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Ausgabe:

1918

Spalte:

141

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Niebergall, Friedrich

Titel/Untertitel:

An der Schwelle des Trostes 1918

Rezensent:

Thimme, Wilhelm

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 10/11.

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fehr beachtenswerten Reformationspredigt finden fich 1 Rechts befchäftigt und die Frage, ob dies zu billigen fei
Urteile, die ich nicht unterfchreiben kann: B. nennt Me- oder nicht, garnicht aufwirft, während doch erft fie die
lanchthon .reicher begabt' als Luther (283), was ich ent- I Gelegenheit bieten würde, andere als rein juriftifche, ins

fchieden beftreite. — Der Verf. ift nicht lange nach Er
fcheinen diefes Bandes abgerufen worden. Mit ihm ging
ein Prediger dahin, der nicht das Zeitgefchehen zu beleuchten
fuchte, der von dem, was draußen vorging, auf
der Kanzel fogar recht wenig Notiz nahm, der aber in
die Tiefen der Seele hineinzugreifen verftand. Schwerer
Ernft, einerfeits vertieft, andererfeits gehoben durch die
Botfchaft von der Gnade, ift der Grundzug feines Wefens
wie feiner Predigt gewefen. Er war einer der am we-
nigften .modernen' Prediger unferer Zeit; in der Energie
feiner religiöfen Innerlichkeit konnte ihn doch gerade
diefe Zeit brauchen.

Gießen. M- Schian.

Nieberg all, Prof. D. Friedrich: An der Schwelle des Trottes.

(30 S.) kl. 8°. Heidelberg, Ev. Verlag 1917.

M. — 50; beffere Ausg. (38 S.) M. 1 —
Ein eigenartiges Büchlein. Nicht jedem, dem der Krieg
eine Wunde fchlug, wird man es mit Nutzen in die Hand
geben. Doch glaube ich, daß es innerlichen Naturen,
Gemütern, die der Schmerz bitter und menfchenfcheu gemacht
hat, die an ihrem Glauben Schiffbruch litten, denen
das Leben zum Problem geworden ift, bedeutfam helfen
kann, und zwar nicht — darin befteht die Befonderheit
des Büchleins — indem es theoretifch die Probleme löft,
fondern indem es zeigt, wie das Leben felbft über Qual,
Öde und Grübelei des Schmerzes hinweghilft. Es enthält
in kurzen, realiftifchen, tagebuchartigen Betrachtungen die
Krankheits- und Genefungsgefchichte eines durch den
Verluft des hoffnungsvollen Sohnes zur Verzweiflung gebrachten
Mutterherzens, etwas abgeritten, ohne den Ver-
fuch künftlerifcher Abrundung, aber fcharf beobachtet
und tief nachempfunden. Treffende Schlaglichter fallen
auf die törichten, verletzenden Bemühungen der leidigen
Tröfter, auch der auf der Kanzel; verftändnisvolles
Schweigen erquickt mehr als alle Troftworte. Kein Menfch
kann helfen, auch des Pfarrers gemütvoll herzliche Art
muß zunächft erfolglos bleiben. Wie aber hilft das Leben?
Zumal zweierlei ift von Wichtigkeit: Indem es allmählich
Klärung bringt und an Stelle fich müde jagender Gedanken
ein immer reineres Erinnerungsbild des Toten entftehen
läßt — der Punkt, an welchem, wie angedeutet wird, der
Ewigkeitsglaube anknüpfen könnte — und indem es allerhand
Aufgaben ftellt (da könnten und follten verftändnisvolle
Hände nachhelfen), von denen befonders die der Liebe
dem Leide gelegen find. Wenn erft aus eigenem Leid ftatt
anfänglicher Verhärtung Mitgefühl für fremdes Weh, Liebe
quillt, ift der Weg befchritten, der in weiterem Fortgang
zum Frieden Gottes führen kann. Damit ift die .Schwelle
des Troftes' erreicht, und das Büchlein bricht ab. Ich
glaube in der Tat, es kann Bitterkeit in Ergebung, unruhiges
Grübeln in ftilles Sinnen umwandeln helfen, vor
allem aber, es kann machen, daß fich der Lefer oder die
Leferin, an die es fich mit folch warmem Verftändnis
wendet,' nicht, wie es häufig gefchieht, krampfhaft und
gewaltfam gegen die Kräfte des Troftes verfperrt, die
Gottes Führung durch das Leben felbft an uns heranbringt.

Iburg. W. Thimme.

Schmidt, Ger.-AffefT. Priv.-Doz. Dr. Rudolf: Der richterliche
Eid. (VI, 172 S.) gr. 8°. München, C.H.Beck 1917.

M. 6-

Die Schrift bietet eine außerordentlich forgfältige Behandlung
des im Titel bezeichneten Themas. Es wird
kaum eine wichtigere, auf diefes bezügliche Frage geben,
die hier nicht eingehend erörtert wäre Die Arbeit ift deshalb
eine wertvolleBereicherungunfererjuriftifchen Literatur.
Aber dem Gefichts- und Intereffenkreife des theologifchen
Lefers liegt fie ziemlich fern. Das folgt fchon daraus, daß
fie fich ausfchließlich mit der Handhabung des geltenden

befondereethifche und religiöfe Gefichtspunkte zu berühren.
Ja, foweit fich aus der Begründung der aufgeftellten Anflehten
die Auffaffung des Verfaffers über diefe Seite der
Sache erfehen läßt, fcheint er auf einem Standpunkte zu
flehen, der fich bei einfeitigen Juriften häufig findet, aber
als richtig nicht anerkannt werden kann, nämlich, daß
der Eid lediglich den praktifchen Intereffen der ftreiten-
den Parteien zu dienen habe. Deshalb wird empfohlen,
ihn überall da aufzuerlegen, wo von ihm ein Druck auf
den Schwurpflichtigen erwartet werden kann, die Wahrheit
zu fagen, ohne Rückficht darauf, ob diefer dadurch vor
fchwere Gewiffenskonflikte gefleht und in die Verfuchung
gebracht wird, einen Meineid zu leiften. Der in neuerer
Zeit mehrfach und auch von mir in meiner .Eidesfrage'
vertretene Standpunkt, daß die Zahl der Eide möglichft
befchiänkt werden muffe, da durch zu häufige Wiederholungen
die Autorität des Eides und mit Rückficht auf
deffen heutige religiöfe Form fogar die Religion als folche
gefchädigt werde, ift dem Verfaffer entweder überhaupt
nicht bekannt, oder wird jedenfalls nicht von ihm geteilt.
Das bedeutet einen nicht unerheblichen Mangel in den
Augen Aller, die bei voller Hocheinfchäzung der lTaatlichen
Rechtseinrichtungen doch noch höhere Ideale kennen und
der Anficht find, daß Erwägungen bloßer Nützlichkeit an
ihnen ihre Schranke finden möchten.

Braunfchweig. W. Kulemann.

Wichtige Rezenttonen.

Von Prof. Lic. Paul Pape in Berlin W. 57, Manfteinftr. 10.

Bezügl, Hinweifc und Sendungen find jederzeit erwünjeht.

Macfarland: The churches of Christ of the federal Council (v. WT
McGlothlin: Kev Expos 1916, 3; v. AK: IntKrclnZ 1917, 3; 1918, 1).

Mahler: Hdb. d. jüd. Chronologie (v. SKraus: LtZtrbl 1917, 10; BiblZ
1917, 3; v. FKGinzel: DtfchLtz 1916, 16; v. NPeters: IhGlb 1917,
9/10).

Mandel: Das Gottescrlebnis d. Reformation (v. Zänker: ThLtber 1916,

12; v. Hermann: ThLtbl 1917, 8; v. Scheel: DtfchEvang 1917 i0-'

v. WKöhler: ThRdfch 1917, 6).
Niebergall: Theologie u. Praxis (v. OBaumgarten: EvgKreih 1917,

2; v. lBoehmer: Studftb 1917, 3; v. KEger: DtfchLtz 1917, 41; v.'

NPeters: ThGlb 19:7, 9/10).
Otto: Das Heilige (v. HMuiert: EvgFreih 1917, 1; v. Weber: ThLtbl

1917, 15; v. HIGroenwegen: NThTijdxh 1917, 3; v. THaering

DtfchEvang 1917, 11; v. EWMayer: IhRdfch 1917, 78).
Parpert: Evang. Mönchtum (v. JLinneborn: ThGlb 1917, 2/3; v.

Haack: ThLtbl 1917, 13; v. HMuiert: DtfchLtz 1917, 36; v. FDie-

kamp: ThRev 1917, \% v. Brüffau: ThLtber 1917,3).
Petrich: Der deutfehe Luther. — Die deutiche Reformation (Studftb

'917. 3; HHermelinck: ThRdfch 1917, 4/5; v. Albrecht: ThLtber

1917, 5).

Pijper: De klosters (ThTijdfch 1916, 4/5; v. ICvSlee: Mufeum 1916,

oct; v. AR: IntKrchlZ 1917, 4).
Pott: Das Hollen i. N. Teft. (v. Bultmann: ThRdfch 1917,4/5; WTre-

blin: EvgFreih 1917, 2; v. Büchfei: ThLtbl 1917, 23).
Preuß: Unfer Luther (v. Nobbe: ThLtbl 1916, 26; v. EKohlmeyer:

EvgFreih 1917, »; v. ABaur: DtfchLtz 1917, 44; v. WH: IntKrchlZ

1917, 4; v. HHermelinck: ThRdfch 1917, 4/5; v. Albrecht: ThLtber

1917, Ii.

Rackl: Demetrios Kydones als Verteidiger u. Ubcrfetzer d. h. Thomas
v. Aquin (v. FKropatfcheck: ZKgefch 36, 3/4, 1916; v. GDaxer: Th
Ltbl 1916, 21; LtZtrbl 1917, 29).

Rauh: Chriftusglauben fv. Zander: Wartbg 1916, 4; v. KLeefe- EvgFreih
1917, 4; v. HStephan: ThRdfch 1917, 6).

Reiner: Friedr. Nietzfche, d. Immoralift u. Antichrift (v. Zänker-
ThLtbl 1916, 19; v. Schrimpf: ThLtber 1916, 9; v. GCBurckhardt ■
LtZtrbl 1917, 48).

Rendtorff: Die fittk Schranken d. kirchl. u. theol. Polemik (v. WLaible-
ThLtbl 1916, 26; v. VS: LtZtibl 1917, 18; v. Gehring: ThLtber
1917. 3)-

Neueste Literatur

ausgewählt v. P. Pape.

KG 3: Mchlhorn, P: Die Frauen unf. Reformatoren. (46) Tüb,
Mohr '17. — 50; geb. —85 1 Mehlhofe, Ph: Beiträge z. Refomationsl
gefch. d. Ephorie Borna. 120S) gr8u Lpzg., AStrauch '17. 2.50 | Mo-
naftier-Schroeder, L: Les cantiques de Luther (RevThPhil 1917,