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Ausgabe:

1919

Spalte:

52-53

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Caspari, Wilh.

Titel/Untertitel:

Die israelitischen Propheten 1919

Rezensent:

Volz, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 5/6.

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ausgeblieben, fo daß man bei zweifelhaften Stellen nicht
immer ficher ift, warum E. fo überfetzt hat. Bei der
Fortfetzung des Unternehmens würde es fich empfehlen,
Umfchrift und Überfetzung neben, nicht hintereinander
zu drucken.

S. 4, 31. mul.it ift doch wohl mulldt = die erhöht. — 9, 9 fteht
lubur wohl für lulbur wie auch fonft in Infchriften Nebukadnezars; vgl.
HW. 9 a. — 25, 3 ergänze [ti]-kip satakki. — 27, 5. ,Er werde des
Lebens fatt' bedeutet natürlich ,er fättige fich mit Leben'. — 31, 1 ff.
ift wörtlich zu überfelzen: Wenn einen Mann fein Kopf ihn packt, . . .
feine [Nafjenlöcher ihn treffen, er ihre (der Nafe) Abfonderung auswirft
(?) ufw. — Ib. 10 u. ö. GAB (tuhud [?]) diäpi ift nicht Honiggebäck,
fondern, wie die Infchrift des Samaä-rcs-usur V,i lehrt, ein Produkt der
Biene. Weißbach dachte an .Wachs', ich felbft an .Honigfeim'. — 37,
28. Stimmt die Überfetzung gummuräta = du verfammelft? — 48, 15,
17. Die Überfetzung ,Kinn' und .Zunge' muß mangels eines Kommentars
noch als unficher gelten. — 49, 18. äame pi ift wohl der Körperteil
, den wir auch den .Himmel' nennen. — 50, 15 möchte ich kum-
me ftatt te-me lefen. — 51, 19. tabinu bedeutet wahrfcheinlich nicht
,Flur'; vgl. Pinkert, Nebo 24; Voc. Brüffel III, 25; PSBA. 1909,
62,5; CT. XXV, 47, 17, und näbat ift nicht „erfchaffend'. (?). — 53,
28 ift nach Br. 3613 [ri]-sa-an e-la-ti = erhobenen Hauptes zu
ergänzen. — 63, 24. III, i von *Vin ift fonft nicht nachgewiefen; alfo
ift das su vielleicht zu tüsari zu ziehen. — ib. 33 ift nach der
Edition vielmehr pa-ak Gloffe. — 67, 14. sahätu ift nicht .Vertrauen
haben', fondern .demütig fein; fich fürchten'. — 73, 4 wird kur-ud(!)-
su erwartet. — ib. 5. aru ift nicht ,Sproß', fondem .Zweig, Aft'. — ib.
9 ift ein Zitat aus der 1. Zeile der Serie Lugale ud melambi nirgal
und danach zu überfetzen. — ib. 11. pältu ift => paätu — Beil; vgl. RA.
VIII, 47, 29 u. ö. — 76, 12. Auf KAR I. Nr. 97 entfprechen der fu-
merifchen Zeile 12 die beiden mit muktablu und kima anfangenden
Zeilen; die femitifche Überfetzung von Z. 13 ift za-ai-ru epis limn[eti]
ufw. — 79 Rs. 5 ift nach der Ausgabe up-tal-la(!)-ku zu lelen; danach
ift das Vcrbum auch in der Überfetzung als Präfens zu faffen. —
81,5. äanu(n)kalu ift ein Synonymum von äarratu, malkatu; vgl. BA.
III, 360. — ib. 7 möchte ich lefen mu-sa-kitu mu-sa-pil-tu ■= die erhöht
und erniedrigt.

Breslau. Bruno Meißner.

Karge, Prof. Dr. Paul: Rephaim. Die vorgefchichtl. Kultur
Paläftinas u. Phöniziens. Archäologilche u. reli-
gionsgelchichtl. Studien. (Collectanea Hierosolymi-
tana. I. Bd.) (XV, 755 S. m. 67 Abbildgn. u. 1 Karte.) j
gr. 8°. Paderborn, F. Schöningh 1918. M. 36 —

Mit einem monumentalen Werke eröffnet die Görres-
gefellfchaft die Veröffentlichungen ihrer Station Jerufalem.
Eine Frucht mehrjähriger Forfchungen in Paläftina ift
darin fo eingearbeitet in eine erfchöpfende Überficht über
alle bisherige Forfchung auf dem gleichen Gebiete, daß
ein ebenfo umfaffendes wie lebensvolles Bild entflieht von
den bisher bekannten Denkmälern der vorgefchichtlichen
Zeit Paläftinas, aber auch von der Kultur, deren Zeugen
fie find. Zugleich erhält der auf diefem Gebiete nicht
fachmännifch gebildete Lefer eine Einführung in diefen
Zweig der Wiffenfchaft, die vielen willkommen fein wird.
Die neuefte Arbeit ähnlicher Art von Arthur Kohn über
,Die prähiftorifchen Perioden in Paläftina' (1914) dehnt
die prähiftorifche Zeit noch etwas weiter aus, gleicht
aber doch nur einer kurzen Inhaltsangabe gegenüber
diefer mit gleichmäßiger Liebe das Einzelne und die
großen Zufammenhänge umfaffenden Leiftung. Die
ifraelitifche Gefchichte erhält hier zum erften Mal einen
auf Grund wirklicher Sachkenntnis gezeichneten Hintergrund
, über deffen Zufammenhang mit der Folgezeit
ernftlich verhandelt werden muß.

Dazu gibt Karge auch felbft Beiträge. Die Riefen der ifraelitifchen
Volksfage find ihm veranlaßt durch die riefenhafte Größe vieler megali-
thifcher Gräber. Diefe wie die ihnen verwandten Fliehburgen und Wohnburgen
flammen von haibanfäffigen Hirtenftänimen des 3. Jahrtaufends
v. Chr., die öftiich des Jordans wohnten, während im Welten ein Bauernvolk
den Lehmziegelbau einführte und eine ganz andersartige Kultur
vertrat. Trotzdem erhebt Karge zum Schluß ernfle und gegründete Bedenken
gegen Kittels Annahme, daß von Norden kommende Indogermanen
die Eibauer der megalithifchen Gräber gewefen feien, aber auch gegen
die weit verbreitete Anfchauung, daß indogermanifcher Einfluß über
Nordafrika nach Paläftina gelangt fei, und betont feinerfeits ihren
femiti chen Charakter und die Bodenftändigkeit der Entwicklung des
Megaiithgrabes aus Vorbedingungen, welche in Nordafrika zu dem
gleichen Ziele führten. — Meine eigenen Forfchungen auf dem gleichen

Gebiet find im Paläftinajahrbuch nur angedeutet worden und konnten
deshalb von K. nicht benutzt werden. Sie ergeben, daß das Dolmengebiet
im Oftjordanland über die von K. angenommene Nordgrenze
bis zum rukkad öftiich von surramän ausgedehnt werden muß, daß auch
das nach K. dolmenfreie Innere des 'aglun am oberen wädi jäbis Dolmen
hat, und daß fie am Rande des Jordantals bis in die Höhe des wädi
fukäris reichen. Schalenvertiefungen auf den Deckfteinen der Dolmen
follen der Tränkung der Toten gedient haben; aber ich kann nur aufs Neue
betonen, daß ich bei den zahlreichen von mir gefehenen Dolmen keine
einzige fand, die künftlicb hergeftellt zu fein fchien. Für ausgefchloffen
halte ich, daß der hagar el-mansüb am wädi ez-zerka als phallifches
Symbol eines Baal gemeint war (S. 447. 469). Die Form gibt dazu
keinen hinreichenden Anlaß, und die von K. verlangte Unterfuchung
feiner Beziehung zu den nahen Kromlech- und Menhirgruppen habe ich
fchon 1904 ausgeführt und keine gefunden. Möglich wäre, daß der
Stein urfprünglich in der Mitte eines Steinkreifes ftand. überhaupt
finde ich noch keinen (tichhaltigen Beweis für ein vom Ahnenkult unabhängiges
.Heiligtum' jener Kultur. Das Heiligtum, das Schumacher
bei Edün gefunden zu haben glaubte, erwies fich als der Reft eines
megalithifchen Turmes (PJb 1913, S. 64), die Altäre des Grafen v.
Mulinen in der Nähe des Karmel waren Ölpreffen (PJb 1909, S. 16), und
auch feinen orthoftatifchen Straßen ftehe ich fkoptifch gegenüber.
Vielleicht wird die von K. im allgemeinen geübte Vorficht gegenüber
ähnlichen Aufftellungen Conders noch weiter ausgedehnt werden müffen.
Im fkandinavifchen Dolmen-Gebiet fcheint mir die Exiftenz der megalithifchen
.Heiligtümer' ebenfalls noch nicht ausreichend geklärt. Gar-
nicht betont wird von K. zu meinem Bedauern, daß der Forfchung hier in
Paläftina noch ein weites Feld bleibt. Grabungen müffen die Keramik
der Dolmen, ihre Beziehung zur anhebenden Bronzezeit und die anthro-
pologilche Eigenart des beftatteten Menfchen doch erft endgiltig feft-
ftellen. Dann wird das Bild der Kultur, welche fie fchuf, erft voll-
ftändig fein.

Greifs wald. Dal man.

Feldmann, Prof. Dr. Franz: Israe's Religion, Sitte und Kultur in der
vormoraifchen Zeit. (Biblifche Zeitfragen. 8. Folge. Heft IL
(48 S.) 8". Münder in V/., Afchendorff 1917. M. — 60

Der Verfaffer behandelt 1. die Patriarchenreligion als eine
Vorltufe der mofaifchen Religion und als eine objektive Erfchei-
nung überweltlicher Provenienz, 2. die Gottesidee, 3. die Gebote
und Einrichtungen, 4. die Verheißungen der Patriarchenreligion.
Da wederQuellen noch Schichten in derGenefis unterfchieden werden
, fondern alles auf einer Fläche liegt, fo fehlt die Perfpektive und
damit die hiftorifche Auffaffung. Überdies vermißt man in den
Schlüffen die Kraft der Evidenz. Es wird zugegeben, daß die Stätte
in Sichern eine kanaanitifche Kultftätte war, alsAbraham dort einen
Altar baute (Gen. 12,7); daraus wird dann (S. 12) gefolgert: ,Die
göttliche Providenz lenkte es fo, daß die alte Kultflätte, an der
das Volk hing, durch wirkliche Gotteserfcheinungen geweiht und
in ein wahres Heiligtum umgewandelt wurde'.
Berlin-Schlachtenfee. Hugo Greßmann.

Calpari, Wilh.: Die ifraelitifchen Propheten. (Wiffenfchaft
u.Bildung. 122. Bd.) (156 s.) 8°. Leipzig, Quelle &
Meyer 1914. M. 1.25; geb. M. 1.50

In 5 Abfchnitten(volkstümlicherProphetismus; Formen
des proph. Vortrags; die Perfönlichkeiten; die Schriften;
der Geift) entwickelt der Vf. feinen großen Gegenftand.
Man ift bei Cafpari gewohnt, Eigenartiges und tief Durchdachtes
zu hören, und fo finden fich auch in diefem
Büchlein viele feinfinnige, beachtenswerte Beobachtungen,
manche fchlagwortartige Formulierungen. Der Vf. hat
den exegetifchen Stoff bis in alle Winkel durchgearbeitet,
und man wird ihm zugeben, daß auch gewagten Aufftellungen
ein gründliches Prüfen vorausgeht. Trotz
folcher Anerkennung in vielen Einzelheiten muß das
Büchlein im Ganzen als nicht gelungen bezeichnet werden.
Wer einem größeren Leferkreis dienen will, wie diefes
Büchlein doch beabfichtigt, muß über einen klaren und
hervorragenden Stil verfügen, oder wenn nicht, muß das
Neue an Bekanntes angeknüpft, jedenfalls das Hauptfächliche
herausgehoben werden. Beides ift hier nicht
der Fall. Der Fachmann wird von C. manchen Gewinn
haben, aber auch er mit Mühe; der Laie wird das Büchlein
kopffchüttelnd weglegen.

Statt bedeutender Proben prophetirdier Ausfprüche bekommt der
Lefer tieffte Reflexionen, die nicht einmal der immer verfteht, der den
Text genau kennt; vor kleinen Feinfinnigkeiten und Grübeleien entgehen
dem Vf. manchmal die großen Züge; die natürliche Erklärung ift ihm
feiten gut genug, fondern wird durch gefuchte Funde erfetzt, als hätte
der Vf. die Abficht, das Einfache in der verwickeltften Form zu fagen;