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Ausgabe:

1918 Nr. 1

Spalte:

128

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nägelsbach, Friedrich

Titel/Untertitel:

Der Schlüssel zum Verständnis der Bergpredigt 1918

Rezensent:

Bauer, Walter

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Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 10/11.

128

Spitt nicht mit ,zahm', fondern mit ,zutunlich' überfetzt.
Aber wenn er z. B. für rrab? (Gn i517 ufw.) nicht ,dichte
Finfternis' dulden will, foncfern ,die Dunkelheit der eintretenden
Nacht' fordert (S. 9), fo ift dies keine befondere
Größe, und warum foll Mtaby von feinem Stammverbum,
das nach dem Arab. ,dicht fein' bedeutete, weggeriffen
werden? Dies fage ich, obgleich an dem weiteren Tadel,
den er gegen Gef.-Buhl ausfpricht, nämlich deffen ,kritik-
lofe Zugrundelegung der arabifchen Bedeutung um jeden
Preis' (S. 23), etwas Richtiges ift, wie neuerdings von
niemand fo deutlich ausgefprochen worden ift, wie von
mir in ZATW 1911, 133?. und befonders Hermeneutik
71 f. bei der Erörterung der von Del. früher aufgeftellten
Behauptung, daß das hbr. ftt Gn iu ufw. nicht ,Art'
heiße, fondern gleich dem babylonifchen minu die Bedeutung
,Zahl' befitzen müffe. Sodann wirft er Gef.-Buhl
noch ,allerlei andere' Fehler vor, wie falfche Ableitung
der Bedeutungen aus der Grundbedeutung, Trennung von
Nichtzufammengehörigem, Entzweireißung von Zufammen-
gehörigem, falfche Zitierungen, .vergleichendes femitifches
Lexikon Spielen, und zwar in vollkommen unberufener,
dilettantifcher, jeder fprachwiffenfchaftlichen Methode
hohnfprechender Weife' (S. 29), und dies gefchieht, obgleich
an Gef.-Buhl ein Affyriolog (H. Zimmern), ein
Kenner der füdarabifchen Dialekte (O. Weber) und ein
Ägyptolog (W. Max Müller) mitarbeiten! Endlich .zeigt
fich der eigentliche lexikalifche Kern von Gef.-Buhl in
denkbar fchwerfter Weife vernachläffigt' (S. 34), wozu
zum Schluß noch ein tadelndes Wort darüber kommt,
daß bei Gef-Buhl foviele Meinungen zitiert werden, ohne
daß ein entfcheidendes Urteil hinzugefügt wird, welche
Gewohnheit von Gef.-Buhl allerdings zu beklagen und
deshalb fchon von mir in der Vorrede zu meinem Hbr.
WB. beanftandet, im letzteren aber prinzipiell vermieden
worden ift.

Im wefentlichen ift es alfo eine Hinrichtung, die Del.
an Gef.-Buhl vollziehen wollte. Daß er meine Arbeit ohne
Einzelbeweis mit diefem einfach zufammenwerfen zu
dürfen meint, alfo alle neuen Darbietungen meines Buches
einfach ignoriert, ift eine fo offenbare Ungerechtigkeit,
daß ich das Urteil darüber ruhig den Mitforfchern über-
laffen kann. Überhaupt aber wird es fich an den ferneren
Leiftungen von Del. auf dem Felde der hbr. Lexikographie
zeigen müffen, ob tadeln nicht leichter ift, als beffer machen.
Jedenfalls haben die lexikalifchen Bemerkungen, die er in
feiner Hioberklärung (1902) vorgelegt hat, vielfach die
Kritik herausgefordert, wie aus meinem WB. zu erfehen ift.
Bonn. Ed. König.

Schmidt, Prof. Liz. Hans: Oer Prophet Arnos. Sechs Vor-
lefungen an e. Kriegshochfeh ulkurs. (VIII, 140 S.)

160. Tübingen, J. C. B. Mohr 1917. M. 1.40

Das Büchlein bietet die vor Studenten der Theologie
im Felde gehaltenen Vorlefungen des Verf. über
Arnos, dazu einen fchon vor 12 Jahren gefchriebenen
Auffatz über die .rythmifche Überfetzung der hebrä-
ifchen Poefie'.

Es redet in Vorlefung 1. von der Berufung, 2. von
den Gefichten des Arnos, 3. von der Schuld der Völker,
4. von der Schuld Ifraels, 5. von der Religion der Propheten
, 6. von der Zukunftserwartung.

Ich kann mir wohl denken, daß diefe Vorlefungen
bei den Hörern lebhaften Beifall gefunden haben. Denn
die auch fonft fchon bekannte Begabung des Verfaffers,
fich in fremde Perfonen und Zeiten hineinzuempfinden,
tritt hier wieder ftark hervor. Lebhafte Phantafie, die
fich zum Teil ftützt auf das, was der Verfaffer im heutigen
Orient mit aufmerkfamem Blick beobachtete, verrät
auch-dies Büchlein. Zu manchen von der gewöhnlichen
Anfchauung abweichenden Bemerkungen, macht
man wohl fein Fragezeichen, fo, daß Arnos nicht aus
Judäa ftammt, daß er ein reicher Befitzer von Herden
und Baumgärten war. Das Wort gegen Juda (2, 4!.), ift

trotz Schmidt für Arnos kaum zu halten, während ich
mit ihm wenigftens Teile des ,meffianifchen' Schluffes
fefthalte. Nicht auf Leffing, fondern auf Klopftock geht
die Warnung an das deutfehe Volk ,fei nicht allzu gerecht
' zurück.

Bonn. Meinhold.

Nägelsbach, Oberkonf.-R. Friedrich: Der Schlülfel zum
Verftändnis der Bergpredigt. Eine exeget. Unterfuchg.
(Beiträge zur Förderg. chriftl. Theol. 20. Jahrg. 1915,
S.Heft.) (SS S.) gr.8°. Gütersloh, C. Bertelsmann. M. 1.20
Nicht mehr und nicht weniger als den viel gefuchten
und noch nie gefundenen Schlüffel zum Verftändnis der
Bergpredigt bietet uns N. an. Er erblickt ihn in der
Erkenntnis, daß fie eine lediglich an die Apoftel gerichtete
Ausfprache ift, in der diefe angeleitet werden
follen, durch rechte Jüngergefinnung und rechten
Jüngerwandel auf die Welt im Sinne Jefu einzuwirken.
N. wundert fich, daß man den Schlüffel hat bislang über-
fehen können, fteckt er doch feit Urbeginn im Schloß:
Mt. 5, 1. 2. Unfer Verf. weiß zwar, daß der Einleitung
der Schluß der Rede 7, 29 nicht entfpricht. Aber ,be-
fonnene Text- und Quellenkritik' hebt den Zwiefpalt
(S. 48). Nun ift gewiß nicht einzufehen, weshalb man dem
Ausgang mehr trauen müßte als dem Anfang. Ent-
fcheidend kann allein der Inhalt der Rede fein; daß
diefer fie aber als eine Anfprache an die Vertrauten
Jefu erweife, hat N. fchlechthin nicht gezeigt. Wenn
er (S. 32) zugibt, das ,weite Partien der Rede nichts von
ihrem Gerichtetfein an die Apoftel als folche erkennen
laffen', gar (S. 49) feftftellt, daß die Rede in ihren weitaus
meiften ,Einzelheiten den Apoftelberuf der Hörer
nicht ausdrücklich berührt' fo macht er damit felbft fchon
einen Haupteinwand gegen feine Auffaffung geltend
Und er wiegt um fo ftärker, als man auch an den paar
Stellen, an denen N. die Apoftelfchaft der Hörer ganz
beftimmt faffen zu können meint, keineswegs durchweg
die von ihm gewünfehte Sicherheit gewinnt.

Auf die Beobachtungen, die es vielen Forfchern
überhaupt unmöglich machen, feinen Standpunkt zu
teilen und in Mt. 5—7 eine im wefentlichen fo von Jefus
bei einer Gelegenheit gehaltene Rede zu erblicken, geht
N. fo gut wie garnicht ein. Er wird daher damit rechnen
müffen, daß diefe Kreife mit einigem Mißtrauen auf fein
flüchtig gefchmiedetes Gerät blicken und fich kaum getrauen
werden, damit das komplizierte Schloß zu öffnen,
für das es N. beftimmt hat.

Göttingen. Walter Bauer.

Brinkmann, J.: De,GerechtigkeidGods' bij Paulus. (Academ.
proeffchrift, Amfterdam). (212 S.) gr. 8°. Rotterdam
, P. de Vries 1916.

Über die Rechtfertigungslehre bei Paulus hatte fchon
vor einigen Jahren ein holländifcher Theolog, J. H. Ger-
retfen, ein zwar methodifch nicht ganz einwandfreies und
manche unhaltbare Thefe verkündendes, in vielem aber
doch anregendes und originelles Buch gefchrieben:
Rechtvaardigmaking bij Paulus 1905. Die vorliegende Arbeit,
die ihrem Verf. den Grad eines D. theol. an der .freien'
d. i. orthodox kalviniftifchen Univerfität zu Amfterdam
eingetragen hat, geht mehr die bewährten Bahnen orthodoxer
Lehrtradition. Das etwas breit ausgeführte, aber
doch überfichtlich gefchriebene Buch hat folgenden Inhalt
. Nach einer Einleitung, in der Luthers Rechtfertigungslehre
gegenüber der neueren katholifchen Kritik
verteidigt wird, behandelt der Verf. in acht Kapiteln die
Bedeutung von öixatovv, die altteftamentliche Grundlage
von dixaioavvri &eov bei Paulus, die Prinzipien der
paulinilchen öixaioovvrj &eov in der Predigt Jefu (!), die
Bedeutung der öix. ihr Zufammenhang mit dem Tode
Chrifti, mit der Jtiang und mit der C,mrj und endlich die
religiöfe Bedeutung der Rechtfertigungslehre.

Br. betont ftark den rein juridifchen, objektiven Cha-