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Ausgabe:

1920 Nr. 2

Spalte:

299-300

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Matthaei, Adelbert

Titel/Untertitel:

Deutsche Baukunst in der Renaissance- und Barockzeit bis zum Ausgang des 18. Jahrh 1920

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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299

Theologische Literaturzeitung 1920 Nr. 25/26.

300

Vorzug der Sch.'fchen Arbeit, daß ihre Darlegungen
durch reichliche und vorzügliche Abbildungen an Riffen
Schnitten, Aufnahmen und Rekonftruktionen trefflichft
illuftriert und veranfchaulicht find.

Nicht in allen Punkten konnte der Verf. von dem
alten berühmten Benediktinerbau das Letzte fagen; erft
Grabungen und mancherlei Bloßlegungen des Mauerwerkes
können die gebliebenen Lücken in dem Wiffen um den
urfprünglichen Beftand noch fchließen. Doch was Sch.
in der vorliegenden Monographie erarbeitet hat, das
genügt nicht nur, die Hauptergebniffe bezüglich St. E.s
als gefichert und diefen hervorragenden Bau hinfichtlich
feiner baugefchichtlichen Bedeutung im glänzendften Lichte
erfcheinen zu laffen, fondern es fichert auch der Sch.'fchen
Schrift felbft den Anfpruch auf die vollfte Anerkennung
für die aufklärenden Dienfte, die er der Forfchung im
Bereiche des frühmittelalterlichen Kirchenbaues geleiftet
hat. Regensburg aber, das einen Grafen Waldersdorff
befitzt, mag fich befonders freuen, daß ihm in Schwäbl
ein des verehrten Altmeifters ebenbürtiger Geifteserbe
erftanden ift.

Berlin. Georg Stuhlfauth.

Weismantel, Leo: Fürftbilchof Hermanns Zug in die Rhön. Line
Legende, Würzburg, Patmos-Verlag 1920. (15 S.) gr. 8°.

M. 3.50; geb. M. 18 —
Weismantels Legende vom Fürftbifchof, der auszog, um an der
Armut feines Reichtums froh zu werden und an ihrem Reichtum be-
fchämt feiner Armut inne wurde, ift im Gewände mittelalterlicher Erzählung
fchlicht und wirkungsvoll vorgetragen und mit Zeichnungen von
Peter Wurth gefchmückt.

Göttingen. Titius.

Matthaei, Prof. Dr. Adelbert: Deutfche Baukunft im Mittelalter
. I.: Von den Anfängen bis zum Ausgang der
romanifchen Baukunft. — IL: Gotik u. ,Spätgotik'.
(Aus Natur u. Geifteswelt, Bd. 8 u. 9.) 4. Aufl. (V,
103 S. m. 35 Abbildgn. u. 117 S. m. 67 Abbildgn.)
kl. 8°. Leipzig, B. G. Teubner 1918.

— Deutfche Baukunft in der Renaiffance- und Barockzeit bis
zum Ausgang des 18. Jahrh. (Aus Natur u. Geifteswelt
, Bd. 326.) 2. Aufl. (116 S. m. 63 Abbildgn.)
kl. 8°. Leipzig, B. G. Teubner 1919. Geb. je M. 1.60

Von ein paar Schönheitsfehlerchen abgesehen, auf
die ich namentlich im 3. der Bändchen ftoße, kann ich
nur fagen: ich wüßte nicht, wie man auffo engem Raum
mehr und befferes bieten follte. Matthaei ift feiner
Aufgabe, in diefem Rahmen eine Einführung in die Ge-
famtgefchichte der deutfchen Architektur von ihren Anfängen
bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts zu geben,
in geradezu idealer Weife gerecht geworden. Mit fprach-
lich überaus lebendiger und gewandter Form verbindet
er ein bewundernswertes, auf reifer Einficht in die Entwicklung
der Baugefchichte in allen ihren Phafen beruhendes
Gefchick der Herausarbeitung und Heraushebung
des Wefentlichen. Bei aller Befchränkung bleibt
die Darfteilung nirgends nur an der Oberfläche, fondern
fie ift immer darauf angelegt, ein wirkliches, in den Geilt
der Dinge führendes Verltändnis zu vermitteln. Hierzu
helfen namentlich auch die klaren, geiftvollen Charakteri-
fierungen der einzelnen Epochen unter kirchengefchicht-
lichem und kulturgeschichtlichem Gefichtspunkte, die der
Befchreibung des baulichen Schaffens zum Hintergrunde
dienen. Wie diefe allgemeinen Zufammenhänge, fo find
andererfeits auch die befonderen Einwirkungen der fremden

— antiken, italienifchen, franzöfifchen, niederländifchen —
Baukunft auf die deutfche nach Ausmaß und Bedeutung
je an ihrem Ort aufgezeigt. Der Verfaffer ermöglicht es,
auf diefem Wege, daß man aus feinen Büchlein über die
deutfche Baukunft auch über jene fehr viel Intereffantes
lernen kann.

Ihren Faden nimmt feine ganze Darfteilung naturgemäß
von der kirchlichen Baukunft. Im erften Bändchen
muß fich der Profanbau, ,der erft in der Spätgotik eine
reichere Entwicklung erlebt' (I, 99), mit wenigen Seiten

am Schluffe (68ff.) begnügen; im zweiten Bändchen kommt
er, feiner wachfenden Bedeutung neben dem Sakralbau
entsprechend, in wefentlich erheblicherem Umfang zu Wort
(49 ff., 87 ff), und im dritten hat er dermaßen die Führung,
daß auf den Sakralbau als folchen alles in allem rund 18
Seiten entfallen.

Die Darfteilung geht im erften Bändchen nach einer
Einleitung: ,Das Wefen der Baukunft' und einem erften
Abfchnitt: ,Die Baukunft der alten Welt' aus von einer
ziemlich eingehenden Erörterung der altchriftlichen Bafi-
lika, ihrer Entftehung, ihres Auf baues, ihres Ornamentes,
ihres Außenbaues und ihres Kunftwertes (16—36), und
klingt im dritten unterer Bändchen aus mit einer aufs
äußerfte fich beschränkenden Schilderung des katholifchen
und des proteftantifchen Sakralbaues der Barockzeit.
Wünfche ich dort eine klarere, weniger Schillernde Ablehnung
der ausführlich entwickelten Dehiofchen Thefe,
an der nur höchftens der Gedanke der Entftehung des
Querfchiffes der römifchen Bafiliken aus den alae des
römifchen Hausatriums beftehen bleibt, fo hier die Berichtigung
einiger Unftimmigkeiten.

Nämlich: auf dem Gendarmenmarkt in Berlin lagern nicht ,zwei
fchlichte proteftantifche Querhauskirchen' (95), fondern eine reine, im
Fünfeck errichtete Zentralkirche, d. i. die Neue Kirche, die einzige ihrer
Art, und eine Querhauskirche, d. i. die — nun nicht, wie M. fchreibt,
von Cajart, fondern von Cayart erbaute — franzöfifche Kirche. Und
Gontard hat nicht bloß an diefe, fondern ebenfo an jene je einen
mächtigen Turm herangelegl, bekannt unter dem Namen des franzöfifchen
und des deutfchen Domes. — S. 107 ift als Beifpiel gelungener früher
prot. Kirchbaulöfung noch immer die Kirche in Nidda angeführt. Ich
verweife demgegenüber auf meinen Auffatz in der Monatfchrift für
Gottesdienft u. kirchliche Kunft 1918, S. 156 — 162: ,Hungen, nicht
Nidda' — S. 108 ift es ungenau bzw. unrichtig, von der ,feit 1622
erbauten Neuftädter Kirche' der Reformierten in Hanau zu reden; denn
1. handelt es fich um eine Doppelkirche und 2. hat man nicht erft 1622,
fondern bereits 1600 mit dem Bau begonnen und 1623 ihn vollendet.

Schließlich fei für eine Neubearbeitung bezüglich des
Turmes (I32S) auf das bekannte Werk von Hm. Thierfch,
Pharos, verwiefen und bezüglich des altgermanifchen
Wohnhaufes (II, 89) auf das fchöne Büchlein von Otto
Lauffer, Das deutfche Haus in Dorf und Stadt (Wiffen-
fchaft und Bildung. Bd. 152), 1919.

Berlin. Georg Stuhlfauth.

Schweizerifche Theologifche Zeitfchrift, geleitet v. Pfarrer
Aug. Waldburger. XXXVI. Jahrg. 8°. Zürich, Beer
& Co. 1919. M. 7.50

Den fehr reichhaltigen Inhalt des 36. Jahrgangs diefer
in Deutfchland trotz billigen Preifes leider wenig gelefenen
Zeitfchrift gruppieren wir am einfachften, wie in unferen
bisherigen Referaten, nach den einzelnen theologifchen
Disziplinen. Dem A. T. gehört an der Schluß von E. Rippmanns
Bericht über die Stadt Babylon nach den neueften
Ausgrabungsberichten und ein Auffatz von L. Köhler
über die Offenbarungsformel ,Fürchte dich nicht' im
A. T., eine Ergänzung zu Greßmanns Arbeit über die
literarische Analyfe Deuterojefajas (ZAT 1914) und vier
Formen dieter Theophanieformel nachweifend. Das N. T.
ift mit zwei Auffätzen vertreten: K. Goetz legt einen Vortrag
über den Auferftehungsglauben des N. T. vor, gemeinverständlich
, aber gründlich und fördernd, wenn auch
mitunter zum Widerfpruch reizend (daß z. B. die besondere
Heraushebung der zu feiner Bekehrung führenden
Chriftusvifion zu dem unbedingten' Schluß führen müffe,
,daß diefes einzigartige Erlebnis doch noch etwas mehr
oder anderes war, als eine gewöhnliche, einfache Vifion',
vermag ich nicht einzufehen); G. Kuhn bringt noch einmal
das epiusios des Herrngebetes zur Sprache und fucht
es als peinliche Übertragung einer aramäifchen Grundlage
zu verliehen. Sehr reichlich ift die Kirchengefchichte
vertreten. Das erfte Heft ift zum Zwinglijubiläum dem
Gedächtnis des Reformators gewidmet: A. Waldburger
handelt über Zwinglis Glaubensbekenntnis und über
Zwingiis befondere Stellung innerhalb der fchweizerifchen
Reformation, R. Steck über Zwingli und Bern, W. Wuhr-
mann gibt eine kurze Gefchichte der Zwingli-Ausgaben