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Ausgabe:

1920 Nr. 2

Spalte:

269

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lundberg, Johs.

Titel/Untertitel:

Kristus-Mystiken hos Paulus 1920

Rezensent:

Scheel, Otto

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269

Theologifche Literaturzeitung 1920 Nr. 23/24.

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wird, — der Kraftheld ift, der uns das Leben dennoch j (X, 150 S. m. 1 Tafel.) gr. 8°. Münfter i. W., Afchen-
und trotzdem meiftern läßt, daß wir, die wir uns als ge- dorff 1918. M. 8—

brochene Naturen fühlen, an ihm Kraft, Leben und Ein- Noch vor dem Einleitungshefte .Ziele und Aufgaben

heit mit Gott finden. Und gerade darum ift er mir auch der Liturgiegefchichtlichen Forfchungen', das P. Kunibert
für die moderne Menfchheit von bleibender Bedeutung ! Moniberg, Benediktiner der Abtei Maria Laach, ankün-
und eine unüberbietbare Größe. digen läßt (als .Unter der Prefie' bezeichnet es der UmKönigsberg
i. Pr. Pott. ] fchlag des oben notierten ,2. Hefts*) hat Prof. Dölger-

Münfter i. W. einen Beitrag zu der neuen von fünf hoch-
angefehenen deutfchen Abteien getragenen Reihe von
Selwyn, Edward Carus, D. D.: First Christian Ideas. Bd., Forfchungen geliefert. Dölger ift durch zwei frühere
with an Introductory Memoir by his eldest son. (XLIV | Studien: ,üer Exorzismus im altkirchlichen Taufritual'
24I S.) 8°. London, J. Murray 1919. sh. 9— : 1909 und .Sphragis. Eine altchriftliche Taulbezeichnung

Lies originelle, während des Krieges in hoher natio- I in ihren Beziehungen zur profanen und religiöfen Kultur
naler Begeifterung1 entftandene Buch, das nach des Ver- des Altertums', 1911, fchon vorteilhaft bekannt. Diefe

faffers Tod von dem Sohne mit einer pietätvoll gehaltenen
Lebensfkizze verfehen herausgegeben wurde, fetzt die
früheren Studien: The Chriftian Prophets 1900; St. Luke
the Prophet 1901; Oracles in the New Teftament 1911

neue Studie, die ja auch die Taufzeromonien, wie der
Titel angiebt: fpeziell das Taufgelöbnis, zum Gegenftand
hat, ift vollends durch gediegene Gelehrfamkeit und gefunden
Scharffinn ausgezeichnet. Über den Titel, von

fort. Der Verfaffer glaubt in der bekannten Papiasftelle j dem der Verf. meint, er möge .eigenartig und auffällig
loyia nicht auf Herrenworte, fondern auf altteftamentliche , erfcheinen', lefen wir in einer Art Erklärung ,An die Mit-
Gottesorakel beziehen zu follen und findet fo eine urchrift- i herausgeber und Freunde', die ftatt eines Vorworts an den
liehe Sammlung meffianifcher Weisfagungen, von Matthäus Eingang geftellt ift: .Gefucht ift er nicht. Er trifft den
herrührend, bezeugt. Als Beifpiel diefes Orakelgebrauchs i Inhalt des Buches und erklärt feine Entftehung. Unterführt
er den Barnabasbrief vor, verfolgt dann den Weis- fuchungen über den Exorzismus in den antiken Religi-
fagungsbeweis durch die Kindheitsgefchichte, den Ge- onen und im Chriftentum ließen mich eine Arbeit in's
brauch derLXXbei Paulus, die Verfuchungsgefchichten, ; Auge faffen, die eine Religionsgefchichte des .Daimon'
den Gethfemanebericht als Nachahmung von 2. Sam. 15— I werden follte. Ein Paragraph darin wurde für den Teu-
17. das Verhör als folche desjeremia (33=28), Joh. 8 mit ' felsnamen ,Der Schwarze' beftimmt. Dies war im Sommer-
Jefaja 48, die Pfingftgefchichte in Verbindung mit verfchie- ' femefter 1912. Faft zu gleicher Zeit erkannte ich immer
denen altteftamentlichen Weisfagungen. So entftehen die ; mehr die gewaltige Bedeutung jener religiöfen Auseinan-
Evangelien aus Midrafchim urchriftlicher Prediger über j derfetzung des vierten Jahrhunderts, die in den Worten
verfchiedene altteftamentliche Stellen. So anregend viele j .Sonnenkult und Chriftentum' ihre Ausprägung findet.
Einzelbeobachtungen in dem Buche find, die Grundauf- ; Der größte Teil meiner wiffenfehaftlichen Tätigkeit während
faffung ift unhaltbar. Das Chriftentum begann nicht als j der letzten fechs Jahre galt diefer Frage. Die Ortung der
eine Schriftgelehrtenftudie, fondern als eine enthufiaftifche ! altchriftlichen Bafilika und die chriftliche Gebetsrichtung

nach Orten wurden dabei kultur- und religionsgefchicht-
lich zu erfaffen gefucht, die Abfage an den Teufel nach
Werten und die Zufage zu Chriftus nach Orten wurde
dabei geftreift. So ganz nebenbei tauchte beim allmä-
ligen Abfchluß der Abhandlung neben der ,Sonne des
Heils' auch ,die Sonne der Gerechtigkeit' auf. In ihrem
Lichte fanden fich die beiden getrennten Vorftellungs-
gruppen zufammen und fo entftand ,Die Sonne der Gerechtigkeit
und der Schwarze'!

Es ift doch eigentlich zu bedauern, daß der Verfaffer
diefen zunächft ganz rätfelhaft klingenden und, wenn ich
von mir reden darf, garnicht lockenden Titel gewählt
hat. Aber ich will zugeben, daß es nicht leicht war, finden
Inhalt des Buchs einen fofort deutlichen kurzen Titel

efchatologifche Bewegung der Geifter. Die Offenbarungen,
von denen Paulus fich treiben ließ, waren nicht Schrift -
fündlein, und hinter der urchriftlichen Gemeinde fteht die
lebendige Tradition von dem, was Jefus tat und fagte.
Halle. v. Dobfchütz.

1) Man fieht hier, wie die Public Schools Englands für den Krieg
vorgearbeitet haben.

Lundberg, Lic Tohs.: Kristus-Mystiken hos Paulus Akad. Avhand-
ling (III, 198 S.) 8". TJppfaU 1917.

,Man hat mehr als ein Mal im Zufammenhang mit der Erörterung
der Chriftus-Myftik bei Paulus behauptet, daß Chriftus, zum minderten
in gewilTen Situationen, als eine halb unperfönliche, geheimnisvolle
Geiftesmacht gefaßt fei. Sollte dies nun wirklich der Fall fein, dann

kann gefügt werden, daß die Frage der Myftik damit fchon erledigt ift, I zu finden. Es handelt fich mehr um die Bezeichnungen

«enigftens was den Ausdmck zp'ötö? tv rm betrifft. Ift Chriftus je-I fa dje Symbolik verfchiedener altchriftlicher Ceremo-

doch nerfönheh vorgeftellt, fo öfTnen fich deutlich mehrere Möglichkeiten. 1 . ( „ c ... . . , , ,

Nrch diefer grundlegenden Unterfuchung kommen wir zum Hauptteil nietl, zumal Zur Taufe gehöriger als um die EntwicklungS-

unierer Arbeit, der die Ausdrücke unterfucht, die als Beweis für Myftik gefchichte diefer Ceremonien felbft, die natürlich doch

beim Apoftel in Anfpruch genommen werden. Hier werden zuerft die 1 auch mit hervortritt. Auch um gewiffe dogmatifch-litur-

stellen geprüft, in denen man zu finden glaubt, daß Paulus von Chriftus „jfcfie Begriffe und ihre Herkunft handelt es fich Vielleicht

chriftus in Leiden, Tod und Auferftehung handeln, fowie einzelnes, das die Uberichritt .Unterluchungen zu den Hauptreremonien

nicht wohl in eine diefer Hauptrubriken eingeordnet werden kann, um j der Taufe' gewählt hätte.

fchließlich vor dem eigentümlichen und neuerdings befonders in An- ; Im Vordergrund fteht Zunächft die Frage weshalb

fpruch genommenen Ausdruck Iv »iOT* Halt zu^ machen. In einem ! dj AbfchwÖrung des Teufels, die Abrenuntiätion, mit

zufammenfa(renden Teil ziehen wir chließhch die I'olgerungen aus dem , & turn. V , , nuicuuuuouvis ,. ,

vorangegangenem und Oberblick über L Ajmftels ganze einer Wendung nach Werten gefchehen mußte. Natürlich,

l'crfönlichkeit, Frömmigkeit und Verkündigung von dem vorliegenden j Weil der 1 etltel im Werten gefucht Wurde. Aber Wie

Geftchtspunkt aus. ,Es kann nicht die Rede davon fein, daß die Myftik ' hängt das zufammen? Werten, Sonnenuntergang, Finfter-

eineh befonders hervorragenden Platz im Verhältnis Pauli zu Chriftus njß Unheil, Bosheit, gewiß daß das ZU einander gehörige
einnimmt, wem, mytät^ Otm^tdM ^UJ&^^^^^ff f : oder werden konnten, leuchtet uns ein.

fonders naher Kontakt zwifchen dem Menfchcn und dem Göttlichen, in t> .. . . , ,'. ... , „, ...

diefem Fall Chriftus, durch den der Abftand zwifchen beiden fozufagen Aber doch nur, weil wir in langer kirchlicher l radition

aufgehoben ift, oder noch beffer eine geheimnisvolle Vereinigung zwifchen diefer Ideenaflbziatiofl flehen. Woher flammt die Affb-

beiden erreicht ift.' ziation? Dölger zeigt, und das ift auch bald einleuchtend,

Thingen. Otto Scheel. , das fie doch nicht relbltverftändlich war fondern hiflorifche

-- Bedingungen hat. In Verbindung mit ihr trifft man auch

Dölger, Prof. Dr. Franz Jof: Die Sonne der Gerechtigkeit , die Bedeutung von links und rechts in der religiöfen An-

und der Schwarze. P-ine religionsgefehichtl. Studie zum fchauung. Die Vorftellungen von Wellen und links, Ollen

Taufgelöbnis. (Liturgiegefchichthche Forfchgn., Heft 2.) ; und rechts treten zufammen. Und auch wieder mit der

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