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Ausgabe:

1920 Nr. 2

Spalte:

275

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sjögren, Arthur

Titel/Untertitel:

Reformationen och Boktryckarekonstens Utveckling 1920

Rezensent:

Scheel, Otto

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275

Theologifche Literaturzeitung 1920 Nr. 23/24.

276

Norfk Teologi til Reformationsjubilaeet 1917. Avhandlinger av S.
Michelet, S. Mowinckel, Lydar Brun, Olaf Moe, Anton Friedrichfen,
Johannes Ording, Chr. Ihlen, Hans Ording, og minder fra jtbilaeet
1817 ved Oluf Kolbsrud. Jubilaeuiusutgave av Norfk Teologifk
Tidsfkrifts Reformationshefte. (V, 36S S.) gr. 8°. Kriftiania, j
Groendahl & Soens 1917. Kr. 5.25

Dem Gedächtnis Luthers ift von norwegiicb.cn Theologen geweiht
ein Band: Norwegifche Theologie zum Reformationsjubiläum 1917. Er
enthält Unterfuchungen von S. Michelet: Über die literarifche Kompo-
iition in den atl. Schriften, mit dem Untertitel: zur Beleuchtung der
literarkritifchen Probleme der propbetifchen Schriften; von S. Mowinckel; I
die ,'rhronbefteigungspfalmen' und Jahves ,1 nronbefteigungsfeft' (am j
NeujahrstageJ; L. Brun: Über den Chriltusglauben der Urgemeinde (in
den palällinenfliehen Gemeinden/; O. Moe: Luthers Lieblingswort im
Römerbrief c. 1, 17 (Luther behält Recht mit feiner Auffaffung der
Stelle); A. Friedrichfen: Evangelium. Irenaus, Hippolyt, Novatian;
J. Ording: Die Reformation und das religiöfe Erfahrungsprinzip; Chr.
Ihlen: Offenbarung und ftellvertretende Sühne; H. Ording; Auf dem
Wege zur Gottesvorftellung; O. Kolsrud: Das Reformationsjubiläum in
Norwegen 1817 (Bericht und Urkunden).
Tübingen. Otto Scheel.

Sjögren, Arthur: Reformationen och Boktryckarekonftens Utveck-
iing. (61 S.) 40. Stockholm. A.-B. Svenska Kyrkans Diakoni-
ftyrelfes förlag 1919.
Die ldeine Studie will, wie der Verfaffer felbft hervorhebt, das
Thema weder wiffenfehaftlich erfchöpfen noch allfeitig beleuchten.
Sjögren verfolgt im wefentlichen populäre Abfichten. Er will den unerhört
ftarken Einfluß der Reformation auf die Buchdruckerkunft und
die mit ihr zufammenhängenden Gewerbe in populärer Form fchildern
und ihn ftärker hervorheben, als bisher in der fchwedifchen Literatur
gefchehen ift. Eine befondere Veröffentlichung über den Buchfchmuck
der fchwedifchen Reformationsdrucke war beabfichtigt, wurde aber durch
den Weltkrieg verhindert. Für den deutfehen Lefer wäre es von befon-
derem Intereffe gewefen, den Originalbuchfchmuck der fchwedifchen
Reformation in einer gut ausgeflutteten und fachkundig geordneten
Ausgabe vor lieh zu fehen und zugleich die überaus ftarke Abhängigkeit
des fchwedifchen Buchlchmuckes von den deutfehen Werkftätten
zu beobachten. Vielleicht gelingt es dem Verfaffer doch, der Schwierigkeiten
Herr zu werden, die diefer Publikation bisher im Wege (landen.
Die vorliegende Veröffentlichung, welche in ihren Abbildungen ,Proben
der reichen Mannigfaltigkeit und der Entwicklung des typographifchen
Schmuckes' der deutfehen Reformationsjahre bietet, hat fleh in der
Hauptfache an die Cranach'fche Werkftatt gehalten. Die Ausflattung
des Werkes entfpricht den Forderungen, die geftellt werden können:
gutes Lumpenpapier ift mit franzöfifcher Tertia-mediaeval-Schrift der
Hamburger Gießerei Genzlch und Heyfe bedruckt. In den deutfehen
Zitaten find leider manche Druckfehler flehen geblieben.

Tübingen. Otto Scheel.

Gleditfch, Jens: Reformationens Profil gjennem tiderna. (72 s.) 8°.
Kriftiania, Steenska (1917).
Nachdem der Verfaffer einen Längsfchnitt durch die Wittenberger
Reformation bis zur Gegenwart gegeben hat (die Kirche im 15. und 16.
Jhd.; der kirchl. Ablaß; Martin Luther; Rechtfertigung durch Glauben;
Ablaßftreit und Durchbruch; Wiedertäufer, Schwärmer und lutherifche
Rechtgläubigkeit; Pietismus und Methodismus; Romantik; die foziale
Aktivität der Neuzeit), fucht er das Gegenwartsprogramm für das Luthertum
zu entwickeln. Da die Gegenwart Elemente für Lebensanfchauungcn
befitzt, die der Reformationszeit fehlten, kann man fleh nicht an einer
Rekonftruktion des urfprünglichen Luthertums genügen laffen. Befonders
verfagt die Vorftellung von Gott, daß er im wefentlichen Richter ift.
Luther felbft war über diefen Gefichtspunkt hinausgekommen. Im Berufsgedanken
wurde die Verbindung der Überweltlichkeit der Religion
mit dem wirklichen Leben gefunden. Und in Luthers Erkenntnis, daß
die Sündenvergebung ein konftantes Verhältnis mit Gott fei, liegt nicht
bloß die Gewißheit des ein Mal als richterliche Handlung vollzogenen
Freifpruchs, fondern vornehmlich, daß Gottes ganzes Verhältnis zu uns
Sündenvergebung ift und Gott ftändig auf diefe Weife mit uns lebt. So
kommt man über die Vorftellung hinaus, daß Gott nur dann und wann
in unfer Leben eintritt. Es ift die Bedeutung des Luthertums für die
chriftliche Religion, daß es von diefem Mittelpunkt in der Religion zeugt.
Und es ift feine Zukunft, daß es eine Lebensanfchauung an der Grenze
deffen entwickelt, was wir jetzt Wirklichkeit nennen — die Alten
nannten es Gefetz — und der höheren Lebenswelt, die die Alten die
Gnade nannten, auf deren Licht hin die Wirklichkeit oder das Gefetz
uns hebt und treibt.

Tübingen. Otto Scheel.

Hef ele, Hermann: Der Katholizismus in Deutfchland. (Reichls
deutfehe Schriften Nr. 10.) (59S.) 8U. Darmftadt.O.Reichl
1919. M. 1.80

Innerhalb der Schriftenreihe, zu der das Heft gehört
und an der Eucken, Stammler, E. Troeltfch, W. Goetz
u. a. mitgearbeitet haben, ift es ein Beweis dafür, daß man
recht verfchiedene Geifter zufammen arbeiten laffen will.

D. V. ift belefen und klug; lehrreich ift z. B. feine Bemerkung
, weil überall fonft in Europa der Katholizismus
entweder die Herrfchaft behalten bez. wiedergewonnen
habe oder aber faft ganz unterdrückt worden fei und nur
in Deutfchland er eine ftarke Minderheit bilde, darum
habe der deutfehe Katholizismus immer eine undankbare
Mittelftellung gehabt: in Rom fei er als nicht ganz römifch,
in Deutfchland als nicht ganz deutfeh beargwöhnt worden.
H. ftellt zuerft in großen Zügen die Gefchichte des deutfehen
Katholizismus vom Mittelalter an — hier feien der gotifche
und myftifche Geift fchon wefentlich unkatholifch — bis
auf die Gegenwart dar, dann feine heutigen Aufgaben.
Obwohl H. nicht Gefchichte deduzieren will — z. B. ift
ihm die Befreiung des deutfehen Geiftes vom römifchen
Wefen, die Reformation, wefentlich eine Tatfache, nicht
aus einem Gefetz herleitbar —, enthält doch fchon diefer
gefchichtliche Teil viel Konftruktionen: ,es war im Grund
genommen nur der Obrigkeitsbegriff Luthers und der
Staatsbegriff Hegels, für den Heinrich IV. und Barbaroffa
fochten'. Die Romantik als wefentlich proteftantifch zu
beurteilen, mag noch möglich fein, fofern Individualismus
und Verinnerlichung in Gegenfatz zur katholifchen Betonung
der Autorität und der Formen flehen. Aber daß
der Liberalismus nur das ins politifche Gebiet überfetzte
romantifche Gefühl fein foll, ift arg. Wenn H. manches
Bedenken der Kurie und des romanifchen Katholizismus
gegen die deutfehe Zentrumspolitik teilt, die man dort als
zu deutfeh empfindet, und wenn bei ihm der Ultramontanismus
nicht in der Form fcholaftifcher Dogmatik oder
aktueller Politik, fondern romaniftifcher Gefchichtsphilo-
fophie auftritt, fo kann diefen Standpunkt refpektieren
auch wer ihm fern fleht, und Gedankengänge, für die in
der gegenwärtigen politifchen Lage vom romanifchen
Katholizismus aus in Süd- und Weftdeutfchland geworben
werden mag, kennen zu lernen, ift von Intereffe. Daß
H. fein Staatsideal — Kleinftaaten, die nur Rechtsfchutz
und Wirtfchaftsordnung übernehmen, nicht die geiftige
Kultur leiten wollen — guelfifch nennt (wogegen der vom
Proteftantismus in feinem Wefen beftärkte Kulturftaat
ghibellinifch heißt), diefen allenfalls italienifchen Sprachgebrauch
mag H. in einem angekündigten größeren Werk
gangbar zu machen fuchen. Aber daß er es fo darftellt,
als laffe fein guelfifcher Staat, der die Preßfreiheit zu Gun-
ften kirchlicher Zenfur und den Schulzwang aufhebt, die
geiftige Kultur frei, das ift eine Dreiftigkeit der Redeweife,
die dadurch kaum gemildert wird, daß fie Vorbilder hat.
Im Grunde ift fie daher zu erklären, daß II., der uns durch
den lateinifchen Geift vor afiatifcher Gefühlsanarchie retten
will, die Art verkennt, wie der deutfehe Geift in der Mitte
zwifchen beiden fleht. H. mag damit recht haben, daß
der Katholizismus römifch fein oder nicht fein werde,
aber in dem Maße, als der Katholizismus diefen romanifchen
Charakter trägt, wird er von deutfeher Gewiffen-
haftigkeit als Veräußerlichung empfunden, die wahrer Frömmigkeit
widerftreitet.
Kiel H. Mulert.

Langemann, Stud.-R. Prof. Dr.: Der Kampf des Papfttums gegen
das protenantilche deutfehe KaiTertum. Das national verhärtete
Zentrum. 2. verm. Aufl. (120 S.) kl. 8°. Leipzig, Th. Weicher
(lQ'9)- M* 3~; geb. II 4 —

Eine leidenfehaftliche Streitfchrift gegen das Zentrum und die
anderen Mehrheitsparteien, von proteftantifchem und parteimäßig deutfeh-
nationalem Standpunkte aus. Die einzelnen Abfchnitte find als Zeitungs-
auffätze z. T. fchon während des Krieges erfchienen; von einem, der
Mitte Aug. 1918 unfere Lage noch als fehl günltig darfteilte, hat das
Gouvernement Warfchau durch das Kriegsprell'eamt beim Göttinger
Tageblatt 10 000 Sonderabzüge beftellt. Erzberger, den L. befonders bekämpft
, ift .höehft wahrfcheinlich jüdifcher Raffe'. Gewiß müffen L. und
Gelinnungsgenoffen die jetzige Lage befonders bitter empfinden, aber
Wille oder Fähigkeit zur Würdigung der Motive Andersdenkender lind
bei ihm fehr gering.

Kiel. H. Mulert.