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Ausgabe:

1919

Spalte:

4

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Humbert, Paul

Titel/Untertitel:

Amos 1919

Rezensent:

Nowack, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 1/2.

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ä Suse, Paris 1914 Fig. 21 veröffentlichten Plan des per-
fifchen Königsfchloffes von Sufa wiedergegeben und unter
freundlichem Beirat der Herren Profefforen Watzinger in
Gießen und Weißbach in Leipzig mit den Angaben des j
Eftherbuches verglichen. Mein Ergebnis war, daß beides, '
Ausgrabungen und literarifche Überlieferung, fo überein- :
ftimme, fodaß zu fchließen fei, der Erzähler des Buches I
habe in Sufa Befcheid gewußt und fei dort zu Haufe ge- ;
wefen (S. 59). In einem in .Deutfch-Evangelifch' 1918
S. 145 ff. erfchienenen Auffatz habe ich dann, einer Anregung !
von Herrn Profeffor Thierfch in Göttingen folgend, den '
im Eftherbrief Kap. 1 genannten ,bitän' dem ,Apadäna,
von Sufa gleichgefetzt und danach die Abfaffung des |
Buches auf die Mitte des vierten Jahrhunderts verlegt
(S. is8f.). A. Bertholet hat (Theol. Literaturzeitung 1918
Sp. 102) etwas zu fchnell, wohl ohne felber befon- j
dere Sachkenntniffe zu befitzen, die Tragkraft folcher j
Schlüffe beftritten und die Behauptung aufgeftellt, daß j
,fich die Anlage des altorientalifchen Königspalaftes im j
Prinzip überhaupt gleich bleibt', fodaß die Schilderungen j
des Eftherbuches fchließlich zu jedem folchen Palafte j
paßten. Ich habe mich daraufhin mit der Bitte um Aus-
kunft an denjenigen gewandt, der wohl als der hervor- i
ragendfte deutfche Sachverftändige gelten darf, Herrn j
Profeffor Koldewey, zur Zeit in Berlin, und von ihm fo '
wertvolle und eigenartige Auffchlüffe erhalten, daß ich j
glaube, fie einem weiteren Leferkreife nicht vorenthalten j
zu dürfen.

1. Die Deutung des Bauplanes durch Pillet leidet an
erheblichen Irrtümern. Vor allem find die großen Räume j
E, D, F keine Höfe.

2. Die ausgegrabene Gebäudegruppe umfaßt außer
dem ,Apadäna' im Nordoften einen .Chiläni' im Süden, j
dazu Refte eines älteren Baus, die dem Chiläni als Rück- !
wand dienen.

3. Der ,Chiläni' (vgl. über diefe Gebäudeform Koldewey
, Ausgrabungen in Sendfchirli II, Berlin 1898, Mitteilungen
aus den orientalifchen Sammlungen der kgl. !
Mufeen zu Berlin Heft 12 S. 183 ff.) befteht aus zwei un- j
geheuren Fronttürmen mit einem verdreifachten Eingangs- j
räum (A, B, C) dazwifchen. Dahinter liegen die drei großen j
Räume E, D, F, voneinander nur durch die dicken i
Mauern getrennt, welche die weitgefpannten Gewölbe
über ihnen trugen. Vor diefem Gebäude liegt im Süden
eine Eingangseftrade L, L, deren Begrenzungsmauer oberhalb
ihres Fußbodens nicht zur Geltung kam.

4. Diefer Chiläni, der die Geftalt eines Feftungstores
hat, ift natürlich das ,Tor des Königs', die .Hohe Pforte',
und zwar muß das Gebäude im ganzen fo bezeichnet
werden, nicht nur die Eingangstüre. In diefem Gebäude
fpielen alfo alle die Szenen des Eftherbuches, bei denen
das ,Tor des Königs' erwähnt wird.

5. Während die Baulichkeiten im Norden davon (mit
den Räumen G, H) kaum verftändlich find, ift völlig
durchfichtig der ,Apadäna' des Artaxerxes II im Nordoften
. Hier und in dem dazu gehörigen ,Gartenhof' (vielleicht
P, P, P) fpielen die Volksfeftlichkeiten des erften
Kapitels (V. 5 f.). Das Staatsfeft (V. 3 f.) kann im Chiläni
ftattgefunden haben.

6. Der gefamte Wohnpalaft mit feinen mannigfachen
Unterabteilungen: Thronfaal, Frauenhäufern, Trinkhaus,
Räumen für Dienerfchaft, Küche, Wagen und Pferde, muß
eine zahllole Menge von zu Gruppen um Höfe vereinigten
Einzelräumlichkeiten enthalten haben, in denen fich alle
übrigen Ereigniffe des Buches Efther begeben. Alles
diefes ift noch nicht ausgegraben. Auch der .innere' und
der .äußere' Hof gehören zu diefem, bisher noch nicht
aufgedeckten Wohnpalaft. Diefe noch nicht ausgegrabenen
Teile können z. T. fchon in K gelegen haben.

7. Bezeichnend für den Plan von Sufa ift das gleichzeitige
Vorkommen eines Chiläni und eines Apadäna;
dies findet fich bei keinem anderen Palaft, weder
in Perfepolis noch in Babylon noch fonftwo.

Beide Gebäude werden auch im Plftherbuche erwähnt.
Daraus geht mit Sicherheit hervor, daß der Verfaffer
des Buches von diefen Gebäuden in Sufa Kunde
gehabt, alfo fie doch höchft wahrfcheinlich aus dem
Augenfchein gekannt hat.

Nach diefen Mitteilungen Koldeweys werden vielleicht
auch die altteftamentlichen Kritiker das übliche
Vorurteil, das Buch Efther fei in Paläftina gefchrieben
und beziehe fich auf die Religionsverfolgung des Anti-
ochus Epiphanes, neu zu prüfen bereit fein.

Gießen. Hermann Gunkel.

Humbert, Dipl., Prof. Paul: Un heraut de la justice, Arnos.

Lecon inaugurale, faite le 9 novbre. 1916. (Univ. de Neu-

chatel.) (36 S.) gr. 8<>. Laufanne 1917.
Humbert's kleine Studie ift eine Vorlefung, die er bei Antritt
feiner ProfelTur in Neuchatel gehalten hat. Der Verf. zeigt, daß
er mit allen in Betracht kommenden Problemen wie auch mit
der wichtiglten Literatur bekannt ift. Seine Darftellung ift klar
und lebendig, fein Urteil unbefangen. Es liegt in der Natur der
Sache, daß H. bei diefer Gelegenheit nicht an eine Förderung
einzelner noch l'chwebender Probleme denken konnte; was man
fordern kann, eine Einführung auf Grund des gegenwärtigen Standes
der Arbeit, das hat er gegeben, und fein von warmer religiöfer Be-
geifterung getragenes Wort hat gewiß ein Echo bei feinen Hörern
gefunden. Er beginnt damit, in kurzen Zügen ein Bild des Lebens
feines Helden und feines unter fo eigenartigen Verhältniffen gewordenen
Charakters zu zeichnen, und geht dann dazu über,
feine Wirkfamkeit zu fchildern auf Grund einer Darlegung der
fozialen und fittlich-religiöfen Zuftände feines Volkes. Mit Recht
hebt er immer wieder heraus: la notion de la moralite et de la
justice de Dieu est le nerf de ce requisitoire et rejette meme k
l'arriere-plan la conception specifiquement religieuse de la divinite.
Ref. heißt H. willkommen im Kreife der Mitarbeiter, möchte er
uns noch manche reife Frucht feiner Studien fchenken.
Straßburg i. E. W. Nowack.

Döller, Prof. Dr. Jobs.: Die Retnheits- und Speifegeletze
des Alten Tettaments in religionsgefchichtlicher Beleuchtung
. (Altteftamentliche Abhandlungen. 7. Bd.,
2. u. 3. Heft.) (VIII, 304 S.) gr. 8°. Münfter, Afchen-
dorff 1917. M. 7.80

Verf. behandelt zunächft die levitifche Unreinheit im
Zufammenhang mit dem Gefchlechtsleben (U. der
Wöchnerin, gefchlechtliche Ausflüffe bei Weib und Mann,
Beifchlaf), fodann Krankheit und Tod (,Ausfatz', Krankheit
im Volksglauben, Unreinheit des Todes ufw.), darauf
die Speifeverbote (Allgemeines, unreine Tiere, andere
verbotene Speifen, Alter der Reinheits- und Speife-
obfervanzen), endlich den Zweck der R.- und Sp.-Gefetze
und die Reinigungsmittel. Überall bringt er reiches
religionsgefchichtliches Vergleichsmaterial aus den Religionen
der antiken und .primitiven' Völker bei. Daß
diefe Parallelen von ungleichem Werte find, liegt in der
Natur der Sache. Manches dürfte auch Widerfpruch
erregen. Das unendlich reiche, vieles Einfchlägige aufhellende
fpätere rabbinifche Material kennt Verf. leider
nur aus felbft wenig vollftändigen fekundären Quellen.
Er hätte fonft vielleicht z. B. feine richtige Anficht von
dem mit den R.- und Sp.-Gefetzen verbundenen Zwecke
der Abfonderung von anderen Völkern noch ftärker betont
. Jedenfalls ift das Gebotene eine äußerft vielfeitige
Gabe, deren man fich (zumal da eine neuere eingehende
Monographie über den Gegenftand bisher fehlte) auch
da freut, wo man nicht beiftimmen zu können glaubt.
Anzuerkennen ift auch die befonnene Kritik des Verf.
und feine Zuverläffigkeit in der Wiedergabe der zitierten
Tatfachen und Anflehten. Die Ausftattung ift vornehm.
Leipzig. Erich Bifchoff.

Kögel, Prof. D. Julius: Zum Schriftverftändnis des Neuen
Teltaments. 1. tieft. Das Evangelium des Matthäus.
(52 S.) 8°. Gütersloh, C. Bertelsmann 1917- M- 1.20
Mit diefem Heft eröffnet Kögel eine Reihe von Beiträgen
zum Schriftverftändnis des N. T.s. Eigentlich für
den akademifchen Gebrauch beftimmt, wollen fie doch
auch fonftigen Bibelforfchern dienen. Deshalb find fremd-