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Ausgabe:

1920 Nr. 1

Spalte:

222-225

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lietzmann, Hans

Titel/Untertitel:

Die Urform des apostolischen Glaubensbekenntnisses 1920

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Theologifche Literaturzeitung 1920 Nr. 19/20.

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eine fehr forgfältige Unterfuchung zunächft des lukanifchen
Wortfchatzes, welche die Forfchungen von Vogel, A. v.
Harnack u. a. wirklich ergänzt und weiterführt. Es zeigt
fich klar die literarifch gebildete Schreibweife diefes
Autors. Mit Erfolg bekämpft C. die bei uns durch Zahn
und Harnack, in England durch Hobart und Moffatt verbreitete
Meinung, die Sprache verrate medizinifche Bildung
. C. fagt mit Recht, mit gleichen Mitteln könnte
man auch eine Studie ,Lucian der Arzt' fchreiben; auch
LXX und Jofephus kennen die meiften der in Betracht
kommenden Ausdrücke. — Die zweite Hälfte, die getrennt
erfchien, aber mit der erften zufammen ausgegeben wird,
befchäftigt fich hauptfächlich mit dem Verhalten von
Lukas gegenüber Markus; die Umordnung von Ab-
fchnitten und innerhalb der Abfchnitte, Kürzungen und
Auslaffungen, Vermeidung von Wiederholungen ufw., um
in eine Stiliftik des Lukas auszulaufen. Die Darftellung
läßt durch gut geordnete Überfichten ein klares Bild von
der fchriftftellerifchen Eigenart entftehen. Befonders
beachtenswert find die Ausführungen über religiöfe Motive
der Änderungen S. 90ff: Luk. mildert nicht nur die
Kraftausdrücke des Mark., er findet auch das Gedränge
um den Herrn feiner nicht würdig; daß Lukas Markus-Wendungen
mißverftanden habe (Schölten), läßt fich nirgends
mit Sicherheit zeigen. Man kann nur wünfchen, daß die
Studie, die niemand, der fich mit fynoptifchen Problemen
befchäftigt, außer acht laffen darf, fortgefetzt werde. Luk.
Verhalten zu Q ift nur nebenbei herangezogen. Man
vermißt am Schluß eine zufammenfaffende Charakteriftik. j
Perry, ein Schüler Burtons in Chicago, führt feines [
?*Ieifters Studien zu den fynoptifchen Quellen •) fort: Wie <
Burton die Einheitlichkeit von Q leugnet und für die I
fog. kleine und große Einbehaltung bei Lukas vielmehr
je eine Quelle, das Galiläa- und das Peräa-Dokument I
annimmt, fo Perry für die Leidensgefchichte ein Jerufalem- j
Dokument. Der Rekonftruktion diefer Quelle J ift das
Buch gewidmet. In der Annahme einer Sonderquelle des |
Luk. für die Leidensgefchichte pflichte ich dem Verf. 1
ganz bei. Gegen die Art der Rekonftruktion habe ich !
fchwere Bedenken: Perry verkennt m. E. die eben durch
Cadburys Studie aufs neue eindrucksvoll dargeftellte j
Manier des Lukas, feine Quellen fprachlich und fachlich
ftark umzuarbeiten. Manches, was Perry für J in Anfpruch j
nimmt, ift doch nur Mark in freier lukanifcher Um- j
geftaltung; Tendenzen, die er J zuweift, find die des
Lukas felbft. Die Annahme einer Mifchung von Mk. und i
J widerfpricht dem über Mk. und Q (bzw. G und P)
ausgeführten. Vollends die Zurückführung diefer Quelle |
aufdeopas und in die Zeit der Agrippa-Verfolgung d. i
J. 44 halte ich mitfamt den biblifch-theologifchen Argumenten
für ganz zweifelhaft. Immerhin ift aus der anregenden
Studie manches zu lernen.

Halle. von Dobfchütz.

1) Principlcs Ol* literary criticism and the synoptic problem (in den
Chicagoer Decennial Publications von 1904).

Nes, Prof. Dr. H. M. van: Paulus brieven aan de Galatiers,
Efeziers, Filippenzen, Kolossenzen, Thessalonicenzen (1 en 2),
Timotheus (1 en 2), Titus en Filemon. (Tekst en Uitleg
herausg. v. A. v. Veldhuizen). 144 S. kl. 8«. Groningen,
Wolters 1919. , 2-S°

Dies Bändchen dicht ftark von dem zuletzt besprochen
ab (vgl.Th.Lit. 1920, Nr. 11/12): auf denselben Raum,
der dort für die Johannesbriefe, IL Petr. und Jud. zur Verfügung
dand, mußten hier fämtliche kleineren Briefe des
Paulus (von Gal. bis Philemon) bewältigt werden; im Vergleich
zu jenem Teil und im Blick auf die Wichtigkeit und
Schwierigkeit der Paulusbriefe hätten dem Verfaffer unbedingt
zwei Bändchen zugedanden werden müffen. Er
hat fich nun größter Kürze befleißigen müffen, was der
Sache natürlich nicht immer zu gute gekommen id.

So find die Einleitungen (bei Willenue 54, iiier 15 S.) viel zu
knapp ausgefallen, namentlich die zu den Paftoralbriefen, wo die Frage,
ob denn nicht eine zweite Gefangenfchaft des P. angenommen werden
kann, gar nicht zur Sprache kommt, obfehon v. Veldhuizen zu diefer
Frage in der Einleitung zum Rom. (S. 9) uns auf dies Bandchen verweift
. Wie hier noch hätte erwähnt werden muffen, daß auch die bedenkliche
briefliche Situation der Briefe für Unechtheit fpricht, fo ver-
miffe ich bei der Einleitung zu II. Theff. den Hauptgrund, womit
Wrede deffen Unechtheit zu beweifen verlacht, nämlich die übergroße
Verwandfchaft zwifchen I. und II. Theff. Wenn der Verf. I. Tim. 1,4
auf die Äonenreihen der Onoftiker deutete, hätte er für die Lcfcr des
Werkes diefen Begriff wohl verdeutlichen muffen. Bei I. Tim. 3,16 hätte
auch die früher rezipierte Lesart ,Gott . . .', die noch immer in allen
1 (auch in holländifchen) Bibeln fteht, aufmerkfam gemacht werden
können. Bei II. Tim. 4,16 hätte man gern deutlicher vernommen, ob
der Verf. unter ,der erden Verteidigung' den früheren Prozeß verlieht.

Im Ganzen ift die Erklärung, namentlich die von
Gal. bis Kol., lichtvoll und zeigt fie Vertrautheit mit der
neueren Literatur; gern verweilt, der Verf. aufBeziehungen
zur fynkretiftifchen Umwelt. Von den Palt, abgefehen, behandelt
er alle Briefe als paulinifch; einen Beweis ihrer
Echtheit gibt er jedoch nicht. Auch in den Palt, nimmt
er einen echten Kern an II. Tim. fcheint er am lieblten
ganz für einen echten Brief nehmen zu wollen.

Von Einzelerklärungen fei noch folgendes genannt. Bei Phil. 2,6
denkt von N. lieber an den Gegenfatz Adam-Chriltus als an den von
Satan-Chridus, bei L Thelf. 4,4 (oxsvoq) an den eigenen Leib des
Menfchcn vgl. dagegen die intereffante Erklärung de Zwaan's in Nieuwe
theoig. Studien 1920, I24ff. Ausführlicher handelt van N. zu I. Tim.
4,4 über die Handauflegung in den niederländifchen Kirchen. Zu Philemon
17 warnt er im Blick auf die Parallele in den Briefen des Pli-
nius IX, 12,24 vor dem Urteil, der einzigartige Wert des Chridentums
könne fchon aus diefem einen Brief des P. hinreichend erwiefen werden.
Nicht ganz befriedigend id die Erklärung von Kol. 1,24: Der Begriff
der das Werk des Chridus ergänzenden Leidung des P. kommt nicht
zur Geltung.

Holländifchen Studenten kann man als Hilfe bei
kurforifcher Lektüre auch diefes Bändchen wohl empfehlen.
Leiden. Hans Windifch.

Mehlhorn, DD. Paul: Wahrheit und Dichtung im Leben Jefu. 3. um-

gearb. Aufl. (Aus Natur u. Geißelswelt, 137. Buch.) (130 S.) Leipzig
, B. G. Teubner 1919. M. 2—; geb. M. 2.65
Die 2. Auflage erfchien 1911, die vorliegende 3. enthält einige
kleine Zufätze, z. B. über den gefchichtlichen Urfprung des Pharifäis-
mus, über die pfychiatrifche Beurteilung Jefu. Der Abfchnitt über das
Abendmahl iß in feiner Kompofition ßark verändert. Durch kleine Auslaffungen
und mehrfache Anwendung von Kleindruck id die Seitenzahl
etwas vermindert. Das Buch wird feinen bewährten Diend weiter leiden.
Hannover-Kleefeld. Schuder.

Holl, Karl: Zur Auslegung des 2. Artikels des log. apolto-

lilchen Glaubensbekenntniffes. (S. 2—11).
Harnack, Adolf von: Zur Abhandlung des Hrn. Holl: .Zur

Auslegung des 2. Artikels des log. apoltolilchen Glaubens-

bekenntnilles.' (S. 112—116).
Lietzmann, Prof. Dr. Hans: Die Urform des apoltolilchen

Glaubensbekenntniffes. (S. 269—274.)
(S.-Dr. aus Sitzungsberichte d. preuß. Äkad. d. Wiff. XVII.)

gr. 8°. Berlin, G. Reimer 1919. je M_.50

— Die liturgifchen Angaben des Plinius. (Gefchichtl. Studien.

Albert Hauck zum 70. Geburtstag dargebracht von

Freunden ufw. S. 34—38.) Leipzig, Hinrichs 1916.
Die drei kleinen Abhandlungen, die fich im Titel als
das Apoftolikum betreffend erkennbar machen, find fern-
belangreiche Beiträge zur Forfchung. Holl zeigt, daß die
Konftruktion des 2. Artikels des altrömifchen Tauffymbols,
R, beherrlcht ift durch die beiden Titel die Xqiöto? 'ftjpove
dann hat: vtog avrov (sei. foofr) (iovoyevrjq und xvQiog
rjßwv. Der erftere wird erläutert durch den Hinweis auf
die Geburt Jefu ,aus heiligem Geifte und Maria der Jungfrau
', der andere durch alles Weitere bis zum Schluß. I loll
zeigt dann, wie R damit eine ganz fpezififche Chriftologie
vertritt, die nur kurze Zeit Geltung gehabt haben könne;
hinter ihr liege die Anfchauung, die in der Taufe das
grundlegende'Ereignis fah, woran der Glaube die Gottes-
fohnfehaft Jefu feftftelle, vor ihr die dann ja in jeder Beziehung
fiegreich gewordene, daß Jefus für den Logos zu
erachten und um deßwillen als der Sohn Gottes zu bezeichnen
fei. Leitend für R fei die Erzählung des Lukas