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Ausgabe:

1919 Nr. 1

Spalte:

132-133

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Braun, WIlhelm

Titel/Untertitel:

Der Krieg im Lichte der idealistischen Philosophie vor hundert Jahren und ihrer Wirkung auf die Gegenwart 1919

Rezensent:

Scholz, Heinrich

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 11/12.

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zu feft dankbar gefpürt. Bei allem Schwung und Pathos
verliert M. nie das Augenmaß; z. B. bei der Betrachtung
der Folgewirkung der Reformation: die neue Zeit nicht
ohne den Proteftantismus, aber nicht nur durch ihn.
Noch darf ich wohl als Stilprobe den feinen Satz über
Luther in Rom hierherfetzen: ,Er fah den Glanz und die
Sünden der ewigen Stadt — er fah beides und vergaß
nichts davon, aber es rührte ihn nicht.'

Wenn auch nicht nur von Nicht-Theologen verfaßt,
fo gehört doch auch die Feftfchrift des Dürerbundes7)
in diefen Zufammenhang; denn auch die hier zum Worte
kommenden Theologen kehren ihren Beruf nicht heraus,
fondern fuchen Luther von der menfchlichen und kulturellen
Seite her gerecht zu werden. Avenarius und Go-
garten fchaffen für das Ganze den Rahmen durch einleitende
und fchließende Lutherworte in guter Auswahl,
Eucken betont die Erfchütterung der Gedankenwelt
Luthers vom erzürnten und durch das Blutopfer feines
Sohnes verföhnten Gott in der Gegenwart, um trotzdem
zuverfichtlich bleibende Werte bei Luther zu bejahen,
G.Roethe feiert den Deutfchen in Luther, ebenfo W. Wundt,
während Ferd. Tönnies mit Reinh. Planck fich in Heraushebung
der Sozialgedanken Luthers, der eine mehr nach
der nationalökonomifchen, der andere mehr nach der
kirchlichen Seite hin, berührt. ,Ernfte Gedanken' fpricht
Troeltfch aus in Herausarbeitung des Gegenfatzes zwifchen
Einft und Jetzt und der Forderung einer ,Vertiefung des
fittlichen Ernftes in Glaubensfragen'; ähnlich redet Weinel
von dem Erbe der Reformation als einer Dreiheit von
Aufgaben auf den Gebieten: Staat, Kirche, wiffenfchaft-
liche Weltanfchauung. Bonus trägt ftark konftruierend,
die Bedeutung der Myftik z. B. für Luther ftark über-
fchätzend, eigene, bekannte Gedanken in Luther hinein,
P. Th. Hoffmann referiert über die bekannten Vorträge
,die deutfche Freiheit', und Chr. Geyer fucht Luther als
unfer Vorbild zu zeichnen (wobei das überfchwängliche
Lob von Ric. Huchs Lutherbuch auffällt.) Sehr erfreulich
ift es, neben diefen Proteftanten aller Schattierungen auch
Peter Rofegger und Joh. Mumbauer zu finden. Erfterer
fpricht von der ,Glücksempfindung' über die gegenfeitige
Rückfichtnahme der Konfeffionen aufeinander und ihren
feften Zufammenhalt, und von der Hoffnung, daß es fo
bleiben möge. Tiefer greifen die Worte Mumbauers, der
offen erklärt, daß und warum der Katholik fich der Reformation
nicht freuen kann, auf der anderen Seite
Luther ,nach feiner rein menfchlichen Perfönlichkeit unter
Anerkennung feiner im Kern lauteren Abrichten für ein
religiöfes Genie' halten will und die Proteftanten bittet,
nicht einfach Chriftentum und Deutfchtum mit Luthertum
gleichzufetzen. Mehr kann man billiger Weife nicht
verlangen, und die Bitte um Mäßigung des Überfchwangs
ift berechtigt.

Zürich. Walter Köhler.

Zum Gedächtnis Hermann von Bezzels. Gefammelte Auffätze.
(IV, 55 S. m. Bildnis.) 8°. Leipzig, Dorffling & Franke
1917. M. 1.20

Bezzel, f Präf. D. Dr. Herrn, v.: Die Heben Worte Jelu
am Kreuz. Paffionsandachten. Hrsg. v. der Ev. Dia-
koniffenanftalt in München. (93 S.) kl. 8°. München,
Müller & Fröhlich 1918. Pappbd. M. 2.—

Wer je mit dem verftorbenen Präfidenten der bayr.
Landeskirche in Berührung kam, konnte fich des Eindrucks
nicht erwehren, daß eine ganz eigenartige Perfönlichkeit
vor ihm ftand; in Kategorien ließ er fich nicht
einordnen. Bei aller Weltferne und felbftgewollten Weltfremdheit
doch ein offenes Auge für alles Große in der

7) Das Reform atiosfeft. Beiträge v. Proteftanten u. Katholiken;
Avenarius, Bonns, Eucken ufw. Nach dem Kunftwart hrsg. vom Dürerbunde
. (173. Flugfchrift des Dürerbundes.) (49 S.) gr. 8°. München,
G. D. W. Callwey (1918). M. —75.

Welt; einer der entfchiedenften Vertreter der neulutheri-
fchen Orthodoxie und doch mit einem feinen Verftänd-
nis für alle geiftigen Bewegungen der Zeit ausgeftattet;
ftreng in feinen Anforderungen und doch wieder beachtend
das geringfte Streben, wenn es nur ehrlich gemeint
war. Was haben die wenigen Jahre feiner Tätigkeit der
bayrifchen Landeskirche bedeutet! In die alte ehrwürdige,
fein ausgedachte und äußerft folide ausgeführte Mafchine,
deren Räder in forgfam abgemeffenem Takte exakt in-
einandergriff en, griff auf einmal eine fefte gewaltige Hand;
ein Ächzen und Stöhnen ging durch die alten Speichen
und Bänder; aber bald folgte alles willig der neuen Leitung
. Noch ift die Zeit nicht gekommen, um das Werk
Bezzels richtig zu würdigen und feiner Perfönlichkeit
vollkommen gerecht zu werden. Aber die zuerft in der
allg. ev.-luth. Kirchenzeitung erfchienenen Auffätze von
Ernft Bezzel, Götz, Böckh, Braune geben uns richtige
Auffchlüfle über fein Werden und Wirken; eine fpätere
Zeit wird auf fie als auf zeitgenöffifche Denkmale gerne
zurückgreifen, da fie vor allem erkennen ließen, was man
über den Verftorbenen dachte und fprach. Bei der Bedeutung
, die die Mutter auf feine Entwicklung hatte,
wäre die Anführung ihres Vornamens wohl gerechtfertigt
Ergreifend find die Berichte über fein Sterben.

Die letzten Paffionsandachten, die der Verftorbene
in München 1915 gehalten hat, können gut als charakte-
riftifche Zeichen feiner Predigtweife betrachtet werden.
Er verfchmäht es, auf moderne Geiftesrichtungen einzugehen
, fcheut dagegen vor dogmatifchen Ausführungen
nicht zurück; er macht es durch feine Formulierungen
und feine nicht gerade fließende Sprechweife dem Hörer
nicht leicht zu folgen, und doch fpürte diefer gewiß etwas
von den religiöfen Impulfen. Man merkt es, der Prediger
ringt oft nach Worten, um die ihn bewegenden religiöfen
Ideen zum Ausdruck zu bringen. Darin liegt das auch
den dogmatifch anders Denkenden anziehende Moment.
Alfeld. Schornbaum.

Bei ig, Konfift.-R.: Die Rechtsftellung des Jefuitenordens in
den deutlchen Bundesltaaten nach Aufhebung des Jefu-
itengefetzes. (28 S.) 8°. Berlin, Verlag d. ev. Bundes
1917. M. — 50

Nach Aufhebung des Reichs-Jefuiten-Gefetzes entfteht
die Frage, wie es mit der Zulaffung oder Nichtzulaffung
des Ordens der Gefellfchaft Jefu und der ihm verwandten
Orden und Kongregationen in den einzelnen Bundesltaaten
fich verhält. Denn durch die Aufhebung des Reichsge-
fetzes ift lediglich das Reichsverbot für den Orden gefallen
, von Reichswegen fteht dem Orden keine Schranke
mehr gegenüber, dagegen ift für die einzelnen Bundes-
ftaaten wieder völlige kirchenftaatsrechtliche Freiheit ge-
fchaffen. Die alten Gefetze der Bundesltaaten treten wieder
in Wirkung, und neue Gefetze können erlafien werden.
Es war daher eine dankenswerte Aufgabe, die fich der
Verf. geftellt hat, in kurzer, überfichtlicher Form die
Rechtslage zu fixieren, wie fie fich nunmehr in den einzelnen
Staaten Deutfchlands nach ihrem eigenen Rechte
ergibt. Die Aufgabe ift vom Verf. vortrefflich gelöft, be-
fonders eingehend ift Preußen behandelt.
Erlangen. Sehling.

Braun, Pfr. Lic. Wilhelm: Der Krieg im Lichte der ideali-
ftifchen Philofophie vor hundert Jahren und ihrer Wirkung
auf die Gegenwart. (Beiträge zur Förderg.
chriftl. Theol. 21. Bd., 3. Heft.) (150 S.) 8°. Gütersloh
, C. Bertelsmann 1917. M. 3 —

Moog, Dr. Willy: Kants Anflehten über Krieg und Frieden.
(VII, 122 S.) 8°. Falkenverlag, Darmftadt 1917. M. 3 —

— Fichte über den Krieg. (48 S.) 8°. Ebd. 1917. M. 1.20
Etwas Neues ift aus keiner diefer drei Schriften zu

lernen. Die beiden Arbeiten von Moog find brauchbare