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Ausgabe:

1919

Spalte:

54

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Apelt, Otto (Übers.)

Titel/Untertitel:

Platons Briefe 1919

Rezensent:

Goedeckemeyer, Albert

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53 Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 5/6. 54

bisweilen gerät er geradezu ins Abfonderliche. Von Arnos meint jer,
er habe feine Popularität durch die Vifion vom Bleilot und der Mauer
bekommen, an die die Zeitgenoffen dachten, als zwei Jahre darauf das
Erdbeben eintraf. Bei Jefaja lefen wir treffliche Sätze über den Stil des
Propheten, über die politifchen, wirtfehaftlichen und kulturellen Ver-
hältnifle, teilweife in fehr intereffanter Verknüpfung; aber die zentralen
Worte vom Glauben, von der Jüngergemeinde, von der Verftockung
werden nicht erwähnt. Vielleicht hatte Vf. wegen des weiteren Lefcr-
kreifes die Abficht, das Religiöfe hinter dem Allgemeinmenfchlichen
zurückzullellen; letzteres zu fchildern, ift ihm hier vorzüglich gelungen.
Bei Sefanja wird fehr viel aus der doch unficheren Annahme erlchloffen,
daß der Prophet ein davidifcher Prinz gewefen fei. Jeremia läßt der
Vf. einen verhältnismäßig frühen Tod finden, nachdem der Prophet doch
mehr als 40 Jahre im Amt gewefen war; C. nennt ihn mit Recht den
größten Menfchen Ifraels, entwickelt aber den ganzen religiöfen Fort-
fchritt des Propheten in merkwürdiger Weife aus feinem .Bruch mit
dem Priefterftand'; die entfcheidungsvolle Stunde, die ihm Standeswürde
und äußere Exiftenz untergraben habe, habe ihm zu allem verholten
, was ihn bleibend auszeichne; aus der kultifchen Vermittlung
mit Gott, die ihm entzogen wurde, fei er in ein unmittelbares Leben
mit Gott eingetreten; bei der Hcrftcllung des Buches (Kp. 36) habe
Jeremia mit den Zweck der eigenen Rehabilitation verfolgt! So klein
wird der .größte Menfch Ifraels' in der nüchternen Reflexion. Ezechiel
ift viel zu hoch gefteilt; dagegen wird der Apokalyptiker Daniel in
feiner Individualität und örtlichen Wirkung unterfchätzt. Srltfam ift die
Auslegung der Gerichte Sacharjas. Am wertvollften erfcheinen mir die
Ausführungen über Jef. 40—66; Vf. hält die Kapitel für eine Sammlung
von Gemeindetexten, für ein Seitcnftück zum Pfalter; aus diefer
literarifchen Art erkläre fich auch die .Unbekanntfchaft' des Verlaffers.
In diefem Abfchnitt, wie auch fonft mit vielen Einzelbemerkungen wird
der Vf. die altteftamcntliche Forfchung anregen und fördern.
Tübingen. Volz.

rigkeiten aus dem Weg zu räumen. Nachdem die vorliegende Schrift
das Zeugnis des Neuen Teftamentes für die jungfräuliche. Geburt
Jefu aufgeboten und es durch zahlreiche Hinweife auf Äußerungen
der alten Kirche verltärkt hat, foll ein weiteres Heft fleh
mit den Antworten befchäftigen, welche die religionsgefchichtliche
Forfchung auf die Frage erteilt hat, wie jener Glaube habe ent-
ftehen können, wenn er nicht in den Tatfachen wurzelte.
Göttingen. Walter Bauer.

Piatons Briefe, überf. u. erläutert v. Otto Apelt. (Der
Philofoph. Bibl. Bd. 173.) (III, 154 S.) 8». Leipzig,
F. Meiner 1918. M. 4.40; geb. M. 5.60

Von dem unermüdlichen Plato-Forfcher und gründlichen
Kenner Platonifcher Philofophie liegt nunmehr auch
die langerfehnte Überfetzung der Briefe Piatos vor.
Ebenfo wie die Überfetzungen der andern Werke mit
Einleitung, Literaturverzeichnis, Afimerkungen und Index
verfehen, kann fie als ein Ausfchnitt aus der Biographie
Piatos, die auch über die Motive feines Philofophierens
und deffen Abficht Auskunft gibt, gerade denen fehr
empfohlen werden, die zum Studium andrer Werke des
Philofophen keine Mulle finden. Dabei ift es verhältnismäßig
gleichgültig, ob man fich wie Apelt unbedingt
(mit Ausnahme des 12.) für ihre Echtheit ausfpricht, oder
hie und da doch noch Bedenken hat. Denn das ift ihrem
gefchickten Verteidiger (vgl. z. B. 118,8; 13242) ficher zuzugeben
, daß Piatos Geift in ihnen weht.

Nur ein ihn ftörendes Verfehen ift mir aufgefallen. 312 E (S. 26)
muß es Halt: weil — gewährt wohl heißen: indem fie hinfehaut nach
dem ihr Verwandten, von dem fie nichts fo hat, wie fie es möchte.

Königsberg. Goedecke meyer.

Bauer, Prof. Dr. Adolf: Vom Judentum zum Chriftentum.

(Wiffenfchaft u. Bildung 142 Bd.) (156S.) 8°. Leipzig,

Quelle & Meyer 1917. M. 1 —; geb. M. 1.25 . . ..

Ein fehr reichhaltiges und anregendes Büchlein, aber | Feltgabe, Alois Knopfler zur Vollendung des 70. Lebens-

mit irreführendem Titel. Sein Gegenftand ift nicht die Reli- i Jahres Se^dmet von _ feinen Freunden u. Schülern,

gion, fondern die Gefchichtfchreibung; es handelt nicht | Hrsg. v. ProR DD. Heinrich M. Gietl u. Georg Pf ei 1-

über die Wege, die vom Judentum zum Chriftentum führen, jj , * (vm, 4'5 S.) Lex. 8°. Freiburg i. B.,

fondern über die vom VerfafTer mit vollem Recht bekämpfte j Herder 1917. M. 20 —

Herrfchaft altteftamentlicher Vorftellungen (Mythus der ! „. fine reiche und fchone Feftgabe für den Münchener

/-.._-/-._ nr_u-----wr^t-^^n^^w,^ in Ae-r ohrin-lirhpn ! Kirchenhiftoriker, die ihm bei Erreichung der biblifchen

Genefis, Weltwoche, Weltmonarchien) in der chriftlichen
Bearbeitung der Weltgefchichte. Der Verfaffer fchreibt
nicht sine ira et studio; das Intereffe der Aufklärung
beherrfcht ihn — für deutfeh-evangelifche Verhältniffe
faft zu viel. In der klaffifch-antiken Welt weiß er gründlicher
Befcheid als im Alten Teftament. Der IsQog Xbyog
der Genefisquellen ift fo wenig Gefchichtfchreibung wie die
Anfchauung von den Weltreichen bei Daniel, fo verhängnisvoll
beides für die ältere chriftliche Gefchichtfchreibung
geworden ift. Gute ifraelitifche Gefchichtfchreibung ift
vor allem das ältefte Quellenbuch der Samuelisbücher,
das freilich nur in Übertünchung erhalten blieb. Befand
ers muß darauf hingewiefen werden, daß Bauer die
griechifche Gefchichtfchreibung in ihrer ganzen Ent-
wickelung kurz und doch eingehend — es find vier umfangreiche
Kapitel — darftellt. Hier könnte mancher
lernen, der nur fchwer dazu kommen wird, das unter
diefem Titel in diefer Sammlung erfchienene Büchlein
zur Hand zu nehmen.
Gießen. Oskar Holtzmann.

Steinmann, Alphons: Die jungfräuliche Geburt des Herrn. (Biblifche
Zeitfragen, 8. Folge, Heft 7/8.) (72 S.) 8". Münder in W.,
Afchendorff 1916. M. 1 —

A. Steinmann fucht die ,biblifche Zeitfrage' nach der jungfräulichen
Geburt Jehl zu löfen. Er weiß felbft, daß fich an diefer
Frage die Geifter fcheiden und wird kaum glauben, irgend jemanden
, der anderer Meinung war, überzeugt zu haben. Er muß
daher eine Stellungnahme verliehen, die von vornherein auf eine
Auseinanderfetzung verzichtet und lediglich eine kurze Kennzeichnung
feiner Schrift verfucht. St. (teht auf dem Standpunkt des
rechtgläubigen Katholiken. Damit ift das Wefentliche getagt. Er
fucht in erheblicher Ausführlichkeit die Gründe zu widerlegen,
die viele Forfcher gegen die Erzählung von der Jungfraugeburt
fkeptifeh machen. Neues bringt er nicht vor. Aber das ift auf
diefer abgegraften Flur auch kaum mehr möglich. Was er tagt,
ift fo gut begründet wie es nur rein kann, freilich nicht ausreichend
, um die, in ihrem Gewicht meift weit unterschätzten, Schwie-

Altersgrenze, 29. Auguft 1917, wieder (denn zum 60. Geburtstage
ift fchon eine kaum minder wertvolle vorausgegangen
) von Freunden und Schülern übergeben worden.
Vergleiche ich fie etwa mit der, die A. Hauck bei
gleichem Anlaffe gewidmet wurde, fo zählte letztere
31 Beiträge, die für Knöpfler 26 (1907 waren es 17, meift
von anderen Verfaffern). Das ift kein unebenes Verhältnis
, wenn man denn den konfeffionsftatiftifchen Maß-
ftab anlegen will oder darf. In der Sache wird man
auch nicht fagen können, daß die Themata in der Hauck'-
fchen bedeutsamer, oder daß die Behandlung dort technisch
beffer, ficherer oder großzügiger gewefen. Beide
Feftfchriften find wirkliche und bedeutfame Ehrungen
für die hervorragenden Gelehrten, denen fie gelten. Auch die
Mannigfaltigkeit der Themata ift in beiden gleich groß.
Nur das wird man hervorzuheben haben, daß in der
Knöpfler'fchen die der mittelalterlichen Gefchichte geltenden
Studien abfahrt etwas ftärker (11:9), relativ erheblich
ftärker (11:26; 9:31) hervortreten. Aufs ganze geblickt,
ift auch diefes Sammelwerk ein Beweis, daß die katho-
lifche Theologie zurzeit in Deutfchland einen Hochftand
erreicht hat, deffen wir uns mitfreuen dürfen.

Ich nenne zunächft die dem Mittelalter geltenden
Studien. (Die Herausgeber haben die ganze Sammlung
alphabetifch nach den Namen der Verfaffer geordnet).
Es find folgende: I. Aufhaufer, München: Bayerifche
Miffionsarbeit im Often während des 9. Jahrhunderts (die
zeitweiligen Erfolge Salzburgs in Kärnten und im Mährenreiche
, Paffaus unter den Bulgaren, Regensburgs unter
den Tfchechen). 3. Dorn, Friedberg b. Augsburg,
Stationsgottesdienfte in frühmittelalterlichen Bifchofs-
ftädten (Augsburg, Trier, Köln, Metz, dazu in einer Reihe
franzöfifcher Städte; es ift alfo ein Irrtum, daß folche
Gottesdienfte, wie noch Stutz glaubt, eine bloß römifche