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Ausgabe:

1918

Spalte:

325-326

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stange, Carl

Titel/Untertitel:

Wunder und Heilsgeschichte 1918

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 191S Nr. 25/26.

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tiftifch im Sinne der .kleinen Herde', fondern möglichft j land, befchäftigt hatten. Hin betrachtlicher Teil feiner
volkskirchlich gerichtet. Charakteriftifch ift vielmehr ein j Schrift bewegt fich in Auseinanderfetzungen mit ihnen, in
ausgeprägter Pofitivismus der Schrift, oder richtiger, der j erfter Linie mit Wendland; diefer polemifche Einfchlag,der
paulinifchen Lehre und der kirchlichen Sitte gegenüber. zu häufig mit der politiven Darfteilung verflochten ift,
Wie ausgeprägt diefer Pofitivismus ift, zeigt die j beeinträchtigt nicht feiten die Gefchloffenheit und Klarheit
geiftig ftärkfte Leiftung in I. II. der Vortrag von Bifchof der eigenen Ausführungen des Vfs., die man nicht ohne
Oftenfeld ,Ich entfage — ich klaube'. Hier wird ein fehr ; Mühe aus den mit den Gegnern geführten Gefprächen
energifcher Verbuch gemacht, eine vom Pharifaismus nicht ; herausarbeiten muß. Die eigentliche Bedeutung des Wunders
ungefährdete, konfervative Gemeinde zu einem volunta- ' findet Stange darin, ,daß ein einzelnes Gefchehen in der
rittifch vertieften, an der fchenkenden Gnade als Zentrum Welt dem Menfchen den perfönlichen Heilwsillen Gottes zum
orientierten GlaubensbegrifT zu erziehen. Aber ausge- Bewußtfein bringt' (45). Im Gegenfatz zu Wendland begangen
wird von folgendem: Vom Glaubensbekenntnis müht fich der Vf. um eine ltrenge Abgrenzung der Wunder
Poll geredet werden, weil es das Tauf bekenntnis ift. .Die : der Heilsgefchichte gegenüber den noch gegenwärtig rtatt-
Taufe ift immer der Zugang zu Chrifti Gemeinde gewefen, findenden Wundern, namentlich den Gebetswundern. Der
wie Jefus felbft es befohlen hat' (Matth. 28, 19). .Wenn ( Unterfchied, den er zwifchen beiden ftatuiert, ließe fich
er es <refa"t hat. fo muß man unbedingt folgen, weitere nicht ohne Zwang oder Willkür aus den Urkunden der
Gründe brauchen wir nicht'. Daß an diefem Punkte fehr Heilsgefchichte felber begründen; er foll darin beftehen,
fchwierige Wahrheitsfragen liegen, wird einfach nicht in j ,daß jene heilsgefchichtlichen Wunder in gefchichtlichen
Betracht gezogen. Traditio locuta est. Ja, da wird nicht I Zufammenhängen auftreten, die für das Heil der ganzen
nur das kritifche Wahrheitsempfinden, fondern die fchlichte : Menfchheit bedeutungsvoll find, wahrend dagegen die
Keellität des Denkens einlach ausgefchaltet, denn der Wunder der Gebetserhörung nur das perfönliche Heils-
Redner fährt fort: .Wenn wir aber durch Erlebniffe unferer : verlangen der einzelnen Seele berühren' (49). ,Wie leicht
Zeit es praktifch bekräftigt bekommen, daß die Taufe wäre es nachzuweifen, daß unter den in der biblifchen
als Eingang in die Gemeinde nötig ift, fo treibt uns das Überlieferung berichteten Wundern eine gewaltige Zahl
noch mehr zum Gehorfam gegen des Herrn Gebot'. Als 1 die hier als Kriterium aufgeftellte Probe nicht beftehen
Beweis' wird erzählt, daß die Heilsarmee in Indien in I könnten! Andererfeits hat St. bei den Gegnern manche
vielen Orten mit Erfolg Erweckungspredigten gehalten | fchwache Punkte aufgedeckt, und feine Kritik dürfte in
habe und dann weiter gezogen fei. Als fie wiederkam, vielen Fällen zutreffend lein. Z. B. Seite 43: .Entweder
war die W irkung verweht. Warum? ,Weil fie nicht ge- wir berufen uns immer auf die „Analogie der Erfahrung''
tauft hatten'. Das wird wie ganz felbftverftändlich ge- • und dann kann felbftverftändlich auch von der „Einzig-
fagt. Auf die Möglichkeit, daß die Erziehung fehlte, 1 artigkeit" der Perfon Jefu in fittlich-religiöfer Beziehung
auf die alte Miffionserfahrung, daß die römifche Taufe j nicht die Rede lein; oder wir geben zu, daß die „Analogie

oft diefelbe Wirkung hat, wird gar nicht reflektiert. Bei
Oftenfeld ift diefe Ausfchaltung des gewiffenhaften Denkens
immerhin erträglich, weil fie nur im Ausgangspunkte

der Erfahrung1' gegenüber der fittlich-religiöfen Perfön-
lichkeit Jefu nicht anwendbar ift; dann ift nicht einzufehen,
warum feine Einzigartigkeit fich nicht auch in feinem Ver-

iegt, von dem aus der Redner zu religiös wertvollen | hältnis zur Natur offenbaren foll'. — Daß das hier behan-

Ausführungen weitergeht. Anders liegt es bei Joer- j delte Problem eine dankenswerte Förderung erfahren

hat, wird auch derjenige zugeben, der fich mit zahlreichen
Äußerungen des Vfs. nicht befreunden und auch eine Reihe
feiner Beweisführungen und Ergebniffe ablehnen muß.
Straßburg i. E. P. Lobftein.

genfens Ausführungen über den Auferftehungsglauben
Da ift diefer Pofitivismus das Ziel. Alle Vifionstheorien
werden abgewiefen. ,Wir müffen beftimmt daran feft-
halten, daß die Auferftehung eine hiftorifche Seite hat.
Himmel und Erde berühren fich hier, und der aufer-

ftandene Erlöfer hat fich offenbart, nicht bloß in Ge- j Lippert, Peter, S. ].: Ciedo. Darftellungen aus dem Gerichten
und Träumen, fondern in greifbarer Weife, fo- I biet der chrifti. Glaubenslehre. 3. Bdchn. Gott und die
daß die Jünger wirklich ihn fahen und hörten, ja ihn | Welt. 1. u. 2. Aufl. (Buchfchmuck v. Adf. Kunft.) TU,
betafteten und ihn effen und trinken fahen.' Man hat 160 S.) kl. 8°. Freiburg i. B., Herder 1917.
bei diefer Abhandlung einen ähnlichen Eindruck, wie bei I Pappbd. M. 2.20; Leinw. M. 2.60

katholifchen Autoren. Sie kennen alle Probleme, aber , Das dritte Bändchen diefer .Darftcllungen aus dem
das Refultat ift eine ziemlich reftlofe Wiedergabe ver- , Gebiet der cbriftlichen Glaubensichre' handelt von der
gangener Anfchauungsweifen. Noch bedenklicher wird j Kosmologie, nach den Grundfätzen der katholifchen Dog-
diefe Methode, wenn man in dem Beitrage von Effing | matik, deren Stoff der Vf., wie in den zwei elften Bändchen,
lieft, daß es das Streben diefes Kreifes ift, den Schutz, j aus der heiligen Schrift, diefem .wahrhaften Weltbuch'
den bis jetzt noch der Staat allen kritifchen Richtungen 1 (122), fchöpft, indem er felbftverftändlich zur Deutung der
gewährt, zu Gunften einer kirchlichen Lehrzucht unwirk- biblifchen Gedankenwelt, die Ausfprüche der Kirchenväter
tarn zu machen, auch dann, wenn die Gemeinde für den ! und die Befchlüffe der Konzilien heranzieht (13. 17. 27.
Prediger eintritt. Bisher haben diefe Seiten der Bewegung 84. 95. 106. 147). Lobenswert ift die von ihm geübte
nicht vermocht, auf die in ihr lebendige, tiefe Religiöfität, i Befchränkung auf das religiöfe Gebiet: ,der naturwiffen-
wie fie fich in der Tormfchen Schrift ausfpricht, nach- j fchaftliche Inhalt des Schöpfungsberichtes gehört nicht in
teilig zu wirken. Wenn aber in fo wichtigen Dingen dem ! das Credo des Chriften'. (26. Vgl. 44. 57). Daher verzichtet
Gewiffen fein Recht nicht wird, ift die Gefahr der Ent- I L. auf die Verfuche verzweifelter HarmonifHk, die im Lager
urtung nahegerückt. Der Vortrag von Fibiger, mit feinen j einer durch die Theorie der Verbalinfpiration gebundenen
böfen Mißgriffen in bezu"- auf Ton und Gefchmack fcheint ' proteftantifchen Rechtgläubigkeit immer wieder auftauchen.

ein Symptom dafür zu fein
Lauenburg (Elbe). Schmidt.

Stange, Prof. D. Carl: Wunder und Heiisgelchichte. (Zeit-
u. Streitfragen des Glaubens ufw., XI, n/12.) (56 S.)
8°. Berlin-Lichterfelde, E. Runge 1917. M- 1 —

Im Anfchluß an frühere Veröffentlichungen (f. befon-
ders: Das Frömmigkeitsideal der modernen Theologie
1901, Naturgefetz und Wunderglaube I9I4) behandelt
Stange ein Problem, mit «lern fich in jüngfter Zeit einige

Für den wachstümlichen Charakter der biblifchen Offenbarung
bekundet L. an verfchiedenen Stellen ein volles
Verftändnis. Die Genefistradition von der Erfchaffung des
Weibes war ,ein offenbarendes Traumbild' (58— 59). —
Sonft find Anlage, Behandlung und Schreibart dieselben
geblieben wie in den bisherigen Bändchen.
Straßburg i. E. P. Lobftein.

Diekamp, Prof. Dr. Franz: Katholifche Dogmatik nach den Grundfätzen
des heil. Thomas. Zum Gebrauche bei Vorleren. u.
zum Selbftunterr. 1. Bd. 2. neubearb. Aufl. (X, 308 S.)'8»'
namhafte Theologen, vor allen W. Herrmann und J. Wend- j Münfter i. W., Afchendorff 1917. M. 4.60