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Ausgabe:

1920 Nr. 2

Spalte:

304

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Thormeyer, Paul

Titel/Untertitel:

Philosophisches Wörterbuch. 2., verb. u. verm. Aufl 1920

Rezensent:

Jordan, Bruno

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Theologifche Literaturzeitung 1920 Nr. 25/26.

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lieh zu einem kirchlichen Zufammenleben beider führt,
die Apoftolikumsftreitigkeiten, die foziale Arbeit u. a. —
Der Verf. hat fich redlich um eine objektive Darfteilung
bemüht und fchöpft aus guten Quellen wie den Biographien
und Selbftbiographien von Rothe, Beyfch'ag, Stöcker,
der mit befonderer Liebe gefchildert ift. Die Darfteilung
ift intereffant und lesbar gefchrieben. — Mit feinem Urteil
fteht er ganz auf Seiten der Orthodoxie und einer lehr-
gefetzlichen Auffaffung des Chriftentums. Daher klagt
er mit den Stimmen extremer proteftantifcher Orthodoxie
über das Aufgeben der Infpirationslehre, über die Zer-
ftörungsarbeit der kritifchen Theologie am Alten und
Neuen Teftament. Daß ein kraftvolles Chriftentum auch
da, wo die objektiven Dogmen der alten Kirche umgebildet
find, fich geregt hat, kann K. nicht anerkennen.
Nicht bloß von diefer Kirchengefchichte gilt es, daß in
ihr weniger vom inneren Leben der frommen Seelen die
Rede ift als von den Kämpfen um die Außenwerke, von
Kirchenpolitik, Theologie und ,Fällen', die für einige Zeit
Auffehen erregt haben. — Zuweilen zeigen fich Schranken
in der Objektivität des Verf.s, wie fchon im 1. Band,
wenn nach der Methode Janffens, der als großer Hifto-
riker gerühmt wird, abfprechende Äußerungen von Pro-
teftanten als Feftftellungen über den Unwert der Leiftungen
des Proteftantismus gebucht werden (bef. S. 97: Luther
ein Devaftator des Glaubens und der Kirche nach J. H.
v. Kirchmann.) So fchließt das Buch mit dem Zitat
einer zum Reformationsjubiläum 1917 laut gewordenen
Kundgebung eines Proteftanten, die wohl als Refultat der
Gefchichte angefehen werden Poll. ,Die Reformation kann
mit Fug und Recht eine Deformation genannt werden,
weil ihre gutgemeinten Beftrebungen zum größten Teil
mißraten find.'
Bafel. Johannes Wendland.

Schlund, P. Erhard, O. F. M.: Der Ordensband und feine

Gegner. Gedanken und Tatfachen zu e. Apologie des
Ordenslebens. Im Anh. 11 ftatift. Tafeln. (VIII, 128 S.)
8°. Regensburg, Verlagsanft. G. J. Manz 1920. M. 6 —
,Das vorliegende Buch will einen Blick tun laffen in
Ordenswefen und Klöfter der Gegenwart. Der Lefer foll
fehen, was in den Klöftern heutzutage gearbeitet und ge-
leiftetwird, was die Klöfter für die moderne Welt bedeuten.'
Mit diefen Worten gibt der Verf., Franziskanerpater im
Klöfter St. Anna in München, felber den Zweck feiner
Veröffentlichung an. Dementfprechend behandelt er im
I. Abfchnitt Idee und Ideal des Ordensftandes, wie fie von
Jefus begründet worden feien — dabei S. 11 der echt chal-
cedonenfifch-widerfinnige Satz: 'Ich gebe fogar zu, daß
wir gar nicht wiffen, ob der göttliche Heiland, rein menfeh-
lich betrachtet und abgefehen von feiner göttlichen All-
wiffenheit, überhaupt an religiöfe Orden in unferer heutigen
Form gedacht hat' —, im II. Abfchnitt die Feinde des
Ordenslebens von Jovinian und Helvidius bis zur Gegenwart
und die Gründe der Feindfchatt — S. 40:, Der ge-
fährlichfte Feind des Ordenswefens in unferer Zeit ift der
matefialiftifche Zeitgeift, der die Klaffen heute beherrfcht'
— im III. Abfchnitt die Vorwürfe gegen Orden und Klöfter
(Reichtum, volkswirtfchaftlicher Schaden, Bettel und Volks-
ausfaugung, übermäßiges Wachstum, Volksverdummung,
Störung des Friedens, Unmenfchliches und Allzumenfch-
liches im Klöfter), im IV. Abfchnitt den ftaatlichen Kampf gegen
die Orden (im preußifchen Kulturkampf und in der
franzöfifchen Republik). Man muß es dem Verf. laffen,
daß er feiner apologetifchen Aufgabe mit Gefchick nachkommt
, in feinen Ausführungen auch den Gegnern gegenüber
einen ruhigen Ton einhält und grobe Übertreibungen
vermeidet. Mit manchen feiner Darlegungen ift er auch
durchaus im Rechte, namentlich wird der Liebestätigkeit
weiblicher Orden kein gerecht Urteilender feine
Anerkennung verfagen. In andern Punkten freilich gelingt
es auch diefem Anwalt nicht, die Einwände und Bedenken
und die Erfahrungen von Jahrhunderten zu zer- ,

ftreuen, und man wird in diefer Hinficht an das Wort erinnert
, das P. Rottmanner von den Jefuitenfabeln' Bernhard
Duhrs gebrauchte: ,Die Fabeln, die Duhr widerlegt hat,
habe ich nie geglaubt; und die ,Fabeln', die ich glaube,
hat er nicht widerlegt'. Bemerkenswert ift übrigens, daß
der Franziskaner über den umftrittenften aller Orden, den
der Jefuiten, kein befonderes Wort verliert (nur S. 117
wird auf ihn angefpielt). Auf die ftatiftifchen Angaben
des Buches und die ftatiftifchen Tafeln des Anhanges fei
noch befonders aufmerkfam gemacht. Daß fie aber nicht
vollftändig und nicht unbedingt zuverläffig feien, erklärt
der Verf. felber.

München. Hugo Koch.

Janlen, Bernhard S. I.: Leibniz erkenntnistheoretifcher Realift.

Grundlinien feiner Erkenntnislehre. (Bibl. f. Philofophie
hrsg. v. L. Stein, 18. Bd.) (IX, 80 S.) gr. 8«. Berlin,
L. Simion Nf. 1920. M. 6 —

Der Verfaffer will bei Leibniz die verfprengten ,ein-
zelnen erkenntniskritifchen Lehrpunkte rein gefchichtlich
und ohne fyftematifchen Nebenzweck möglichft aus dem
Ganzen erklären'. ,Sodann war es (fein) Beftreben, nachdrücklich
auf die Verwandfchaft des Leibnizifchen Denkens
und feines Lehrinhaltes mit der platonifch-auguftinifchen
und ariftotelifch-fcholaftifchen Philofophie hinzuweifen'.
Ich erblicke in diefen beiden Bemühungen zwei einander
widerfprechende Tendenzen. Denn die zweite Abficht
des Verfaffers fetzt ohne Zweifel ein beftimmtes Syftem
voraus, während die erfte eine hiftorifche Aufgabe verfolgt
. Davon abgefehen enthält die Arbeit, die die induktive
Ermittlung der Hauptlehren und ihre Deutung
aus dem Ganzen des Syftems als zwei getrennte, aber
fich ergänzende Methoden betrachtet, im einzelnen wertvolle
Betrachtungen und Auffchlüffe. Freilich die Grund-
thefe, daß Leibniz erkenntnistheoretifcher Realift gewefen
fei, gar die Behauptung, feine Philofophie fei eine Syn-
thefe der ariftotelifchen theologifch gerichteten Metaphyfik
und der neuzeitlichen, mechanifch-mathematifch-rationa-
liftifchen Denk weife, vermag ich in diefer Form wenigftens
nicht als richtig anzuerkennen. In Leibniz' Denken
kreuzen fich foviele Motive, find die verfchiedenen Grundgedanken
fo mannigfaltig und fo wechfelnd mit einander
verwoben und Verfehlungen, daß eine einheitliche Formel
und eine einfeitige Deutung weder im kritifch idealifti-
fchen oder mathematifch-logifchen noch im metaphyfi-
fchen Sinne noch auch in Form einer Synthefe beider
Standpunkte möglich erfcheint.

Bremen. Dr. Bruno Jordan.

Thormeyer, Hr. Paul: Philofophifches Wörterbuch. (Teubners Weine
Fachwörterbücher 4). 2. verb. u. verm. Aufl. (VI, 222 S.) W. 8".
Leipzig, B. G. Teubner 1920. M. 5—

Mit der zweiten vorliegenden Auflage ift das philofophifche Wörterbuch
von Thormeyer in die Sammlung kleiner Fachwörterbücher eingereiht
. Die Bearbeitung der Neuauflage hat die Wünfche der Rezenfenten
der I. Auflage, zu denen auch der Referent gehört, in dankenswerter
Weife erfüllt. Es erübrigt fich, alle Verbcfferungcn und Änderungen im
einzelnen aufzuzählen. Das Büchlein ift von 96 auf 220 Seiten erweitert.
Als wichtigfte Neuerungen, auf die ich in meiner Befprechung in diefer
Zeitfchrift bereits hinwies als notwendig oder wünfehenswert, nenne ich
nur die Aufnahme logifcher Beifpiele und die Darftellung der Lehren
von Philofophen unter bebänderen Stichworten an Stelle der immer
wiederholten Jahreszahlen. Meine Hinweife auf mangelhafte Erklärungen
find gleichfalls dankenswerter Weife beachtet, überhaupt hat das Büchlein
überall an Inhalt und Tiefe gewonnen. In der vorliegenden Form
ift es ein wertvolles und brauchbares Hilfsmittel geworden. Die kleinen
Mängel der erften Auflage find rcftlos bereitigt. Inhaltliche und formale
Änderungen erweifen fich als nützliche Verbefferungen. Ich wünfche dem
Werk weitefte Verbreitung.

Bremen. Dr. Bruno Jordan.

Philolophifche Propädeutik im Anfchluß an Probleme der
Einzelwiffenfchaften. Unter Mitwirkg. v. Gymn.-Dir.
Prof. Dr. Goldbeck, Studienrat Dr. M. Gruner. Oberlehr
. Dr. E. Hoffmann, Geh. Stud.-R. Gymn.-Dir. Dr.
P. Lorentz, Prof. Dr. A. Meffer hrsg. v. Geh. u. Ob.-