Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1918

Spalte:

331-332

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sträter, Hermann

Titel/Untertitel:

Das Männerapostolat 1918

Rezensent:

Schlosser, Georg

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

33i

332

fo fällt mein Blick immer wieder auf Gottfried Traub.
Diefelbe innige Vereinigung vaterländifchen und frommen |
Empfindens, derfelbe unerfchütterliche Glaube an Gott, ;
den Lenker der Völker, und an den Sieg der gerechten
Sache, derfelbe Glaube an unfer Volk und derfelbe
heiße Zorn über alles Niedrige und Gemeine in diefem
Volke. Aber auch die Unterfchiede fehlen nicht. Daß j
Arndt in feiner Anfchauung von Sünde und Verföhnung j
und in feiner Jefus-Anfchauung mehr fpezififch chriftlich
erfcheint, ift vielleicht nur Schein. Traub in feiner
wortkargen, herben, alles Gefühlige verfchmähenden Art,
redet von diefen Dingen viel weniger, als er fie empfindet.
Damit ift der Hauptunterfchied fchon angedeutet. In
E. M. Arndt kommt das Jünglingsmäßige, das Roman-
tifche (im guten Wortfinn) des damaligen deutfchen
Empfindens zu typifcher Darflellung. Er läßt fich un- j
bekümmert vom Strom ieiner Empfindungen forttragen,
gegebenenfalls auch von den Empfindungen des Haffes
(man denke an einzelne Stellen des Liedes: Der Gott,
der Eifen wachfen ließ). Traub ift ein augeprägt männlicher
Charakter, von herber Gehaltenheit, faft Ver-
fchloffenheit des Gefühls. Gewollte Überlegung und be- j
wußter Wille beherrfchen feine Empfindungen. Nie läßt |
er fich zu allgemeineren Haßausbrüchen hinreißen. Aber 1
wo er auf etwas wirklich Gemeines trifft: Lüge, Heuchelei,
Verrat, Scheinheiligkeit, Baralong, feige Mißhandlung |
Wehrlofer, Gräberfchändung, da fchüttelt er fich in körperlichem
Ekel, da ift fein Zorn vernichtend. Der Unter-
fchied zeigt fich auch im Stil; nicht Arndts ftrömende j
Perioden, fondern knappe Sätze, wie kantige Eifenblöcke. !
Traub ift für fich allein eine geiftige Großmacht in unferm j
Volk, wie einft der Freiherr vom Stein auf dem Wiener
Kongreß.

Hannover-Kleefeld. Schufter.

Sträter, Pfr. Dr. Hermann; Das' Männerapostolat. Seine
Bedeutg. u. prakt. Ausgeftatg. in der Jetztzeit. Zu- '
gleich e. kleiner Beitrag zur Gefchichte der Seelforge
Uli 20. Jahrh. (XI, 167 S. m. 1 Bildnis.) kl. 8°. Frei- j
bürg i. Br., Herder 1917. M. 2.40 j

Ein für Proteftanten recht lehrreiches Buch, obwohl, I
oder vielmehr vielleicht grade, weil es fo recht katholifch
ift. Auch die katholifche Kirche hat ihre Not mit der j
Lauheit und Gleichgiltigkeit ihrer Männerwelt. Sie hat
fie ja äußerlich und politifch ziemlich feft iu der Hand.
Aber — und das ift eine fehr erfreuliche Tatfache — fie j
begnügt fich damit nicht. Es geht ein, vor allem von
Papft Pius X., der Seeforgergeftalt unter den Päpften,
fehr angeregter, durch den Krieg mächtig geförderter Zug
nach Verinnerlichung, nach Vertiefung durch die katholi- i
fche Kirche. Wie eifrig und hingebend die katholifche j
Seelforge in allen möglichen Veranftaltungen und Organi-
fationen arbeitet,, davon gibt auch der kurze Überblick j
in diefem Buch einen Eindruck.

Vor allem charakteriftifch dafür find die euchariftifche
Bewegung und der Herz-Jefu-Kult. Mit beiden hängt der
Männerapoftolat zufammen. Es ift eine lofe Vereinigung
von Männern — zuerft von dem Verfaffer diefes j
Buches im Verfolg einer Volksmiffion in Krefeld im Jahre ;
1910 ins Leben gerufen, und dann unter ftarker Förderung
feitens der Bifchöfe und der Priefter rafch über die ganze
Kirche verbreitet —, die fich zu eifriger Beteiligung an
der monatlichen ,Sühnekommunion' der Männer am Herz-
Jefu-Sonntag verpflichten. Dazu kommen zwei weitere
Verpflichtungen: ,1. Mannhaftes Eintreten für die Sache
Chrifti, feiner heiligen Kirche und feines Stellvertreters; I
2. die täglichen Gebete, Arbeiten und Leiden dem Herzen j
Jefu zu weihen'. Es fpielt dabei neben der myftifchen 1
Schätzung der Euchariftie noch das praktifche Intereffe
mit, die Männer zur Beichte und damit unter die priefter-
liche Seelenleitung zu bringen. Nach den über alles Er-

1 Warum ,das' ft. richtig ,der'f

warten großen Erfolgen werden weitgehende Hoffnungen
auf die weitere Ausbreitung des Apoftolats gefetzt, um-
fomehr, als man, was fchon im Namen ausgedrückt fein
foll, von der Werbekraft des Beifpiels vieles erwartet.
Gradezu überfchwangliche Erwartungen werden von dem
Einfluß, der von der regelmäßigen Kommunion auf die
Kindererziehung ausgehen foll, gehegt.

Kein Wunder, daß man auf katholifcher Seite weithin
von einer hoffnungsvollen zukunftsfreudigen Siegeszuver-
ficht erfüllt ift, zu der die Unficherheit und die Sorge,
mit der man auf der evangelifchen Seite vielfach in die
Zukunft fieht, in trübem Gegenfatz fleht. Da mögen uns
Bücher, wie diefe, und Erfcheinungen, wie fie hier ge-
fchildert werden, vor der Verfuchung bewahren, die ka-
tholifchen Methoden der Seelengewinnung und Seelenleitung
nachzuahmen. Wir empfangen daraus doch wieder
den ftarken Eindruck, daß das, was auf katliolifcher Seite
als Stärke wirkt, immer die Kehrfeite ihrer Schwäche und
nur durch Annahme dieler Schwäche zu erkaufen ift, d. h.
durch Preisgabe deffen, was grade unfere Stärke ift.

Auch da, wo man Verinnerlichung eritfebt, geht man doch immer
den Weg von außen nach innen. Es lind doch vorzugsweifc fachliche
Mittel, durch die man wirken will; allerdings lolche, die als geifterliillt
gedacht und empfunden werden, fei es in Geftalt von Symbolen, fei es
als Träger übernatürlicher Gnaden. Wie Baumgarten in feiner ,Ev. Freiheit
' (1918 Heft 1, S. 29) fich ausdrückt: .Hier fetzt die Er/iehungs-
politik ein, die Religion fakramentlich-liturgifch dem Volk beizubringen
lieh getraut'.

Damit hängt das andere zulammen, wie ftark die Methode der
Seelenlcitung auf die Mafien, eingcflellt ift. Da die Vollkommenheit
den im befonderen Sinne Keligiolen vorbehalten iß, fo darf man bei
der Malle der menrchlicben Schwachheit klug und praktifch Rechnung
tragen. So wird S. 58 dem Männerapoftolat nachgerühmt, daß er den
Männern das Beichten erleichtere. ,Der Mann fitzt nicht gerne vereinzelt
am Beichtftuhl, er fühlt fiel) eilt dann heimifoh, wenn er fich
in laugen Reihen drängen kann'. .Demut muß fein, aber ift es nicht
fchiin, wenn man die Übung diefer an Reh fchweren Tugend dem
Manne erleichtert?' Auch das fonft üblich« Mittel, Reichte bei einem
fremden l'riefter, etwa durch Tauich unter benachbarten l'farrern, wird
empfohlen, auch eine etwaige Kontrolle des Kommunionbefnchs der
Mitglieder erwogen, aber nur nach langer Rerückfichtigung der Ver-
hältniffe.

Diefe volkspadagogifche Meillerfchaft ift die Stärke
der katholifchen Kirche. Eben darum hat Fie die Maffen
und übt ftarken Pünfluß auf fie. Die Tragik des Pro-
teftantismus ift es aber, daß er von der Gefchichte dies
Problem der Maffenkirche überkommen, ohne auch die
zu feiner Löfuug tauglichen Mittel übernehmen zu können.
Mit unferen geiftigen Mitteln des Wortes und der perfön-
lichen Beeinfluffung find wir immer wieder aiigewiefen,
uns an den Einzelnen und an feine freie Überzeugung
zu wenden. Da drohen uns zwei Gefahren, auf der einen
Seite, daß wir allzu fpiritualiftifch werden, auf der anderen,
daß wir verfuchen, mit allerlei fchwächlichen Surrogaten
zu arbeiten. Dies Buch in feiner fchlichten fachlichen
Darfteilung folgerichtiger katholifcher Art kann uns wohl
mit tiefem Refpekt vor dem Ernft und dem Eifer, mit
dem auf katholifcher Seite an der Verinnerlichung des
kirchlichen Lebens gearbeitet wird, erfüllen und uns willig
machen, mit folchen Leuten da, wo fich die Gelegenheit
gibt, zum Wohl unferes Volkes zufammen zu arbeiten, es
zeigt uns aber doch, wie fremd uns katholifche Art ift,
und bringt uns unfere uns von Gott gegebene Eigenart
zu frohem Bewußtfein.

Frankfurt a. M. Georg Schloffer.

Schweizerifbhe Theologifche Zeitlbhrift. Red. v. Pfr. Aug. Wald-
burger. 34. Jahrg. 1917. (272 S.) gr. 8". Zürich, Beer & Cie.

M. 6 —

Die umfangreichfte Arbeit innerhalb des 34. Jahrgangs diefer
Zeitfchrift ift die äußerft anziehend gefchriebene, knappe Über-
fetzung und Auslegung des Propheten Arnos durch den Züricher
Altteftamentler Ludwig Köhler; es werden die 146 maforetifchen
Verfe in 56 kleinfte Einheiten zerlegt, inhaltlich geordnet, text-
kritifch fixiert und zu einem plaftifchen Lebensbild verarbeitet.
Dem Gebiete des Neuen Teftamentes gehört ein kritifches Referat
von Ed. Vifcher-Bafel über .Paulus im Lichte der neueften For-
fchung' an einfetzend mit Wrede und über Brückner, Heitmüllei,