Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1920

Spalte:

305

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Straubinger, Heinrich

Titel/Untertitel:

Die Religion und ihre Grundwahrheiten in der deutschen Philosophie seit Leibniz 1920

Rezensent:

Scholz, Heinrich

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

305

306

Reg.-R. G. Lambeck. (VII, 236 S.) gr. 8ft. Leipzig,
B. G. Teubner 1919. M. 5—; geb. M. 6.50

Es war längft ein Bedürfnis, einmal an einem prak-
tifchen Verfuch zu zeigen, wie fich der philofophifche
Unterricht geftaltet, der von den einzelnen Unterrichtsfächern
fich zur philofophifchen Beftimmung und Frage-
ftellung erhebt. Der Verfuch ift fast durchweg fo ausgezeichnet
gelungen, daß nunmehr faft alle Lehrfächer
die ihnen geftellte philofophifche Aufgabe ernfthaft ins
Auge faffen können. Ich hebe befonders die von Direktor
Goldbeck behandelte Mathematik und Phyfik, die von
Lambeck behandelte Gefchichte und die von Lorentz
dargeftellte deutfche Literatur hervor. Das find in der
Tat Schrittmacher für vertieften Fachunterricht, der fich
zur Philofophie erhebt. Hier find die tieferen Bedürfniffe
reifer Schüler klar erkannt. Der Herausgeber kennt
die Bedenken, die fich gegen diefes okkafionaliftifche
Prinzip des philofophifchen Unterrichts richten, vor allem,
daß es nicht leicht fein wird, eine Übereinftimmung zwi-
fchen den verfchiedenen Lehrern in der Auffaffung der
behandelten Probleme herbeizuführen. Das Buch fucht
diefe Schwierigkeit durch einen zufammenfaffenden Überblick
über die Philofophie, den Meffer gibt, zu überwinden
. So fehr ich anerkenne, daß faft durchweg es
gelungen ift, die Schüler methodifch zum philofophifchen
Denken zu bringen, daß der Weg richtig vom Einzelnen
zum Ganzen, vom Befonderen zum Allgemeinen führt,
fo wenig kann ich mich mit dem Mefferfchen Überblick
befreunden. Es ftellt doch fchließlich wieder ein
Kompendium dar, eine fyftematifche Unterweifung, die
der Herausgeber doch mit Recht als unfruchtbar bezeichnet
, da fie kaum ein neues Leben entzündet. Ich möchte
daher aus eigener Erfahrung vor folchem Wege, den der
Schlußteil geht, dringend warnen. Neben der Erhebung
der Einzelfacher zur Philofophie muß ein-philofophifcher
Unterricht gehen, der zu dem Werden der Philofophie
felbft führt. Denn diefen Weg müffen ja die jungen
Wahrheitsfucher nachher doch gehen. Diefer Weg foll
ihnen gewiefen werden; wenn die Schriften der Philofo-
phen klug gewählt werden, wird man auch die gewünfchte
Synthefe zu den Einzelfächern finden.
Reicheubach i. Schi. H. Richert.

Straubinger, Prof. Dr; Heinrich: Die Religion und ihre Grundwahrheiten
in der deutfehen Philofophie feit Leitiniz. (XII, 343 S.)
gr. 8°. Freiburg i. B., Herder iqiq. M. 16—; geb. M. 18.40
Diefes Buch behandelt auf 340 Seiten über 60 Religionsphilofophen.
Es ift klar, daß auf fo engem Raum von einer eindringenderen Dar-
llellung nicht die Rede fein kann. Wir erhalten ein fummarifches Referat
, das fich nirgend über die Grenzen des allgemein Bekannten erhebt.
Probleme find nicht einmal angedeutet, und der Gedanke, daß man die
Religionsphilofophie eines Denkers von Rang nicht ohne Beziehung auf
fein Syflem zur Darftellung bringen kann, ift dem Verf. überhaupt nicht
gekommen. Das Buch kommt wohl nur für katholifche Theologen in
Betracht, die fich einen fummarifchen Überblick über den für fie im
Grunde doch gleichgültigen Ertrag der neueren Religionsphilofophie
verlchaflen wollen. Diefe innere Gleichgültigkeit merkt man auch der
Darftellung auf Schritt und Tritt an. Sie ift lediglich Aufarbeitung
eines nun einmal gegebenen Stoffes. Die Sachlichkeit, die man ihr
nachfagen kann, und ein gewiffcs Durchfchimmern der Quellen können
über den fchattenhaften und feelenlofen Charakter der Darftellung nicht
hinweghelfen.

Kiel. Heinrich Scholz.

Natorp, Paul: Sozialpädagogik. Theorie der Willcnserziehg. auf der
Grundlage der Gemeintchaft. 4. durchgefeh. Aufl. Stuttgart, F.
Frommanns Verl. 1920. (XI, 400 S.) gr. 8". M. 12 —

Das Programm des Buches, Gefellfchaftslehre und Erziehungsichre
nicht bloß äußerlich aneinander zu bringen fondern als in der tielften
Wurzel eins und untrennbar zufammengehörig zu erweifen, ift feit der
r. Aufl. unverändert geblieben. Und mit ihr die theoretifche Grundlegung
. Die Durchficht bezieht fich vorzüglich auf die praktifch-päda-
gogifchen Ausführungen des dritten Buches. Eine Ergänzung des vorliegenden
Buches verheißt der Verf. in feiner neueften Schrift ,Sozial-
idealismus'. Sie foll ausführlich gewürdigt werden.

Hannover-Kleefeld. Schufte r.

Aufbau. Worte des Troft.es u. der Hoffnung. Elf Predigten
von A. Biewald, Th. v. Haering, H. Plartmann,
K. Maurer, P. Mehlhorn, Fr. Niebergall, A. Ritzhaupt,
E. Simons, H. Steiner, B. Violet, K. Weiyrich, hrsg.
v. F. Niebergall. (Göttinger Predigt-Bibhothek, 15.
Reihe, 4. Pleft.) (II, 87 und IV S.) 8n. Göttingen,
Vandenhoeck & Ruprecht 1920. M. 1.80

Für das Studium der Kriegspredigt 1914/18 ift reichlicher
Stoff vorhanden; für das der Predigt aus der Revolutionszeit
wird er knapp fein. Darum ift jede Sammlung,
die die Lücken füllen hilft, zu begrüßen. N. hat Predigten
recht verfchieden denkender Pfarrer zufammengebracht.
Der unabfhängige Sozialift Hartmann kommt mit einer
i Anfprache zum 1. Mai zu Worte; E. Simons kennzeichnet
fcharf die neue Scheinfreiheit; Biewald (Breslau) fpricht
mehr allgemein-religiös als zeitgefchichtlich-konkret über
.Umwälzung'; Mehlhorn benutzt ,die israelitifche National-
verfammlung zur Zeit Jofuas' (Jof. 24) als Spiegel für unfer
Volk; Niebergall fordert in Anknüpfung an Elra 3,8; 2, 17:
■Erft der Tempel und dann die Mauern! Andere noch
anders. Es find ficher noch ganz andersartige Predigten
vom Nov. 1918 an gehalten worden; die mitgeteilten find
auch nicht fämtlich in ganz befonderem Sinn charakte-
riftifch; aber die Sammlung ift jedenfalls wertvoll, auch
in dem Sinn, daß der Prediger daran prüfe, welche Wege
für ihn paffen — und welche nicht.

Gießen. M. Schian.

Schmidt, Prof. D. Hauptmann Hans, Kriegsgef. in Wake-
field: Aus der Gefangenfchaft. Predigten, geh. im Offiziers
-Gefangenenlager Lofthoufepark bei Wakeneid
in England. (VIII, 163 S.) gr. 8°. Göttingen, Vandenhoeck
& Ruprecht 1919. M. 5.40; geb. M. 6—
Schm. war vom Okt. 1918 an in englischer Gefangenfchaft
. Den mitgefangenen Offizieren hat er fonntäglich,
zeitweis fogar Vormittags und Abends, Gottesdienft gehalten
. 29 Predigten aus den erften Monaten, von Hörern
naebgefchrieben, noch während der Gefangenfchaft des
Verfs. in Deutfchland gedruckt, find hier gefammelt. Man
merkt ihnen an, daß ihr Verfaffer nicht bloß Akademiker
ift; gelegentlich erzählt er aus der Zeit, da er Großftadt-
pfarrer war. Auch daß Sch. das heilige Land genau kennt,
wird fofort deutlich; er verfteht es ganz prächtig, die
Gleichniffe Jefu, die zumeilt behandelt werden, in die
paläftinenfifche Umwelt hineinzuzeichnen. Weiter gibt den
Predigten das Gepräge der Umftand, daß ein Offizier, der
fürs Vaterland gekämpft hat und verwundet wurde, zu
Kameraden fpricht. Endlich packt ganz befonders der
Widerhall der Zeitereigniffe: Revolution in Deutfchland,
Waffenftillftand, Niederlage. Wer kann die Predigt an
Kaifers Geburtstag 1919 ohne tiefe Bewegung lefenf Die
äußere Form ift nicht bis ins letzte gefeilt; das machte
die Entftehungsweife unmöglich; aber eine erquickende
Frifche und eine wohltuende Wärme durchweht fie alle;
dazu find fie anfehaulicher und lebendiger als zahllofe
andere Predigten. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß der
Prediger auch nicht vor Thematen wie ,Unfer Bekenntnis1
und ,Die Ehe' zurückgefchenkt ift; beide Predigten zeigen
feines pfychologifch.es Verftändnis. In Summa: ein wertvolles
Buch, ein Dokument der Zeitgefchichte, der
Seelforge in den Gefangenenlagern, aber auch der homi-
letifchen Kraft und Kunft eines deutfehen Altteftamentlers.
Gießen. M. Schian.

Loof8, Prof. Dr. Friedrich: Der Ewigkeitsglaube. In 5 akademifchen
Predigten behandelt. (64 S.) 8°. Halle a. S., C. E. Müller 1920.

M. 3.50

Diefe Predigten find vom Okt. bis Dez. 1919 gehalten. Ganz auf
die Zeit berechnet, find fie doch im guten Sinn Ewigkeitspredigten. L.
felbft lehnt für fie den Anfpruch, Mufter von Gemeindepredigten zu fein,
ab; als akademifche Predigten dürfen fie Problcmpredigten fein. Das
Akademifche prägt fich in No. 2 und 3 (das Böfe und der Ewigkeitsglaube
; das Gute und der Ewigkeitsglaubel, befonders anch in No. 5
der Phriftusglaube der tragende Grund unferes Ewigkeitsglaubens) ftärkei