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Ausgabe:

1918

Spalte:

14-15

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holl, Karl

Titel/Untertitel:

Der Szientismus 1918

Rezensent:

Otto, Rudolf

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Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 1.

gezeigt. Es iß ein gutes Zeichen, daß gerade von diefem Buche ] Zu begründen und zwar vor allem die Entwicklung der
fo bald eine neue Auflage nötig geworden iß, ebenfo aber, daß , alten religiöfen Symbole, die Idee von der Verformung
der verehrte Verfafler eine ßarke Umarbeitung vorgenommen griechifcher Weisheit und johanneilch-chriftlicher Welthat
. Bei diefer iß z. B. ein belbnderes von den Konfirmanden ! anfchauuncr und den feften Glauben an Gott und die
und von der Konfirmandenßunde handelndes Eingangskapitel , TJnfterblichkeit der Seele Gott, Freiheit (Sittlichkeit)
vorausgefchickt, die Taufe an einer andern Stelle und in einer , Unfterblichkeit fmd die Ideale der Humanität. Alle
neuen Form behandelt, der Abfchn.tt vom ch^ ßlmhen Leben diefes Eine jft fa a„en
vollßandig erneuert, auch die Begründung und Erläuterung neu . & ., „, „. „Ä./^Jf- t,.c T „K»n
gegeben worden. Das alles dürfte eine wesentliche Verbefferung gingen. Das All hat felbftbewußtes, perfonhches Leben
bedeuten. Der von mir feiner Zeit gegebenen Kritik iß in wefent- Es gilt alles abzulehnen, was Fanatismus, Materialismus,
liehen Stücken irgendwie Rechnung getragen. Möge auch diefe Unbildung, Dogmatismus fordern konnte. Der Frei-
neue Auflage viele aufmerkfame Lefer finden und zur freudigen maurergedanke verlangt Treue gegen Staat und Regierund
fleißigen Mitarbeit ermuntern! ung und die Anerkennung der hohen fittlichen Werte.
Frankfurt a. M. W. Borne mann. Es handelt fich um Gefinnungsethik. Mit Recht betont

Keller abermals, daß das Freimaurertum kein Geheim-

„ ., . r . . i bund ift, fondein eine gefchloffene Gefellfchaft (ähnlich

Keller, Ludwig: Die geiftigen Grundlagen der Freimaurerei wie ein Staat 0rd Erwerbsgefellfchafu Die Verbrü-
und das öffentliche Leben. Gekrönte Preisarbeit (VIII, defun der Geifter fei der ficherfte Weg zur Weisheit,
171 S.) gr.8». Jena, E. Diedenchs. M. 2 —; geb. M. 3 - j d h Zur Überzeugung, daß Gott in uns und wir in ihm find.
- Die Freimaurerei. Eine Einführung in ihre Anfchau- Auch in döern&Buche von Otto Cafpari, das

ungswelt und ihre Gelchichte. (Aus Natur u. Geiftes- ■ mir in mancher Hinficht tendenziöfer gefärbt zu fein
V'e1^ Ä Bdchn-) A1' 147 ST 1 8 * u fl?Zlg' fcheint- kommt diefe Gedankenwelt gut heraus, es gibt
„ ,R <* leUfn%J9l4n- a«a 1 a I-2r; S ' 1,50 dnen Einblick in die philofophifche Denkweife der Frei-
Cafpari, Prof. Otto. Die Bedeutung des Freimaurertums. maurer und verfuchtFdas dement aller tief religiöfen
Eine Darlegung feiner EtJMKV Kelimon ^ Welten- ewigen Gefetze der Moral aufzuzeigen. Man vermag
fchauung. 3-verm. u.verb.Aufl. (XI, 268 S.) 8<> Berlin, Gott und die Welt niemals auch nu* dnen Augenbücg

^•-ri11^..!9.1^ _______, ^LApb.;M. 6.20 | zu trennen. Alles, was ift und Dafein hat, ift darum in

eine ewige Beziehung zu Gott als dem Unendlichen zu
fetzen. Alles, was da war und ift und alles Sein und
Werden befteht für alle Ewigkeit und für immer. Einzelne
Welten können untergehen, das Weltall in feinen

Bifchoff, Diedrich: Religion und Freimaurerei. Eine Zeit
betrachtung. (Tatflugfchriften, Heft 15.) (27 S.) gr. 8°.
Jena, E. Diederichs iyiö. M. — 50

Alle diefe vier Schriften, die in letzter Zeit erfchie-

nen find, bekunden eine recht gründliche Befchäftigung ! unendlichen Kräften als Weltordnung in und mit dem

mit der Gefchichte und dem Wefen des Maurertums und
können darum als gute Ergänzung der bereits vorliegenden
Literatur — ich erinnere an die Arbeiten von Ludwig
Keller, Herrn. Settegaft, Georg Schufter, Robert
W. Gould, Georg Kloß, Albin von Reitzenftein J. G. Findel,
das allgemeine Handbuch der Freimaurerei u. a. — benützt
werden. Ludwig Kellers Bücher gehören wohl
zu dem Berten, was wir aus deutfeher Feder über die
Gefchichte und Vorftufen des Freimaurertums, des Humanitätsgedankens
und feiner Kultverbände befitzen.
In beiden vorliegenden Arbeiten gibt er eine intereffant
gefchriebene Gefchichte jener Organifation, die feit Jahrhunderten
im Leben der abendländifchen Nationen lehr
deutliche Spuren hinterlaffen hat, eine Organilation, die
in wechfelnden Formen und in mannigfachen Abwand-

Höchften bleibt in Ewigkeit beliehen. Weder die Welt
kann ohne Gott, noch Gott ohne die Welt gedacht werden
. Was das Freimaurertum aller Zeiten als feinen
,Weg' und feine ,Kunft' bezeichnet hat, war ja die prak-
tifche Überzeugung von Gottes fchöpferifcher Kraft im
All oder Kosmos, jenes Gottes, mit dem die Seele des
Menfchen unmittelbar verkehren kann. Die Seele hat
Anteil an Gottes Wefen, ift aber ,erfchaffen' und darum
nicht Gott felber. Gottes Wefen ift allerdings ähnlich
dem Wefen des menfehlichen Geiftes. Durch Liebe (freiwillige
Selbfthingabe an den großen Zweck) vereinigt fich
die Menfchheit mit dem Göttlichen und führt das Reich
der Humanität (Tempel Salomos, Tempel der Weisheit,
Burg Gottes) herauf.

Die temperamentvoll gefchriebene Brofchüre von

lungen in die Erfcheinung getreten ift. Es ift bekannt, Diedrich Bifchoff behandelt Gegenwartsfragen und
wie weit Keller die Entftehung der Freimaurerei zurück- j hofft, daß nach dem Kriege das Maurertum noch
legt Er will fie bereits in den altonentalifchen Geheim- I viei mehr an der Geftaltung der Bildungsarbeit Angiften
angedeutet finden und man k^^^^^^ haben wird, an der Erweckung und Entfaltung
läge etwa folgende Stufen nachweifen: die pythagoräifch- ]enes ,idealiftifchen menfehlichen Trieblebens, das die
platonifche Gedankenwelt die platomfchen Akademien,
die Platoniker in Rom und das Emporkommen des Wortes
Humanität, die Cäfaren, das Chriltentum und die Gnofis,
Latomien und Loggien (Katakomben) und ihre Symbolik,

jenes ,idealiftifchen menfehlichen Trieblebens, das die
menfehliche Gefellfchaft zu einem Tempel des fittlichen
Schöpfergeiftes" zu erbauen trachtet, an einer verftärkten
Pflege des philofophifchen Intereffes und Wiffens und der
Förderung des .fittlich-religiöfen Bauwillens'. Keines-

Katharer, Waldenfer, Bauhutten die Anfange der Re- 1 wegs will die Freimaurergemeinde an die Stelle der
naiifance und die Kultgefelllchatten im 13. und 14. Jahr- . Kirche treten. Sie will nur Gefinnungsgemeinlchaft fein
hundert, die römilche Akademie und die altchriftlichen nicht Bekenntnisgemeinfchaft, eine Fleim- und Werkftatt
Katakomben im Zeitalter der Renaiffance, die Pflege der j idealiftifcher Schaffenskraft und Wahrheit aus dem feften
hermetifchen Literatur, die .Naturphilofophen' (Alche- ] Vertrauen auf das Beliehen einer Weltordnung. Alle
miften, Panfophen, Pantheiften), die Sozietäten des Huma- , diefe vier Schriften find von Freimaurern gefchrieben
nismus und der Sprachgefellfchaften, Johann Arnos Co- ; und weifen darum, wie es nicht anders fein kann o-ewiffe
menius die Anfänge der Großloge von England und die Einfeitigkeiten auf. Die freimaurerifche Idee durchwirkt
Grundidee der Freimaurer, Companies of Mafons und de das Ganze.

Societies of Mafons, die Begründer des englifchen Sy- Wien. F Strunz

ftems von 1717, Theophile Defaguliers, die Konftitution___._*_

von 1723, die neue Zeit und die Idee der Humanität^ und
Religionen. Kellers Darfteilung hat zweifellos viel Überzeugendes
, auch dort, wo_ man die Arbeits- und Hilfshy-
pothefe deutlich fpürt. Überall fleht feine Konftruktion
auf folider Grundlage und ift wiffenfehaftlich. Es gelingt
ihm auch, den geiftigen Gehalt der Maurerbewegung
aller Zeit gut herauszuftellen, gefchichtlich glaubwürdig

Holl, Prof. D. Dr. Karl: Der Szientismus. (31 S.) gr. 8°.

Berlin, J. Guttentag 1917. M. 1.25

Holl hatte fich zur Frage der ,Chriftian science' in
der Zeitfchrift für die gefamte Strafrechtswiff. Bd. 37
(1915/16) ausführlich geäußert. Von diefer Äußerung er-
fcheint jetzt ein Sonderdruck in Form unferer Schrift.
Sie ift fchlechthin des Berte, was mir über den ,Szien-