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Ausgabe:

1918

Spalte:

321

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brandis, Carl Georg

Titel/Untertitel:

Beiträge aus der Universitätsbibliothek zu Jena. Zur Geschichte des Reformationsjahrhunderts 1918

Rezensent:

Clemen, Otto

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Seite 1

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Den Urfprung der Legende über die Berg wallfahrt, der zufolge ort V011 Zürich, lind hat als folcher das Cholerajahr 1867

die hl. Jungfrau in fchwerer Kriegszeit auf dem Warthaberg erfchiencn unfJ die demokratifcheil Verfafftingskämpfe erlebt, die kil-

M und in dem steine die Spuren ihre,- Füße und ^« ^3™ chenrechtlich die völlige Unabhängigkeit der Gemeinden

habe, worauf an der betreuenden Stelle eine Kapelle ei lichtet worden r_,.ri,,,.f„„ öu„ c u?-Jr r- r 1 j v

fei, erklärt K. folgendermaßen: Während des 1 rufr,teneiniäils 1425 hätten °i derten. Dem gegenubei verfocht F. mit Erfolg das gute

lieh die Bewohner Warthas in die Bergwälder geflüchtet, aut dem Gipfd Kecht der Landeskirche. ,Es müffen dem Staate nun ein-

des Warthaberges feien ihnen die alten Grenzzeichen aufgefallen und, mal Garantien geboten werden für die gehörige Durch-

da ihnen deren Herkunft hingft entfehwunden warv hätt^Jte ng^ bÜdung derer, die an unferm Volke arbeiten', oder: ,Der

etwas Wunderbares gedeutet _ Mit erfreulicher Lnvoreingenomnienneit t j ° . n ■ , , . r ... , '

zerpflückt K. die fromme^berhefliW aber er behauptet mehr als er Jndependentismus der Gemeinden kommt wefentheh nur
beweift. Im Grunde genommen hat er nur feftgeitcllt, — freilich dies < cten I larrern zugute; gegen die Willkür der Pfarrer find

der eigentliche /.weck der Untcrfuchung —, feit welchem Zeitpunkt die Gemeinden nur durch ihre kirchliche Organifation

die hl. Jungfrau zu Wartha befonders verehrt wurde, was zu w.llen an gefchützt'. Im Kriege 187O/7I machte F. kein Hehl aus

lieh^auch wertvoll ift Damit iftjedoc* «^^"k^^K-Zu leiner Sympathie für* Deutfchland, fprach aber fchon da-

lange nicht erklärt. De Überlieferung, aan ein uonme tue ivapeue 1 , E,,„r u r lu 1 ■ • rr w 1 •■

errichtet habe bietet m E. einen Anhaltspunkt hierfür und darf infolge- mals üen Wunich aus: ,wenn nun endlich die Zeit käme,

denen nicht fo ohne weiteres ,aus dem Bereich der Unterfuchung aus- in der die Völker keinen andern Wettkampf mehr kenn-

gefchieden werden', umfoweniger, als der Verl. das Vorhandenfein einer ten, als den Wettkampf auf dem Gebiet geiftigen Lebens

.böhmifchen' neben der .deutfehen' Kirche .11 Vi artha erwähnt Die Er- und materieller Entwicklung" Als lVäfldent der Svnode

Härnm, ,w ivmwallfahrt egcut e gründet lieh auf leere Vermutungen. 1. t- j„ • , .. 1,1~""& ' OJO 1 TV. . /"

idurung der Berg«autan g Völker hat das WIchtlye Werk der neuen Kirchenverfaffung

VVien- von l89S zu Wege gebracht; in feinen Synodalreden

fteckt, nach den mitgeteilten Proben zu urteilen, eine

Brandis. Carl Georg: Beiträge aus der Univerntätsbibliothek zu j 1 ^'weTtimlHrer ZT " b ■ 1 1 ' T
Jena Zur Gefchichte des Reformationsjahrhunderts. (Zeit- 1 ulie weitvolllter Anregungen; ich erwähne hier nur die
fchrift d. Vereins f. thüring. Gefell, u. Altertumskde., N. F. , .Gedanken über kitfchls Gefchichte des Pietismus', der
8. Beiheft.) (V, 84 S.) 8". Jena, G. Fifcher 1917. M. 2 — ; gegenüber er das Recht des religiöfen Gefühlslebens ver-
Es handelt (Ich in diefer Reformationsjubiläumsgabe um focht, oder über Duhms .Kosmologie und Relio-ion' (Viel-
fünrAufrätze zur Gefchichte des Humanismus und der wifTenfchaft- : , ; h| t ilt der Sohn :' Z°Z1a Kjll^11 " '
liehen Beftrebungen in Leipzig und Wittenberg. Im 1. wird eine Jeicnt teilt der bolm im zu ei wartenden Buche gerade
neue Quelle zur Relegation des Job. Rhagius Afticampianus von I f}™ tlieien Keclen noch Einiges mit?) Innerhalb der kirch-
der Univerfität Leipzig im Sommer 1511 (,Passio Esticampiani liehen Vereinigungen war F. die Seele der 1915 einge-
secundum Ioannem') veröffentlicht. Im 2. werden aus entlegenen gangenen fchweizerifch-kirchlichen Gefellfchaf't und hat
Quellen drei Bezeichnungen herausgehoben: SodalitasPolychiana ; h;er meifterhaft (f. S. 39D feine Mittelpofition treten Rechte
(genannt nach Martin Pölich von Mellerftadt , Sodalitas Leuco- : , t • 1 nhrxeWnzt- von Hi^fe,- <W„ »r ilff 1 /•
politana (genannt nach Wittenberg) und Coetus Albinus Lüne- . Einke abgegrenzt, von diefe fagte er tieffend, He
burgensis (oder Leucopolitanus?) und zu einander und zu der ! habe in fielt nicht genug kirchenbildende Kraft. Staunensübergeordneten
Sodalitas Celtica ins Verhältnis gefetzt. Der 3. j wert ift die wiffenfehaftliche literarifche Tätigkeit des fo
verbreitet fich im Anfchluß daran über den Namen Wittenberg viel befchäftigten Mannes gewefen. Zwingli fteht an erfter

bei den Humaniften. Am inhalts- und ergebnisreichften find der Stelle und er durfte uirli iSSc dem Vw-ferri; iv«„l___1

4. und 5. Auffatz. Im 4. wird der Nachweis geführt, daß nicht ?™l§ lü « d ™ a£™,'{"f dem /wvingh-Denkmal
erft unter Joh. Friedrich dem Großmütigen durch Veit Warbeck, d'e Weiherede halten. Dazu kommt dann die Wirkfam-
fondern fchon in den 90er Jahren des 15. Jahrhunderts in Torgau im Kantonsrat, foziale Tätigkeit (S. 66 ein vortreflliches
am Hofe Friedrichs des Weifen franzöfifche Studien getrieben Urteil über das gute Recht des Sozialismus trotz Abwurden
und zwar durch einen gewiffen Bernhardin Pfot aus lehnung alles Revolutionären); ,das arme und <>erino-e Volk
Eßlingen der bei der erften Wittenberger }m™«.r*"}*ti™JMZ fo]1 wiff daL; die Chriften ein Herz für es hab ,* An

als Parifer Magifter und Kanonikus von St. Florin in Koblenz . ... . , , ff ..... , . P .

aufgenommen wurde. Im 5. Auffatz werden die deutfehen Verfe 1» Allem eme ivah.haft gottgewurzeltc und darum freie
unter den Fürftenbildern im Schlöffe zu Wittenberg gewürdigt und weitherzige I erfonlichkeitl Der Verfafler diefes
,als Beweife für die Tatrache, daß bei allen humaniftifchen Schlul.lteile.s der Biographie kann des wärmften Dankes
Beftrebungen auch die Pflege der Mutterfprache am Hofe arter derer ffohg,. fein; die an Gefchichte und Entwicklung-
Friedrichs eine Stätte fand'. - Es ift fauberfte Kle-narbeit die ^ fchweizerifchen Kirchenwefens Anteil nehmen
hier vorgelegt wird. Man fchätze fie nicht gering! Es gehört 7i]rirh WolVw £ "Li

eine ausgebreitete Quellen-, Literatur-, Perfonal- und Sachkennt- zuuen. Walther Kohl er.

nis und ein großes Gefehick im Kombinieren dazu.

Yütau °- Clemen. Gaß, Dr. J.: Straßburger Theologen im Aufklärungszeitalter (1766 —
_________ D90). (XVI, 302 S.) gr. 8». Straßburg i. E., F. H. Le Roux &

Finsler, Pfr. Rud.: Diethelm Georg Finster,. der letzte An- _ Ad°ejige und Klerjker an straßbu Hochrchulen im xvilUahrh"

tiftes der zürcherifchen Kirche. 2. Hälfte. (117. Neu- <47 S ) gn 81_ Ebd- ,917 ^ »™-

iahrsblatt d, zücher. Hülfsgefelllchaft d.J. 1917-) (IV> — Der fränkifche Schriftfteller und elfärfifche Konftitutionspriefter
79 S m 4 Taf.) gr. 8«. Zürich, Beer &Co. 191«- M. 3 - G,eor8 Klarmann. (63 S.) gr 8«. Ebd. 1917. M. 1 -

TW cV,ui,,o*Ji H.Vfev Hinm-mhie des verehrten letzten ; ln dem Hauptwerk handelt es fich um die literarifche Be-
Dei Schlufiteil diefer Biogiaphie des v , tätjgung katholircher Theologen des Bistums Straßburg. Im

Züricher Antiftes flammt aus der Peder des Jüngeren Mittelpunkte rtehen die Männer der reit 1702 der alten ftädtifch-
Sohnes, des jetzigen Großmunfterpfarrers in Zürich. Aut l proteftantifchen entgegengeftellten Bifehöflichen Univerßtät, und
Vorarbeiten des verftorbenen Bruders konnte er fich nicht ; zwar in ihrer letzten Periode, in der die Jefuiten den Lehrkörper
(Eitzen aber er hat fich fo in den Geift des erften Teiles ; nicht mehr ftelle^n. Der Superior Jeanjean, der Dogmatiker Louis
1 1 11 u- ■ 1 ■<; t Ifi da= Gpn7f. xm* fin Werk ans und der Kanonift Dittench find die wichtigften Geftaiten. Sämt-

hebevoll hineingearbeitet, daß das Ganze wie ein Werk aus ,ich jefuitenfchüler, vertreten alle diefe Männer den ftreneen
einem Guffe erfcheint und der im Vorwort ausgeiprochene kjrchiichen Traditionalismus und bekämpfen von da aus die
Plan, die beiden Teile in Buchform herauszugeben, nur Auswirkungen des Aufklärungsgeiftes im deutfehen Katholizismus
freudig begrüßt werden kann: vielleicht kann dann noch ; (Ifenbiehl, Wiehrl, Febronianismus, Jofephinismus). Das ift darum
ein wenig über den Rahmen der Neujahrsblätter hinaus 1 von allgemeiner Bede^

ig j aen tvanmcu uv j Gel(l durcb dle EIFaffer Colmar und Liebermann nach Mainz ver-

ei weitert werden. pflanzt worden ift. Verf. bietet vor allem eine forgfältige Samm-

Die vorliegende Schilderung umlaßt die Jahre 1807— Iung des Materials. Die Darfteilung ift mehr breit als tief- ein
1899; es ift die Zeit der Reife, allenthalben fieht man Vertuen zu prinzipieller Würdigung und gefehichtlichem Ver-
die früher gepflanzte Saat emporfprießen und eine reiche fta^d™ der e»nander entgegenftehenden Richtungen ift nicht
koftbare Ernte bringen, auf allen fde" ^gieten die «emac^ ^ Verzeichnifre der adeligen und ba

Finsler bebaute, Theologie, Pfarramt und Kircnenpoii- ]icllen Kleriker und der fonftigen Adeligen, die an der Straßburger
tik, vom trauten Familienleben gar nicht zu reden. Er ! Bifehöflichen Univerfität ftudierten, zurammengeftellt nach der
war im edelften Sinne eine beherrfchende Perfönlichkeit, ! noch unveröffentlichten Matrikel von 1702—1790, wobei auch die
die die fehr fchwierigen Verhältniffe in Zürich zu meiftern i Stiftsherrn aufgenommen find, die gefchichtlich bemerkenswert,
vrf.rn-.^i -icaw - & • IcU c . r v„rf-n Trf>ft 1 an der ftadtifch-proteftantifchen Univerfität ftudierten: 2 den
verftand, weil er fie mit einer ungemein fcharlen Ire«- Lebens]auf eines frankifchen katho,ifchen Theologen deffen
licherheit erfaßte und in gefunde Bahnen zu lenken wuläte. anonymes, den Katholizismus vom feichteften Aufklärun'gsftand-
1867—1871 war F. Pfarrer in Wipkingen, damals noch Vor- punkte hahnebüchen befehdendes ,Katechismusbüchlein' (179p