Bezugspreife für das Ausland jährlich Fr. 25—; 1 £; $ 4.75; holl. Gulden 11.80; fkandin. Kr. 17.75

- Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan _

TahvPßr PJt» 1 Profcflbr D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden. Hl T3 T") 11 f} T* 1QHO

ftO. UaXirg- ir. 1/ « Rezenfionsexemplare ausfchließlich ar? den Verlag. OA" UdUUdl A»AU

Hardy, Der Buddhismus nach älteren Päli- | Kögel, Pfalmen des Neuen Teftamentes (Pott).

Werken (Frankej.
Schwartz, Rede auf Wellhaufen (Duenfing).
Praetorius, Bemerkungen zum Buche Ilofea
(Meinhold).

C. C1 e m e n, Die Entftehung des NeuenTeftaments
(Pott).

Neuere Beiträge zur liturgiegefchichtlichen For-

fchung (Rendtorff).
MonumcntaGermaniaeFranziscana,II,l(Wenck).
Reformations-Literatur (Titius).
Hertling, Erinnerungen aus meinem Leben
(Mirbt).

Heffen, Graf von Hertling als Auguftinus-

forfcher (Mirbt).
Troeltfch, Die Dynamik der Gefchichte nach

der Gefchichtsphilofophie des Pofitivismus

(Mehlis),
l'roperty (Tönnies).

Bibliographie.

Hardy, Edmund: Der Buddhismus nach älteren Päli-Werken.

Neue Ausgabe beforgt v. Richard Schmidt. (Darftellungen
aus dem Gebiete der nichtchriftl. Religions-
gefchichte, I.) (VI, 233 S. m. 1 Karte), gr. 8°. Mün-
fter i. W., Afchendorff 1919. M. 8 —

Hardy hat fich durch feine Stiftung, aus deren Er-
trägniffen die Bayerifche Akademie der Wiffenfchaften
und ihr Berater Geh. R. E. Kuhn die vorliegende Neuausgabe
dankenswerterweife ermöglicht haben, wohl ein
gröberes und bleibenderes Verdienft erworben als durch
fein nicht fehr tiefgründiges, in zahlreichen Einzelheiten
und manchen prinzipiellen Dingen fogar recht anfechtbares
Buch. Immerhin aber hat diefes auch genug beachtenswerte
und verwertbare gute Eigenfchaften. Rieh.
Schmidt hat fich Anfpruch auf Dank alfo fchon durch
die Tatfache erworben, daß er die Neubearbeitung unternahm
. Er hat fie auch im ganzen nach verftändigen
Gefichtspunkten und meid forgfältig durchgeführt. Die
Grundlinien des Inhalts hat er nicht geändert, fodaß die
Inhaltsangabe des Orginals Wort für Wort in die Neuausgabe
übernommen werden konnte. Im einzelnen hat
er eine ungefähre Mitte zwifchen pietätvoller ErErhaltung
des Hardy Gehörigen und eigenen ihm angebracht
erfcheinenden Abänderungen, Weglaffungen und
Hinzufügungen zu halten gefucht

Über die Berechtigung mancher von ihnen läßt fich fireiten (und
umgekehrt hätte er manches beffern follen, was er flehen gelafien hat).
Was follen z. B. die langen Einfchiebungen aus zwei anderen Werken
über Buddha und Buddhismus? Um 50 Seiten ift dadurch die Neuausgabe
gegenüber der erften angefchwollen. Man will in diefem Buche
doch Hardy lefen und nicht andere. Ohlenberg wird man ohnehin fchon
lefen. Hätte aber H. ihn fo ausführlich zitiert wiffen wollen, fo hätte
er ihn eben zitiert. Für den Andern hätte er fich wahrfcheinlich überhaupt
beftens bedankt, wenn er ihn fchon hätte kennen können (vgl.
diele Ztfchr. 43. Jahrg. Nr. 14. Sp. 169T.). Diele Zitierluft hat nebenbei
auch einige unfehöne Unausgeglichenheiten herbeigeführt. Die ,Feuer-
predigt' ericheint z. B. zweimal, in abweichenden Ausdrücken, S. 58 h
und S. 78f. Wahrfcheinlich war die Neuausgabe eine kurzfriflige
Terminarbeit, die Schm. zur Überhärtung zwang. Wenigrtens möchte
ich auch lonft eine Reihe Flüchtigkeiten darauf zurückführen und damit
entfchuldigen, über die ich die Kritiken in LZbl. 1920 und in der
D. Lzg. 1920 nachzulefen bitte, falls fie dort Platz finden.

Von Schwächen an H.s eigener Leiftung follen hier
nur einige, die befonders fchädlich wirken könnten, hervorgehoben
werden. Die Datierungen der mit Buddha
gleichzeitigen Könige Seniya-Bimbifära 537—485 und
Ajätafattu 485—453 (H. 8, Schm. 12) find natürlich phan-
taftifihe, und ein Schluß auf Buddhas eigene Lebenszeit
ift aus ihnen alfo nicht etwa zu ziehen. Auch die direkte
Datierung Buddhas S. 1 und 41 ift ohne jede Grundlage.
Wer nicht der Vergefchichtlichung von Legenden zuneigt,
wird nicht mit H. (Schm. S. 40t.) über die Bezeichnung

von Buddhas Vater als ,König' und mit Schm. (S. 13
über die als .Großkönig' die Stirn in ernfte Falten legen
und einen bloßen .reichen Gutsherrn' oder .Großgrund-
befitzer' herausdeuteln; die königliche Abftammung des
Religionsftifter-Heros gehört zum Apparat der Legende,
des urfprünglichen Mythus, und darf unter keinen Um-
ftänden wegerklärt werden. Von diefer rationaliftifchen
Entgleifung flicht H.s prinzipielle Auffaffung der Legende
(Schm. S. 38) wohltuend ab: . . . ,man wird wohl für
immer auf den Verfuch, die hiftorifchen Beftandteile des
Lebensbildes fcharf von den übrigen Zutaten zu trennen,
verzichten müffen. Unfere Aufgabe kann daher nur darin
beftehen, die zerftreuten biographifchen Notizen . . .
zufammenzulefen, ohne . . . eine Ausfcheidung des Wahren
vom Erdichteten vorzunehmen'.

Aber z. B. auch mit dem Satze von S. 28 (Schm. S. 42) ,Es ift
richtig, daß der junge Gotama vermählt war . . .' ift er von feinem
Grundsatz abgeirrt. — Der Satz von H. (Schm. 91) .Daher find die Ge-
ftaltungen (samkhära) . . . gerade das, was ein jeder ift' zeigt, wie verderblich
ein zu unklarer Ausdruck dann in zweiter Hand wirken kann.
Wiederum nach H. (Schm. 86) lollen die samkhära auch 'die Strebungen'
fein. Schm. feinerfeits macht fie dann in Abhängigkeit von Bcckh noch
zu ,im Unterbewußtfein wirkfamen Bildekräften'. Meine lange Ausein-
anderfetzung über samkhära und deren Refultat dagegen kennt er nicht
(f. Schm. 91 Anm. i). — Der achtgliedrige Weg ift von H. (Schm. 102 .
zum großen Teil nicht richtig erklärt (f. ZDMG. 69, 486—8) ufw. Es
bleibt alfo für die nächfte Auflage mancherlei zu tun. Trotzdem
R. Schmidt nochmals anerkennenden Dankt

Königsberg i. Pr. R. Otto Franke.

Schwartz, Eduard: Rede auf Wellhaufen. Gehalten in der
öffentl. Sitzg. derKgl. Gefellfch. der Wiff. zu Göttingen
am U.V. 1918. (33S.) gr.8°. Berlin, Weidmann.M. 1 —
Eine Hand, die gewohnt war, Charakterköpfe zu
zeichnen, wagt fich hier an einen hervorragenden Charakterkopf
der allernächften Vergangenheit. Als Material
zur Zeichnung ftand perfönliche Kenntnis feit 1902, für
die Zeit vorher Mitteilungen anderer, nämlich Edw.
Schröders für Wellhaufens Marburger, U. von Wilamo-
witz-Moellendorffs für die Greifswalder Zeit, und für die
Werdezeit Auszüge aus eigenen Aufzeichnungen Wellhaufens
, die deffen Witwe Schwartz anvertraute, zur Verfügung
. Das mit diefen Materialien entworfene Bild der
Perfönlichkeit ift zutreffend; es wird auch foviel aus
ihrem Werdegang mitgeteilt, daß die Hauptzüge ihres
Wefens verftändheh werden, im Ganzen wird aber naturgemäß
vorwiegend der Gelehrte und fein Werk charak-
terifiert. Es war für einen Altphilologen gewiß nicht
leicht, das Werk eines Genies, das nicht P"achgenoffe
war, zu würdigen und richtig in die Entwicklung der
Wiffenfchaft vom A. T., bzw. der femitifchen Sprach-

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