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Ausgabe:

1920 Nr. 1

Spalte:

173

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bischoff, Erich

Titel/Untertitel:

Die Kabbalah. Einführung in die jüdische Mystik und Geheimwissenschaft. 2., vollst. neu bearb., stark verm. Aufl 1920

Rezensent:

Strack, Hermann L.

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173

Theologifche Literaturzeitung 1920 Nr. 15/16.

174

Bifchoff, Dr. Erich: Die Kabbalah. Einführg. in die jüd.
Myftik u. Geheimwiffenfchaff. 2., vollft. neu be-
arb., ftark verm. Aufl. m. 30 erläut. Illuftr. u. Tabellen
(XII, 152 S.) kl. 8°. Leipzig, Th. Grieben 1917.

M. 3.20; geb. M. 4.20
Die zweite Auflage des B.fchen Buches über die
Kabbalah ift mir erft jetzt zugegangen. Der verewigte
Wilh. Bacher urteilte (Th. Ltztg. 1904, Nr. 11) über die
erfte Auflage, daß es dem Verfaffer gelungen fei, die her-
vorftechendften Lehren der jüdifchen Myftik in klarer
und knapper Form wiederzugeben. Dies Urteil gilt in
erhöhtem Grade von der Neubearbeitung, in welcher
mit Recht die raumverfchwendende und Zu-
fammengehöriges auseinanderreißende Form des Katechismus
(205 Fragen und Antworten) aufgegeben ift.
Jetzt haben wir S. 1—93 eine Gefchichte der Kabbalah
(in der Vorgefchichte find S. 22—50 Talmud und Midrafch
eingehend berückfichtigt); S. 94—114 find der theoreti-
fchen K. (Metaphyfik und Anmropologie) gewidmet,
S. 115—133 der praktifchen K. (Gottesnamen, Amulette
, Magifche Handlungen, Magifche Zeichendeutung).
Ein Anhang dient der Erläuterung einiger wichtiger Ausdrücke
und einiger der Abbildungen. — S. 5 fagt der Ver-
fafler: ,1m ganzen Sohar und auch in den meiften fpäteren
kabbaliftifchen Schriften fleht kaum etwas, das fich nicht
aus biblifchen Schriften, aus Philo von Alexandria, aus
dem Talmud und Midrafch fchon belegen ließe', und
S. 134: ,Nicht der kabbaliftifche Stoff an fich ifl: eigenartig
, wohl aber die Verarbeitung diefes Stoffes. Mag
auch recht oft die Ausdrucksweife fehr kraus und die
Methode nicht nach unferem Gefchmacke fein — eins
bleibt immer zu bewundern: Die Art, wie die in dem
ganzen Stoffe liegende Gefahr eines öden Monismus oder
zerfahrenen Pantheismus immer wieder vermieden wird'.
Von den 30 Abbildungen find II neu.

Nachfchrift. Die vom Verf. nicht verftandenen rätfel-
haften Buchftaben S. 12, 47, 149 (auch S. 78 und 150,
wo „zermalmt den Satan"!) find die Anfangsbucbftaben
der Worte eines Gebets das Nechunja ben Hakanah.
Die S. 71 Ende erwähnte Abhandlung Gan na'ül ifl
von dem Arzte Tobia ben Mose Nezol, f. Steinfehneiders
Catal. Bodl. Nr. 7305 und Addenda Spalte 127. — S. 22
Ende lies 1248 flatt I284; S. 24 Z. 6 lies 358 ftatt 158.
Zu den S.44 aufgezählten iünf Eigenschaften vgl.Jefaja 3,3.
Berlin-Lichterfelde W. Hermann L. Strack.

Caftor, G. D.: Matthews Sayings of Jefus. Chicago, The
University of Chicago Press. 1918.
Dies Buch läßt fich am einfachflen als eine mit
Harnacks Unterfuchung parallele, aber unabhängige
Prüfung des Sachverhalts bezeichnen. Verf. hat den
Hauptinhalt fchon um 1906 ausgearbeitet; für den Druck
wurde das Werk erfl kurz vor feinem Tode (1912) fertig-
geftellt. Nach einer Feflftellung über die Verwendung
des Markusberichts bei Mt. und Lc. wird das übrige den
Evangeliften gemeinfame Material, Abfchnitt für Ab-
fchnitt einer genauen Prüfung unterzogen. Wendungen,
die für einen Evangeliften charakteriftifch erfcheinen,
werden angemerkt, anderseits fcheint die Identität des
Sprachfchatzes eine gemeinfame griechifche Quelle anzuzeigen
. C. fand fehr wenig Anlaß, Varianten auf ein
aramäifches Original zurückzuführen, wie wohl er anerkannte
, daß die von den Evangelienfchreibern gebrauchte
griechifche Form einen femitifchen Hintergrund hat. Die
Abfchnitte, wo folche Gleichheit des fprachlichen Ausdrucks
den Gebrauch einer gemeinfamen fchriftlichen
Quelle zu erweifen fchien, umfaffen fall alles von Harnack
Angegebene außer der Parabel vom großen Feftmahl
Mt. 22,2—u, Lc. 14, 16—24. Von dem nur in einem
Evangelium enthaltenen Material fügt er noch etwa 50
Verfe hinzu, meift vom ,Sondergut' des Lc, das mit anderem
Q-Material eng verbunden ift, wie Lc. 9,61—62,

10,17-20, n,s-8, 13,1-9, 14,28-32, 15,8—10, 17,28
bis 30.

Dies Material erfchien C. nicht ,als ein intereffanter
Trümmerhaufen', fondern mehr als homogene Gruppe
von Material aus einem einzigen Dokument. Er fand
vielfach Grund, im Einzelfall die Anordnung von Lc. zu
bevorzugen, und wenn das Ganze einheitlich in der Reihenfolge
bei Lc. gelefen wird, fo bildet es eine zufammen-
hängende Sammlung mit vielen natürlichen, lo<rifchen
und pfychologifchen Bindegliedern. Den originalen Schluß

bildete das apokalyptifche Material in Lc. 17,20_37,

19,11—27; aber vorher ward manches gemifchte Material,'
das jetzt in Lc. 15—16 zerftreut ift, gefammelt und eingefügt
, weil es zu wertvoll war, um verloren zu gehen.
Andrerfeits gibt es eine befondere Einheit in dem gemeinfamen
Material.

C. prüft die Berührungspunkte zwifchen diefem Material
und Mk. und entfeheidet fich für eine allgemeine
Priorität von Q., ohne aber literarifche Abhängigkeit des
Mk. von Q. anzunehmen. Von den 26 Berührungspunkten
zwifchen Q. und Mk. feien 19 kurze fprüchwörtliche
Äußerungen .practically independent in themselves: ma-
terial upon which it is most difffcult to base any argu-
ment for a common source' (S. 204). Schließlich erörtert
er die Möglichkeit apoftolifchen Urfprungs für Q. und
neigt im ganzen zur Identifikation diefer Quelle mit dem
Werk des Mt, wenn auch nicht fo beftimmt, wie es
der Titel feines Buches fuggeriert. Der Titel unsers
Mt.-Evangeliums fpricht, wie er meint, eher für als gegen
die Identifikation. Doch gibt er zu, daß Papias vom
Inhalt der Logia des Mt keine Kunde hatte und nur auf
eine .gute Autorität für die Annahme, daß es eine semi-
tifche Schrift gab, die mit dem Apoftel Matthäus zu-
fammenhing und daß diefe Schrift irgendwie mit dem
elften Evangelium zufammenhing' sich ftützen konnte
(S. 214).

Diefe letzte Erörterung ift der am wenigften überzeugende
Teil des Buches. Im allgemeinen ift die Behandlung
des Stoffes durch gefundes Urteil gekennzeichnet
. Der Vorzug, der der Anordnung bei Lc. gegeben
wird, fcheint befonders gut begründet, und die Ablehnung
des meiften, was Sondergut des Mt. ift, ift auf ein foro--
fältiges Studium feiner Methode als Redaktor begründet.
Mit Ausnahme einer allzu großen Zahl von fehlerhaften
Zahlen in den Zitaten bietet das Buch eine fehr lichtvolle
und brauchbare Unterfuchung der komplizierten
Probleme.

Cambridge, Mass. Henry J. Cadbury.

Dieckmann, Hermann: Die effektive MitregentIchaft des Tiberius

(S.-Dr. aus ,Klio', Beiträge z. alt. Geich. Bd. XV, Heft 3/4.) (37 S.)

Lex. 8°. Leipzig, Dieterich 1918.
Der pünktliche das ganze Material verwertende Auffatz ift für den
Theologen bedeutfam, fofern er jede Möglichkeit befeitigt, die Regierungsjahre
des Tiberius — auch Luk. 3,1 — anders als vom Tode des Au-
guftus ab zu rechnen. Die anders verwerteten Notizen bei Vellerns
Paterculus hift. Rom. 2,121 und Sueton, Tib. 21 beziehen fich auf eine
den Zeitgenoffen wenig eindrucksvolle Stufe in der allmählichen Erhebung
und Beftätigung des Tiberius zur Nachfolge des Auguftus. Von
einer Samtherrfchaft beider ift nirgends die Rede.

Gießen. Oscar Holtzmann.

Vogels, HeinrichJofeph: Beiträge zur Gefchichte des Dia-
teffaron im Abendland. (Neuteftamentliche Abhandlgn.
VIII. Bd., 1. Heft.) (VII, 151 S.) gr. 8°. Münfter i.
W., Afchendorff 1919. M. 7 —

In zielficherer Methodik fchreiten V.s Arbeiten zur
Textkritik der Evangelien fort. 1910 hatte er gezeigt,
daß der griechifche Text des Cod. Bezae (6 5, D) durch
eine Evangelienharmonie aufs ftärkfte beeinflußt ift (vgl.
Th. L. Z. 1911, 201—203). 1911 führte er den gleichen
Nachweis für die altfyrifche Evangelienüberfetzung, wobei
bereits die poftulierte Evangelienharmonie in Tatians
Diatefiaron nachgewiefen und von hier aus nach dem
Vorgange anderer aufs neue gezeigt wurde, wie wenig