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Ausgabe:

1918

Spalte:

101-102

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gunkel, Hermann

Titel/Untertitel:

Esther 1918

Rezensent:

Bertholet, Alfred

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 8/9.

102

allo eine beliebige Anzahl von 13 Einheilen. Daß Fi. zur Gemalria, grellfarbig. Auch haftet das Auge des Erzählers ZU

wonach (ich aus dem ZWerawerte von ttS^H die 31S von Gen..14,14 I fehr an den Gefchehniffen und zu wenig an den handeln-

erklaren kann, noch eine Multiplikation oder Divifion hinzufügt, ift eine , „ . m.l,, h,„;w,0 .,1„ :„j;

ungefchichtliche Neuerung. Eben diene Grundwillkür kehrt wieder, j d.erl Perfonen, die fall alle weit mehr typifche als mdl-
wenn Fi. die 13 die Zahl Jahwes nennt, während doch der Ziffernwert ( Vlduelle Züge tragen (77), dies im Gegenfatz Zur alten

von msr nicht 13, fondern 2x13 ift.' Doch auch wenn 13. um nur j Erzählungsart, welche die fchöne Kunft der mittelbaren
dabei flehen zu bleiben, der Ziffernwert von MW wäre, ließe f.ch nicht Schilderung der Charaktere befeffen hatte (79). Trotz-

3 A«y£^^J"t^~~<& *» ™ö dem Efth^buch eine t° !** krme?ci*

(S. 65, Anm. 1). Und welche Auffiellungen folgen noch: ,29 ift die I Seite abzugewinnen, dal.! er es zweifellos manchem Leier
Helferzahl (z. B. arw 29 Hiob. Cf. 29,15 ,Auge ward ich dem Blinden 1 in rein äfthetifcher llinficht näher bringt.

und Fuß dem Lahmen'. Man denke auch an Abrain und feine 318 I Auch in fachlich-hiftorifcher fördert er fein Ver-

K^Cnfe " ?er14,' ^m 3I,9 ^Ji^JS^Ä^ ' ftändflis durch eine Fülle von Hinweifen auf vergangene

Kampfes- und I-eindeszahl! Dazu kommt noch die geomcirucne Keine I . .. . ... .„ t ■ 1? r

(1) 2, 22, 2s, 2<, 2s ufw. als Unermcßlichkeits-, Hohepriefler- und Sühne- | w.ie gegenwartige Kulturverhaltniffe, aus denen Licht auf

reihe' (das Ende des Exils bewirken hoheprieflerliche Zermonien, der : die Erzählung fällt. Nicht umfonft knüpft er gleich ZU
Hohepriefler hat Berührung mit dem Unermeßlichen)'. In diefer Art j Beginn an die berüchtigten Progrome an, um darauf

geht es noch ungefähr fechzig Seiten weiter. Doch ich muß fchon ab- I --1------i- '

brechen und kann nur noch einige allgemeine Sätze zur Beurteilung des
Ganzen hinzufügen.

Das Gefamturteil kann aber nach meiner Überzeugung

gelegentlich zurückzugreifen (23). Namentlich glaubt er
unter Vergleichung der Ergebniffe der franzöfifchen
Sufa-Miffion nachweifen zu können, daß die in Efther
nur folra^^ genannten CMlichkeiten mit den durch diefe Ausgra-

alto F^Sk wie über die Dauer der Schöpfungstag? ! LX's^ft (vgl 1 ,m d tSPerJfche" Kön,Ss"
oder über die Beziehung der Chronologie von P. zur P*3*™*' ». 57) zufammenftimmen. Das Ergebnis wäre
Zanl 4000 verflicht (S. 19), prüft man felbftverftändlich wichtig genug: der Verfaffer hätte im Palaft zu Sufa fo

7, T^9T , , > , , 1 t- .. , , mit Kplrhwn crmaniut H-,fl At<* A «„u« la— — r„:

feine Anflehten, und lo tragt auch er zur Ermittelung der
richtigen Entscheidung bei. Zweitens wo er aber neue
chronologifche Probleme entdeckt zu haben meint und
fie mit Hilfe einer neuartigen Verwendung des Ziffernwertes
der Buchftaben von Namen löfen zu können meint,
fchlägt er einen Irrweg ein. Denn um nur ein einziges
Beifpiel herauszugreifen, felbft wenn noch mehr Produkte
von 13 fich zeigten, könnte dies auf Zufall beruhen, und
es ift doch ein mehr als künftlicher Gedanke, daß z. B.
bei der Schöpfung des Namens Jahwe an einen fym-
bolilchen Sinn von 13 gedacht und diefer dann zweimal
genommen worden fei. Ferner beim fpäteren Äquivalent
von Jahwe, nämlich adonäj, foll der in 13 angeblich verkörperte
Gedanke fünfmal gehegt worden fein!

Bonn. Ed. König.

Gunkel, Hermann: Efther. (Religionsgefchichtl. Volksbb.

II. Reihe, 19/20. Heft.) (119 S. mit 1 Plan.) 8".

Tübingen, J. C. B. Mohr 1916. M. 1 —; geb. M. 1.30
Das Eftherbuch mit feinem blutdürftigen Charakter
vermag modernem Gefchmack im Allgemeinen wenig
zuzufagen; darin liegt die eigentliche Schwierigkeit, es zum
Gegenltand eines religionsgefchichtlichen Volksbuches zu
machen. Aber der Verfuch fcheint mir trefflich gelungen:
Gunkel hat es fertig gebracht, durch den Nachweis des
künftlerifchen Aufbaues des Buches fowie der Umftände,
aus denen feine Erzählung gefchichtlich greifbar hervorgeht
, das lebendige Intereffe des Lefers zu wecken und
bis zum Schluffe rege zu erhalten.

In der Aufhellung des Literarifchen ift G. in feinem
Element. Wie er fchon die breitangelegte und durch
ein ,Zwifchenfpiel' erweiterte Expofition darlegt und die
Haupthandlung mit ,Spieler' und ,Gegenlpieler' bis in
alle Einzelheiten verfolgt, auch ätiologifche (18. 24) und
märchenhafte Züge (jf. II, 28f. 33. 54. 75) der Erzählung
aufweift, ift fehr reizvoll zu lefen. Der gegenwärtigen
D.irftellung foll eine einfachere Volkserzählung zugrunde
liegen, die nur den einen Plan Hamans, Mordechai mit
allen andern Juden zufammen zu vernichten, gekannt
haben könne (31): darin nimmt G. eine Beobachtung
Erbt's wieder auf; aber während jener daran eine Quellenkritik
gefchloffen hatte, weift G. mit Recht die Einheit
nach, freilich zugleich zeigend, wie der Erzähler im Intereffe
gesteigerter Wirkung die größere Gefchloffenheit
der urfprünglichen Kompofition preisgibt (31. 54). Überhaupt
ift G. nicht blind dagegen, daß das liftherbuch
kein wahres Kunftwerk ift. Das kann es fchon nach den
Stimmungen nationalen Haffes und Egoismus, aus denen
es geboren ift, nicht fein (76); zudem find die Gegen-
fätze, mit denen der Verfaffer ftändig arbeitet, zu fchrei-
end und das ganze fo zuftande gekommene Gemälde zu

gut Befcheid gewußt, daß die Annahme nahe läge, er fei
überhaupt in Sufa zu Haufe gewefen (S. 59). Aber wenn
ich z. B. die von Koldewey (das wiedererftehende Babylon)
mitgeteilten Pläne der Burg zu Babel vergleiche, fo finde
ich die im Eftherbuch "enthaltenen lokalen Angaben damit
ebenfo wohl vereinbar: das fagt mir nur, daß fich die
Anlage des altorientalifchen Königspalaftes im Prinzip
überhaupt gleich bleibt, wie denn z. B. — das bemerkt
G. S. 3 felber — zu einem jeden der Gartenhof gehört.
Damit verliert G.'s Schluß an Sicherheit. Allerdings
kann er wiederum die im Ganzen lebendige und wie es
fcheint zuverläffige Schilderung der Zuftände des per-
fifchen Hof- und Staatslebens in die Wagfchale werfen
(59ff.). Aber wenn er die Neigung, diefe Schilderung für
wefentlich treu zu halten, damit begründet, daß man an
den angeführten Beifpielen fehe, wie das Leben immer
wieder dasfelbe hervorbringe (64), fo ift gerade hier der
umgekehrte Schluß möglich: weil das Leben immer
wieder dasfelbe hervorbringt, hat der Verfaffer, was er
von perfifchen Verhältniffen ausfagt, felber vielleicht nur
an nachperfifchen beobachtet! Gegen Abfaffung in per-
fifcher (allerfpäteftens erfter griechifcher) Zeit, für die G.
eintritt (86), könnten fchon feine eigenen Sätze ftutzig
machen, daß der perfifche Staat ein Kulturftaat war, deinen
Pöbelausfchreitungen nicht ohne Weiteres gefallen
ließ, und daß fich, fo weit wir wiffen, eine allgemeine
Judenverfolgung im Perferreich niemals ereignet hat (72).
Ein Haupthindernis für fo frühe Datierung fehe ich aber
befonders in der auch von G. richtig beobachteten Tatfache
, daß fich das Purimfeft in der Zeit zwifchen der
Abfaffung der beidenMakkabäerbücher, d. h.c. IOOv.Chr.,
in Paläftina durchgefetzt hat (85). Das würde gegenüber
feinem Aufkommen im Offen einen Zwifchenraum von
über zwei Jahrhunderten bedeuten, was doch fchwer glaublich
ift. So viel bleibt aber zu Recht beliehen, daß Feft
und Buch ihren Urfprnng im Offen haben.
Göttingen. A. Bertholet.

Baß, Dr. Ernft: Die Merkmale der ifraelitifchen Prophetie nach
der traditionellen AuffalTung des Talmud. Abgeänderte Ausg.
d. bei d. deutfehen Univ. in Prag überreichten DiiT. (45 S.)
gr. 8°. Kirchhain (1917). (Berlin, L. Lamm.) M. 1.50

Obwohl durchweg, z. T. fehr viel fpäter als das N. T., kann
immerhin, wie u. a. Gerhard Kittel (Jefus und die Rabbinen, S. 29)
richtig bemerkt hat, die talmudifche Literatur manches Licht auf
jüdifche Vorftellungen der Zeit Jefu über die Prophetie werfen.
Die vorliegende (leider durch viele Stil-, Schreib-, Satz- und
Korrekturfehler cntftellte, auch inhaltlich öfters anfechtbare)
Arbeit gibt wenigstens die Quellen für die Gewinnung diefer Vorftellungen
und für ihre Beurteilung wohl vollftändig an, ohne fie
m. E. voll und ftets richtig auszunutzen. Außerdem verwendet
der Verf. z. T. fehr fpäte Schriftwerke als talmudifch. So viel
ift herausgearbeitet, daß die talmudifche Literatur im allgemeinen
den Schriftgelehrten (Rabbinen) die Eigenfchaft der Prophetie im

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