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Ausgabe:

1920

Spalte:

277

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eucken, Rudolf

Titel/Untertitel:

Die Lebensanschauungen der großen Denker. Eine Entwicklungsgeschichte des Lebensproblems der Menschheit von Plato bis zur Gegenwart. 13. u. 14. Aufl 1920

Rezensent:

Schuster, Hermann

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Natorp, Prof. Dr Paul: Peftalozzi. Sein Leben und feine Ideen.
3. Aufl. (127 S.)

Henfel, Prof. Dr. P.: RoulTeau. 3. Aufl. (108 S. m. 1 Bild R.)

(Aus Natur u. Geifteswelt, 250. u. 180. Bd.) kl. 8". Leipzig, B. G.

Teubner 1919. je M. 1.60

Zwei bekannte Bändchen der Sammlung ,Natur und Geifteswelt' in
neuer verbefferter oder durchgefehener Auflage. Henfel wehrt ficb in
einem temperamentvollen Vorwort gegen zwei Angriffe auf fein Büchlein
. Man hat eine Biographie Rouffeaus vermißt. Er hat fie mit
Abficht nicht gegeben, da R. fie felbft gegeben hat. Für die zeitliche
Orientierung feiner Lefer hat H. am Schluß eine fynchroniftifche Tabelle
über Rouffeaus Leben und Schriften zufammengeftellt. Man hat die
Angabe der l'ranzüfifchen Literatur über Rouffeau vermißt. II. kennt
lie, aber nennt fie nicht, da er für deutfchc Lefer fchreibt. Wie er das
meint, verdeutlicht die neu zugefügte Einleitung: ,Nur das wollen
wir geben, womit R. für die deutfche Gedankenwelt und Gedankenbewegung
von entfeheidender Bedeutung gewefen ift', ,Wir wollen fehcn,
wie das Pfund befchaffen war, mit dem der deutfche Idealismus gewuchert
hat'.

Hannover-Kleefeld. Schufter.

Eucken, Rudolf: Die Lebensanfchauungen der großen Denker. Eine

Entwicklungsgefchichte des Lebensproblems der Menfchheit v. Plato
bis zur Gegenwart. 13. u. 14. Aufl. (XII, 557 S.) gr. 8°. Berlin,
Vereinigg. wiff. Verleger 1919. M. 21—; geb. M. 25 —

Im Sommer 1918 erlchien die 12. Auflage. Sie hatte den ftaat-
lichen und gefellfchaftlichen Fragen größere Aufmerkfamkeit gefchenkt
und unter dem Eindruck der Reformationsfeier die Darftellung Luthers
erweitert und vertieft. Und nun erfcheint, nach wenig mehr als einem
Jahr, die 13. und 14. Auflage. Nach der furchtbaren Kataftrophe, die
uns betroffen hat. Das hat natürlich, von fonftigen Nachbefl'erungcn
abgefehen, eine Neugeftaltung der .Schlußbetrachtungen bedeutet. Aus
den Nöten und Gefahren der Gegenwart flüchten wir uns in die überzeitliche
Welt geiftiger Kräfte und Güter, getragen von der Überzeugung,
daß iene Lebensauffaffungen und Lebensgeftaltungen kein wirres Durcheinander
, fondern große grade Linien enthalten und daß in ihnen unvergängliche
und unentbehrliche Kräfte der Erneuerung aufgefpeichert
lind. Zu diefer Erneuerung trägt der ehrwürdige Verfaffer fein redlich
Teil bei, nicht zum wenigften durch dies fein unveraltetes Stand- und
Lebenswerk.

Hannover-Kleefeld. Schuft er.

Heußner, Dr. Alfred: Einführung in Wilhelm Wundts Philo-

lbphie und Pfychologie. (Die philos. Weltanfchaugn.

u. ihre Hauptvertr. N. F. 1. H.) (IV, 148 S.) 8».

Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht 1920.

M. 4 —; geb. M. 5.60
Die vorliegende Einführung in Wilhelm Wundts Lehre
leitet die neue Folge der von Heußner herausgegebenen
Sammlung ,die philofophifchen Weltanfchauungen und
ihre Hauptvertreter' als 1. Heft glücklich und recht an-
fprechend ein. In diefer neuen Reihe der Sammlung foll
die Philofophie der Gegenwart in ähnlicher Weife behandelt
werden wie vorher die Klaffiker der Philofophie.
W. Wundt bildet in der Tat die natürliche Brücke von
diefen zu jenen; er verkörpert zudem in typifcher Weife
die Grundideen der modernen Philofophie, die ftch z. T.
in feinem Syftern zufammenfchließen, aus ihm hervor-
wachfen oder zu ihnen in bewußtem Gegenfatz ftehen.
Die Darlegung wendet fich an weitefte Kreife, fie erftrebt
keine fyftematifche Gefamtdarftellung fondern will an
,Hand der einzelnen Hauptwerke induktiv den Lefer allmählich
zum eignen Autbau des Syftems anregen'. Die
Wiedergabe der Gedanken erfolgt im engen Anfchluß an
Wundts Werke; die Aufgabe der Philofophie wird erörtert
auf Grund feiner ,Einleitung', die Erfcheinungen des
Seelenlebens auf Grund feiner pfychologifchen Schriften,
Denken und Erkennen nach feiner Logik, deren erfter
Band vor kurzem in 4. Auflage erfchienen ift, Welt und
Liebe, Natur und Geift auf Grund feines Syftems ufw.
Auch die Ethik und die Völkerpfychologie werden be-
rückfichtigt, die letzte vielleicht ein wenig zu knapp.
Dankenswert ift die Hinzufügung eines Sachregifters mit
der Erklärung philofophifcher Fachausdrücke. Kritifche
Bemerkungen find fparfam angebracht. Die Darlegung
ift klar und anfehaulich. Das Büchlein fcheint feinen
Zweck durchaus zu erfüllen und ift für weite Kreife als
die empfehlenswertefte Einführung in Wundt zu bezeichnen.
Bremen. Dr. Bruno Jordan.

Jahn, Prof. Dr. M.: Logik, Methodenlehre und Erkenntnistheorie
. Für Studierende und Lehrer. (VIII, 333 S.)
gr. 8°. Leipzig, Dürr 1920. M. 12 — ; geb. M. 14—

Das gut gegliederte und durch Beifpiele belebte
Werk des herbartianifch gefchulten Verfaffers behandelt
im erften Teil die Logik, im zweiten die Methodenlehre,
im dritten die Erkenntnistheorie. In der Logik ift die
Lehre vom Urteil der vom Begriff vorangeftellt, ohne
daß aus diefer richtigen Umrtellung alle Konfequenzen
für die Beurteilung des Begriffs gezogen werden. Die
Methodenlehre behandelt erftens die Methoden der
logifchen Denkformen (der Urteils- Begriffs- und Schlußbildung
), zweitens die Methoden der wiffenfehaftlichen
Forfchung (Induktion und Deduktion, Hypothefe, Theorie,
und Syftern). Die Erkenntnistheorie handelt erftens vom
Erkenntnisobjekt (hier ein auf neun Seiten zufammen-
gedrängter Uberblick über die erkenntnistheoretifchen
Hauptrichtungen), zweitens über das Erkenntnisobjekt
(Subftanz und Kaufalität; vor der Subftanz wird merkwürdiger
Weife noch das Sein als folches abgehandelt).
Den Schluß bilden zwei Betrachtungen über Wiffen und
Glauben, Welterkenntnis und Weltanfchauung.

Der Verfaffer wird felbft am beften wiffen, für wen
er fein Werk gefchrieben hat. Ich muß mich hier mit
der Feftftellung begnügen, daß es über den neueren
Problemftand nicht unterrichtet. Das Verhältnis der
Logik zur Pfychologie wird mit wenigen Worten abgetan.
Die Urteilslehre hält ohne nähere Begründnng an dem
ariftotelifchen Urteilsbegriff feft und nennt dann noch
einige neuere Theorien (Mill, Lotze, Wundt, diefen mit
Ablehnung), ohne irgendwie näher zu ihnen Stellung zu
nehmen. Von dem gegenwärtigen Stande der Urteilslehre
erhält man auch nicht eine entfernte Vorftellung.

Dazu kommen einige böfe Verleben. S. 61 foll das Urteil: Die
Alpen werden nach Offen zu immer breiter, ein im kantifchen Sinne
fynthetifches Urteil a priori fein. Das Prädikat ,breit' foll nach Kant
nicht durch Erfahrung entftanden fein, fondern in uns bereitliegen und
daher unabhängig aller Erfahrung als Prädikat von uns verwendet werden
können. S. 235 heißt es: Zu den Pofltiviften rechnet man auch
Renan, Spencer, Mill, Dilthey, Riehl, Laas u.a. S. 259 wird Berkeley
als der Denker charakterifiert, der in fcharfem Gegenfatz zum Realismus
und Empirismus den modernen Idealismus begründet hat.

Kiel. Heinrich Scholz.

Paulus, Rudolf: Gott in der Gefchichte? Ein Vortrag mit
einem Nachwort über ,Glaube und Gefchichte'. (57 S.)
8". Tübingen, Mohr 1920. M. 2—

Wie können wir Gott in der rätfelhaften gegenwärtigen
Gefchichte mit ihren Brutalitäten und Sinnlofigkeiten
erkennen? Die Antwort lautet: Wir können Gott nicht
durch myftifche Löfung von der Außenwelt erleben,
dürfen uns auch nicht willkürlich eine Wunfchreligion
erträumen fondern können Gott nur in der Wirklichkeit
, d. i. in der Gefchichte erfaffen. Der einzig mögliche
Weg dazu ift: Erfaffe tätig d eine Aufgabe, die aus den
konkreten Erlebniffen dir entgegentritt. Dann wird dir
Gott groß, deine eigne Perfon klein. Unfer Volk muß
die Folgen gemeinfamer Schuld und Verfäumnis durchleben
, der Geift der Brüderlichkeit muß gegenüber allem
frommen Egoismus bloß perfönlicher I Ieilsverficherung
in neuer Weife im Dulden wie im Handeln geweckt werden
. — Der vergangenen Gefchichte ftehen wir fowohl
pietätvoll wie frei gegenüber, fie ift uns weder Feffel noch
Laft. So find den großen fchöpferifchen Perfönlichkeiten
aus der Gefchichte lebendige Kräfte zugeftrömt.
Bafel. Johannes Wendland.

Jefus der Herr. 5 Vorträge von Karl Heim, Gerhard
Reichel, Adolf Schlatter, Otto Schmitz u. Erich
Stange. Gehalten in den Teilverfammlgn. der 28.
Allgem. Dtfch. Chriftl. Studentenkonferenz. (Stimmen
aus der dtfch. chriftl. Studentenbeweg. Heft 2.) (106S.)
8°. Berlin, Furche-Verlag 1920. M. 5—

Von den 5 in diefem Bändchen vereinigten Vorträgen,

die für den auf Entfcheidung und Tat dringenden Geift