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Ausgabe:

1918

Spalte:

49-51

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Neubauer, Jakob

Titel/Untertitel:

Bibelwissenschaftliche Irrungen 1918

Rezensent:

König, Eduard

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitlUS und Professor D. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich IO Mark

„ _ , Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find au sfchlie ß 1 i c h an _ , imo

43. Jahrff Nr 4'5 Profeflbr D. Titioi in Güttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden, 23. FeDrliar lylo

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Neubauer, Bibehviffenfchal'tliche Irrungen

(Ed. König).
Venetianer, Afaf Judaeus (Bifchoff).
Huyskens, Die Klöfter der I.andfchaft an der

Werra (Lerche).
Jahrbuch für Brandenburg. Kirchengefchichte,

Huch, Jeremias Gotthelfs Weltanfcbauung

(W. Köhler).
Hör mann zu Hörbach, Zur Würdigung

des vatikanifchen Kirchenrechts (Sehling).
Cohn, Führende Denker (Schufter).
Külpe, Immanuel Kant (Schufter).

14. Jahrg. (O. Clemen). | Cohen, Der Begriff der Religion im Syftem

Beitrage z. fächf. Kirchengefcli., Heft 30 (Derf.). der Philofophie (Troeltfch).
Bezzel, Luther. Bismarck (Schufter). | Boehmer, Logik (Jordan'.

Religiöfe Kriegsliteratur (Schian).

Nietzfches Briefwechfel mit Franz Overbeck
(Strunz).

Kämpfe, Der Streit um die Schulaufficht
(Knoke).

Mitteilungen: 1. Prof. Gregorys handfchriftl.Nach-
laß (Schmiedel). — 2. Eine neu entdeckte
Ambrofiafter-Handfchrift ? (Jülicher).

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Neubauer, Jakob: Bibelwillenlchaftliche Irrungen. Ein Beitrag
zur Kritik der altteftamentl. Bibelkritik an der
Hand e. gerichtl. theolog. Gutachtens. (247 S.) gr. 8°.
Berlin, L. Lamm 1917. M. 4.50; geb. M. 6 —

Daß auch in neuefter Zeit auf jüdifcher Seite die

bf, wie auch tt vorher me heißt (Gn 18,14 ufw.); b) hinter
mFr bekommt eine Litera t"iEO"TW ein Dagefch lene,
auch wenn kein trennender Akzent dazwifchen fteht (Pf.
2,11 ufw.); c) fo oft ijutt felbft vorhergeht, wird ftatt mjT»
vielmehr mit den Vokalen von elohim punktiert (Gh

Luft zu Angriffen gegen die neuere Bibelkritik lebendig j 15,2 ufw.). Wie ferner die Kurzformen jahu ufw. die

ursprüngliche Ausfprachejahwe bezeugen, kann z.B. aus der
Darlegung in meinem Wörterbuch 143 ab erfehen werden,
während gegen Gef.-Buhls Ableitung von hm aus im für im
mit Recht Alfr. Rahlls in ,Zur Setzung der Lefemütter 'im
A. 17 (Nachrichten der Gött. Gef. d. Wiff. 1916, 331)
fich gewendet hat. Nachdem diefer erfte Angriff N.'s
wegen feines allgemein intereffierenden Gegenftandes etwas
ausführlicher behandelt worden ift, kann feine nächfte
Behauptung, daß die Vokalzeichen des Hebräifchen fchon
feit ,Jfraels zwifchenexilifcher Zeit'(S. 31) vorhanden ge-
wefen feien, nur mit einem einzigen Satze befprochen
werden. Er hätte wenigftens einen von den deutlichen
Sätzen beachten follen, die Hieronymus darüber gefchrie-
ben hat, nämlich z. B. zu Hab. 3,5: ,Pro eo, quod nos
transtulimus mortem, in Hebraeo tres literae sunt positae,
Daleth, Beth, Resch, absque ulla vocali, quae si legan-
tur dabar, verbum significant, si deber, peftem'. Was
wollen einem folchen Zeugnis gegenüber unfichere Redereien
?

Die zweite Front feines Kampfes wendet fich gegen
die literarilche Kritik namentlich des Pentateuchs. Dagegen
opponiert er von S. 49 an hie und da. Damit ift aber
auch fchon gleich die erfte Schwäche erwähnt, an der
diefer Teil feines Kampfes leidet. Zu einer irgendwie

ift, zeigt fich, wie an B. Jacobs Buch ,Quellenfcheidung
und Exegefe im Pentateuch' (1916) und an Dav. Hoffmanns
Auffätzen in der Zeitfchrift Jefchurun' (1917), fo
auch befonders an dem hier zu befprechenden Buche.
Diefes gibt gleich in feinem Titel kund, daß es ,die alt-
teftamentliche Kritik' kritifieren will. Der Leier desfelben
muß alfo von vorn herein darauf gefaßt fein, daß er auf
ein weites Kampffeld geführt werde, und dies ift in der
Tat der Fall. Gebe ich alfo einen Überblick über die
verfchiedenen Fronten diefes Gefechtsfeldes, indem ich
gleich auch meinerfeits zu feiner Kritik einige beurteilende
Bemerkungen hinzufüge.

Eine erfte Gruppe von Angriffen gegen die neuere
Bibelwiffenfchaft liegt in den Darlegungen, welche die ur-
fprüngliche Ausfprache des vierbuchftäbigen Gottesnamens
und das Alter der hebräifchen Vokalzeichen betreffen
(S. 19—38J. Da -wird zunächft allen Ernftes behauptet,
daß das Tetragramm von vorn herein Jehova ausgefpro-
chen worden fei. Und wie will er das beweilen? Nun
die ,Theodotionilche Translation' gebe zwar das Tetragramm
mit laße wieder, aber ,Theodotion' habe zumeift
aus famaritanifcher Quelle gefchöpft. Die Samaritaner
aber hätten felbft bei dem Endvokal gefchwankt, und
deren Ausfprache könne überhaupt nichts für die alt-

hebräifche Vokalifation und gegen die traditionelle Aus- j allfeitigen Beurteilung der Pentateuchkritik hat° er es

fnrache beweifen, wie diefe letztere im jerufalemifchen
Talmud (Sanhedrin X,i) belegt werde. Alfo N. fetzt
Theodotion für Theodoret, der bekanntlich in der Quaeftio
15 zum Exodus laße als die famaritanifche Ausfprache
des Tetragramms erwähnt. Auch bedenkt er nicht,
daß der a-Laut diefer Ausfprache das wichtige Moment
ift und nicht eine Schwankung der Samaritaner bei dem
Endvokal. Endlich unterfcheidet die zitierte Talmudftelle
(übrigens fol. 28 b, Z. 4—6) drei Dinge: Wie ,der Name'
nach feinen Buchftaben ausgefprochen wird; wie ihn die
Kuthäer (=Samaritaner) ausfprechen, wenn fie fchwören;
,er wird gefchrieben mit Jod, He und gelefen mit Aleph,
Daleth'. Alfo von der urfprünglichen Vokalifation der
Konfonanten rnST1 fagt die Stelle gar nichts, aber davon,
daß zur Zeit des Talmud diefe Konfonanten mit den
Vokalen von "OlX gefprochen wurden. Daß nun ebendaher
die Punktation des mm flammt, fodaß es Jehowah
ausgefprochen zu werden fcheint, ift noch in Gefenii
Thefaurus, p. 576 mit drei Tatfachen bewiefen: a) z. B.
3 lautet vorher ba und nicht, wie bei Jehowah es fein müßte,

keineswegs gebracht. Er meint, genug getan zu haben,
wenn er einzelne unzufammenhängende Sätze gegen fie
fchleudert Zweitens aber hat er fich nicht einmal die
Mühe genommen, ihre Annahmen kennen zu lernen.
Denn S. 188f. fchreibt er der neueren Pentateuchkritik
zu, daß fiejof. 23 und 24 vom Deuteronomiker herleite,
und gibt ihr deswegen einen Verweis, weil fie den den
Monotheismus betonenden Dt. zu gleicher Zeit ,in Jof.
24 über einen angeblichen Polytheismus Mofes' berichten
laffe. Auf S. 189 läßt er gar die Schöpfungsdarftellung
Gen. 1,1—2,3 vom Jahviften Mammen. Während er aber
für eine genügende Kenntnisnahme von der Pentateuchkritik
keine Zeit gehabt hat, befaß er genug Zeit und
Platz, um eine lange Reihe formaler Anwürfe gegen die
Vertreter der neueren Literarkritik drucken zu laffen:
S. 184 oben; 188 Mitte; 190T.; 194 oben; 210, überdies
noch dazu, ohne daß er fich dabei die Mühe nimmt, Belege
im einzelnen über die angegriffenen Perfonen und
Äußerungen zu geben.

Das dritte und hauptfächlichfte Gebiet aber, auf dem

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