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Ausgabe:

1918

Spalte:

33

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heinrichs, Rich.

Titel/Untertitel:

Der Heliand und Haimo v. Halberstadt 1918

Rezensent:

Bonwetsch, Gerhard

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33

Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 2/3.

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kritifche Schärfe in der Behandlung der Einzelfragen ift Das Buch ift aber in einer befonderen Tendenz ge-

bei dem Verfaffer nur fchwach entwickelt. So ift gleich j fchrieben. Es will den Nachweis erbringen, daß die
die Erörterung über den heiligen Lucius, den angeblichen j Societe du Sacre-Coeur mit dem Jefuitenorden nicht verStifter
des Bistums Chur, unbefriedigend (I, S. 11—29). j wandt zu nennen fei. Bekanntlich erftreckt flieh das
Bd. I, S. 56 wird eine Behauptung des Proprium Curiense j Jefuitengefetz vom 8. Juli 1872 nicht nur auf den Jefuiten-
(von 1646!) über einen Vorgang aus dem Jahre 540 (1) ! orden felbft, fondern auch auf ,die ihm verwandten Or-
als ,anf alter, begründeter Tradition beruhend' ohne wei- ; den und ordensähnlichen Kongegrationen'. Der Bundes-
teres übernommen. I, S. 66 Anm. 1 erklärt M. die von ! rat hatte in feiner Verordnung vom 20. Mai 1873 als

Kritikern wie Mever von Knonau, Wattenbach und Hauck
aufs ftärkfte in Frage geftellte Vita Fridolini für glaubwürdig
, ufw. Mittelalterliche Wundergefchichten werden
ziemlich naiv als gefchichtlich betrachtet, Legenden bisweilen
ohne irgendwelche Erörterung ihres gefchichtlichen
Gehaltes reproduziert. So ftellt das Werk im Ganzen

Jefuitenverwandte die Redemptoriften, die Lazariften, die
Väter vom heiligen Geifte und die Herz-Jefu-Damen bezeichnet
. Unter dem 18. Juli 1897 hatte er feine Auf-
faffung bezügl. der Redemptoriften und der Väter vom
heiligen Geifte wieder aufgegeben, die Lazariften und die
Societe du Sacre-Coeur aber hat er nach wie vor als

für die Gefchichtswiffenfchaft auf weite Strecken hin | Jefuitenverwandte betrachtet. Der Verfaffer verflicht den
eine kritifch nicht genügend verarbeitete Stofffamm- | Nachweis zu führen, daß diefe Anfchauung des Bundesrats
hing dar, die mit Behutfamkeit benutzt fein will. — Dem ] eine irrige fei. Wenn wir ihm auch hier in feinen ErBuche
find zwei hiftorifch-geographifche Karten und eine ; gebniffen nicht beizutreten vermögen, fo bleibt ihm doch
Menge von Illuftrationen beigegeben; die letztgenannten j das Verdienft, diefe fchwierige und intereffante Frage
fmd von recht ungleichem Wert. . einer gründlichen, ftreng-wiffenfchaftlichen Unterfuchung

Leipzig. Karl Heuffi. | unterzogen zu haben. Im Übrigen hat die Frage jetzt

durch die Aufhebung des ganzen Jefuitengefetzes ihre

Heinrichs, Rieh.: Der Hcliand und Haimo v. Halberftadt. (42 S.) 8". praktifche Bedeutung verloren.

Cleve, Fr. Boß Wwe. 1916. M. 1.50 j Erlangen. Sehling

Der Zweck der kleinen Schrift ift, als Dichter des Heliand

den Fufdaer und Hersfelder Mönch, fpäteren Bifchof von Halber- ' Löffler, Dr. Klemens: Die römilche Frage. Eine Orientierg.
ftadt Haimo zu erweifen. Der Verf. Rheim (ich bewußt geblieben uber inre Gefchichte u. ihre neueften Erörtergn. (Frankfurter
zu fein, daß er nur mit Hypothefen arbeitet. Hypothefe ift die zeitgemäße BroRhüren. 35. Bd., 11. u. 12. Heft.) (62 S.)
Gefchichte der Heliandhandfchrift mit ihren Wanderungen, Hypo- 8r- 8°- Hamm, Breer & Thiemann 1916. M. 1 —

thefe, daß Haimo von Rhaban als großer Dichter bezeichnet werde, Ein Bericht über die bisherige GeRhichte diefer Frage feit
Hypothefe endlich, daß Haimo RIbft den Heliand gedichtet habe, der Mltte <Rs vorigen Jahrhunderts, namentlich uber die einweil
(ich darin auffallend viele Anklänge an feine Homilien finden. > Ich lagigen VorkommmfR und Erörterungen im jetzigen Kriege.
Denn die übereinftimmenden Stellen gehen natürlich ftets auf die : Der aus Verehrung für den Papft erwachfene, aber Rhr unüber-
Kirchenväter, befonders Auguftin, zurück, wofür H. RIbft die ' IeEte Vorfchlag, DeutRhland folle feine Macht einfetzen, um die
3elege beibringt. Aber felbft wenn Haimos Homilien in der Tat ! Italiener dadurch zu ftrafen, daß wir dem Papfte den Kirchen-
im Heliand benutzt find, ift das noch kein Beweis für Haimos Baal wiedergeben, wird von L. als Erzeugnis der Kriegsprychofe
VerfafferRhaft. Was fonft zu deren Gunften angeführt wird, 1 abgelehnt; dem öfter ausgefprochenen Gedanken, der Papft müfle
trifft gewiß auf manchen Geiftlichen der Zeit und Gegend zu. an einem Friedenskongreß teilnehmen, hält er Rhr verftändig
Möglich ift es gewiß, daß Haimo der Helianddichter war, erwiefen ! entgegen: wir haben gar keine Intereffe daran, daß der Friede
ift es nicht. Daß der Heliand vermutlich in der Magdeburg- auf folchem Kongreß verhandelt werde. L.s katholifcher Stand-
Halberftädter Gegend entftanden ift, haben wir Rhön vorher ! punkt bindert ihn alfo nicht an Rhr unbefangener Darftellung;

gewußt.

Beriin-Dahlem. G. Bonwetfch.

feine eigene Meinung darüber, ob und wie die römifche Frage
lösbar fei, hält er vorflchtig zurück. Anfechtbar ift, daß S. 25
die Nachricht, die Unterredung Wilhelms II. mit Leo XIII. am
Henrich Priv.-Doz. Dr. Herrn.: Über Schenkungen an die Kirche. 12- Oktober 1888 fei gemäß der Abftcht Crifpis und Herbert
Akademifche Antrittsvorlefg. (62 S.) gr. 8». Weimar, H. Böh- Bismarcks durch den Prinzen Heinrich geftori worden einfach
laus Nachf 1916 M 2— ' Münze genommen wird — dazu lind die Quellen nicht

Ein wertvoller Beitrag zu dem in neuerer Zeit mehrfach i ficher 8enu8 ~'> auch von der S. 21 erwähnten Äußerung Wil-
behandeften Probleme des EinflulTes der Kirche auf die Ge- ! nelm >• gegenüber den preußifcben Maltefern, die Rharf über die
fchichte des deutRhen Privatrechts. Diefer Beitrag ift eines ; Wegnahme des Kirchenftaats urteilte, bezweifle ich, daß fte ausweiterer
, Ausbaues fähig und würdig und wird ihn wohl auch reichend bezeugt ift.

vom Verf. felbft erfahren, der die Gefchichte der Seelgeräte zu Kiel. H. Mulert.

fchreiben beabfichtigt. Gegenwärtig bietet er im Rahmen einer

akademifchen Antrittsvorlefung einen kurzen hiftorifchen Ober- i Völker, Priv.-Doz. Lic. Dr. Karl: Polen. (Volksfchriften zum
blick über die Behandlung der Schenkungen an die Kirche im I großen Krieg 77/78.) (36 S.) 8°. Berlin, Verl. d. Ev. Bundes
römifchen, und ganz befonders im deutRhen Rechte, gewiffer- 1916. M. — 20

maßen als Prolegomena zu dem geplanten größeren Werke, dem j Rendtorff, Prof. Dr. Franz: Polen. Unpolitifche Kriegsreife-
man nach der vielverheißenden Antrittsrede und Einleitung zu j bilder e. evangel. DeutRhen. 4. Taufend. (58 S.) 8". Leipzig,
urteilen, mit den allergünftigften Erwartungen entgegenfehen darf. ! j. C. Hinrichs 1916. M. — 80

Erlangen. Sehling. j Völker gibt in 4 Abfchnitten (das Zeitalter der Piaften, der

------ Jagelionen, des freien Wahlkönigtums, das polnifche Volk unter

Hillengaß. Rechtsprakt. Alfred |: Die Gefellfchaft vom ! den drei Teilungsmächten) eine kurze, manchmal für Unkundige
heiligen Herzen Jefu r(Societö du Sacre-Coeur de Jefus). j zu kurze Skizze der polnifchen GeRhichte. Er gedenkt dabei
Eine kirchenrechtl. Ünterfuchg. (Kirchenrechtliche Ab- | auch des Evangeliums und des Deutfchtums in Polen. Die Gegenwart
wird nur noch eben berührt, er will nur die gefchichtlichen
Vorausfetzungen zu ihrem Verftändnis Rhaffen. — Eine Rhöne
Ergänzung bilden Ren dtorf fs ReiRbilder. Er hat im Herbft 1915
im Auftrag des Guftav-Adolf-Vereins das unter deutfeher Verwaltung
flehende Polen bereift und befchreibt auf Grund von
eigenem Augenfchein oder von Berichten von Augenzeugen an-
Rhaulich und tief ergreifend die Zerftörungen des Landes und des
Lebens feiner Bewohner. In hiftorifchen Rückblicken erzählt er
aber auch die Gefchichte des Deutfchtums und des Evangeliums
in Polen, unterrichtet uns genauer über die Schickfale der deutRhen
Schule und Kirche im 19. Jahrhundert und ihren gegenwärtigen
Stand. Er verfchweigt nicht die Schuld des meift materiell ge-

**

handlungen 89. Heft.) (XXVI, 232 S.) 8°. Stuttgart
F. Enke 1917. M. 9—

Die Erftlingsfchrift eines auf dem Felde der Ehre
gebliebenen, vielverfprechenden jungen Gelehrten. Denn
gelehrt ift die Arbeit zu nennen und verdienftvoll zugleich.

Gefchichte, Verfaffung, und Recht der Gefellfchaft
vom heiligen Herzen Jefu (Societe du Sacre-Coeur die
Jesus) erfahren hier auf Grund eingehender Quellenforschung
eine klare und unfere Kenntnis vom Gefellfchaits-
M'efen der katholifchen Kirche in erfreulicher Weife bereichernde
Darftellung.