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Ausgabe:

1919 Nr. 2

Spalte:

269-270

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jellouschek, Carl Johann

Titel/Untertitel:

Johannes von Neapel und seine Lehre vom Verhältnisse zwischen Gott und Welt 1919

Rezensent:

Scheel, Otto

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269

Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 23/24.

270

Scliriftfteller nach wie vor in diefer Beziehung weit zurück- [ ältefte Schule des hl. Thomas gründlich zu erforfchen.
flehen muß. Schanz i(l inzwifchen geflorben, ohne fein 1 Die vorgelegte Arbeit, felbft nur ein Ausfchnitt aus

Werk vollendet zu haben. Doch ift der Abfchluß gefichert.
Gießen. G. Krüger.

Ranke, Leopold v.: Über die Epochen der neueren Gefchichte.

Neunzehn Vorträge vor König Maximilian v. Bayern. (VI,
144 S.) gr. 8". München, Duncker & Humblot 1917.

M. 3—; geb. M. 4—
Im Herbit 1854 hat Ranke dem König Maximilian II. von
Bayern 19 Vorträge gehalten, in denen er einen kurzen Überblick
über die Entwicklung der neueren Gefchichte vom imperium
Romanum bis zu feiner Zeit bot. Befcheiden nannte er fie einen
Verfuch, die welthiftorifchen Epochen der neueren Zeit zu be-
ftimmen und zu charakterifieren. Der König ließ die Vorträge
ftenographifch aufnehmen, um fie in der Reinfchrift gründlich
durchzuarbeiten. Eine Abfchrift davon bekam Ranke felbft. Nach
ihr hat Alfred Dove (f) den vorliegenden Druck beforgt und mit
einem Vorwort verfehen, in dem er die Freundfchaft zwifchen
Ranke und König Max fowie die Entftehung diefer Vorträge
fchildert: ,In der denkbar knappften Faffung geben fie die Haupt-
fumme der Lieblingsideen Rankes*.

Hannover-Kleefeld. Schufter.

Laux, Prieft. Johann Jofeph: Der hl. Kolumban, fein Leben
u. feine Schriften. (XI, 290 S. m. 7 Bildern.) kl. 8°.
Freiburg i. B., Herder 1919. M. 6.80; geb. M. 7.80
Der Verfaffer hat unter Benutzung der wertvollen
Vorarbeiten von Greith, Gundlach, Krufch, Hauck und
Seebaß eine ausführliche, auf den Quellen ruhende Lebens-
befchreibung des irifchen Mönches Kolumban zu fchrei-
ben unternommen. Befondere Mühe hat er fich gegeben
das Leben Kolumbans in die Zeitgefchichte einzuzeichnen.
Ausführlich werden die Zuftände der irifchen Kirche und
Klöfter, in denen er aufwächft, die Zeit- und Sittenverhält-
niffe im Frankenreiche, in dem er feine Haupttätigkeit
entfaltete, die Voraussetzungen für feine miffionarifche
Tätigkeit in der Schweiz und endlich die Situation, die
er in Oberitalien im Langobardenreich vorfand, gefchil-
dert. Diefe Milieufchilderung, die unter taktvoller Ausnutzung
aller zur Verfügung flehenden Quellen gemacht
ifl, und bei der das Bild der politifchen und kirchlichen
Verhältniffe im Frankenreich nach ihren Licht- und
Schattenfeiten vor allem gezeichnet ifl, bildet m. E. die
Stärke des Buches, während dahinter wie in andern modernen
Biographien — ich denke z. B. an das Buch
von Scheel über Luther — die Perfönlichkeit des Helden
etwas zu fehr zurücktritt. Es hätte das Charakterbild
Kolumbans fchärfer herausgearbeitet werden können: die
Verbindung von einem Freimut, der Päpflen und Königen
gegenüber für das, was er als wahr erkannt hat, mit
rückftchtslofer Schroffheit eintritt, und von einer Klugheit,
die fich den jeweiligen Situationen mit Gefchick anzu-
paffen verfleht, immer aber der heilige Eifer, Jünger für
ein ftrenges Mönchsleben zu werben, verrottete kirchliche
Zuftände zu beffern und die Heiden für das Evangelium
zu gewinnen.

Im Anhang hat Laux fich über den Wert der Kolumban-Vita des
Jonas ausgefprochen und fich zu dem feit Krufchs Forfchungen wohl
allgemein anerkannten Refultat bekannt, daß diefe Vita trotz ihrer
Mängel eins der intereffanteften und wichtigften hiftorifchen Denkmäler
der merowingifchen Epoche ift. Die Anmerkungen bringen Unter-
fuchungen über das Geburtsdatum Kolumbans — Laux nimmt zwifchen
542—45 an gegen Krufch zwifchen 528-32 — über feine Kenntnis
des Griechifchen, die er ihm abfpricht, über die Echtheit des größten
Teils des Bußbuches, über die Chronologie der Briefe, über das Ruderlied
und den Todestag und das Todesjahr (23. Nov. 615I Kolumbans.
Wenn auch der Verfaffer keine epochemachenden neuen Refultate bringt
oder bringen konnte, fo ift fein gründliches Buch eine wertvolle Bereicherung
unterer kirchenhiftorifchen Literatur und des Dankes der
Mitforfcher gewiß.

Münfler i. W. G. Grützmacher.

Jelloufchek, Dr. Carl Johann, O. S. B.: Johannes von
Neapel und leine Lehre vom Verhältniffe zwifchen Gott
und Welt. Ein Beitrag zur Gefchichte der älteften
Thomiftenfchule. (XVI, 128 S.) gr. 8°. Wien, Mayer
& Comp. 1918. M. 5 —

Der Verfaffer, ein Schüler Th. Grabmanns, geht aus

von der auch von Grabmann betonten Wichtigkeit, die

einer Gefamtdarftellung der Beziehungen des Dominikanertheologen
Johannes von Neapel zur Gedankenwelt
des Aquinaten, will einen Beitrag zur Gefchichte der
älteften Thomiftenfchule liefern. Originalität bezeugt
Johannes von Neapel, der übrigens nicht zu den unmittelbaren
Schülern des hl. Thomas gehört hat, nicht.
Jelloufchek bemüht fich freilich, theologifche und philo-
fophifche Selbftändigkeit jn feinen Ausführungen über
Schöpfung und Welterhaltung nachzuweifen. Was aber
genannt wird, ift fo geringfügig, daß es kaum braucht
hervorgehoben zu werden. Es ist lediglich die Selbftändigkeit
des Schülers, der hier und dort an den Gedanken
des Meifters etwas feilt, aber nichts eigenes zu
geftalten vermag. Schon der Mut dazu fehlt ihm. Nicht
einmal feines Meifters Gedanken wagt er alle durchzuführen
. Das doch örtlich begrenzte bekannte Lehrverbot
des Bifchofs Tempier, dem auch einige Aufhellungen
Thomas' anheimfielen, ift ihm Autorität genug,
von Thomas abzubiegen und auf die bifchöfliche Ent-
fcheidung Rückficht zu nehmen, während andere, wie
Aegidius von Rom, tapfer widerftanden und nicht durch
Stephan Tempier fich ihren Thomismus korrigieren
ließen. Jelloufchek überfchätzt zweifellos die Selbftändigkeit
Johanns von Neapel. Im übrigen aber erfüllt
feine Arbeit die Aufgabe, die geftellt war.
Tübingen. Scheel.

Schatten, Dr. P. Eugen, O. F. M.: Klolter Böddeken und feine
Reformtätigkeit im 15. Jahrhundert. (Gefchichtliche Darltellgn.
u. Quellen. 4.) (XII, 148 S.) gr. 8". Münlter i. W., Borgmeyer
& Co. 1918. M. 6 —
Diefe fleißige und gründliche Arbeit ift angeregt durch L.
Schmitz-Kallenberg, den Herausgeber der Monumenta Budicenfia I
(1915). Es ergab fich die überrafchende Tatfache, daß das weft-
fälifche ehemalige KanoniiTenftift, fpätere Auguftinerchorherrn-
klofter Böddeken (Kreis Büren) im 15. Jahrh. im Mittelpunkte
der Reformbewegung der Windesheimer Chorherren geltanden
hat. Böddeken gehört zu den 12 Konventen, die das Klofter zu
Neuß 1430 unter feiner Leitung vereinigte. In demfelben Jahre
vereinigte fich diefe Kongregation mit der 1386 errichteten
Windesheimer. Der Einfluß des Klofters Böddeken erftreckte
fleh weit über Weftfalen hinaus. Im Norden bis nach Holftein
und im Süden bis nach dem Eifaß und der Schweiz entftanden
in kurzer Zeit neue klöfterliche Niederlaffungen, und andere
bereits beftehende Klöfter wurden reformiert und der Kongregation
einverleibt. Zugleich wurde von Böddekener Chorherren
durch kirchliche Vifitationen in vielen Frauenklöftern die Ordenszucht
wiederhergeftellt. In chronologifcher Folge werden die von
Böddeken ausgegründeten und reformierten Männer- und Frauen-
klöfter uns vorgeführt. Arcbivaliche Beilagen, darunter Statuten
für von Böddeken aus geleitete Frauenklöfter von 1459, bilden
den Schluß.

Zwickau i. S. O. Clemen.

Kißling, Dr. Johannes B.: Kardinal Francisco Ximenex de Cisneros

(1436—1517), Erzbifchof v. Toledo, Spaniens kathol. Reformator.
(Lebensbilder aus den Orden des hl. Franziskus. Hrsg. v.
Mitgliedern des Franziskanerordens. Bd. I.) (X, 83 S. m.
45 Abbildgn.) gr. 8». Münfter i. W., Afchendorff 1917.

Geb. M. 4 —

Mit diefem Buche wird eine von Mitgliedern des Ordens
herausgegebene Reihe ,Lebensbilder aus den (Plural!) Orden
des h. Franziskus' glücklich eröffnet. Es handelt fleh um eine
gemeinverftändliche Darlegung auf Grund der am Schluffe angegebenen
, von Anmerkungen begleiteten Literatur. Entfcheidende
Abweichungen des Verfaffers von dem durch Benrath in RE3
XXI S. 577 ff gezeichneten Bilde habe ich nicht entdecken können
wenn auch hie und da (z. B. in der Frage der Inquifition) die'
Farben etwas lichter find als bei dem proteftantifchen Verfaffer.
Der Stoff gebot es, eine politifche Gefchichte Spaniens am Vorabend
der Reformation zu geben, K. hat fie fpeziell nach der
kulturhiftorifchen Seite ausgebaut, daher den Ausbau der Uni-
verfität Alcala z. B. fehr eingehend gefchildert. Dem entfpricht
auch das reichlich und gut beigegebene Illuftrationsmaterial.
(Man vgl. die anfehaulichen Bilder zum Klofter Montferrat.)
In Anlage und Ausftattung ähnelt das ganze Unternehmen den
bekannten Sonographien zur Weltgefchichte'.
Zürich. W. Köhler.

Reuter, Paft. prim. H.: Die St. Michaeliskirche in Lüneburg. Ein

Rückblick auf ihre taufendjähr. Gefchichte am fünfhundert-

*