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Ausgabe:

1919 Nr. 1

Spalte:

124-125

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Spitta, Friedrich

Titel/Untertitel:

Die Auferstehung Jesu 1919

Rezensent:

Bultmann, Rudolf

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 11/12.

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fcharffinnige, höchft förderliche Gedankengänge entwickelt
hat, auf die nicht jeder kommt. Ift auch an
feiner verdienftvollen Arbeit felbftverftändlich gar vieles
im Einzelnen zu berichtigen, im ganzen fteht er damit
auf feftem Boden.

Anders müflen wir jedoch über eine von ihm vertretene bedeut-
fame Schlußfolgerung aus feinen Einzelergebniffen urteilen. Der Rezen-
fent hat f. Z., auch vor langen Jahren, die Vermutung ausgebrochen
(f. Z. f. AfTyr. XIV, 17g ff.), daß, wie das Mitannilche, das ,Praearme-
niiche' (,Chaldifche') und das Elamitifche, fo, mit ihnen zufammen eine
Gruppe bildend, das Keilfchrifthittitifche in einem entfernten Verwand
! chaftsVerhältnis auch zu den indogermanifchen Sprachen ftehe.
Der Norweger Knudtzon hat dann — vorübergehend — geradezu
deffen Indogermanismus behauptet, und Hrozny hat nunmehr Knudt-
zons Thefe mit etwas geräufchvoller Emphafe aufgenommen und geht
in feiner Überzeugung von dem Indogermanismus unferer Infchriften fo
weit, daß er fie fchon, ftatt nur aus fich felbft heraus, mit freundwilliger
Hilfe bald diefer bald jener indogermanifchen Sprache zu deuten für
erlaubt hält. Über die dabei befolgte Methode zu fprechen, die auch
jeder linguiftifchen wiffenfchaftlichen Methode fpottet, muß ich mir
hier verfagen. Je ftärker nun aber grade Hrozny meine Thefe — von
der er allerdings, wie überhaupt von mir, völlig fchweigt — durch von
ihm nachgewiefene höchft auffällige Berührungen des Keilfchrifthitti-
tifchen mit den indogermanifchen Sprachen zu begründen imstande
war, um fo deutlicher erheilt aus dem andererfeits zutage tretenden Mangel
an Berührungspunkten zwifchen dem Keilfchrifthitütifchen und den
fämtlichen indogermanifchen Sprachen in zahllofen grammatifchen
Punkten und im Wortfehatz, daß es ihnen als einer Einheit gegenüber
eine Sonderftellung einnimmt: im Wortfehatz gar nur ganz vereinzelte
fraglos als folche beachtenswerte Anklänge. Und diefer Mangel an Vergleichsmomenten
ift von einer Art, die fich, zumal bei dem Alter des
Keilfchrifthittitifchen, fchlechterdings nicht durch Zerfall eines urfprüng-
lich unteren indogermanifchen Sprachen wenigftens in der Hauptfache
gemeinfamen Beftandes erklären läßt, fondern den Schluß verlangt, daß
das Keilfchrifthittitifche dielen Beftand niemals gehabt hat. Alfo: indo-
germanifierend, ,indogermanoid' — ja,|indogermani(ch — nein.

Ganz anders zu bewerten find gewiffe höchft merkwürdige Anklänge.
Es läßt fich zeigen, daß in zwei bereits für eine Veröffentlichung gedruckten
, aber bisher noch nicht veröffentlichten Texten die Wörter
aik a-uartanna, tera(u)-uatu)rtanna, pans (zja-uartanna, äatta-
uartanna und na(ä,a-a)-uartanna die indogermanifchen und dabei
fpeziell die altindifchen Zahlen 1, 3, 5, 7 und 9 enthalten und wohl
,1 ufw.-mal' heißen. Von einem fpeziell indifchen Charakter des
Keilfchrifthittitifchen kann aber erft recht keine Rede fein. Alfo find
diefe Zahlen fo gut Lehngut wie zahlreiche affyrifche Wörter, wie vielleicht
aramaeifche Wörter und Syntagismen, wie möglicherweife auch
ein armenifches Wort in den keilfchrifthittitifchen Texten, und ftellen
uns diefe indifchen Wörter vor daffelbe kulturgefchichtliche Problem,
wie die f. Z. fo überrafchende Entdeckung indifcher Götternamen in
affyrifchen Texten aus Boghazköi.

Zum Schluß noch ein Wort über den Titel. Hrozny fpricht darin
von der Sprache der Hittiter und nimmt auch dabei, wieder ohne von
meinen Arbeitsergebniffen Kenntnis zu nehmen und ohne eine not-
wendigfte Bekanntfchaft mit den Tatfachen, alfo ohne weitere Gründe,
frifchweg an, daß die Sprache der fogen. hittitifchen Hieroglyphen-
infehriften mit dem Keilfchrifthittitifchen identifch ift. Aber das ift fie
nun ohne jede Frage nicht. Dies läßt fich mit den beiderfeitigen Kafus-
endungen, den beiderfeitigen Wörtern für ,ich', ,dieler', ,König' u. a
zeigen, und zwar auch bei völliger Nichtbeachtung der von mir für das
Keilfchrifthittitifche vorgefchlagenen Lefungen und bei alleiniger Verwertung
des objektiven Schriftbildes: Das Hieroglyphenhittitifche bleibt
eine indogermanifche Sprache, und zwar fpeziell altarmcnifch, während
das Keilfchrifthittitifche eben nur entfernt verwandt mit den indogermanifchen
Sprachen ift.

Soweit von den linguiftifchen Problemen. Deren
etwas ausführlichere Befprechung in diefer Zeitfchrift
rechtfertigt fich durch die religionsgefchichtliche Bedeutung
wie der Hieroglyphen- fo der Keilfchrift-, Hittiter'.
Marburg. P. Jenfen.

Weinheimer, Pff. Dr. Hermann: Hebräifches Wörterbuch
in Fachlicher Ordnung. (Hilfsbücher f. den hebr. Unterricht
, Bd. III.) (VIII, 96 S.) gr. 8°. Tübingen, J. C.B.
Mohr 1918. M. 2.50; fteif M. 3.40

Der Verfuch, den hebräifchen Wortfehatz zur Erleichterung
des Lernens in neuer Reihenfolge darzubieten, ift
fchon oft gemacht worden, und nun wird ein neuer vorgelegt
. Der Verf. hat nämlich gemeint, den Vorarbeiten,
die nach grammatikalifchen Gefichtspunkten geordnet
feien, wie das Hebräifche Vokabularium von Strack (9. Aull.
1907), ein folches Wörterverzeichnis entgegenftellen zu
follen, das die Wörter nach ihrer fachlichen Zufammen-

gehörigkeit vorführt. Aber nicht bloß muß er felbft
hinzufügen, daß Strack im zweiten Teile feines Buches
ebenfalls das fachliche Anordnungsprinzip befolgt hat,
fondern er hat auch folche Bücher, wie G. Stiers bei
Teubner erfchienenes .Hebräifches Vokabularium, in fachlicher
Ordnung zufammengeftellt', überfehen. Sein Buch
hat aber infofern etwas befonderes, als er die Wörter in
genaueftem Parallelismus , mit den §§ von Benzingers
Grundriß der hebräifchen Archäologie geordnet hat.

Er fängt deshalb fogar gleich mit § 5 an und gibt meift nur die
hebräifchen Formen der Wörter, die dort in Transkription angeführt find.
Da muß ich aber doch fagen, daß diefe Bezeichnungen von Pflanzen,
Tieren ufw. leichter aus Benzingers Buch felbft gelernt werden, weil da
ihre Zufammengehörigkeit zu Gruppen dargelegt und mit den Bezeichnungen
auch gleich eine anfehauliche Cbarakteriftik der betreffenden
Objekte gegeben ift. Neben Benzingers Buch fich noch diefes .Wörterbuch
' anzulchaffen, kann niemanden geraten werden. Endlich kann,
auch die Auslührung jenes Planes, ein WB. als Parallele zu Benzingers
Archäologie zu geben, nicht durchaus gut geheißen werden. Nicht zu
billigen ift ja fchon, daß W. als Grundlage feiner Arbeit die ,12.' Auflage
von Gef.-Buhl und nicht die 16. von 1915 benützt hat. Außerdem
hätte er fich nicht allein an diefes Buch anfchließen follen. Denn nun
führt er z. B. für ,Linfe' rTBjW auf (S. 7), und es ift ihm entgangen,
daß ich bei diefem Worte und noch öfter in meinem WB. habe darlegen
müffen, daß Gef.-Buhl mit Unrecht Wörter, die erft im Neuhe-
bräifchen fich ausgebildet haben, in das Althebräifche hineingetragen
hat. Noch fchlimmer ift es, daß W nach Gef.-Buhl für ,Gurke'
nxVi'p aufführt (S. 7), denn dafür exiftiert fogar im Neuhebräifchen
die Form n'vip, wie er wiederum aus meinem WB. hätte erlehen
können. Außerdem fei nur noch dies hervorgehoben, daß bei mSavi
,Biene' und rijii /Taube' (S. 11. 13) die Angabe der Pl.-EndungT Im
vergeffen ift. Auch heißt pittj nicht ,Wade' (S. 15), fondern Schenkel'
und Keule, und "fix (S. 16) ift falfch auf Paenultima betont, was auch
auf den vier Seiten Berichtigungen nicht verbeffert wird. Einen wirklichen
Gewinn auch nur für die praktifche Seite am Studium des Hebräifchen
kann ich daher beim bellen Willen nicht in dem neuen Buche
erkennen, ;
Bonn. Ed. König.

Spitta, Friedrich: Die AuferFtehung Jefu. (113 S.) gr. 8°.
Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht 1918. M. 3.95.
Sp. will ,die Anficht von der Auferftehung Jefu als
objektiver Tatfache' wiffenfehaftlich begründen. Auch wer
gegen folches Unternehmen prinzipielle Bedenken hat,
wird doch bereit fein, aus Sp.'s Unterfuchung der Quellenberichte
zu lernen, was freilich mir — von Einzelheiten
abgefehen — durch die Ipittafche Kombination fcharf-
finnigerEinzelbeobachtungmitphantafievollerKonftruktion
ungemein erfchwert wird. — Die Jüngerflucht wie die Verlegung
der erften Erfcheinungen des Auferftandenen nach
Galiläa wird ebenfo lebhaft beftritten wie die Vifions-
hypothefe. Doppelt bezeugte alte Überlieferung (nämlich
durch Lk undjh, nach kritifcher Korrektur von Lk 24,2;
Jh 20,1) fei es, daß Jefu Grab un verfehl offen geblieben
fei (als ob dies mit dem Nachweis, daß der Stein vor
dem Grabe legendarifch ift, fchon erwielen fei). Im offenen
Grabe feijefus in der Nacht zum Sonntag wunderbar
erweckt worden; ob er das Grab mit eigener Hilfe ver-
laffen konnte, oder ob ihm jemand dabei behilflich war,
müffe dahingeftellt bleiben. Zuerft zeigte fich Jefus feinem
Bruder Jakobus und ließ dem vom Fallen Erfchöpften
ein Mahl richten, — nein, vorher noch dem Knecht eines
Priefters, von dem er jenen Anzug borgte, in dem ihm
dann die Magdalenerin für den Gärtner hielt und die
Emmausjünger nicht erkannten. Über Jefu ferneren Aufenthalt
bis zur Himmelfahrt find wir nur fpärlich unterrichtet;
jedenfalls war feine Körperkraft durch die Kreuzigung
nicht gebrochen, auch feine Füße nicht verwundet (bei
Jh find fie nicht genannt, Lk 24, 39 wird kritifch befeitigt),
sodaß er noch Wanderungen — z. B. nach Galiläa und
zurück Judäa —machen konnte. Meift hielt er fich im Verborgenen
, um feinen Feinden nicht wieder in die Hände
zu fallen. Daß Sp. diefe Ergebniffe mit 1. Kr. 15,5—8 in
Einklang zu fetzen yerfteht, wird nicht mehr überrafchen.
Es mag im allgemeinen ungerecht fein, nur über die Ergebniffe
einer Unterfuchung zu berichten und nicht aut